Stiller Abschied - Vom Ende einer Liebe
Stiller Abschied - Vom Ende einer LiebeFoto-Quelle: Ralf Scheer/www. pixelio.de

Stiller Abschied - Vom Ende einer Liebe

Beitrag von wize.life-Nutzer

Die alten Holzstufen knarrten wie immer, als sie die wenigen Stufen zum ersten Stock hinaufstieg. Vorsichtig steckte sie den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn zweimal nach links. Zögernd öffnete sie die Türe. Sie war nicht mehr in der gemeinsamen Wohnung gewesen seit damals, vor drei Monaten, als Marius sie verließ. Nun stand sie im Wohnzimmer, genau an der Stelle wo er damals stand, als er ihr mit blassem Gesicht seine Liebe zu der anderen Frau gestand, zu der er nun ziehen wollte. Sie sah sich wieder, wie sie ihn anstarrte, ihr Hals wie zugeschnürt und keines Wortes fähig war. Er machte es kurz an diesem Abend und dann ging er, mit einem gepackten Koffer und einer kleinen Reisetasche. Als sie die Türe ins Schloss fallen hörte, wußte sie, es war zu Ende.

Leise betrat sie das Arbeitszimmer. Auf dem Schreibtisch der Aschenbecher mit seiner abgelegten Pfeife. Man hatte das Gefühl, er sei nur mal eben kurz weg. Die braune Ledermappe mit seinen Aufzeichnungen lag sorgfältig geordnet daneben. Zärtlich strich sie mit der Handfläche über das alte, gegerbte Leder. Wie hatte sie diesen Anblick geliebt, als sie ihn immer dort sitzen sah, vertieft ins Schreiben, im Schein der antiken Tischleuchte. Fast konnte sie den würzigen Pfeifentabak riechen, der immer durch den Raum zog, wenn Marius arbeitete. Meist stellte sie ihm eine Tasse Melissentee daneben, während sie ihm über die Schultern schaute und kurz über seine verwuschelten Haare strich, bevor sie wieder leise die Türe hinter sich schloss.

Sie zog den schweren, ledergepolsterten Stuhl etwas nach hinten und setzte sich. Nun erst rannen ihr die Tränen über die Wangen und sie weinte fast lautlos. Es war vorüber, endgültig, erst jetzt wurde ihr das so richtig bewusst. Eine Liebe, die über sieben Jahre gehalten hatte, war zu Ende. Noch eine zeitlang saß sie regungslos da und starrte auf den Schreibtisch, dann erhob sie sich. Morgen würde sie die Wohnung endgültig kündigen und die restlichen Möbel aus der Wohnung schaffen. "Adieu Marius, ich wünsche dir viel Glück", flüsterte sie, danach stand sie auf und zog die Türe ins Schloss, ohne sich noch einmal umzublicken.

Foto: Ralf Scheer/www.pixelio.de