Der Brunnenfrosch und das Meer
Der Brunnenfrosch und das Meer

Der Brunnenfrosch und das Meer

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es war einmal ein alter, tiefer Brunnen, in dem lebten Frösche. Diese Frösche waren in diesem Brunnen geboren worden und aufgewachsten. Sie kannten nichts anderes als diesen Brunnen und dachten, die Welt wäre der Brunnen. Ab und zu mal hörten sie eine Legende von einem Revoluzer-Frosch, der mal aus dem Brunnen herauskam. Aber entweder ist der nie zurückgekehrt oder wenn er zurückkam, dann hat er wirres Zeug erzählt.

Eines Tages war es wieder soweit. Eine Froschfrau kam zurück, und alle kamen zu ihr und wollten wissen, wo sie gewesen war. Die Frösche fragten sie: „Wo warst du? Wie ist es dir denn ergangen? Gibt es eine Welt außerhalb dieses Brunnens? Und wenn ja, wie ist die beschaffen?“ Sie anwortete: „Ja, ich war außerhalb dieses Brunnens und ich kann euch nicht beschreiben, wie großartig diese Welt ist. Hier seht ihr alles nur in Grautönen. Dort gibt es Farben, Schmetterlinge, Blumen, einen Himmel, die Sonne und ich habe sogar den Ozean gesehen.“

„Ozean? Was ist Ozean?“ fragten die Frösche. Sie sagte: „Der Ozean ist ein unendliches Wasser. Ich kann nicht sagen, wie groß der Ozean ist. Eine Welle ist so groß wie dieser ganze Brunnen. Da gibt es Lebewesen, wenn die das Maul aufmachen, dann fressen die so viele Fische, wie hier im Brunnen Frösche sind.“ So erzählte unsere Ozeanfröschin und die Meinungen der anderen dazu teilten sich.

Die einen wollten einfach nicht darüber nachdenken. Es gab jetzt eben eine große Fröschin, zu der sie aufblicken konnten. Das war alles. Die zweite Frosch-Gruppe, man würde sagen, die wohlmeinenden Skeptiker, dachten bei sich: „Dort oben wird die Luft dünner, wird vielleicht ist ihr Hirn einfach nicht mehr richtig durchblutet. So entsteht dann eine Art Halluzination von einem ozeanischen Glücksgefühl. Vielleicht sollten wir ein paar Hirnscans machen und schauen, ob wir dort Veränderungen finden.“

Die dritte Gruppe bestand aus genau einem Frosch. Und dieser fragte unsere Ozeanfröschin: „Du hast den Brunnen verlassen. Das klingt nicht schlecht. Kann ich den auch verlassen? Meist du, das ist möglich?“ Daraufhin sagte die Ozeanfröschin, „Ja natürlich, ich bin niemand Besonderes. Mir hat jemand den Weg gewiesen, wie ich aus diesem Brunnen herauskomme, auch du kannst dort herauskommen. Es ist großartig dort. Ich kann dir nicht beschreiben, was dich alles noch erwartet.“ Unser Brunnenfrosch dachte bei sich: „Was habe ich letztlich zu verlieren? Ich kann wieder zurückkehren, hier geboren werden, aufwachsen, ein bisschen fressen, ein paar Mücken fangen, mich ein bisschen unterhalten, irgendwann sterben. Vielleicht gibt es doch mehr, als dieses eigenartige Grau hier.“

So machten er sich auf den Weg. Unser Brunnenfrosch fragte: „Wo geht es denn hin?“ und sie sagte: „Wir fangen besser morgen an. Schlafe dich erstmal aus.“ Am nächsten Tag gab ihm die Ozeanfröschin ein paar Ratschläge: „Hier kannst du hin. Dort darfst du besser nicht hin, da war mal eine Schlange, die könnte einen fressen. Geh dort entlang und dort. Dort kannst du runter glitschen, hier ist es besser.“ Schließlich erreichten sie das direkte Tageslicht außerhalb des Brunnens. Unser Brunnenfrosch fragte: „Ist das der Ozean?“ „Das ist nicht der Ozean, das ist jetzt nur das Tageslicht. Ein paar Schmetterlinge, ein paar Vögel, ein paar Blumen. Der Ozean ist noch viel großartiger.“

So hüpften sie weiter. Irgendwann hörten sie ein lautes Rauschen und unser Brunnenfrosch bekam ein bisschen Angst und fragte: „Was ist denn dieses Rauschen?“ „Das sind Wellen.“ „Wellen? In unserem Brunnen gibt es auch Wellen, aber die machen keinen Krach.“ „Ja, diese Wellen sind ja auch viel größer, da ist eine Welle vielleicht so groß wie der ganze Brunnen.“ Schließlich, noch zitternd, aber dennoch mit Mut und Vertrauen, hüpfte unser Brunnenfrosch auf eine Düne und sah zum ersten Mal in seinem Leben den unendlichen Ozean.

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Genau so verhält es sich mit den Engstirnigen Menschen. In ihrem eigenem, kleinem Brunnen sitzend, denken sie, dass die ganze Welt nicht grösser ist als ihr Brunnen.
(indische Erzählung)
Dies ist eine der Lieblingsgeschichten von Swami Vishnu-Devananda:

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