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Ein ganz besonderes Erlebnis

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 21.10.2014 - 21:12 Uhr

Durch den Beitrag einer Nutzerin in der Themenwelt kam mir eine Begebenheit wieder einmal in den Sinn, die sich schon vor vielen Jahren zugetragen hat.
Ich war Ende zwanzig, mein kleiner Sohn war etwa zwei Jahre alt, ein munteres Kerlchen mit wachem Geist, der meiner Frau und mir viel Freude bereitete.
Im Taxi hatte ich oft Kinder mit EinschrÀnkungen und Behinderungen zu Vorschule oder betreuenden KindergÀrten zu fahren.
Eines Morgens hatte ich auch ein kleines MĂ€dchen abgeholt, es war vier oder fĂŒnf Jahre alt. Die Mutter hatte es zum Fahrzeug gebracht, hineingesetzt und angeschnallt. So war mir die Behinderung des Kindes nicht weiter aufgefallen. Das MĂ€dchen saß hinter mir auf dem RĂŒcksitz, und es fing gleich nach dem Losfahren munter zu plappern an. Ich konnte sie zwar nicht sehen, aber es entwickelte sich sofort ein reges Plaudern. Die kleine war sehr aufgeweckt und keineswegs auf den Mund gefallen. Die Unterhaltung macht großes VergnĂŒgen, wir lachten und ulkten, sie hatte ein herrlich kindliches Kichern.
Wir waren inzwischen bei der TagesstĂ€tte angekommen, ich stieg aus, öffnete die hintere TĂŒr und wollte die Kleine aussteigen lassen. Sie aber blieb ganz gelassen sitzen, hatte die HĂ€nde im Schoß gefaltet und meinte selbstsicher: "Heb' mich doch bitte hinaus!" Ich musste lachen, dachte mir, sie hĂ€tte eben diesen eigenwilligen Wunsch nach unserem Plaudern und tat ihr den Gefallen gerne. Ich hob sie aus dem Wagen und erschrak_, sie ließ sich auf die Kniee nieder und krabbelte munter auf allen Vieren davon. Jetzt erst sah ich, daß sie Knieschoner trug. Eine Betreuerin kam aus dem Haus, nahm sie auf und trug sie hinein.
Ich stand sicher noch eine ganze Weile starr. Der Anblick hatte mir einen Stich versetzt.
Ich setzte mich in mein Taxi und musste erstmal weinen. Welche Lebensfreude, welchen Mut hatte dieses kleine MĂ€dchen doch. Wie stark es war, trotz oder vielleicht wegen seines Handicaps.
Ich musste oft bei entsprechender Gelegenheit an dieses kleine so wundervolle MĂ€dchen denken, das mir durch sein fröhliches Wesen ein große Lehrstunde bereitet hatte.

18 Kommentare

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lieber Hannes, wir arbeiten hier auf unserem Hof in Niederbayern mit behinderten Kindern. Sie kommen zu uns zu Hippo-Therapie
Kein Aussenstehender kann ermessen, welche Lebensfreude und Ausgelassenheit diese Menschen ausstrahlen. Sie schaffen es, aus einem grauen Tag, einen glĂŒcklichen Sonnentag zu machen.
Wenn sie auf dem RĂŒcken des Therapie-Pferdes erste Erfolge erfahren, kennt ihre Freude keine Grenzen.
Ich habe noch nie erlebt, daß sich ein Mensch ohne Handicap so von Herzen freuen kann.
Vielen Dank fĂŒr Deinen lieben, so wertvollen Kommentar Rosi.
Ich habe einem behinderten mĂ€dchen das so alt ist wie unsere Tochter-(25 Jahre) einen Riesensack volle r neuwertiger Stofftiere-(von der Tochter aus Platz und UmzugsgrĂŒnden abgegeben) gezeigt -ich sagte dem MĂ€dchen sie könne sich nehmen was sie möchte- den Rest wĂŒrde ich einem WohltĂ€tigkeitsverein spenden.
das MĂ€dchen betrachtete sich alle 30 oder 40 tiere-in allen Grössen und Rassen waren sie vorhanden -dann öffnete sie die TĂŒte die ich ihr in die hand drĂŒckte , lachte glĂŒcklich und stopfte alle tiere hinein-
sie ist bei der lebenshilfe und einen Tag zuvor haben wir sie unterwegs "aufgegabelt und heimgefahren-sie zeigte uns ihren Rucksack den sie mit Stofftieren vollgestopft hatte-sie erzĂ€hlte uns dass sie Tiere ĂŒber alles liebt und die Tiere verstĂŒnden jedes wort von ihr-ich denke sie ist auf dem Stand eines kl. kindes, aber ich weiss dass sie mit den tieren unserer tochter glĂŒcklich ist
Das war sicher ein sehr berĂŒhrendes Erlebnis Marie, vielen Dank fĂŒr's erzĂ€hlen. Solche Geschichten sollten werdende MĂŒtter lesen, die sich mit dem Gedanken tragen, warum auch immer abtreiben zu wollen. Grade dann, wenn bei der Vorsorge festgestellt wurde, daß das Ungeborene behindert sein wird.
Ich weiß wovon ich rede, ein Bruder meiner Frau hatte mit seiner Frau einen behinderten Jungen. Leider ist er vor zwei Jahren im Alter von neunundzwanzig verstorben.
ja du hast recht-da sist wa sganz ganz schlimmes-ich hab mich mal mit einer jungen Frau unterhalten-ist schon ewig her-die hatte abgetrieben-sie erzĂ€hlte mir das s sie nie darĂŒber weggekommen ist-sie hörte ewig nachts ein baby weinen ist hochgeschreckt und war depressiv und von schuldgefĂŒhlen geplagt-die konnte ihr kein mensch wegnehmen-auch nicht kleinreden-zu diesem thema gibt es ja ganz viele BeitrĂ€ge im Internet-eines der besten ist von Ruth Heil -ich glaube da ging es um einen Protestmarsch 2010 in berlin fĂŒr da s leben-da hat Ruth heil einiges gesagt-fand ich beeindruckend-
als ich 33 J war kam unsere tochter Ruth zur welt-der Sohn war damals 5-mein damaliger Frauenarzt meinte: "wenn Sie nochmals schwanger werden mĂŒssen wir eine fruchtwasseruntersuchung machen-"
ich sagte zu dem : da s lÀuft imme r auf eine Abtreibung hinaus-ich werde sollte ich nochmals schwanger werden sowas mit Sicherheit nicht machen lasssen-auf gar keinen fall" er war ganz erstaunt babbelte was von behinderten Kindern-aber ich hab ihm da auch so einiges erzÀhlt-
LG Marie
Ja Marie, da kann ich Dir aus vollstem Herzen recht geben. Im Endeffekt lÀuft dies auf Euthanasie hinaus.
Wir sollten unsere Familienplanung verantwortungsvoll betreiben. Um ehrlich zu sein meine Liebe, wir sind froh, mein Weibchen und ich, daß wir diese Lebensphase gut hinter uns gebracht haben.
ja das ist richtig-so amĂŒsant hab ich die beiden schwangerschaften und das ganze Hin und Her mit vielen weiteren Ärgernissen nun wirklich nicht empfunden-
Aber du sagst es -wir haben esnun geschafft und es ist gut so wie es ist-LG Marie
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...da kann man sich wiedermal eine Scheibe abschneiden....
Das darf man wohl sagen Brigitte, ja
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Da hast du mal wieder eine wunderbare, zu Herzen gehende Geschichte erzĂ€hlt, lieber Hannes. Ich sah vor langer Zeit einmal ein mehrfach behindertes MĂ€dchen in einer Fernsehsendung. Wenn ich mich richtig erinnere war sie blind und gehbehindert, aber geistig total wach und machte einen sehr intelligenten Eindruck. Und dieses MĂ€dchen erzĂ€hlte lĂ€chelnd und lebensfroh, was sie fĂŒr schöne Erlebnisse und Begegnungen erlebt hatte, von ihren PlĂ€nen und ihren TrĂ€umen. Und sie war so ĂŒberzeugt, dass ihr auch alles gelingen wĂŒrde. Ich hatte das GefĂŒhl einem sehr glĂŒcklichen und vor Lebensmut ĂŒberschĂ€umendem Menschen zuzuhören. Und ich schĂ€mte mich, weil ich manchmal wegen irgendeiner Kleinigkeit traurig oder mich eingeschrĂ€nkt fĂŒhlte. Mit dem Vorbild dieses kleinen MĂ€dchens habe ich manche schwierige Situation anders gemeistert, als ohne ihre Geschichte zu kennen. Sie ist vielleicht heute auch zwischen 25-30 Jahre jung und ich wĂŒnsche ihr immer noch alles Gute, sie schafft alles bestimmt....
Vielen Dank liebe Hildegard fĂŒr Deine lebhafte Schilderung.

Es ist wie Du sagst, diese Menschen sind wirkliche Vorbilder.
Wir können ihnen allenthalben begegnen. Es ist an uns, ihnen unvoreingenommen gegenĂŒber zu treten.

Liebe GrĂŒĂŸe zu Dir, ich freue mich immer wieder, Dich zu treffen, Deine Meinung zu hören, mich auch mit Dir austauschen zu können.

Hannes
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Die Eltern haben dabei einen großen Anteil, dass das MĂ€dchen so ausgeglichen und selbstbewußt ist.
eine wunderbare Geschichte
schöne ErzÀhlung ,es wird einem sehr warm ums Herz....
Vielen vielen Dank Euch beiden, Susa und Kristine.
Es ist schön, Zustimmung zu erfahren.
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Johannes du hast ja viel erlebt oft sind solche Kinder zufriedener wie solche die was nichts haben
Hallo Margarete,
ja wenn man viel mit Menschen zu tun hat, erlebt man vieles.
Es gibt viele KĂŒnstler oder auch Sportler und andere, die trotz Behinderung Großes schaffen
Das stimmt
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