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Mittagspause
MittagspauseFoto-Quelle: ©MartinStauder

Mittagspause

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 23.09.2014 - 12:15 Uhr

Dieser Lärm, Autos, Autos, Autos – als Hitchcock seinen Film drehte, war das Getöse bestimmt noch nicht ganz so schlimm. Ein Glück, unsere Villa liegt außerhalb in den Bergen. Viel zu wenig Ruhe. Geratter, Geknatter, Reifenquietschen. Die Spinne dort, sie krabbelt auf die Straße und niemand bremst. Armes Tier. Neulich kroch eine über das Untersuchungsbesteck. Wurzelbehandlung. Ich musste mehrere Pausen einlegen, sonst wäre er krepiert. Der hatte mehr Angst vor mir als vor einer Spinne. Ganz bestimmt. Da läuft sie nun dahin. Wenn sie Glück hat, schafft sie es bis zum Strand. Irgendwann latscht einer drauf. Mein Magen knurrt. Aber nicht wieder diese Crêperie. Die Speisekarte habe ich mindestens zweimal durchgekaut. Alle Crêpes und Galettes. Ich brauche was vernünftiges. Mal kurz über die Straße, ein Blick zum Horizont, das wär's. Verfluchter Sekundenzeiger! Ein Bettler. Was hat der hier verloren? Ausgerechnet hier. Die Spinne klebt sicher schon an einem Autoreifen. Mensch, knutschen die herum. Ich weiß nicht, warum hier alles so protzig ist. Ich komme mir vor wie ein Zwerg, zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft. Dieses blöde Protzhotel. Nabokov wohnte in solch einem Bunker. Dieses Hupen, rattern, knattern. Hört das denn nie auf? Ein Schrei! Da! Im Wartezimmer hängt die Temperaversion. Sein Mund weit ... Mensch, pass doch auf! Blindgänger. Warum schauen alle nach oben? Hat jemand im Streit 'ne Flasche Champagner aus dem Fenster geworfen, oder was? Mein Kopf! Ein dunkler Schatten ist vorbeigerast. Schwein gehabt. Die knutschen immer noch. Die Hektik bringt mich noch um, elendes Reifengequitsche, die Welt … ich kann mich nicht bewegen, das rotschimmernde Blut, wie ein Lavastrom, der sich in den Sonnenuntergang ergießt. Edward Munch, ich habe sein Tagebuch gelesen ... „der Himmel wurde blutrot, und ich empfand einen Hauch von Wehmut“ , steht da so drin, ich habe diese Textstelle niemals vergessen. Reizwäsche, eine Leiche mit … sieht echt verboten aus. Was gäbe ich darum in unserer Villa zu sein. Wir sitzen auf der Dachterrasse bei einem Glas Champagner und eine zarte Brise säuselt in den stillen Abend. Das Meer ... Die Armbanduhr, verflucht. Dreizehnuhrzwölf.

©MartinStauder

15 Kommentare

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Maddin, also diesem Mann würde ich zum Entschleunigen Yoga oder Meditation empfehlen und nicht etwas vernünftiges Essbares. Lach. Prima Deine Schreibe , schön versponnen und verworren.LG Eva
Danke Eva, ich meditiere ja, aber der Zahnarzt nicht, lach
Ja, die Zahnärzte, sind halt unbelehrbar,lach!
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Martin, eine Gegend in der vielleicht grade noch eine Praxis angesiedelt sein kann, dort wohnen wäre wirklich nicht erstrebenswert. Mir gefällt Deine Art zu schreiben, sie beflügelt die Phantasie.
Vielen Dank, Ursula.
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Was sagt uns das ? Keine chaotische Lebensweise ….wer kann, der zieht aufs Land…wenn er denn kann.
Tönt etwas wirr…nicht wahr ?
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Ist es einer deiner Albträume? jedenfalls toll geschrieben, Herr Hitchcock....würde ich mal den TATORT Drehbuchschreibern zukommen lassen...
Vielen Dank, Reni
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So viel Chaos! Mir ist vom Lesen schon ganz schwindelig.
"...Ein Schrei! Wie bei Edvard Munch. Die Temperaversion hängt im Wartezimmer. ..."
Einfühlungsvermögen wie ein Betonklotz. So einen Zahnarzt würde ich meiden wie die Pest.
"...sonst wäre er krepiert..." -- "...Ein Bettler. Was hat der hier verloren?..." -- "...Eine Leiche mit Reizwäsche. Sieht echt verboten aus...."
Neee, kein Text für mich. Vielleicht gefällt's ja anderen?
Ist vielleicht auch Geschmacksache.
wie ein schlechter Horrofilm?
Hallo Martin,
Du hast eine sehr interessante Schreibe.
Doch wie Du selber schon sagtest, es ist Geschmackssache. Für mich ist es ehrlich gesagt auch etwas verworren und horrormäßig. Trotzdem: Es soll ja für jeden Geschmack etwas dabei sein und Deine Geschichten sind eben "anders". Es lebe die Vielfalt!
Danke Inga und Christine
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