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Aufgeben kann man später - viel später - vielleicht.. Teil 3

Peter Leopold
Beitrag von Peter Leopold

Und es waren wieder einmal die Behörden, die völlig unverständliche Entscheidungen getroffen haben. Im 3. Ausbildungsjahr waren sie plötzlich der Meinung, dass es nicht angebracht wäre, wenn ein Diabetiker einen Beruf wie Koch erlernt. Das Gesundheitsrisiko wäre zu hoch. Es war nicht so, dass ich die Ausbildung beenden durfte – nein, ich sollte sofort aufhören. Noch heute bin ich der Ansicht, dass die „Alte“ etwas damit zu tun hatte. Rechte hatte sie keine mehr, aber als geübte Intrigantin wusste sie genau, wie man Andere für sich einspannt. Und so blieben nicht viele Möglichkeiten.

Schuld

Ich ging nach Wien zu meiner Granny. Ihr Gesundheitszustand hatte sich allerdings soweit verschlechtert, dass es nicht mehr zu verantworten gewesen wäre, sie in ihrer Wohnung zu belassen.Es musste ein Pflegeheim her, in dem sie 24 Stunden unter der Aufsicht war, die ich nicht bieten konnte. Schließlich musste ich mich beruflich neu orientieren und gleichzeitig arbeiten, um zu überleben. Aus einer einst lebenslustigen Frau wurde eine verbitterte, schweigsame lebende Tote. Sie gab mir die Schuld dafür, dass sie in diesem Pflegeheim wäre und dass ich sie nur abschieben wollte. Dass sie bis dahin wie wichtigste Frau in meinem Leben war, spielte in ihren Gedankengängen keine Rolle mehr.

Der Wunsch

Aber ich war gut – zu gut. Eines Tages bei einem Besuch bat sie mich, sie doch aus dem Heim zu nehmen, weil sie doch schon alt wäre und in ihrer Wohnung sterben wollte. Ab einem bestimmten Zeitpunkt weiß man, dass es zu Ende geht und ich konnte nicht anders, als ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Für mich würde es eine Situation ergeben, die kaum zu bewältigen wäre, denn nach meiner beruflichen Veränderung als privater Ermittler war ich kaum zu Hause und vor Allem europaweit unterwegs. Erst nur kleinere Dinge, aber schon bald auch größere Aufträge.
Meine Granny erschien mir sehr dankbar dafür und ich hatte den Eindruck, dass es ihr von Tag zu Tag besser gehen würde, doch eines Tages kam ich morgens nach einer langen Observation zu ihr und wunderte mich, dass sie als Frühaufsteherin noch im Bett war. Ich wollte gerade die Tür schließen, als mein Blick auf das Nachtkästchen fiel und mir schlagartig klar wurde, dass etwas nicht stimmte.

Tod

Dann merkte ich, dass sie die Bettdecke verkrampft festhielt und mir war klar: Meine Granny war tot. Die Tablettensammlung auf dem Nachtkästchen ließ auch nur einen Schluss zu: Sie hatte sich irgendwann in den Nachtstunden umgebracht.Es war üblich, dass Selbstmörder nicht einmal eine vernünftige Beerdigung bekommen würden. Also räumte ich die Tablettenschachteln weg und war in der irrigen Annahme, dass der angerufene Arzt einen natürlichen Tod diagnostizieren würde. Aber das war nicht ganz so einfach. Dass eine Autopsie durchgeführt wurde, habe ich auch erst später erfahren. Dabei wurde festgestellt, dass sie mehrere Gehirntumore hatte. Und doch war sie offenbar klar genug, dass sie wohl wusste, was sie tat, denn ihre Devise war immer „niemandem zur Last fallen“ Ich konnte nicht ahnen, dass sie mit der Aussage „zu Hause sterben zu wollen“ DAS meinte.

Freunde ?

Auf der Beerdigung war ich der einzige Trauergast und der Pfarrer schien das nicht mitbekommen zu haben, denn als er seine Rede hielt und sagte, dass sie ja so viele Freunde hatte, fand ich das etwas unpassend. Viel später erfuhr ich, dass diese ganzen Freunde erst später ans Grab gingen und bei der Beerdigung nicht anwesend sein wollten, weil sie mir die Schuld an ihrem Tod gaben. Ich hätte mich eben mehr kümmern müssen. Meine Geschwister wurden ausdrücklich enterbt und bis vor wenigen Jahren hatte ich auch keinen Kontakt zu ihnen. Aufgrund verschiedener Umstände ist mir heute klar, was sie damit meinte, als sie immer wieder betonte, dass ich sehr genau darauf achten sollte, ob meine Geschwister auch tatsächlich meine Geschwister sind.Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Die Einzige, die sich umgehend meldete, war die „Alte“ Natürlich nur, um sich schriftlich zu erkundigen, wann denn die Testamentseröffnung wäre und ob etwas zu holen wäre. Woher sie überhaupt vom Tod meiner Granny erfahren hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Ich hatte ihr nur zurückgeschrieben „Mach das was Du am Besten kannst: Fick Dich“ und wie es immer schon ihrem Naturell entsprach, wollte sie das Testament meiner Granny für ungültig erklären lassen, um in Vertretung meiner „Geschwister“ noch etwas abzusahnen. Ein kläglicher Versuch übrigens, denn rechtlich war alles wasserdicht.

Der Abschluss

Von dieser Frau weiß ich heute kaum noch etwas. Nur, dass sie alt und gebrechlich sein soll und keines ihrer Kinder mit ihr etwas zu tun haben will. Trotzdem sie 4 oder 5 Ehen hinter sich hat, ist es eine Genugtuung, dass die einsam einen langsamen Tod sterben wird. Viele Jahre lang hätte ich keine Sekunde gezögert, sie zu erschießen, wenn sie mir plötzlich gegenüber gestanden hätte. DAS wäre meine Gerechtigkeit gewesen – für mich und für alle Anderen, denen sie das Leben zur Hölle gemacht hatte. Aber inzwischen ist die Befriedigung größer zu wissen, dass sie hoffentlich noch einen langen Leidensweg vor sich hat. Mir kann sie nicht mehr schaden, aber wenn sie irgendwann einmal um „Verzeihung“bitten sollte, was ohnehin unwahrscheinlich ist, dann sollte sie sich vergewissern, dass ich GOTT bin, denn der mag verzeihen, ICH nicht!
© Peter Leopold
Nachtrag: Natürlich würde diese Geschichte weitergehen, aber sie würde zuviele Szenen und Personen beinhalten, die versuchen würden, auf zweifelhafte Art daraus Profit zu schlagen und mir denen ich nichts mehr zu tun haben will.

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