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Klingenberg am Main
Klingenberg am MainFoto-Quelle: copy. u.m.k.

Schreibwerkstatt/Licht

Beitrag von wize.life-Nutzer

Sommerlicht

Ein geteerter Weg führt aus dem beschaulichen Dorf heraus. Im Licht der Mittagssonne heiße, flirrende Luft. Die nackten Füße in den Sandalen staubig, es hat lange nicht geregnet. Die feuchten Erdklumpen, von den breiten Reifen der Traktoren aus den Feldern auf den Weg gebracht, längst zerfallen zu Staub, der sich bei jedem Windstoß über den befestigten Weg verteilt und das satte Grün der Grasstreifen am Rand lehmfarben überzieht.
Wie ein Schachbrett machen sich die Felder aus durch die der Weg führt. Helles Gelb, fettes Grün, Honigfarben wechseln sich ab und immer wieder Kleckse von leuchtend rotem Mohn dazwischen. Darüber der blaue Sommerhimmel auf dem weiße Schäfchenwolken treiben. Die Landschaft leuchtet wie eine Bühne auf die bunte Scheinwerfer gerichtet sind um den Hauptdarsteller ins rechte Licht zu rücken.
Der befestigte Weg hört plötzlich auf. Ende der Zivilisation. Eine Wiese mit Apfel- u. Birnbäumen, kleine giftgrüne Miniaturen an den Zweigen lassen erahnen welcher Genuss es sein muss im Spätsommer über diese Wiese zu gehen. Fallobst, ein Biss in einen roten Apfel, klebriger, süßsaurer Saft über den Fingern.
Ein Trampelpfad führt über die Wiese und schließlich zwischen hohen Sträuchern hindurch. An manchen Stellen ist der Pfad fast zugewachsen, wilde, ungebremste Natur, in die das warme Licht der Sonne keinen Zutritt hat. Ein starker Ast, aus dem Dickicht hervorgezogen, hilft den Weg freizumachen.
Und dann die Belohnung. Der heimische Dschungel hört auf. Es wird hell. Wieder blauer Himmel mit bauschigen weißen Wolken, der Weg wird breiter. Rechter Hand der Hang mit ungemähten, kleinen, bunten Wiesen, darauf immer wieder Apfelbäume, alt, knorrig, aber dennoch bereit. Die Kuppe des Hügels bewaldet.
Linker Hand ein Zaun, dahinter der Weinberg, steil, mühselig, aber die Sonne einfangend. Nach der schattigen Wildnis eine angenehme Wärme und dann der Blick ins Tal, es hat sich gelohnt, vergessen die Kratzer von dornigen Hecken, die Brennnessel an den nackten Beinen, die Spinnweben über dem Gesicht.
Die kleine Stadt schmiegt sich an die Weinberge. Enge Gassen die immer wieder durch Torbögen zwischen den alten Fachwerkhäusern auf kleine, lichtdurchflutete Plätze mit Baumgruppen, Blumenrabatten und Bänken führen. Bunte Punkte zwischen den gutbürgerlichen Fachwerkfassaden.
An dem Städtchen vorbei, schlängelt sich der Main durch das Tal, ein besonderer Blickpunkt die Schleuse hinter der Brücke. Die Frachtschiffe, die darauf warten in die Schleuse einzufahren, sehen von hier oben aus wie Spielzeug.
Da packt mich Fernweh, der Wunsch nach Aufbruch und Veränderung, ich sehe die Schiffe und möchte gerne an Bord gehen. Einmal den Burgberg mit der Ruine vom Schiff aus sehen, in die enge Schleuse mit einfahren und dann weiter durch die Landschaft mit Weinbergen, Feldern, an kleinen Ortschaften vorbei und an Hügeln mit dunkelgrünen, schattigen Wäldern
Ich liebe dieses Stückchen Erde. Auf der Wiese sitzend, das Gesicht von der Sonne beschienen, die dunkle Trauben für den guten Rotwein reifen lässt. Hier kann ich träumen, den Alltag vergessen, mir romantisch versponnene Geschichten ausdenken, mich frei und glücklich fühlen, den blauen Himmel, mit den träge dahinziehenden weißen Sommerwolken über mir und den Fluss unten im Tal, der die Landschaft erst richtig zum Leben erweckt.

@ Ursula M.K.

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17 Kommentare

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Liebe Ursula, danke für diese schöne Beschreibung der sommerlichen Natur zwischen Himmel, Weinberg und Fluß, lg
Danke liebe Cara, schön, dass dir mein bescheidener Versuch die Landschaft zu schildern gefallen hat.
Ein schönes Wochenende wünscht Dir Ursula
Hallo Ursula,.......ich wünsche dir auch ein schönes wochenende
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Liebe Ursula, wunderschön beschrieben Dein Sommertag im Licht. Verrate mir bitte, wo Du da stehst am Main? LG Eva
Danke Eva, das Dorf aus dem der Weg führt ist Mechenhard u. der Weinberg von dem ich diesen Ausblick habe liegt oberhalb von Klingenberg am Main im Landkreis Miltenberg, bekannt u. A. durch seinen Rotwein u. dem hoffentlich letzten Exorzismus der in Deutschland 1976 durchgeführt wurde und der der jungen Frau, die dem ausgesetzt wurde, den Tod brachte.
Für mich eine Landschaft voller Kindheitserinnerungen.
Lieben Gruß von Ursula
Liebe Ursula, da bin ich als Kind immer vorbeigekommen und weiter in Richtung Walldürn, wo ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe LG Eva
Liebe Eva, was wieder einmal beweist, die Welt ist ein Dorf.
Nach Walldürn "wallen" die Katholiken aus dem Dorf bei Bad MGH, in dem ich jetzt lebe, jedes Jahr. Warum sie es tun wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Dazu hab ich noch eine kleine, amüsante Geschichte. Als meine Tochter ca. 3 Jahre alt war wohnten wir noch in Bad Mergentheim. Die Wallfahrer aus der Stadt kamen mit Musikbegleitung, Pfarrer unterm Baldachin u. Ministranten, fromme Lieder singend zurück aus Walldürn. Wir standen fasziniert von dem Schauspiel am Straßenrand u. meine Tochter, schon damals sehr musikbegeistert, fing begeistert von den Klängen der Kirchenmusik zu tanzen an. Ich seh noch heute die Blicke der völlig durchgeistigten Gläubigen, die nicht alle freundlich waren.
Mich hat es im Alter von 21 Jahren hier in die Gegend verschlagen. Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Augsburg u. je älter ich werde, desto mehr Heimweh bekomme ich, was ich früher nie kannte.
Ich wünsche Dir ein sonniges Wochenende
Schöne Geschichte, ja Walldürn ist das Madonnenländle. Überall sind dort Madonnen am Wegesrand und fruher auch Kreuze mit Christus. Meine ganzen Verwandten wohnen dort in der Umgebung. Kennst Du Königheim in der Nähe von Tauberbischofsheim. Auch eine Kusine von mir wohnt in Augsburg. Leider war ich dort noch nie.LG Eva
Königheim kenne ich. Dort habe ich bereits 3 x eine Führung durch das Naturschutzgebiet Haigertal mit gemacht. Ein wunderschönes Erlebnis. Ich habe einfach mal von der Internetseite Königheims einen Text kopiert:
"Für Naturfreunde längst kein Geheimnis mehr ist das Naturschutzgebiet Haigertal mit Langenfeld. Hier wachsen auf den steilen, sonnenüberfluteten Muschelkalkhängen zahlreiche geschützte Pflanzen, die reichhaltige Flora bietet zahlreichen seltenen Schmetterlingen und Insekten ein Refugium. Die Diptambestände werden als die größten Deutschlands bezeichnet. Typisch für die Trockenrasengesellschaft sind die Orchideen, die vom Frauenschuh über die Knabenkräuter bis zur Riemenzunge in mehr als 11 Arten vertreten sind."
Für mich war das eine Herausforderung, da ich als eine echte Lechebenepflanze unter extremer Höhenangst leide und die Wege durch diesen steilen Muschelkalkhang so schmal sind, dass man nur im Gänsemarsch dort laufen kann. Es war trotzdem wunderschön
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Hallo Ursula, mir gefallen deine Naturbeschreibungen außerordentlich gut, nur im ersten Satz wünsche ich mir das Partizip weg, es reciht einfach zu sagen "Ein geteerter Weg führt aus...... Das ist direkter formuliert und bringt dem Leser näher an das Geschehen.
Danke Martin, stimmt. Ich werde das ändern. Ich dachte auch schon, dieser Satz klingt irgendwie nicht richtig!
Martin, das ist eine alte "Krankheit" von mir. Sämtliche Deutschlehrer sind an meinen Schachtelsätzen verzweifelt
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Ursula,
eine sehr detailgetreue Beschreibung der wunderschönen Landschaft, kurzweilig und interessant geschrieben. Gefällt mir sehr gut!
Danke Inga, freut mich, dass dir meine Beschreibung gefällt. Einen Ausflug dort hin mit dem Schiff evtl. von Würzburg aus kann ich jedem empfehlen.
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ein toller Beitrag, der das Licht der Natur ganz wunderbar beschreibt.
Vielen Dank Brigitte, ich habe mich sehr über Deine positive Bewertung gefreut.
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