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Der Tod meiner Oma

Von wize.life-Nutzer - Montag, 01.09.2014 - 18:07 Uhr

Folgenden Brief schrieb meine damals 13 jährige Tochter für ihren Schulunterricht, Fach Deutsch , Thema : Mein traurigstes Erlebnis ....

Der Tod meiner Oma .
Ich weiß garnicht mehr genau an welchem Tag meine Oma starb . Ich glaube es war ein Freitag .
Für meine Familie war es ein Freitag der Dreizehnte .
Nachdem meine Oma schon sehr lange im Krankenhaus gelegen hatte und sich ihr Zustand immer mehr verschlechtert hatte ,waren wir sicher , daß sie nicht mehr lebend aus dem Krankenhaus kommt. Aber trotzdem waren wir alle schockiert , als sie dann von uns schied .
Meine Schwester war alleine zu hause , als sie mir die schlimme Nachricht überbrachte .
Ich weiß nicht mehr , wie ich mich in diesem Moment fühlte . Jedenfalls konnte ich es nicht glauben . Obwohl ich zu meiner eigenen Verwunderung recht gelassen reagierte .
Aber warum ausgerechnet meine Oma.......
Bald darauf ging ich mit meinem Hund spazieren ...und da liefen mir auch schon die Tränen .
"Warum , warum " fragte ich mich lange .
Natürlich wußte ich , an was meine Oma gestorben ist , doch warum mußte ausgerechnet sie , ein von allen geliebter Mensch sterben ?
Vorher dachte ich zwar viel über den Tod nach , doch ich hatte ihn noch nie so hautnah erlebt .
Als ich wieder zu hause war , hatte ich mich etwas beruhigt .
Meine Schwester fuhr weg und ich war ganz alleine daheim . Ich lenkte mich mit Fernsehschauen ab .
Später kamen meine Eltern nach hause . Ich sah , wie sehr sie trauerten .
Sie fragten mich , ob ich die Nachricht schon erfahren hätte , denn ich wirkte sehr normal , d.h. gelassen .
Ich sagte " Ja " und das Gespräch war beendet .
Gefühle der Trauer kann ich der Außenwelt nicht preisgeben .Ich mochte auch nicht das Gerede über ...Erbschaft ...und ...Bestattung...nicht so sehr . Gott sei Dank bekam ich davon auch nicht besonders viel mit .
Meine Mutter war in den nächsten Tagen sehr niedergeschlagen und deprimiert , da es ihre Mutter war , die gestorben war .
Nicht ganz eine Woche später wurde meine Oma beerdigt .
Es war schrecklich . ich mußte schwarze Kleidung anziehen , was ich nicht besonders toll fand , aber es war aus zu halten .
Meine Familie traf sich vor dem Totenhaus am Friedhof .
Als wir eintraten , roch es wunderbar nach frischen Blumen . Viele Kränze und Sträuße standen vor dem Sarg .
Ich stellte mir vor , wie meine Oma darin liegt und wie sie aussieht , denn ich hatte sie das letzte Mal im Krankenzimmer gesehen . Ich bin sehr froh , das sie damals so gut aufgelegt war und Witze machte .
Wir setzten uns im Totenhaus auf die Stühle und warteten bis der Pfarrer endlich kam .
Ich schaute nur die Kränze an , vor allem den Einen wo drauf stand " von deinen Enkelkindern" und schon liefen mir wieder die Tränen .
Der Kranz war wunderschön und bunt , genau so vielfältig , wie ihre Enkelkinder auch sind .
Der Pfarrer brachte Weihrauch und mir wurde übel , ich wäre am liebsten hinaus gelaufen .
Wir sangen ein paar Lieder , der Pfarrer sprach einige Worte .
Die Totengräber traten ein und trugen den Sarg zum Grab , wir hinterher .
Mich überkam wieder die Trauer und ich weinte mich bei meinem Bruder aus .
Es ist komisch das man weint , man weiß doch , das es dem toten nun besser geht als wenn er noch leben müßte .
Einige Male hörte man heftiges , lautes Weinen . .Alle überkam die Trauer , wie mir vor dem Totenhaus .
Blumen und Erde wurden in das Grab geworfen .

Wir gingen dann alle in ein Restaurant , aßen und tranken und versuchten Gespräche zu führen .
Später fuhren wir nochmal zum Grab meiner Oma .
Bis jetzt bin ich noch nicht wieder auf dem Friedhof gewesen , denn mir graut etwas vor den Gefühlen und Gedanken , die mir dann kommen würden .

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4 Kommentare

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Der Umgang mit Tod, Trauer, Beerdigung u.s.w. wird auch heute nicht genug beredet. Wenn ich alle Wünsche, die die OMA geäußert hätte, erfüllen könnte, ist meine pers. Verarbeitung viel einfacher. In meinem Bekanntenkreis rege ich oft zum Nachdenken an, alles zu regeln, denn sterben könnte ich ja auch heute noch.....
Ich rede auch sehr oft mit Anderen über alles was der Tod so nach sich zieht , die wenigsten hören da gerne hin , vor allem bei """ Alten """, , viele meinen ewig leben zu können .
Mein Mann und ich haben alles was es nur gibt ...geregelt...
ja, wir auch schon lange.
ein mutiger Brief und das in jungen Jahren.kann meine Gefühle nicht so ausdrücken.Mein Vati ist gerade im Juni eingeschlafen.meine Gedanken und Gefühle sind noch sehr im tiefen Tal.toller Brief.Hat mich ergriffen!!!!
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