Auf a Stünderl ins Hawelka
Auf a Stünderl ins HawelkaFoto-Quelle: Pixelio.de

Auf a Stünderl ins Hawelka

Beitrag von wize.life-Nutzer

Das Cafehaus im 1. Wiener Bezirk ist legendär, genau so wie seine Gäste. Zu den Stammgästen zählt, ganz ohne Zweifel, auch die Frau Oberamtsrat Jelinek. Jeden Tag um die gleiche Zeit betritt sie das alte Cafe in der Dorotheerstraße. Und dort ist dann wieder einmal großer Bahnhof angesagt und das, wie schon gesagt tagtäglich.

Küss die Hand, gnä` Frau, flötet der Ferdinand, was der Ober besagter Lokalität ist und schwebt hinter dem Tresen galant hervor, um der Gnädigen aus der Garderobe zu helfen. Jessas, der Herr Ferdinand, wie immer charmant, gurrt die Frau Jelinek zurück und lässt sich auf ihren Stammplatz plumpsen, wobei der schon betagte Sessel dezent ächzt, woran das Gewicht der Frau Jelinek nicht ganz unschuldig ist. Der Beppi, ihr Rauhhaardackel, macht es sich derweil zu ihren geschwollenen Füßen bequem. Was darf ich ihnen bringen, gnä`Frau, a Sacher hätt` ma heit ganz frisch, sagt der Ferdinand. Ach, Herr Ferdinand, bringa`ns mir bittschön a Melange und die Sacher, aber mit einem Kleckserl Schlagobers, wenn schon, denn schon, lacht die Frau Oberamtsrat und zeigt dabei ihren blitzenden, goldenen Eckzahn. Überhaupt blinkt und glitzert es an der Gnädigen überall, man muß doch zeigen, was man hat! Aber schauns, dass sie dem Beppi auch a frisches Wasser bringen, gell, Herr Ferdinand, sagt sie noch und mit einem, bitte sehr, bitte gleich, entschwindet der Ober in Richtung Tresen.

Hinten im Office angekommen, wischt sich der Herr Ferdinand erst mal über die schweißnasse Stirn und gibt der Minna die Bestellung weiter. Wenn alle Gäst` so anstrengend wärn, wie die Gnädige, raunt er der Minna zu, hätt i scho lang hier meinen Posten an den Nagl ghängt. Die dralle Minna lacht ihr glockenhelles Lachen, so dass ihr der Busen schier aus dem Mieder hüpft. Jo mei, sagt sie, sie ist es halt gewohnt, die Frau Oberamtsrat, dass alle um sie herumscharwenzeln.

Als der Herr Ferdinand zurück an den Tisch der Frau Jelinek kommt, ist er wieder gefasst und hat alles im Griff. Mit einem distinguierten Gesicht serviert er der Gnädigsten ihre Bestellung und sogar das Wasser fürs Hunderl, den Beppi, hat er dabei. Hams des schon ghört, von dem Herrn Hrdlicka, Herr Ferdinand, flüstert die Frau Jelinek ihm mit vorgehaltener Hand zu. Naa, wos denn, gnä` Frau, entgegnet er. Na, den Zettl hams ihm zwickt, den Herrn Hrdlicka, sagt sie. Oans komma fünf Promill` hat er ghabt, der feine Herr, weil er wieder beim Heurign zu tief ins Glaserl gschaut hat, geifert sie gedämpft, die Frau Jelinek. Jo, des hod ja amoi kommen müssen, Gnädigste, der Hrdlicka weiß halt nie, wann er aufhörn muss, sagt der Ferdinand. Währenddessen schiebt sich die Frau Oberamtsrat Gaberl um Gaberl der kalorienreichen Torte ins Goscherl und nippt zwischendurch immer mal wieder an der heißen Melange. Wissens, Herr Ferdinand, mein Gatte, Gott hab ihn selig, hat damals schon immer gsagt, eine größere Gabe, als die Fähigkeit zum Maßhalten, kann der Himmel keinem schenken. Mit diesem abschließenden Urteil stopft sich die Gnädigste auch noch das letzte Resterl Sacher in den Mund. Danach leert sie den Rest der Melange aus ihrer Tasse, um sich dann mit spitzen Fingern mittels der Serviette die Mundwinkel zu tupfen. Zufrieden und mit geröteten Wangen lehnt sie sich in den altersschwachen Sessel zurück. Jo Ferdinand, sagt sie, Neuigkeiten gibts ja bei uns im ersten Bezirk immer, hab ich recht? Aber wos wir redn, bleibt ja unter uns, gell und dann schickt sie sich an zu zahlen und der Ferdinand macht ein Kreuzzeichen, als sie mit dem Beppi im Schlepptau in Richtung Ausgang entschwindet.


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