Ein ganz besonderer Tag, der Beginn eines wunderschönen, unvergesslichen Sommers

Beitrag von wize.life-Nutzer

Seine Frau und sein Auto, so besagt der Volksmund, solle man niemals ausleihen.
Und doch habe ich grade dieses erfahren dürfen. Allerdings war es nicht die Frau, die mein Freund mir auslieh.
Doch lasst mich am Anfang beginnen:

Es war vor vielen Jahren schon, unsere Kinder waren noch klein, gingen aber bereits zur Schule.
Die Sommerferien, langersehnt, hatten gerade begonnen.
Wir waren startbereit für die Abfahrt, die Koffer gepackt und im Auto verstaut. Sogar das große Familienzelt hatte noch Platz gefunden. Es war auch das Wichtigste, denn wir wollten die Fahrt nach Kärnten ,der Heimat meiner Frau, in Etappen bewältigen. Ich hatte mit meiner Frau besprochen, daß wir irgendwo im Allgäu und dann noch einmal in Tirol übernachten würden..So wäre vor allem für die Kinder die doch recht lange Fahrt erträglicher, und auch erlebnisreicher.
Jetzt also waren wir startbereit. Wir wollten gegen Mitternacht los. So konnten die Dreie noch ein wenig schlafen, um im Allgäu dann einen kurzweiligen Tag zu erleben.
Es war die Nacht zum Sonntag.
Die Fahrt begann auch recht angenehm, die Autobahn war leer, die Nacht klar, beste Voraussetzung, um am frühen Morgen unser Etappenziel zu erreichen. Oberstdorf, Schloß Neuschwanstein, Breitachklamm. Ich war fit und bester Laune.
Doch dann plötzlich, es war Höhe Offenburg, ein kreischendes Geräusch aus dem Motorraum, der Motor stellte ab. Ich ließ den Wagen auf der Standspur ausrollen, versuchte erneut zu starten. Außer einem Klickgeräusch kam da aber nichts. Das fing ja richtig gut an...!
Über eine Notrufsäule rief ich nach dem ADAC. Ich war zwar nicht Mitglied, aber das würde sich wohl richten lassen.
Nach längerer Wartezeit kam der "gelbe Engel" auch. Seine fachmännische Kraft strahlte enorme Ruhe aus, vor allem dann, als er konstatierte, die Stirnräder seien wohl hin.
Nun kann ich als Taxifahrer das Gerät Auto zwar fahren, mit der Technik hapert es jedoch gewaltig. Dank der fachmännischen Erläuterung meines Engels wurde mir jedoch relativ schnell klar, daß wir nicht weiterfahren konnten. Deshalb war ich natürlich einverstanden, daß er mein Auto nach Offenburg zu einer Werkstatt abschleppte, wo wir ja am Montag den Schaden genauer besehen lassen konnten. Soweit so gut, ich hieß meine Leute einsteigen. Dann landeten wir in angemessener Zeit im Hof einer Autowerkstatt. Gegen eine Beitrittserklärung zum ADAC würde auch keine Abschlepprechnung zu erwarten sein.
Glücklicherweise war die Werkstatt in der Nähe des Bahnhofs. So konnten wir, der Tag war inzwischen angebrochen, zumindest dort zum Frühstück einkehren, und unser weiteres Vorgehen beratschlagen. Ich wusste aus meiner eigenen Jugendzeit, daß in der Nähe in Ortenberg, eine schöne Jugendherberge ist. Dort konnten wir das Wochenende verbringen. Ich würde dann am Montag meinen Vater anrufen, mir sein Auto ausleihen, und meine Familie wieder nach Hause bringen. Nach Auskunft des ADAC- Mannes, an der ich nicht zweifelte, war unser alter Ford- Granada kaum mehr zu retten.
Langer Rede, kurzer Sinn, so war es dann auch. Die Stirnräder, was immer das auch sein mögen, waren kaputt; an eine Reparatur der unrentablen Kosten wegen gar nicht zu denken.
Das tat weh. Unser geliebtes Familienauto, ein Kombi, zum Verschrotten verurteilt!. Die Werkstatt erklärte sich auch bereit, das Auto gleich zu behalten. Zu der damaligen Zeit brauchte man für's Verschrotten noch keine Gebühr bezahlen. Im Gegenteil, wenn man Glück hatte, bekam man noch etwas für den Schrottwert. So war es auch bei mir, noblerweise ersetzte man uns sogar den vollen Tank.
Ich setzte mich also in den Zug. Vater hatte mir zugesagt, mir seinen Wagen zu leihen. Da er ihn aber ständig selbst brauchte, konnte er ihn nur für den Nachmittag entbehren. Aus irgend einem Grund, ich weiß nicht mehr warum, musste ich aber nochmals nach Hause nach Neuenburg, ehe ich in Freiburg Vater's Wagen holen konnte.
Als ich dann in Müllheim, dem Nachbarort wo ich auch arbeitete, (nach Neuenburg fuhren damals keine Züge) aus der Bahn stieg, waren da natürlich meine Taxikollegen. Auch mein Freund Wolfgang, der in den Vogesen einen Hof, eine ferme, betrieb, gelegentlich auch alsTaxifahrer jobbte, war da. Nicht um zu arbeiten, nein er führte den Kollegen eben voller Solz seinen funkelnagelneuen BMW vor.
"Mensch Hannes" rief er, "ich denke, Du würdest schon am Wörthersee in der Sonne liegen!"
"Tja, von wegen" antwortete ich. Dann erzählte ich niedergeschlagen von meinem Missgeschick. Er schaute mich mit großen Augen an, nickte mitfühlend mit dem Kopf, griff dann in die Hosentasche und reichte mir seinen Autoschlüssel. "Ich brauche das Auto die nächsten drei, vier Wochen nicht unbedingt. Nimm's und fahr mit Deiner Family in die Ferien. Ich rufe nachher meiner Frau an, daß sie mich abholt."
Ich war baff! Sowas hatte ich nicht erwartet. Als ich mich verlegen und wortreich zu bedanken anfing, unterbrach er mich beinahe unwirsch. "Quatsch hier keine Opern, verschwinde und bring' mir die Kiste wieder heile zurück!"
Ich umarmte ihn, hätte beinahe geheult, und spürte auch seine Rührung.
Meine Frau und die Kinder staunten nicht schlecht, als ich gegen Mittag mit dem tollen Auto ankam. Das Gepäck war schnell umgeladen, obwohl wir Mühe hatten alles, vor allem das Zelt, unterzubringen.
Ich brauche sicherlich nicht zu betonen daß dies ein ganz besonderer Glückstag war, und die anschließenden Ferien unvergesslich bleiben.

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