Zu Hause

Beitrag von wize.life-Nutzer

Heute veröffentliche ich für Euch, eine kleine Leseprobe, aus meinem unlektorierten Manuskript:
"Jacobs Sehnsucht nach Geleebananen"

Nun war ich endlich wieder zu Hause. Als Mutter die Tür aufschließ, betrat ich den langen Flur, die Küche, das Wohnzimmer. Nichts hatte sich verändert, nur im Wohnzimmer, stand ein neuer Fernseher.
Neugierig, und in gebückter Haltung, wanderte ich durch die Räume. Alles erschien mir klein.
Kein Widerhall der Stimme. Kein lautes Türenschlagen, kein Geschrei, kein klappern von Geschirr, kein jammern und weinen, von traurigen Kindern.
"Hast du Hunger, mein Schatz?"...fragte Mutter.
"Nein Mama, ich bin nur sehr müde!"...erwiderte ich, mit schwacher Stimme.
"Schlaf dich erstmal aus, wenn du wach wirst, werde ich uns etwas schönes kochen."...sagte Mutter.
Mein Kinderzimmer, befand sich im zweiten Stockwerk, direkt unter dem Dach.
Ein kleines Mansardenzimmer, mit schrägen Wänden, und einem großen Dachfenster.
Im Winter, war es das kälteste Zimmer im Haus, für mich war es das wärmste Zimmer.
Ich stand in der Mitte des Raumes, schaute mich um, mein Blick traf jeden einzelnen Gegenstand.
Auf dem Fußboden, lag meine Spielzeuggarage, immer noch so, als hätte ich erst vor wenigen Stunden, mit ihr gespielt.
Mein Bett war frisch bezogen. Das einfallende Sonnenlicht, erzeugte eine wohlige Wärme, und ließ die blaue Kindertapete, in einem anderen Licht erscheinen.
Auf dem Schreibtisch lag ein Schälchen, gefüllt mit Geleebananen.
Wie ausgehungert, stopfte ich mir eine handvoll in den Mund.
Von allen Süßigkeiten, die ich bisher probiert hatte, futterte ich die Dinger am liebsten.
Mit einem Finger, strich ich über den Schirm, meiner Schreibtischlampe. Da war kein Staubkorn, meine Mutter, hatte auch während meiner Abwesenheit, alles im Griff.
Ich öffnete das Dachfenster, legte meinen Kopf, auf die verschränkten Arme, und schloss die Augen.
Die Wintersonne stand schon tief, an jenem Nachmittag, und doch hatte sie die Kraft, meinen Körper zu berühren.
Von dort Oben, hatte ich den schönsten Blick auf die Elbe.
Ich hörte vertraute Stimmen. Die Nachbarskinder...Michael und Jutta, tobten vergnügt auf dem Rasen.
Ob die immer so fröhlich sind, dachte ich.
Bunte Bilder und Erinnerungen, drangen in meinen Kopf, die Gedanken, ließen mich erschrecken.
Fragen, auf die ich keine Antwort wusste.
Könnte ich meinen wenigen Freunden erzählen, wo ich war?
Hat Vater aufgehört zu trinken?
Muss ich irgendwann wieder zurück, in das Heim?
Kann ich den Menschen jemals vergeben, den Menschen, die mir meine Kindheit stahlen, und mir unfassbares antaten?
Ich legte mich auf mein Bett. Das Gefühl der Vertrautheit, wich meiner Müdigkeit.
In meinen Träumen, war ich wieder an dem Ort, an dem ich 18 Monate meiner Kindheit verbrachte.

Peter Böttcher

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