"Ich möchte die Wüste grün machen"
"Ich möchte die Wüste grün machen"Foto-Quelle: Sabine Depew

"Ich möchte die Wüste grün machen"

Beitrag von wize.life-Nutzer

Am Tag nach dem dreißigjährigen Klassentreffen fällt mir ein altes Jugendbuch von 1973 in die Hand: "Ich möchte die Wüste grün machen" von Elisabeth Malcolm. Das schmale Buch ist recht zerlesen und ich weiß noch genau, dass ich es als Jugendliche verschlungen habe. Die Hauptfigur, Andrea, erhält zu Ihrem 16. Geburtstag ein Tagebuch, in dem sie sich von nun an mit der Frage beschäftigt, warum die Erwachsenen so geworden sind, wie sie sind. Und welche/r Erwachsene eigentlich ein echtes Vorbild ist.

Andrea hat ihr Vorbild gefunden, eine Biologin, die mit einer speziellen Pflanzenart, Wolfsmilch, die Wüste begrünt. Ich frage mich, was waren unsere Ideale damals? Meine Ideale? Andrea kritisiert ihre Eltern, weil sie nur noch von Weihnachten bis zu den großen Ferien und dann von den großen Ferien bis Weihnachten leben. Und ihren Urlaub jedes Jahr am gleichen Ort mit denselben Menschen verbringen.

Dreißig Jahre später schaue ich in die Runde meiner Klassenkameradinnen. Ist jemand wie Andrea dabei? Ist sie tatsächlich Biologin geworden? Und wäre sie ihren Idealen heute als 57jährige noch treu?

Welche Ideale haben wir heute? Gibt es noch etwas anderes als nach den großen Ferien auf Weihnachten zu warten? Mein Eindruck ist: ja! Vielleicht auch, weil wir als Kinder der Siebziger Jahre von solchen Büchern und Menschen geprägt wurden, die, wie Andrea, mehr vom Leben erwarteten.

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