Luc und Marthe (10) - Tage am Meer
Luc und Marthe (10) - Tage am MeerFoto-Quelle: Stephan Möckel/www. pixelio.de

Luc und Marthe (10) - Tage am Meer

Beitrag von wize.life-Nutzer

In dem kleinen, französischen Dörfchen traf man allerorts die Vorbereitungen für die kältere Jahreszeit. Auch am Rande des Dorfes, dort, wo Luc und Marthe lebten, hatte man bereits vorgesorgt. Die Marmeladengläser standen ordentlich in Reih und Glied in den Regalen der Vorratskammer, beschriftet und mit Jahreszahl versehen von Marthe`s akkurater, zierlicher Handschrift. Daneben reihten sich die Gläser mit verschiedenen Gemüsen, wie Zucchini oder Auberginen, um auch in der erntelosen Zeit mit genügend Vitaminen versorgt zu sein. Marthe ging es nach ihrer wochenlangen Krankheit schon wesentlich besser und um ihre Widerstandskräfte zu mobilisieren, hatte Luc ihr den Vorschlag gemacht, doch für einige Tage ans Meer zu fahren. Er wusste, dass sie die Bretagne über alles liebte und hatte deshalb das kleine Häuschen hinter den Dünen kurz entschlossen für einige Tage gemietet.

Der alte, schwarze Buick-Skylark aus dem Jahr 1953 war startklar und die Koffer ordentlich verstaut. Luc sass am Steuer, die braune, lederne Schiebermütze tief ins Gesicht gezogen. Marthe hatte sich das seidene Kopftuch umgebunden und die Augen mit einer dunklen Sonnenbrille geschützt, so sass sie neben ihm und kuschelte sich wohlig in den roten Ledersitz. Wie lange schon waren sie nicht mehr mit dem Auto unterwegs gewesen, dachte sie, währenddessen Luc bereits startete. Sie sah ihn von der Seite an. Noch immer war der Mann an ihrer Seite eine stattliche Erscheinung. Der Wind wehte eine Brise seines Eau de Toilette in ihre Richtung und sie atmete tief den ihr so wohl vertrauten Duft ein. Er spürte ihren Blick und nahm kurz ihre Hand und drückte sie zärtlich. Sein Fahrstil war mehr als gemütlich und so blieb genug Zeit und Muse sich der herrlichen Landschaft zu widmen.

Als sie endlich ihr Ziel erreicht hatten, machte sich Marthe sofort ans Auspacken. Das Häuschen, das sie schon ein paar Jahre zuvor einmal gemietet hatten, war klein, aber sehr behaglich. Nachdem das Allernötigste verstaut war, packten sich beide warm ein und liefen durch die Dünen hinunter zum Meer. Sie fassten sich an den Händen und liefen der schon untergehenden Sonne entgegen. Der rauhe Wind peitschte ihnen ins Gesicht und die Wellen brachen sich tosend an den bizarren Klippen. Beide liebten dieses grandiose Schauspiel und waren sich einig, dass es nichts Schöneres gab, als diese Urgewalt der Gezeiten aus nächster Nähe zu verfolgen und zu erleben. Kurz vor den Austernbänken kehrten sie um, denn es wurde bereits dunkel. Der Geruch von Fisch und Seetang begleitete sie bis vor ihre Bleibe.

Angekommen in ihrem gemütlichen Häuschen, machte sich Luc sofort daran, den offenen Kamin zu bestücken und nachdem das prasselnde Feuer den kleinen Raum wohlig aufgeheizt hatte, schlürften sie heißen Tee mit Rum, den Marthe in einer großen Kanne servierte. Zufrieden lehnte sich Luc in die Polster des kleinen Sofas, wobei er mit seinem linken Arm Marthe fest an sich zog. "Ach, mein Mädchen", sagte er, "wieviel haben wir Beide miteinander schon durchgemacht, doch heute ist so ein Tag, an dem ich mich angekommen fühle. Was braucht man schon zum Glücklichsein? Ein bisschen Meer, ein bisschen Wind und ein Herz, das einen versteht." Er hat recht, dachte Marthe, manchmal ist das Glück ganz einfach, man muß nur richtig hinsehn.


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