Mini u. Molly - Ausgangssperre
Mini u. Molly - AusgangssperreFoto-Quelle: copy. U.M.K.

Zwei Katzen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Am ersten Dezember dieses Jahr feiern wir 8 Jahre Erfahrung in der Haltung von zwei Stubentigern. Das bedeutet nicht nur ungetrübte Freude! Dazu gehören auch überall Katzenhaare, mitunter an Stellen, wo keiner sie vermuten würde. Kratzer in der Tapete, Erbrochenes wegputzen, stinkende Hinterlassenschaften aus der Katzentoilette beseitigen, morgendliches kratzen an der Schlafzimmertüre unterstützt von lautem Miauen, wenn man mal länger schlafen will und die Bande das nicht einsieht. Mitbringsel vom Balkon in Form von halb toten zerpflückten Schmetterlingen, Riesenheuschrecken und Fliegen trüben mitunter die Begeisterung.
Acht Jahre keine fußwärmenden Teppiche mehr in der Wohnung, dafür zerkratzte Tischbeine an meinem Wohnzimmertisch (Fichte ist nicht katzenkompatibel – zu weiches Holz). Nicht dass sie es nötig hätten sich an den Tischbeinen zu vergreifen, es stehen drei Kratzbäume malerisch verteilt in der Wohnung. Das Wohlbefinden der beiden Katzen liegt mir sehr am Herzen, obwohl sich noch keine der zwei Fellnasen jemals Gedanken über meinen Gemütszustand gemacht hat, es sei denn ich gehe in die Küche, um mir was zu kochen. Dann stehen sie Gewehr bei Fuß (kann man die Redewendung eigentlich auch bei Katzen benutzen?) neben mir, vor mir, hinter mir, zwischen meinen Füßen, was sowohl für die Katzen, als auch für mich mitunter lebensgefährliche Formen annimmt. Es ist schon vorgekommen, dass ich bei einem Ausfallschritt nach hinten eine der lieben Kleinen so übel getreten habe, dass sie mit einem lauten Aufschrei fluchtartig die Küche verlassen hat und ich besorgt nachschauen musste, ob noch alles an ihr dran ist.
Meinen Weg in die Küche deuten die Katzen jedes Mal als eindeutiges Signal für Futterausgabe, egal, ob sie fünf Minuten vorher satt und zufrieden ihre Lieblingsplätze aufgesucht hatten um sich zu putzen und dem Vorgang des gemütlichen Verdauens hin zu geben.
Vor acht Jahren also haben meine Tochter und ich beschlossen endlich unseren Traum wahr zu machen, indem wir uns Katzen in die Wohnung holten.
Heute denke ich manchmal, ob ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung diesem Verlangen nach etwas Vierbeinigem mit weichem Fell nachgegeben habe, zumal sowohl mir, als auch meiner Tochter von einem Allergologen, neben diverser Pollenallergien auch eine Katzenhaarallergie attestiert wurde. Wir schlugen trotzdem alle Bedenken in den Wind.
Unser Ansprechpartner war der Tierschutzverein, der das ganze Jahr über händeringend versucht die vielen streunenden ausgesetzten Katzen unterzubringen. Es müsste nicht so sein, wenn die Tierhalter verantwortungsbewusst dafür sorgen würden, dass die Katzen, die Freigänger sind, rechtzeitig sterilisiert u. kastriert werden.
Unsere beiden waren damals zusammen mit fünf weitere Fundkatzen unterschiedlichen Alters in einem kleinen unbewohnten Häuschen untergebracht. Das Haus hatte eine Katzenretterin des Tierschutzvereins zur Verfügung gestellt, die ihr Leben ganz dieser Aufgabe widmet.
Mit einer Bekannten fuhr ich zum „Besichtigungstermin“.
Das Ergebnis waren zwei Wochen später zwei Katzen die neugierig ihr neues Heim besichtigten und mit reiben des Kopfes an diversen Möbelstücken u. Türrahmen bekannt gaben – das ist jetzt meins.
Mini, die Mutter, inzwischen ca. 11 Jahre alt, klein, unerschrocken, kratzbürstig und bei jedem Schritt einen Ton von sich gebend, mit der viel größeren Tochter Molli 9 Jahre alt, sanftmütig, ängstlich, aber gelehrig. Das genaue Alter der Mutter konnte nicht festgestellt werden, da sie hochträchtig in einem schlechten Zustand in einem Schrebergarten aufgefunden wurde wo sie offensichtlich niemand mehr haben wollte. Ich habe die beiden als Wohnungskatzen übernommen. Für Molli ist das kein Problem, sie war noch nie Freigängerin und ist mit dem Ausflug auf den Balkon zufrieden. Mini dagegen, die ihre ersten Jahre im Freien verbracht hat, wird nachts oft unruhig und wenn mir das Maunzen und hektische herumtigern zu viel wird mache ich die Balkontüre auf, dann ist sie zufrieden und begehrt, je nach Laune, über kurz oder lang wieder Einlass in die gute Stube.
Die beiden sind so verschieden, dass man fast nicht glauben kann, dass sie Mutter und Tochter sind. Mini kratzt und beißt schon mal ohne Vorwarnung, eben hat sie noch genüsslich geschnurrt während man sie streichelt, dann schlägt ihre Laune unvermittelt um und der Liebesbeweis wird mit blutigen Kratzern belohnt. Versucht man ihr Fell zu bürsten, damit nicht alle Haare auf der Couch zurück bleiben, dann schafft man das nur, wenn sie zu müde ist, um sich zu wehren. Dafür lässt sie sich gerne auf den Arm nehmen, Molli jedoch wehrt sich immer gegen diesen Annäherungsversuch. Geht die Haustürklingel steht Mini als erste an der Türe. Molli ergreift in diesem Fall sofort die Flucht und versteckt sich. Dafür genießt sie es gestriegelt zu werden und wenn Streicheleinheiten gefordert sind, legt sie sich schon mal auf den Rücken streckt vertrauensvoll alle vier Beine in die Luft und lässt sich schnurrend den Bauch kraulen.
Ihre Sanftmut hat ihr wahrscheinlich auch das Leben gerettet. Im Februar dieses Jahr wurde bei Molli Diabetes festgestellt. Es ging ihr nicht gut. Die Fructose-Werte waren so hoch, dass sofort mit einer Insulintherapie begonnen werden musste. Morgens und abends der Katze mit einer Spritze Insulin zu verabreichen hat mich zu Beginn einiges an Überwindung gekostet. Inzwischen ist es schon Routine und Molli springt nach dem Fressen ohne große Aufforderung auf ihren Lieblingskratzbaum, wo ich sie auch gut erreiche und lässt sich ohne Murren spritzen. Mit Mini wäre das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, sie hätte so etwas nie zugelassen und wäre wahrscheinlich an der Krankheit gestorben. Nach der sofortigen Umstellung auf geeignetes Nassfutter und der Insulintherapie sind die Zuckerwerte bei Molli wieder im Normbereich und ich konnte auch die Insulinmenge auf 2 Einheiten reduzieren. Das lässt mich hoffen, dass sie in naher Zukunft kein Insulin mehr braucht.
Hab ich schon erwähnt, dass Mini ungeheuer eifersüchtig ist, sie vertreibt ihre Tochter zu gerne und liegt dann auf Plätzen, die sie sonst nie bevorzugt hat. Morgens finde ich oft Haarbüschel in der Wohnung verteilt, die offensichtlich von Molli stammen. Ich muss auch immer wieder dazwischen gehen, wenn Mini sich auf ihre Tochter stürzt und sie ohne Grund verprügelt.
Molli wehrt sich nicht. Nur manchmal kann ich beobachten, dass Molli ihre Pfote über den Sesselrand gleiten lässt, wenn ihre Mutter unten vorbei läuft, aber eine Kopfnuss hat sie ihr noch nie verabreicht.
Trotz der vielen unangenehmen Einzelheiten habe ich es noch nie bereut die beiden Stubentiger in die Familie aufgenommen zu haben. Es gibt immer etwas zu lachen, es ist schön wenn sie auf der Couch neben mir liegen und ich ihr weiches Fell streicheln darf und die Allergie äußert sich nur, wenn Mini mal wieder ihre Krallen ausgefahren hat und sich um die Kratzer auf der Haut rote Stellen bilden.

@ Ursula M. K.