Mein Leben als Raucher

Beitrag von wize.life-Nutzer

Meine Lebenserfahrung als Raucher

So, zunächst wieder ein freudig- gutgelauntes "Moin", mit dem ich Euch allen hier einen recht guten und schönen Tag wünschen möchte.

Da wir, an dieser Stelle hier einen Mit- SBler dazu beglückwünscht haben, das er seit geraumer Zeit erfolgreich Nichtraucher ist, hat sich mir der Gedanke aufgedrängt, Euch ein wenig von mir zu erzählen.
Ich bin nämlich seit über vierzig Jahren bekennender Raucher, ich möchte mich Genussraucher nennen. Ich rauche Zigarillos tagsüber und am Abend genieße ich gerne eine gute Zigarre. Ich rauche dieses schwarze Kraut ohne Papier, also reinen Tabak.
Ich hatte vor nunmehr zweiundzwanzig Jahren mit 45 einen Herzinfarkt. Keinen schweren glücklicherweise, aber immerhin ein gewaltiger Schuß vor den Bug. Ich mußte auch nur drei Tage intensiv liegen und kam dann wieder auf Station. Es war im Sommer, so konnte ich die Freiheit nutzen, mich zur Cafeteria begeben und mir einen richtig feinen, lecker duftenden Kaffee reichen lassen. Ich setzte mich nach draußen in die Sonne, genoss nach drei Tagen Intensivstation diesen Kaffee "intensiv", dazu steckte ich mir "natürlich" einen Zigarillo an, lehnte mich behaglich zurück, schloß die Augen und ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen.
Grade als ich mich so wohlig diesem feinen Lebensgefühl hingab, riss mich eine unfreundliche Stimme in den Alltag zurück. Es war mein Stationsarzt, der mich nun "auf frischer Tat" ertappt hatte...
Die Maßregelung des Arztes war natürlich nicht nur berechtigt, sie war auch angebracht. Ich hätte mögen im Boden versinken. Für eine Rechtfertigung oder gar eine Diskussion fehlte mir jede Grundlage.
Ich hatte mein Rauchen bis dahin noch nie erklären oder rechtfertigen müssen.

Nunja, ich hatte meinen Infarkt gut überstanden, mich in der Reha erholt, den Nachtdienst aufgegeben, und fuhr hier in meiner Wohngegend tagsüber.
Ich hatte auch nie mehr Probleme mit der "Pumpe"

Zum Jahreswechsel 2001/02 ging es mir allerdings sehr schlecht, ich fühlte mich krank, matt und schlapp, alle Knochen, die gesamte Muskulatur taten mir weh. Inzwischen hatte ich das Taxifahren aufgegeben und fuhr für einen Flughafen- Zubringer- Service.
Als ich endlich meinen Hausarzt aufsuchte, diagnostizierte er Diabetes.
Das war natürlich ein Schlag ins Kontor.
Zunächst versuchte ich mit Tabletten meinen Blutzucker unter Kontrolle zu kriegen, aber schon nach kurzer Zeit ging ich auf Insulin- Behandlung über. Mir ging es aber, obwohl ich meinen Zucker nun unter Kontrolle hatte, einfach nicht besser. Meine ständigen Schmerzen waren schier nicht auszuhalten. Nur wenn ich in möglichst heißem Badewasser saß, ging es mir für eine Stunde etwas besser.
Ich ließ mich deshalb ins Krankenhaus einweisen. Dort sagte ich dem Arzt, daß meine Beschwerden wohl nicht alleine von der Diabetes herrühren könnten.
Ich hoffe, ich langweile Euch mit meiner (Teil-) Lebensgeschichte nicht allzu sehr.

Im Krankenhaus nun wurde eine verschleppte Borreliose diagnostiziert.
Das Zentralnervensystem und die Muskulatur waren angegriffen.
Auf die Gabe von Antibiotika hin, besserte sich mein Zustand ganz langsam. Die Schmerzen ließen nach, so daß ich schließlich auf Schmerzmittel verzichten konnte.
In dieser Zeit wurde auch wieder mein Herz mittels Leistenkatheder untersucht, mit dem Ergebnis daß, obwohl ich Raucher bin, die Herzkranzgefäße völlig frei sind. Auch beim anschließenden Lungentest, hat mir die Dame, die die Untersuchung durchführte nicht glauben wollen das ich Raucher sei.

Nun, nachdem ich insgesamt vierzehn Monate krankgeschrieben war,
war es ein unsägliches Hochgefühl, im März 2003 endlich wieder mit Fahrgästen auf dem Weg zum Flughafen sein zu können. Nach einem Gutachten durch den Arbeitsmediziner hatte ich meinen Personen- Beförderungsschein trotz Diabetes verlängern können.

Ich habe in dieser Zeit gelernt, das ich als Patient mündig sein muß.
Fragen, wenn ich etwas nicht verstehe, ist auch für den Arzt hilfreich und gewollt.
Bei Gesprächen mit dem Psychologen in der Diabetes- Schulung habe ich auch erfahren dürfen, daß man seinen Standpunkt als Raucher durchaus vertreten kann, das auch sollte.
Ich habe meinen Weg als bekennender Raucher gefunden.

Seit meinem Beitrag ist einige Zeit in's Land gegangen; wie es oft vorkommt im Leben, meine Frau leidet an Durchblutungsstörungen. Wir hatten ein schlimmes nächtliches Erlebnis, als wir meinten sie hätte einen Schlaganfall. Deshalb haben wir unseren Rauchgenuss beide stark reduziert. Nur das morgendliche Ritual mit Kaffee, Zigarette und Plauderstunde im Bett haben wir beibehalten. Diese schöne Stunde lassen wir uns auch nicht nehmen.