Dieses kleine Stückchen Haut
Dieses kleine Stückchen HautFoto-Quelle: Jana M.

Dieses kleine Stückchen Haut

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es fühlte sich ruhig an, als Jana die halterlosen Wolfords das Bein hinauf rollte, den Gummizug gerade zog und mit den Händen sorgfältig das Bein glatt strich.
Mit dem zweiten Bein verfuhr sie ebenso, legte dann den Hüfthalter um und klippte die Strapse an den Strumpf. Dann setzte sie sich aufs Bett, streckte das Bein aus, winkte sich selbst mit der Fussspitze und betrachtete ihr Werk.
Es war „gut“, lächelte sie. Sie gefiel sich selbst in diesem Moment. Es war nicht nur eine äußere Verwandlung, die sie vollzog, wenn sie die Jeans gegen das Kleine Schwarze tauschte. Es beutete ihr viel, weil sie sich anders fühlte, anders fühlen konnte und anders fühlen durfte. Sinnlich.
Der Alltag schien wie fortgespült schon unter der Dusche, weibliche Weichheit mit der Creme aufgetragen. Und nun saß sie da, war plötzlich nicht mehr Mutter, sondern Frau. Symbolisch war dieses kleine Stück Haut zwischen Strumpf und Spitzenhöschen, das ihr so weich erschien, verletzbar und so warm. Sie liebte es, „seine“ Hand dort zu spüren und freute sich allein darüber, wenn nur seine Gedanken dorthin gingen.
Sicher, es war eine „Verkleidung“, die sie trug. Aber sie trug sie für sich selbst Sie trug sie gern – und manchmal machte sie sie zum „Geschenk“.
Nur kurz überlegte sie, ob sie heute „sie selbst“ sein wollte oder „Geschenk“, doch dann verzichtete sie darauf, das Höschen auszuziehen und fuhr fort damit, sich anzukleiden.

Er hatte mal wieder sein gelbes Jackett angezogen zu blauen Jeans – ein Kompromiss, weil er Förmlichkeit hasste. Aber der Businesstermin heute verlangte ein Mindestmaß an Förmlichkeit und Stil, so waren auch die Schuhe geputzt und die Ohren rasiert. Er freute sich, dass Jana ihn begleiten würde. Er bewunderte sie nicht nur – nein, er war stolz auf sie …
Und doch stockte ihm mal wieder der Atem, als sie das Wohnzimmer betrat. Er hatte sie schon oft so erlebt, und jedesmal staunte er neu darüber, wie wandelbar sie war.
Er liebte sie im Alltag für ihre Aufmerksamkeit, für ihre Kraft und für ihre absolute Verlässlichkeit, und es wurde viel gelacht zwischen ihnen. Und gemeinsam viel erlebt.
Aber Jana im Kleinen Schwarzen – das war eine Welt für sich. Das raubte ihm den Atem. Er konnte im Grunde nicht verstehen, womit er sowas verdient hatte. Und es war „für ihn“, wie ihm ihre Augen zeigten. Es war eine andere Ernsthaftigkeit darin zu sehen. Tiefe, Kraft, ein wärmeres Strahlen als das Lachende des Alltags. Er ging hin, nahm sie in den Arm, sah sie nur an und streichelte ein wenig ihren Kopf. Als ihr Blick weicher wurde, drückte er ihren Körper kurz an den seinen und nahm dabei ihren Duft auf.
„Gehen wir?“ fragte er ruhig, hielt ihr draußen die Autotüre auf und half ihr beim Einsteigen. Als der Motor lief schaute er sie liebevoll an, schob sacht den Rock hinauf und legte seine Hand auf dieses kleine Stück Haut …

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