Gedankenmeer
GedankenmeerFoto-Quelle: Andreas Hermsdorf/www.pixelio.de

Gedankenmeer

Beitrag von wize.life-Nutzer

Atemlos erklimmt sie die letzte Höhe. Begleitet vom an- und abschwellenden Tosen der nimmermüden Wellen, steht sie am höchsten Punkt der Klippe. Unten zerbersten die Gewalten in immer wiederkehrenden Akkorden. Sie fühlt sich dem Leben nah wie nie zuvor. Das betäubende Brechen der Wellen am Fels tobt im Einklang ihrer Gefühle.

Es scheint ihr unmöglich, dass sie je aufhören könnte, ihn zu lieben. Um nichts in der Welt würde sie in diesem Augenblick das berauschende Gefühl der Liebe gegen irgendetwas eintauschen. Selbst wenn es ihr einmal verloren ginge. Sie hat keinen Einfluss auf ihr Gefühl zu ihm, denn im Schicksal seiner Existenz liegt Wahrhaftigkeit. Sie liebt! Nie zuvor erschien ihr das klarer als hier oben, hier, wo der Wind tost, hier, wo die salzige Gischt ihr Gesicht benetzt.

Allein steht sie auf der hohen Klippe, doch sie fühlt sich nicht einsam, sie ist eins mit dem Brüllen der Brandung, das wie Musik in ihren Ohren klingt, wie eine Ouvertüre zu Einzigartigem. "Ich liebe Dich", schreit sie dem Wind entgegen und beschreibt damit nur einen schlichten Fakt, einen grundsätzlichen Zustand ihrer Gefühle. Es ist so! Und während der Wind ihre Worte fortträgt, fragt sie sich, wer sie denn sei, dass sie versucht, Worte für ihre Liebe zu finden. Und als sie den steilen Abstieg wagt, weiß sie, dass ihr Gefühl alle Zeiten überdauern wird.
Sie muss diesen Weg gehen ...

Foto: Andreas Hermsdorf/www.pixelio.de