soll Größe und weitere Details veranschaulichen
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MOPPEL7b.......die andere Seite

Beitrag von wize.life-Nutzer

MOPPEL-7b……die andere Seite

Das Essen war ja wirklich ausgezeichnet und jetzt bis auf den letzten Happen vertilgt, auch bezahlt und man beschloss sich jetzt auf den Heimweg zu machen.
Dem guten alten Handstaubsauger sei Dank, mein Inneres glänzte wieder. Und die lockere große Klappe hatte einen Verband erhalten, wie sich herausgestellt hatte, war das Schloss kaputt. Mit einem Wort, ich brauchte mich nicht mehr schämen oder gar verstecken und damit stand der Heimreise nichts mehr im Weg.
Durch kleine Ortschaften fuhren wir zurück und es gab überall zumindest Ankündigungen von Erntedank- oder auch Feuerwehrfesten. Einmal mussten wir auch anhalten, denn ein Trupp von etwa 150 Menschen, alle schwarz gekleidet kreuzte von einer ziemlich laut, aber schaurig falsch spielenden Kapelle angeführt, unseren Weg. Der Verblichene hörte zu seinem Glück wahrscheinlich nichts mehr von der Musik, oder es war im wurst. Und das Glöckchen vom nahen Friedhof wies ihnen den Weg zur letzten Ruhestätte.
In Hainburg angekommen mussten wir feststellen, dass die ganze Umleitung, die wir vormittags gefahren waren, gänzlich unnötig gewesen war. Hatten wir da etwas übersehen oder falsch verstanden ???
Naja ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern. Schließlich kam dann direkt vor Wien die Stadt Schwechat, bekannt wegen ihrer Bierbrauerei und vor allem durch den Riesenflughafen. Dieser bildete hier das Tor zur großen weiten Welt. Oh das hatte ein Hallo gegeben als das neueste, weltgrößte Flugzeug zum 1. Mal hier landete, naja mit seinen fast 73 Meter Länge ist es ja wirklich ein Gigant und es konnte zudem über 800 Passagiere befördern
Kurz nach der Stadtgrenze von Wien fuhren wir entlang einer Mauer, die nicht und nicht enden wollte. Drega wurde neugierig und fragte was das wohl sei und so fing Joe an zu erzählen und er kannte sich auch sehr gut aus.
Hinter dieser Mauer verbirgt sich eine riesige Nekropole, nach Hamburg die größte Europas. Sie hat etwa 3 ½ Millionen Einwohner, also fast doppelt so viele wie in Wien leben. Wien hatte genügend Friedhöfe, in vielen der 23 Bezirke sogar mehrere weil in einem Bezirk oft einige frühere Vororte zusammengefasst waren. Aber die wurden auch immer voller und bald war dort kein Platz mehr. So beschloss man 1863 einen neuen Friedhof, den Zentralfriedhof, zu bauen. Zentral bedeutete dabei nicht wirklich in der Mitte, denn Simmering, wo dieser Friedhof entstehen sollte liegt ganz am Stadtrand, als östlichster Wiener Bezirk. Es gab damals, wie bei allen größeren Planungen, heftigste Diskussionen, Für und Wider. Schließlich wurde er doch um 1880 eröffnet und das Konzept umfasste nicht nur Gräber, sondern erlangte auch durch seine Jugendstilbauten, wie die Borromäuskirche, sowie andere Denkmale einige kulturelle Bedeutung.
Aber das Besondere, der Friedhof ist von anfang an interkonfessionell ausgerichtet, auch für andere Glaubensgemeinschaften wurden schon bei der Planung eigene Abteilungen geschaffen. Für Orthodoxen genauso wie für Juden und Muslime, die letzteren erhielten gemäß ihres Glaubens Gräber die gegen Mekka gerichtet waren. Ja, sogar eine buddhistische Anlage mit eigenem Stupa gibt es. Das ist doch eher außergewöhnlich und sensationell, da es sonst so was in nicht buddhistischen Ländern kaum gab.
Zudem gibt es auch noch Ehrengräber für die österreichischen Bundespräsidenten und auch für Personen, die sich durch besondere Verdienste hervortaten. Und einen Bereich für die zivilen Bombenopfer des 2.Weltkrieges, ich hab so was noch nirgends woanders gelesen.
Ja und dann gib es noch die „Feuerhalle“ die abseits liegt und lange Zeit ein ungeliebtes Dasein führte, bis die Kirche Feuerbestattung doch noch erlaubte.
Und überhaupt hat der Wiener ein ganz eigenes morbides Verhältnis zum Tod, das drückt sich schon in vielen Wienerliedern aus und auch heutzutage geht nichts über „eine schöne Leich“ nach dem Motto nobel geht die Welt zugrunde. Ein wiener Journalist meinte einst, hier sei der Heldenplatz der Totenverehrung und keine andere Stadt rechne ihre Toten so fröhlich zu den Lebenden. Helmut Qualtinger ein echtes Wiener Original, Schauspieler und Kabarettist sagte einmal: „In Wien mußt' erst sterben, bevor's dich hochleben lassen. Aber dann lebst' lang.“ Ja, und Wolfgang Ambros, ein bekannter Wiener Poet, hat dem 100jährigem Jubiläum des Friedhofes sogar ein Lied gewidmet

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Naja, auf jeden Fall ist der Friedhof wirklich riesig. Ja und Zehin, der bislang nur zugehört hatte, erzählte nun, dass er ja früher als Taxler selber mit Fahrgästen zu diversen Gräbern gefahren sei. Ja richtig gehört, im Friedhof kann man mit dem Auto bis zu den Grabstätten heranfahren. Einmal habe er sich bei hereinbrechender Dunkelheit ordentlich verirrt und sei erst nach Zahlung eines tüchtigen Obolus herausgekommen. Die Tore hatte man nämlich inzwischen gesperrt.
Nicht nur Tote gibt es hier, bei der Größe des Areal hat sich auch ein beträchtlicher Artenreichtum an allem möglichen Wildtieren eingestellt, sogar um die 20 Rehe sollen hier leben. Speziell im alten jüdischen Teil bleibt alles völlig naturbelassen, ist also ideal für alles Getier. Und als Filmkulisse, z.B. für „Der dritte Mann“, ein sehr alter, aber trotzdem guter Agententhriller aus der Zeit des „Kalten Krieges“ diente er auch.
Auf einmal sagte die Drega, jetzt bin ich neugierig geworden und möchte das selber sehen. Wir fuhren zum nächsten Tor und Drega verschwand samt Kamera. Und kam nach einer knappen halben Stunde wieder. Sie war total begeistert, war sie doch mit dem kostenlosen friedhofseigenem Linienbus in nur 20min durch den ganzen Friedhof gefahren. 20 Haltestellen innerhalb des Friedhofes fuhr der Bus an. Und obwohl sie bei weitem nicht alles gesehen hatte, war sie sehr beeindruckt.