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Hänschen

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 29.08.2014 - 09:56 Uhr

Ich wurde gebeten, die Fortsetzung von Hänschen und Marie zu zeigen, die es schon länger gibt. Wer den ersten Teil lesen möchte, findet ihn hier: https://www.seniorbook.de/themen/kat...n-und-marie

Hans war zurückgekehrt an die Stätten seiner Jugend. Es war ein lautes Wiedersehen mit seinen Freunden im "Catharinenberg". Viel Bier, ein paar Braune, Schulterklopfen und markige Sprüche: "Ja, wir waren Helden damals", grinste er in sich hinein.

Horst sah man das gute Leben an, seine Leibesfülle stand seiner Größe in nichts nach, und mit seiner lauten, polterigen Stimme beherrschte er den Raum. Siggi saß wie eh und je mit einem Sportanzug und schon leicht glänzenden Augen dabei. Auch Herman war da, ehemals der Eitelste von ihnen und Joe genannt wegen seiner Cowboystiefel; lange Haare hatte er damals, heute waren sie fast alle weg und schon ziemlich grau. Martina, gerade - wie Thomas ihm allwissend verriet - das dritte Mal geschieden, kicherte inmitten der Männer vor sich hin. Und Charlie, der Dorfsheriff, hatte sich zu seinen Lausbuben dazugesellt. Dafür fehlte Peter, der Initiator so manchen früheren Stiefeltrinkens. Und Marie war nicht dabei, deren Bild Hans immer noch in sich trug. Er hatte sie nie vergessen.

Es war ein lautes Stimmengewirr um ihn herum, und der Alkohol ließ ihn leicht schwindeln. Er brauchte Luft und trat vor die Tür, um in Ruhe eine Zigarette zu rauchen. Aufatmendes Seufzen, als er dann davor stand. So lehnte er sich an die Wand des Hauses, im Blick die alte Schule und das alte Feuerwehrgerätehaus. Doch die auf der alten Bundesstraße vorbeibrausenden Autos machten ihn nicht ruhiger. So begann er zu gehen und seine Schritte bergab zu richten - so wie früher, als er hier mit dem Fahrrad hinabraste, um schnell "ihre" Bank am Molfsee zu erreichen.

Vor dreißig Jahren hatte er das Dorf verlassen. Gegen den Widerstand seiner Eltern, wider das Bitten seiner Freunde. Heute wusste er, dass es eine Flucht war, damals. Eine Flucht vor sich selbst, vor seiner Angst und vor seinen Gefühlen.

Er dachte an Marie, die damals Auslöser dieser Flucht war. Er war enttäuscht gewesen, fühlte sich im Stich gelassen. Zorn und Trauer spürte er jedes Mal, wenn er ihr damals noch begegnete, obwohl er sich bemühte, ihr aus dem Weg zu gehen. Und niemals mehr hatte sie ihn direkt angeschaut. Ob sie ihn für einen Feigling gehalten hatte? Gern hätte er sie damals gehasst für ihr Verhalten und gewusst, ob sein späterer Weggang schmerzhaft für sie gewesen wäre.

"Kinderkram" schalt er sich selbst, innerlich lächelnd. Denn wie sich später herausstellte, war nicht Marie der Grund für den Knick in seinem Weg, sondern nur der Anlass dafür. Erst Jahre später kam er der Ursache auf die Spur - seiner Behinderung, die ihn im Denken und Fühlen oft in die Irre führte: "Männer weinen nicht". Eine Behinderung, die für ihn Lebensregel wurde und die er selbst fantasievoll erweiterte. Männer lieben nicht, Männer freuen sich nicht, Männer trauern nicht, Männer haben keine Angst, Männer kennen keine Schwäche... Ein harter Kerl wollte er werden, ein starker Mann, ein scharfer Hund - so, wie Männer halt sind. Doch stets stieß er dabei an Grenzen, die er einfach nicht überschreiten konnte. Die Befolgung seiner Regel bescherte ihm stets Verluste und schränkte ihn ein.

Erst vor zehn Jahren spürte er, dass es so nicht weitergehen konnte. Er brauchte fünf Jahre, bis er das Weinen gelernt hatte. Eine harte Zeit, in der er sehr viel über seine Angst erfuhr, über deren Stärke und darüber, nicht gegen sie anzukämpfen, sondern sie wie jedes andere Gefühl anzunehmen, ernst zu nehmen. Als er dann endlich weinen konnte, weinte er um Marie gleich mit.

Nein, Marie war nicht der Knick in seinem Leben, sondern ein früher Eingang, der in das Tal der Tränen führte. Es war gut, ihr begegnet zu sein. Was sie heute wohl tat? Niemand der alten Freunde hatte von ihr gesprochen ...

Hans hatte die alte Dorfstraße erreicht, die am See entlang führte. Sinnierend blieb er stehen. Sollte er zurückkehren in die verräucherte, lärmende Gaststube mit den fröhlichen Menschen oder ganz hinüber gehen, zu ihrer alten Bank, um ein wenig auszuruhen?

Er hörte das ferne Kreischen der Vögel von der Vogelinsel, und während er noch überlegte, wanderte sein Blick hinüber über den Uferrasen bis zu der Bank, die nah am Ufer stand. Dort saß schon jemand. Eine Frau, die ihn in ihrer versonnenen Sitzhaltung an jemanden erinnerte. Sie trug ein gelbes Halstuch, das einen bunten Kontrast zu ihrem kastanienbraunen Haar setzte und ihn stark an Marie erinnerte. "Dummbatz" schimpfte er sich selbst und begann, über sich zu lachen. Und im Kopfschütteln über sich selbst drehte er sich um und trat den Rückweg an.

25 Kommentare

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Robert.. das kann nicht das Ende gewesen sein.. es war Marie auf der Bank und sie wartete auf Hänschen und der Dumme Mann läuft weg.. ne ne... bitte schreibe uns das Ende... kriegst auch e Drückerle dafür
Es gibt tatsächlich mehrere Fortsetzungen, weil da dauernd jemand war, der wissen wollte, wie's weitergeht. Aber diese Fortsetzungen sind stetig verflacht.
Eigentlich steht der erste Teil der Geschichte für sich (es ist übrigens meine erste gewesen). Ihr Inhalt ist eigentlich die Trennung meiner Frau von mir gewesen. Im Ursprung hatte ich mich hingesetzt, einen Hass- und Brandbrief an sie zu schreiben. Komischerweise ist dies daraus entstanden. Aber ich konnte sie dann gehen lassen.
Wahnsinn was so alles in Deinem Kopf und in Deinem Herz rumschwirrt.. Eine Trennung ist nie leicht, aber oft merkt man erst später, dass es gut war so.....
Jetzt träumst Du wieder Deine Träume Robert und das ist schön so....
Gut war's nicht - zumindest nicht für mich *lach*
ich hab' gelitten. Aber ich hatte ihre Art zu schwimmen auch nie verstanden
Am Anfang, ja das glaube ich Dir aber jetzt doch nicht mehr...

was nennst Du schwimmen.. mal so und mal so oder ???
Im Grunde hat sie's für mich getan, was sie getan hat (also nicht die Trennung). Und ich hab' das damals nicht erkannt, weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt war..
Das war ein riesen Fehler.. Du hast sicherlich gelernt daraus
oder machst Du Dir jetzt noch Vorwürfe??
Hat Dich Deine Frau nie darauf angesprochen ????
Nein, ich mache mir keine Vorwürfe. ich konnte damals ja nicht anders handeln, weil ich mehr nicht wusste. Dennoch tut es mir leid - besonders für meine Kinder. Ich selbst hab' davon profitiert, weil ich gewachsen bin dadurch.
Doch, angesprochen hat sie mich oft. Ich hab's nur nie gehört
Ich denke die Kinder haben doch sicherlich Kontakt mit Deiner Exfrau...
ja, ich kenne das auch, wenn Dir der Mann nicht zuhört.. es ist erniedrigend, man kommt sich vor wie ein Putzlappen... aber gut
VERGANGENHEIT Robert....
Ja, meine Kinder haben sie nicht weniger lieb als mich.
Robert.. das finde ich sehr gut, auch ich habe versucht das Verhältnis Vater-Kind aufrecht zu halten....
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und wo bleibt jetzt die Fortsetzung Robert?
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Hallo Robert jetzt könntest du doch mit der Geschichte fortsetzten?
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Bin begeistert, und obwohl ich ein Plapperschnabel bin, wortlos....
für ein Moment.....!
Eine Fortsetzung wäre schön, aber ich finde gerade so viel auch genug....sonst würde diese wunderbare Geschichte zu Banalität über gehen und das wäre Schade ! So kann jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen und diese wunderbare Geschichte nach eigenem Gefühl oder Geschmack beenden.... es gibt ja viele Möglichkeiten....
Meine leienhafte, konserwative Meinung.
Du wurdest von der Muse geküsst, nutze das aus und erfreue uns mit weiteren wunderbaren, deinen, Geschichten ! Danke.
Ja, es gibt tatsächlich Fortsetzungen, Gordana, aber wie du schon vermutetest, rutschten die zunehmend in Banalität ab.
Danke für deinen Kommentar, über den ich mich gefreut hab'
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Feigling,Feigling, ....aber so wie ich Dich jetzt schon kenne, willst Du uns -romantischen "Maries" nur provozieren, hast Du aber schön gemacht
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Schön geschrieben
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Oh toll Robert, dass er ihr nun doch noch begegnet ist. Vielleicht wird ja jetzt, wo er sich verändert hat, etwas aus ihnen. Ich bin jedenfalls gespannt auf die Fortsetzung. Und ja Robert, ehe ich es vergesse, super geschrieben wie immer
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Ach Robert, ich dachte Hans hat daraus gelernt. ....vielleicht war sie es......
Ich wünsche mir ein Happy End mit Hindernissen bitte.......

Wie immer toll geschrieben .....danke
Sie haben ja beide daraus gerlernt

Ja, es gibt noch 'n paar Fortsetzungen, die allerdings immer mehr verflachen. Mir hat mal jemand gesagt, dass ich Angst vor ihrer Auseinandersetzung habe *schmunzel*
Fand' ich blöd, drösele da aber heute immer noch dran rum.
Auf die Fortsetzungen freue ich mich heute schon
Angst vor Auseinandersetzung Du doch nicht..

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
Marie
Da pfuscht du nicht drin rum, indem du eine eigene Fortsetzung postest. Ich finde das in Ordnung.. I
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warum lässt du ihn umdrehen, Robert? oder lässt du es noch für eine weitere Folge offen, ob er marie wieder sieht? Sehr flüssig und gut zu lesen. merci Robert
Ja, in diesem Fall wollte ich tatsächlich die Möglichkeit zu einer weiteren Fortsetzung haben. Ich hatte die Idee, das zu Novelle zu bringen. Die Figuren finde ich faszinierend und auch die Idee, noch länger über ihr Leben zu erzählen und dabei immer wieder aneinander vorbei zu laufen.
Aber die Frage nach dem „warum?" bleibt, auch für mich. Denn ich finde dasUmdrehen und Weggehen nicht motiviert und deshalb nicht nachvollziehbar. Er hat so viel über sich gelernt … aber nicht die Konsequenz daraus gezogen? Was soll, was kann uns das sagen?
(Wobei es für mich durchaus ohne Happy End geht! Mag ja z. B. sein, dass eine ganz andere da gesessen hat …)
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