Albino, mein kleiner Freund
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Albino, mein kleiner Freund

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es war im Jahre 2004, ich arbeitete damals auf der chirurgischen Station unseres Krankenhauses. Das Friedensdorf International in Oberhausen schrieb uns an, ob wir einen 11-jährigen Jungen aus Angola aufnehmen würden, um ihn kostenlos zu behandeln. Der Junge lebte in Uambo, einem kleinen Ort in Angola, in dem Bürgerkrieg herrschte. Er hatte sich eine eitrige Wunde am linken Unterschenkel zugezogen, die bis auf den Knochen ging. Würde er nicht in Deutschland behandelt, so müsste er zusehen, wie sein Bein abfaulte, weil in dem Krisengebiet keine adäquate, medizinische Behandlung möglich gewesen wäre. Unser Geschäftsführer sagte dem Friedensdorf sofort zu, dass wir den Jungen aufnehmen würden.

Als ich Albino das erste Mal sah, traf ich auf einen verängstigten, kleine Jungen, dem all das Neue große Angst machte. Kam man in sein Zimmer, so versteckte er sich ängstlich unter dem Bett. Er hatte auch noch nie einen Lichtschalter gesehen, mit dem man das Licht an- und ausmachen konnte. Auch einen Föhn sah Albino zu ersten Mal in seinem Leben. Die vielen neuen Eindrücke überforderten den kleinen Kerl total!

Mit der Zeit aber fasste Albino zu mir Vertrauen. Wie oft habe ich ihn getröstet, wenn er nicht schlafen konnte, weil er seine Eltern und seine drei kleineren Geschwister so vermisste! Oft saß ich an seinem Bett bis er eingeschlafen war.

Von Tag zu Tag verstanden wir uns besser, auch wenn er nur portugiesisch sprach und ich nur deutsch. Chips, Eis, Orangensaft und Kaugummi mochte Albino, nachdem er es hier kennengelernt hatte, gerne, Salat und Schokolade dagegen nicht. Er machte in den Monaten auch Fortschritte, einige Worte deutsch zu sprechen. „Moni, du Zeit?“, diesen Satz hörte ich fast täglich von ihm.

Als es ihm besser ging, nahm ich ihn, zusammen mit meinem Sohn, zu einem Fußballspiel mit. Wie seine großen Kulleraugen leuchteten, als er das Spiel verfolgte, werde ich nie vergessen!

Nach langen 4 ½ Monaten dann der große Abschied. Albino musste zurück ins Friedensdorf, um danach seine Rückreise nach Angola anzutreten. Mit Tränen in den Augen drückte ich meinen kleinen Freund noch einmal an mich. Traurige Augen blickten mich an und mit einem zaghaften Winken verschwand er im Auto, das ihn abholte.

„Ich werde dich nie mehr wiedersehen, mein kleiner Freund! Heute, nach 10 Jahren, wirst du schon ein junger Mann sein. Dein gemaltes Bild von uns Beiden hängt noch in meiner Küche und ich betrachte es oft! Adieu, Albino, die Zeit mit dir werde ich nie vergessen.“

Foto: Xenia Kehnen/www.pixelio.de