Wohin soll ich mich wenden ??
Wohin soll ich mich wenden ??

MOPPEL-7a .......oh Du mein wunderschönes Österreich

Beitrag von wize.life-Nutzer

Ja nun war endlich der neue Scheinwerfer eingebaut und auch der Kühlschrank wieder voll funktionsfähig, wobei Drega mit ihrem guten Verhandlungsgeschick auch noch einen sehr günstigen Preis herausholte. In dem Industriegelände ließ Drega den Zehin zum ersten mal hinter mein Steuer und ich merkte sofort, dass er einen guten Autoverstand hatte und auch Drega war überrascht wie gut er mit meinen, doch sehr viel größeren Ausmaßen zurechtkam. Nun ging es heim um alles Nötige einzupacken. Wie üblich gelang es Drega nicht den geplanten Abfahrtstermin einzuhalten und Zehin, gutmütig wie er war, drängte sie auch nicht, konnte aber nicht sehr viel helfen, weil es im ganz besonders schlimm ging mit seiner Atmung. Das war ja auch ein Grund für die Fahrt nach Wien.
Doch dann waren wir endlich unterwegs auf der landschaftlich sehr schönen Autobahn über Hof, Regensburg und Passau, zufrieden schnurrte ich vor mich hin und spulte auf dieser mir bereits bekannten Strecke Kilometer um Kilometer ab. Nur die Berg- und Talfahrt durchs Fichtelgebirge machte mir doch etwas zu schaffen, waren es doch ganz schöne und lange Steigungen. Schließlich bin ich ein älteres Baujahr und hab ein nicht so starkem Herz wie die jüngeren Baujahre heutzutage. Ja und so musste ich neidvoll zusehen, wie mich ein Auto ums andere überholte, sogar die schweren Brummis schafften das. Da es inzwischen schon einigermaßen spät geworden war, wurde auf einem Rastplatz noch einmal getankt und eine Kleinigkeit aßen die beiden auch. Zehin war so gierig dass er seinen heissen Kaffee verschüttete, auf meinen schönen Teppich. Aber die beiden hatten ein große Rolle Küchenpapier mit, so blieb kein Fleck in meinem Boden. Naja, Glück gehabt. Eine Vignette wurde auch gekauft. Das ist so ein komisches Papierl, das mir in die Windschutzscheibe geklebt wird, damit ich in Österreich die Autobahnen und Schnellstraßen benützen darf. Nicht schadenfroh lachen, auch für Deutschland ist so eine Geldbeschaffungsaktion geplant.
Nachdem das alles erledigt war legten sich meine beiden Insassen nieder und schliefen fast augenblicklich ein. Es war so ein erfreulicher Anblick für mich und mir wurde so richtig warm um meinen Motor, wie die beiden eng umschlungen da lagen und ihrem Gesichtsausdruck nach von etwas sehr schönen träumten.

Natürlich wurde wieder einmal länger geschlafen als es geplant war, naja, das kennt man inzwischen bereits. Nach dem Frühstück musste ich mich wieder auf die Socken, ach pardon auf die Reifen machen und bei der Grenzstation Suben am Inn waren wir endlich auf österreichischem Boden. Auch die weitere Strecke war mir bereits bekannt. So brausten wir auf der Westautobahn dahin, die hügelige Landschaft mit ihren Wiesen und Wäldern in den verschiedensten Grüntönen war die reine Freude für die Augen. Auch kamen wir an Wiesen vorbei wo braunscheckige Kühe genussvoll das saftige Gras mampften, Drega nannte sie Kakaokühe, im Gegensatz zu den schwarzengefleckten, die bei ihr Kaffeekühe waren. Allerdings die berühmt berüchtigte lila Kuh konnte ich nirgends entdecken. Warscheinlich gibt es die nur in der Schweiz.
Nach der Grenze ging es leicht bergab und ich kahm so in Fahrt, dass ich sogar auf einmal alle großen Lastwagen überholen konnte. Drega war es recht denn die beiden hatten einen Termin in Wien und die Zeit wurde langsam knapp. Trotzdem wurde ich nicht übermütig, denn Hochmut kommt meist vor dem Fall. Und dann, ab Melk wollte Zehin plötzlich eine andere Strecke nehmen, glatte 10 km länger. Der Termin war ohnedies nicht mehr pünktlich zu erreichen und er befürchtete, dass es auf der Westeinfahrt und quer durch Wien wegen der Baustellen und dem starkem Verkehr noch länger dauern würde. So fuhren wir also bei schönem Wetter entlang der Donau durch die Wachau nach Wien. Es war einfach herrlich und wir begegneten sehr vielen Radfahrern, welche auf der als Radweg gut ausgebauten alten Straße die Donau entlang radelten. Es ist sicher ein traumhaftes Erlebnis und man kann das mit einer Schiff- oder Bahnfahrt kombinieren. Man muss sich das vorstellen, in Österreich die gesamte Donau entlang von Passau bis Bratislava !!!
Leider freute sich Drega, die nur an den Arzttermin dachte, gar nicht über diese herrliche Fahrt. In weiterer Folge wäre es beinahe zu einem handfesten, so viel ich weiß dem ersten „Ehekrach“ gekommen, denn Zehin wollte unbedingt an einem Verkaufsstand für frische Aprikosen, oder Marillen wie sie hierzulande heißen, halten. Er wollte damit eigentlich nur Drega eine Freude machen, aber sie fauchte ihn ganz heftig an, was er sich vorstelle, sie seien ohnedies schon zu spät dran und eine weitere Verzögerung wegen Marillenkauf sei keine Entschuldigung für einen verspäteten Arztbesuch. Und so machte zwar Zehin ein saures Gesicht und war einige Zeit lang äußerst wortkarg. Wir erreichten dann doch noch den Arzt mit nur einer halben Stunde Verspätung, die Zehin bereits vorher telefonisch gemeldet hatte.
Später wurde im gemütlichen Kreis Wiedersehen mit den Wiener Freunden gefeiert und es ging sehr lustig und feucht zu, aber niemand trank mehr an Wein oder Bier als ihm gut tat. So wurde es mir zumindest erzählt und ich hoffe doch stark nicht angeschwindelt worden zu sein, denn da werde ich sehr böse …. und dann ist die größte Gefahr vorbei.
Am nächsten Tag musste Zehin noch zu einem anderen Arzt wegen einer Kontrolluntersuchung. Und dann wurde es richtig schön. Für die Übernachtung riet ihnen ein Freund in Praternähe zu bleiben. Sie wollten nämlich am folgenden Tag, der ein Feiertag war, zusammen einen kleinen Ausflug machen. Der Tipp war gut, wir übernachteten unter alten Bäumen mitten im Zentrum von Wien. Ja in Wien ist das mit dem Parken gar nicht so einfach, die Bezirke 1-9, sowie 20 verlangen nämlich wochentags bis 22 Uhr eine saftige Parkgebühr und die Parkzeit ist auch auf insgesamt 2 ½ Stunden begrenzt. Und trotzdem ist es gar nicht so einfach in Wien einen Parkplatz zu finden. Nur am Wochende und Feiertags ist es anders, da gehts kostenlos, so das wir keine Schwierigkeiten zu befürchten hatten. Für die weitere Dauer des Aufenthalts galt es dann eine andere Lösung zu finden und ich glaube dass Zehin da schon etwas vorhatte.

Als dann die Sonne den neuen Tag erhellte, kamen auch schon Joe und Christa und schon ging es los. Da Zehin die Gegend wohin gefahren werden sollte kaum kannte, machte Joe den Lotsen. Über viele Baustellen, es war ja Sommerferienzeit und das bedeutete hier zulande Baustellenzeit ging es gegen Osten. Auf einmal ein Fahrverbot mit Umleitung und wir mussten über ziemlich enge, nur mehr auf besseren Feldwege, zu unserem Ziel, was sollte das noch werden??? Und dann ging es auch noch ziemlich steil bergauf, ich ächzte und stöhnte und mir stand das Öl auf der Stirne, aber letzten Endes schaffte ich es doch und fröhlich knatternd erreichte ich einen großen Gipfelparkplatz. Oh gab es da oben eine tolle Fernsicht, das Wetter spielte nämlich auch mit. Man sah von Hainburg fast bis nach Wien, wie sich die Donau vorbeischlängelte und im Eisernen Tor verschwand um sich nach Bratislava wieder auf die Reise nach Budapest zu machen. Unglaublich man sah hier vom Braunsberg, so hieß dieser Feldherrnhügel, gleich auf 4 Länder herab, nämlich Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Ja und dann war da noch so eine Geschichte bei der es Drega beinahe umgeworfen hätte. Zehin flirtete mit einer anderen Frau und der Anknüpfungspunkt war ein „Handtaschenhund“, also doch ein größeres Exemplar als die „Hosentaschenhunde“ aber noch weit entfernt von einem richtigen Hund, wie es z.B. die Schäferhunde sind. Nun das mag ja vielleicht ein wenig rassistisch sein, aber hier wird sich Zehin kaum ändern und er tratschte eifrig mit dem sehr attraktiven Frauchen des Hundes. Wie sich herrausstellt kam sie auch aus Leipzig und ist mit einem Österreicher verheiratet. Fast wie bei Drega und Zehin.
Nun auf derRückfahrt, bei der Fahrt bergab gab es auf einmal einen gewaltigen Rumpler, eine Klapptür an der Wand öffnete sich wie von Geisterhand und eine Keramik stürzte in 100 Scherben zerbrechend auf den Tisch, der dadurch aus der Verankerung gerissen wurde, ja und Zehin war auf einmal über und über von Kakao bedeckt, ein Bild für Götter, ich hätte brüllen können vor lachen. Was war geschehen?? Drega hatte eine böse Bodenwelle zu spät bemerkt und hart abgebremst. Bei meiner weichen Federung gab es doch einen deutlichen Nicker, den Drega eigentlich vermeiden wollte. Aber zum Glück war sonst nichts ernstliches passiert. Nur es musste Pause gemacht werden, um mich von diesem Kakao zu säubern. Jaja, bei der Steigung war das schon fast eine Höllenfahrt gewesen, obwohl der Feiertag doch Mariä-Himmelfahrt hieß. Am Fuße des Berges winkte ein schönes Gasthaus zur Einkehr. Nachdem die Vorhut das Lokal und die Speisekarte geprüft und für gut befunden hatten, kehrten alle bis auf Drega dort ein. Sie wollte in aller Ruhe erst mal sauber machen und zusehen dass mein Inneres wieder blitzt. Ja und da war sie äußerst penibel, aber sie schaffte es dann doch noch und gesellte sich zu den anderen um zu plaudern und ein wirklich gutes Essen zu genießen.