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Quelle: Vielen Dank an Peter F, der mir das Foto zur Verfügung gestellt hat. ...
Quelle: Vielen Dank an Peter F, der mir das Foto zur Verfügung gestellt hat. Das Licht in der beginnenden Dunkelheit soll Hoffnung vermitteln. Ein wunderbarer Gedanke!

In dieser Novembernacht

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 12.11.2014 - 10:54 Uhr

Ein Mensch den die Menschen
verlassen
tritt in die Welt des Geistes
oder der Geister



Es war die dunkelste Jahreszeit
, als ein alter Mann in einem Zimmer, im Seniorenheim, mitten in der Nacht furchtbaren Krach machte.
Man hatte ihn aus seinem vertrauten Umfeld, weil er stark erkältet war, verlegt
Die Mitbewohner sollten geschützt werden.

Der alte Mann, der den Menschen Spitzwegs ähnelte, war Kavalier der alten Schule. Er beugte sich zur Begrüßung über unsere Hände, um einen Kuss anzudeuten.
Plötzlich war er isoliert.

Seine einzige Kommunikation bestand nun darin, dass man ihm das Essen hinstellte.
Da gab es keine Zeit zum Hände küssen.
Danach war er sich selbst überlassen, in einem kargen Krankenzimmer, so nannte man den Isolierraum.

In dieser Novembernacht

verlor er das Gefühl für sich. Um sich zu spüren, begann er, dass es nur so krachte, Tisch und zwei Stühle hin und her zu schieben.


Ich hatte Nachtdienst

Erschrocken betrat ich das dunkle Zimmer, schaltete das Licht ein.
„Was ist denn hier los, wollte ich ihn fragen. Doch bevor ich noch ein Wort sagen konnte, stürzte er sich mit aufgerissenen Augen auf mich und rief verzweifelt: „Schwester, was bin ich?
Bin ich Mensch oder Geist?

Dieser alte Mann, der die Kunst der Nähe ohne Nähe beherrschte,
sah mich mit fast irren Augen an.
Ohne zu überlegen, nahm ich ihn in die Arme, schaute in seine entsetzten Augen, nannte ihn bei seinem Namen.
Tränen liefen über die schmalen Wangen. Meine Hände küssend rief er immer wieder:
„Schwester, sie haben mir das Leben gerettet. Ich bin ein Mensch und kein Geist!“

©Margarete Noack

25 Kommentare

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Ich bin im Mai von München nach Chemnitz zurückgekehrt um meine Eltern zu unterstützen. Meine Mutti war sehr krank. Leider hatte ich sie nur noch drei Monate um mich. Sie ist leider verstorben. Ich bereue nichts. Es war die richtige Entscheidung. Wunderbar und so wahr Dein Beitrag Margarethe!

Anette, das kann ich sehr gut verstehen.
Meine Mutter war geistig wach und unsere beste Beraterin. Sie stand mitten im aktuellen Leben, aber die Beine wollten nicht mehr.
Damals entschloß ich mich, unter schwierigen Kämpfen, nur noch 10 Tage im Monat zu arbeiten, um bei ihr zu sein.
Das waren die wichtigsten Jahre meines Lebens. In der Zeit habe ich sehr viel über sie erfahren, über ihr Leben.. Auch wenn meine Rente dadurch weniger ist. ich habe es nie bereut.
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Der arme Mann!
Er hatte Glück, er hatte Dich. Doch wieviele alte, hilflose Menschen verzweifeln an der Einsamkeit! Ich mag gar nicht daran denken.
Gut, dass Du diese Geschichte aufgeschrieben hast, sie regt zum nachdenken an. Und sie ist gut geschrieben.
Danke Inga, ich habe deinen Eintrag eben erst entdeckt
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Deine Geschichte rührt mich sehr. Und es war für diesen alten Mann sooooo wichtig, dass du für ihn da warst, ihm gezeigt hast, dass er nicht verlassen und allein ist. Mir ging es im Beruf auch oft so, dass man einfach nur "da" war, ein liebes Wort, ein Lächeln, eine Berührung. Und solche Menschen wie du bist, reagieren ganz natürlich und liebevoll, weil das doch einfach selbstverständlich ist. Und wenn man dann diesen armen ängstlichen Leutchen in die Augen sieht, dieses Leuchten erkennt, ihre Freude bemerkt, dass da einfach ein Mensch für sie da ist, dann lohnt sich doch die anstrengende Arbeit, jeden Tag und immer wieder. Wie schön, dass du "da" warst..... danke...
Liebe Grüße
Hildegard
Liebe Hildegard,
danke für deinen interessanten Kommentar.
ich würde ihn noch mehr gut finden wenn du nicht von den armen ängstlichen Leutchen schreiben würdest.
Dieser Mann war ein gestandener, wacher älterer Herr.
Das Problem ist die Isolation.
Es ist bekannt, dass die Isolationshaft zur Zerstörung der Persönlichkeit benutzt wird.
In der "Schachnovelle" von Stefan Zweig kann man viel darüber erfahren.
Nimm es nicht als Kritik, ich spüre du hast die älteren Menschen gerne
Ja, genau so ist es ja auch, liebe Margarethe. Ich habe selbst beim Schreiben gestutzt, aber es war schon spät und mir viel einfach nichts besseres ein. Du hast recht, ich habe auch ältere Herrschaften kennengelernt, richtige Damen und Herren, die es gewohnt waren in ihrem Umfeld eine wichtige Stellung zu bekleiden. Und nun, im Alter wurden sie zu den Menschen, die sich und ihre Mitmenschen nicht mehr verstanden, weil sie nicht mehr ernst genommen wurden. Dadurch wurden sie verwirrt und ängstlich und dazu kam dann noch die Einsamkeit, unter der sie selbst sehr litten. Eine Dame sagte mal zu mir: "Wenn ich ins Heim komme und mich nicht mehr mit Gleichgesinnten austauschen kann,, bin ich in kurzer Zeit tot. Ich brauche den Kontakt und den Gedankenaustausch mit meinen Freunden." Sie kam trotzdem ins Heim und nach 3 Monaten wurde sie beerdigt. Ich wollte auf gar keinen Fall ausdrücken, dass diese älteren Menschen nur noch als verwirrt und ängstlich und nicht mehr Herr ihrer Sinne zu sehen seien. Im Gegenteil, im Gespräch mit ihnen konnte ich soviel hilfreiches mit in mein Leben nehmen. Ich danke dir für deinen Einwand, der ist ganz in meinem Sinne.
Liebe Grüße an dich zurück
Hildegard

Danke dir Hildegard,
ich ahnte es, du hast noch Wichtiges zu schreiben.
Ich freue mich sehr darüber. Danke
So geht das auch im Leben vor dem Pflegeheim. Wenn man mit Menschen arbeiten muss, die eine andere Denkweise haben ist das schwierig. Nur man kann ja kämpfen oder aufgeben und anderes machen.
Genau diese Möglichkeit ist den abhängigen Menschen, ob alt oder jung in Einrichtungen verwehrt. Das kann irre machen, wenn man nicht wenigsten ein zwei Menschen hat, die Achtsam sind
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Hallo Margarethe, ein sehr guter Beitrag, ja solche Momente gibt es.
In dem Reizwort " ein Urlaubstag " hatte ich dazu schon mal geschrieben . Im Kanada Urlaub (Vancouver) im Jahr 2000 bekam ich eine Blutung im Kopf. Als ich nach 6 Tagen nach hause ins Krankenhaus überführt war, brach mein Kreislauf völlig zusammen, und ich mußte durch Elektroschocks ins Leben zurück geholt werden. Als ich wieder bei Sinnen war, ging es mir so ähnlich.
Hallo Günter,
das klingt ja ganz schön aufregend. Da hst du aber einen Schutzengel gehabt, dass du hier bei SB mitmachen kannst.
Wo hast du das denn aufgeschrieben. Würde mich schon sehr interessieren? Schicke mal den Link, wenn du möchtest
Guten Abend Margarethe, schau mal unter "Themen -Sport&Freizeit " Schreibwerkstatt nach, und da zum Reizwort " Ein Urlaubstag.
Ich weis jetzt nicht, ob es auch geht wenn Du mein Profil anklickst, ob da alle meine Beiträge erscheinen.
Danke Günter, ich melde mich
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Es gibt diese Momente , da denkt man nicht , sondern reagiert nur .
Und das ist gut so .
Einfach nur Mensch sein .
Instinktiv

Danke , dass du uns diese Begebenheit erzählt hast
Claudia, da geht mir das Herz auf, du hast es genau getroffen.
Ich freue mich über jeden Kommentar, aber ich denke immer es ist nicht mein wirklicher Verdienst - was ist danach.
Wie das Licht auf dem Foto von Peter F, so ist dieser Moment in dem wir handeln. Plötzlich scheint es in der Finsternis und gibt uns Hoffnung und Kraft...
Danke Claudia
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder von uns zu einem bestimmten Moment an einer bestimmten Stelle sein soll. Zufälle gibt es für mich nicht. Du warst da, wo du gerade wirklich gebraucht wurdest.
Wie du es auch siehst, es ist kein Verdienst, aber es ist trotzdem wunderbar
Mich baut soetwas unheimlich auf und ist tatsächlich wie ein Licht in der Dunkelheit.
Egal, ob ich es selber erleben darf oder mitbekomme, dass es andere erleben.

Hoffen wir also auf viele solcher Lichter
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Margarethe, das ist eine Geschichte zum Nachdenken.
Jeder reagiert auf die Einsamkeit, auf das Verlassen sein
anders, aber die meisten sicher mit Depressionen.
Schön dass Du in diesem Moment da warst und trösten
konntest.
Danke Bele, ich denke heute auch an die vielen älteren Menschen, die in Wohnungen sind und am Wochenende niemand haben mit dem sie sprechen.
Alle sozialen Institutionen machen am Freitag um eins Feierabend.
Es gibt, mir jedenfalls nicht bekannt, kein Telefon wo jemand seine Not loswerden kann.
VOn Berlin weiß ich, dass es früher Telefonketten zwischen den Alten Leuten gab. Sie riefen sich einmal am Tag an.
Viele Angehörige würden schon Freude bereiten wenn sie einmal am Tag nur kurz, auch ins Heim telefonieren.lg Margarete
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Margarethe, deine Erzählung berührt und lässt einen nachdenklich zurück. Wie schön, dass du in dieser Nacht diesem alten Mann Trost spenden konntest. Es macht einen schon sehr traurig, wenn man sieht, was in vielen Altenheimen heute geschieht.
Danke Ursula, leider ist man nicht immer dort wo man gebraucht wird.
Aber es hat tiefe Spuren in mir hinterlassen.
Danke dir, lg Margarete
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Der arme Mann, wie gut dass Du für ihn da warst und ihn gehalten hast, Margarethe!
Es liegt nur daran, dass ich genau in dieser nacht im Dienst war und dass ich eine Gefühlsnudel bin.
Andere hätten sofort den Psychater angerufen.
Aber es hat mich wach gemacht für Menschen die einsam sind.
Danke dir, Cornelia
Liebe Margarethe, in dieser Nacht konntest Du ihm beistehen. Aber wie viele unendlich qualvolle Tage, Nächte lagen noch vor ihm, voller Einsamkeit, trüber Gedanken, Todeswünschen, und vielleicht auch Schmerzen.!!!!

Wenn Du uns mit dieser wahren Begebenheit wach rütteln könntest, doch an einer Telefonkette für alte Menschen teilzunehmen, das wäre etwas. Wie viel Zeit vergeuden wir jeden Tag für völlig sinnlose Aktionen, schlagen die kostbare Zeit einfach nur tot.

Das ist eine Idee, die mich begeistert. Fast jeder hat eine Flatrate, Es entstehen ihm keine Extrakosten.

Vielleicht könnten wir auf dem schwarzen Brett einfach die Idee vorstellen und Menschen, die angerufen werden möchten bitten, ihre Telefonnummer anzugeben. Aber da kommt schon die 1. Schwierigkeit. Wir sind ja anonym auf SB. Geht also nicht.

Unsere Mitglieder wach zu rütteln, wenigstens in ihrem eigenen Umfeld einem in solcher Verlassenheit lebendem Menschen beizustehen und diesen täglich kurz anzurufen, das wäre vielleicht ein gangbarer Weg.
Danke Gisela, dass du diesen Gedanken aufgenommen hast.
Auf SB ist das schwierig, aber SB könnte eines machen:
Wer möchte kann zulassen ob seine Nachricht gelesen wurde oder noch nicht oder wenn jemand sich lange nirgendwo sehen läßt, das man nachfragt.
Besser wäre es jedoch wenn die nächsten Menschen im Umfeld einfach mal schauen.
Vielleicht sollte man da wirklich einmal gemeinsam darüber nachdenken,
danke und liebe Grüße - ich melde mich noch bei dir
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