bleiches licht um mich herum
bleiches licht um mich herum

MOPPEL-7c.....mir stehn die Haare zu Berge

Beitrag von wize.life-Nutzer

Nach diesem Friedhofsbesuch habe ich dann doch noch Joe und Christa nach Hause gebracht, diesmal sogar ohne Abschiedsbier. Ja und dann lotse mich Zehin über die Donau. Die beiden einzigen Bezirke Wiens, die es auf dieser Seite der Donau gibt, nämlich Floridsdorf und Donaustadt, werden von den Wienern liebevoll Transdanubien genannt. Der große Vorteil hier ist, dass sie zentral und günstig für die Wege liegen, die meine beiden zu erledigen hatten. Und außerdem, und das war bei weitem das Wichtigste, hier gab es genügend Parkraum und das ohne Gebühren.
Mein Schlafplatz, er sollte es auch noch für den Rest meines Wienaufenthalts bleiben, lag im Schatten des Donauturmes, an der alten Donau. Das sind ehemalige, vom Hauptstrom abgetrennte, Donauarme, welche jetzt als ein herrliches Bade- und Seglerparadies genutzt werden. Der Turm war 1964 anlässlich einer internationalen Gartenbauausstellung inmitten einer prachtvollen Garten- und Parklandschaft erbaut worden und sollte lange Zeit das höchste Gebäude Wiens sein. In dieser Parkanlage, die auch heute noch sorgsam gepflegt wird, befinden sich auch etliche Sportplätze, also ein ausgezeichnetes Naherholungsgebiet.
Spaziergänger, Jogger und zum Beispiel Tennisspieler finden hier ein ausreichendes Betätigungsfeld.

Die Sonne hatte sich inzwischen mit einer farbenprächtigen Show verabschiedet und die Nacht bedeckte alles mit dem dunkelblauen Schleier der auch die Geräusche der Stadt dämpfte. Außer mir schien alles friedlich zu schlafen.
Doch dann hörte ich auf einmal eine unheimliche und gespenstische Melodie und Wellen bleichen Lichts belebten die Umgebung. Und ich sah fahle Autogerippe um mich herum. Auf einmal tanzte auch noch ein total verrosteter Steinzeitmercedes mit einem Kleinlaster an mir vorbei. Der klapprige Laster hatte gar nur mehr zwei Räder und seine Bewegungen waren irgendwie abgehackt und ungelenk. Ja und auch ein VW-Käfer versuchte mit einem altem BMW-Motorrad Schritt zu halten, hatte aber dabei vollkommen vergessen, dass er „oben ohne“ war. Es war ein ganz makabrer Anblick, mindestens 10 Autopaare drehten sich zu der grotesken Musik im Kreis. Um Gottes willen, mir wurde heiß um die Zylinder gleichzeitig gefror mir das Öl in den Leitungen. War ich auf einem Autofriedhof gelandet? Ich wollte hupen, mich bemerkbar machen, war doch erst alles frisch repariert worden und ich funktionierte doch einwandfrei. Aber ich brachte nur ein müdes Ächzen hervor. Als dann die Sonne ihr Nahen ankündete, sah ich, es war nur der halbvolle Parkplatz, und es standen auch ganz neue Autos hier. Der grause Spuk war vorbei und den Rest der Nacht verbrachte ich in einen tiefen bleiernen Schlaf während die aufgehende Sonne langsam anfing meine Batterien wieder zu laden. Naja, Zehin hatte wohl mit seinem mobilen Sauerstoffkonverter meine Batterien zu stark beansprucht. Aber nun wusste ich, es wird alles gut und meine beiden Insassen sind gut versorgt und in Sicherheit. Oder waren das das noch Träume von dem gestrigen „Besuch am Zentralfriedhof“, oder vielleicht die Spätfolgen der Bodengymnastik mit ihrer großartigen Kakaoverschwendung, wer vermag das zu wissen. Ich legte mein Schicksal ergeben in die Hände Merkurs, der ja nicht nur der Gott des Handels, sondern auch der Reisenden ist. Zudem ist ja da auch noch Drega, die eine ganze Kompanie Götter zu ersetzen vermag.

Ja Drega, wo war denn sie denn bloß?? Als Zehin die letzten Schlafreste aus den Augenwinkeln wischte, bemerkte er dass das Bett neben ihm leer war, die Tür offen stand und die Stufen herabgelassen waren. Jedoch Drega war nirgends zu sehen, selbst als er das Auto verließ um einen Blick in die Runde zu werfen. Doch dann hörte er eine leise Stimme und als er dieser folgte und ums Auto herumging, da sah er eine bunte Decke und darauf seine Drega die ganz verbissen und konzentriert an Moppels A. herumfummelte.
Ja zum Geier, was war denn das schon wieder? Hatte sich Drega jetzt nun gar in einen Mastdarmakrobaten verwandelt?? MDAs sind in Österreich jene nicht sehr beliebten Leute, die um eines Vorteils willen dem Chef in den Hintern kriechen. Aber Drega? Nein, natürlich nicht. Wie sich herausstellte hatte sich die Schelle gelockert, die das Endstück meines Auspuffs mit dem Schalldämpfer verband. Und dieses Stück hing jetzt runter. Ohje, da war wohl doch was dran mit meinem nächtlichem Alptraum vom Schrottplatz? Oder drohte ein Werkstattbesuch mit endlosen Wartezeiten bis eine neue Anlage eingetroffen ist? Naja Drega, fluchte und kramte dann nach Werkzeug. Dann verschwand sie wieder unter meinem Hintern und ich hörte es knarzen und nach ein paar Hammerschlägen merkte ich erleichtert das Ding hing wieder an seinem Platz. Drega schickte noch schnell den Zehin zu meiner Werkzeugkiste damit der Auspuff endgültig wieder festgeschraubt werden konnte. Na hoffentlich passiert mir so was Peinliches nicht so bald wieder.

Die beiden waren gerade rechtzeitig mit der Reparatur fertig geworden und hatten auch bereits gefrühstückt, als das Telefon klingelte. Es war unser Freund Joe, der wieder zu einem kleinen Ausflug einlud. Na das passte ja gerade wunderbar und eine halbe Stunde später war man schon unterwegs. Zuerst wurde ein Campingzubehörplatz in Schwechat angesteuert. Mir verschlug`s wieder einmal die Sprache, so viele schöne, riesige neue Wohnmobile und auch Anhänger standen da rum. Allerdings die Preise waren auch nicht ohne. Das Mehrfache von dem was ich einschließlich aller Reparaturen und neuen Verbesserungen, wie Solaranlage, gekostet hatte. Nach geraumer Zeit kamen alle meine Insassen wieder, Drega hatte einige Kleinigkeiten zur Inneneinrichtung gefunden. Sie war aber nicht toll begeistert, da die Auswahl nicht ganz ihren Vorstellungen entsprach und sie die Preise auch sehr hoch fand. Aber bevor jetzt zu weiteren Unternehmungen gestartet wurde, holte Drega eine Schüssel voll herrlichen Obstes und bestem Käse, sowie Wurst als kleinen Imbiss hervor. Und tatsächlich mundete es allen hervorragend und nachdem alles verspeist war, lotste mich Joe frohgemut neuen Abenteuern entgegen.

Wir fuhren in einiger Entfernung am Flughafen vorbei, gerade in einem Moment als fünf Flugzeuge wie aufgefädelt hintereinander im Minutentakt die Landebahnen ansteuerten. Es war sehr beeindruckend und jetzt ging ja die Urlaubssaison zu Ende und auch die letzten Chartermaschinen suchten noch ihre Bestimmungen zu erreichen. Es wurde aber schnell ruhiger als wir uns in gutem Tempo in Richtung Ungarn, bzw. Bruck/Leitha bewegten. Die Gegend wurde etwas hügeliger und Weingärten kamen immer mehr ins Blickfeld. Ich begann zu ahnen was Joe vorhatte und schmunzelte in mich hinein. Und prompt kamen die in die Erdhügel hinein gebauten Weinkeller in Sicht. Beim ersten gefiel sowohl das Ambiente als auch das Angebot nicht und wir fuhren weiter. Aber schon der nächste Keller war ein Volltreffer. An der Bundesstraße gelegen, nur durch einen Grünstreifen von ihr getrennt waren hier genügend überdachte Plätze im Freien und Parkplatz gab es auch genug. Von hier aus hatte ich den totalen Überblick und mir entging gar nichts. Bis auf Zehin, der mal wieder aus der Reihe tanzen musste und sein Bier wollte, bestellten alle von dem köstlichen frischen Traubenmost. Joe machte meine Insassen darauf aufmerksam, dass es hier auch noch leckere Schweinereien aus eigener Hausschlachtung gab. Und so mampften bald alle im fröhlichen Gespräch vor sich hin. Das Wetter war ausnahmsweise mal sehr schön und die Fernsicht ausgezeichnet, man sah von hier aus sogar den Schneeberg einen der Wiener Hausberge. Nun dieser ist ja wohl auch der höchste Berg Niederösterreichs. Aber als Drega lauthals rief “Ich sehe sogar die Zugspitze“ fragte Zehin sofort wo, und Drega wies ihn lachend auf die Eisenbahn hin, die in einiger Entfernung vorbeifuhr. Da wollte er ihr den Hintern versohlen aber fix wie unsere Drega war, war sie auch schon fort.
Da Drega wusste, dass der Aufenthalt von etwas längerer Dauer war, genehmigte sie sich auch ein Achtel Rotwein, da das bisschen Alkohol während dieser Zeit mit Sicherheit abgebaut wurde. Ja und er schien ihr vortrefflich zu schmecken, kein Wunder, es war auch ein super Wein und da war Drega durch Zehin doch schon sehr verwöhnt worden. Zehin, der das alles mitbekommen hatte, plante schon etwas, das merkte ich ihm an. Ich ahnte, dass es Etwas für später sei…. Nun ich würde es schon noch früh genug erfahren.

Ja so ging die Zeit schnell dahin und als die Dämmerung einsetzte, fuhren wir schön brav wieder zurück nach Wien. Joe und Christa wurden daheim abgeliefert und wir fuhren zu unseren Schlafplatz in Transdanubien.