Luc und Marthe (8) - Zeit der Zärtlichkeit
Luc und Marthe (8) - Zeit der ZärtlichkeitFoto-Quelle: Konstantin Gastmann/www.pixelio.de

Luc und Marthe (8) - Zeit der Zärtlichkeit

Beitrag von wize.life-Nutzer

Mit gesenktem Kopf saß er in der behaglich warmen, kleinen Küche und starrte vor sich hin. Seine Rechte stützte die Wange. Er sorgte sich. Marthe lag fiebernd nebenan in der kleinen Schlafstube und konnte sich einfach nicht erholen von der Krankheit,die mit einer banalen Grippe begann. Im Ofen prasselten die Scheite und ab und zu knackte es, wenn das Holz im Feuer zerbarst. Noch nie, in all den Jahren, war Marthe ernsthaft krank gewesen, ganz zu schweigen davon, dass sie wegen einer Krankheit im Bett gelegen hätte.

Schwerfällig erhob sich Luc und ging zum Herd, um das heiße Wasser, welches bereits im Flötenkessel blubberte, in die vorbereitete Teetasse zu giessen. Der warme Trunk aus frischen Hollunderblüten würde Marthe gut tun. Er liess den Tee noch wenige Minuten ziehen und schlurfte dann, vorsichtig die heisse Tasse vor sich tragend, hinüber zu ihr. Mit geröteten Wangen lag sie in den weißen Kissen. Nachdem er die Tasse auf dem kleinen, fahrbaren Tischchen abgesetzt hatte, strich er ihr liebevoll eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht. Wie sie dalag, mit fiebrig glänzend, großen Augen erinnerte sie ihn an das kleine Mädchen, das sie einst war. Er ging hinüber zur Kommode und zog die flauschige, bordeuxrote Decke aus der Schublade. Zärtlich legte er auch diese noch über das Federbett und stopfte die Enden hinter ihren Schultern fest. Ein mattes, dankbares Lächeln umspielte ihre Lippen. Seine zärtliche, kleine Geste tat ihr in diesem Moment so gut, es war, als würde gleichzeitig ihre Seele leise gestreichelt. Sie sah seine ängstlichen, braunen Augen, als er sich zu ihr beugte, während er ihren Kopf leicht mit der linken Hand anhob und sie an dem heißen Tee nippen ließ. Mit zittriger Hand stellte er dann die Tasse zurück auf den kleinen Tisch. "Versuche ein wenig zu schlafen, Liebes", mit diesen Worten streichelte er noch einmal ihre heiße Wange. Sie nickte schwach und schloss dann die Augen.

Als sie wohlig warm die Müdigkeit umfing, sah sie, schon im Hinüberdämmern, seine Augen vor sich, wie sie voller Liebe und Fürsorge auf sie gerichtet waren. Respekt- und liebevoll hatte er sie immer behandelt, all die vielen Jahre. Er allein wußte, mit ihrem Sturkopf umzugehen und sie ebenfalls mit seiner unbeweglichen Art, an Altem festzuhalten und seinem manchmal unerträglichen Egoismus. Doch immer waren da auch Zeiten voller Zärtlichkeit, die sie sich beide gegenseitig zum Geschenk machten. Während aus der angrenzenden Küche leise Luc`s Lieblingsmelodie "Foul sentimentale" erklang, schlief Marthe bereits tief und fest.


Foto: Konstantin Gastmann/www.pixelio.de