Psychotherapie - Wege aus dem Trauma

Beitrag von wize.life-Nutzer

In der vergangenen Woche, endete mein erster, 7 wöchiger Block, einer 9 monatigen Psychotherapie, in einer hamburger Tagesklinik.
Als jüngstes, von 6 Kindern, lebte ich in einer gut bürgerlichen Familie. Bis zu meinem 10ten Lebensjahr, war mein Vater für mich ein absolutes Vorbild.
Uns eilte stets der Ruf voraus - als Vorbildfamilie. Mein Vater war Kapitän bei der Handelsmarine, in seiner prächtigen blauen Uniform, wurde er als Respektperson anerkannt.
Seine oberste Tugend, war Disziplin. Eine Disziplin, welcher er selbst nicht gerecht wurde.

Seine häufigen Alkoholexzesse, lösten Zweifel in mir aus.
Im Sommer 1966, wurde ich mit der Unterstützung des Jugendamtes, in ein diakonisches Jugend-und Kinderheim, im Westen Schleswig Holsteins verbracht.
Anfang der 1960er, bis Mitte der 1970er Jahre, existierten in Westdeutschland ca. 3000 Kinder und Jugendheime, welche unter der Leitung der evangelischen und katholischen Kirche geführt wurden.
Während meines 12 monatigen Aufenthaltes, erlebte ich zusammen, mit vielen anderen Kindern, ein nie gekanntes Martyrium.
Wer sich nicht anpasste, wurde geschlagen, geschlagen bis zur Bewustlosigkeit, mit Knüppeln uns Ästen, die wir uns selbst aus den Bäumen schneiden mussten.
Den Begriff "pädophil", gab es damals nicht. Alles was geschah, erfolgte im Namen des Herrn.

Mein damals bester Freund und Zimmernachbar "Paul", starb im Alter von 12 Jahren. Er sprang in den Tod.
Wenige Tage später, las ich seinen letzten Eintrag, in seinem Tagebuch: "Heute gehe ich zurück in die Sonne!"
Jeden Glücksmoment, musste man mit einem traurigen Moment bezahlen.

Nach dem Heimaufenthalt, endete meine Jugend, und mein Glaube an die Menschlichkeit.
In mir wuchs die Sehnsucht nach Selbstbestimmung, die Sorge um den Verlust von Würde und Freiheit, bestimmte meinen Alltag.
Es folgte eine Jahrzehnte dauernde Medikamentensucht. Meine ständigen Freunde hießen "Valium und Valeron."
Die Sucht überwandt ich, durch die Liebe und das Verständnis meiner Frau. Die Depressionen und Panikattacken jedoch blieben.
Nach einem glücklicherweise, mißglückten Suizidversuch, erlebte ich den Höhepunkt meiner Depression.
Durch meine "Tat", wurde ich angreifbar, einige Menschen, in dieser Stadt tuschelten: "Der Looser ist zu doof sich umzubringen!"
Mittlerweile, verfliegen meine Selbstzweifel, es tut mir gut, an der Therapie teilhaben zu dürfen.
Langsam heilt die Zeit auch alte Wunden, und ich habe herausgefunden, das eine neue Liebe entsteht - zu mir selbst