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Advent 2014
Advent 2014Foto-Quelle: eigenes Foto

Der Weihnachtsmarkt

Beitrag von wize.life-Nutzer

Das Kinderkarussell drehte sich im Kreis. Kinderaugen strahlten und suchten die Eltern, die wartend im Nieselregen standen. "ALLE JAHRE WIEDER" klang es aus der Musikbox. Bernhard freute sich, dass es seine 5 jährige Emelie so glücklich machte. Seitdem er sich von Rita getrennt hatte, sah er die Kleine nur alle drei Wochen. Er hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Viel zu spät war ihm bewusst geworden, dass die überstürzte Heirat ein Irrtum war. Sie passten einfach nicht zusammen. Am Anfang war er noch stolz auf seine sportliche Frau gewesen. Aber, als nach Emelies Geburt, an jedem Sonntag irgendwo ein Leichtathletik Temin war, und sie zwei mal in der Woche zum Training eilte, wurde es ihm bald zu viel. Nun musste die kleine Emelie es verkraften, dass ihre Familie auseinander brach. Heute war der dritte Adventsonntag. Bernhard mochte garnicht an Weihnachten denken. Er hob das Kind vom Karussellpferd. Ein Kinderchor sang: "OH DU FRÖHLICHE":

"Emelie, möchtest du etwas essen?" fragte er sie. "Heute darf ich Pommes" kam prompt die Antwort. "Es wird schon langsam dunkel, dann ist das unser Abendessen", beschloss Bernhard.

Sie brauchten nur einige Schritte zu gehen, dann konnte man das gegrillte Fleisch und die dampfenden Friteusen schon riechen. Dicht gedrängt standen die Menschen und versuchten möglichst schnell bedient zu werden. Vielleicht war gerade ein Film zu Ende oder ein Bus hatte den überall bekannten Weihnachtsmarkt angefahren,

"2 x Pommes rot/weiss; 2 Currywürste; 3 Bratwürste mit Brötchen". Von überall prasselten die Bestellungen auf die drei Frauen und zwei Männer ein. Der Metzgermeister ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er zog einen Plastikbeutel aus einem Karton, und legte die nächsten 30 Würstchen auf den Grill. Seine Frau füllte immer neue Pommes frites in das heiße Fett. Die drei jungen Leute bedienten mechanisch einen Kunden nach dem anderen. Ab und zu, wenn jemand zu lange nach Kleingeld suchte, schauten sie hoch. Lena`s Blick blieb an dem 2.90 Meter großen Mann hängen, der auf seinen Schultern ein süßes kleines Mädchen trug. "Zwei x Pommes Mayo und eine Currywurst bestellte Bernhard. Er schaute in zwei große blaue Augen, die allerdings sehr müde wirkten. "Einen Augenblick noch, ich muß noch kurz kassieren" sagte die junge Frau. Sie wandte sich einem Jungen im Alter von ca. 15 Jahren zu und sagte: "Von dir bekomme ich noch 6.20 bitte.

"Ich habe ihnen doch schon 20 Euro gegeben", war die Antwort. "Sie müssen mir noch das Wechselgeld zurück geben". Lena war unsicher, konnte es sein, dass sie sich dermaßen irrte" Bei diesem Lärm konnte man sich einfach nicht konzentrieren.
Aus dem Lautsprecher ertönte: "STILLE NACHTE, HEILIGE NACHT":

Nun mischte sich Bernhard ein. Mit seiner strengsten Lehrerstimme sagte er: "Robert Neuer ich stehe jetzt seit 20 Minuten schräg hinter dir. Ich weiß, dass du im Mathemathik- Unterricht nicht der Hellste bist. Aber dass du noch nicht bezahlt hast, wirst du jetzt sofort bei einem Blick in deinen Geldbeutel feststellen." Entsetzt schaute der Junge sich um und dann wie befohlen in seine Geldtasche. Mit einem gemurmelten "Tschuldigung reichte er Lena 10 Euro.

Neben dem Bratwurststand waren unter einer Plane einige Bänke aufgestellt. Dort verspeisten Vater und Tochter ihr Abendessen. Die Pappschälchen waren schon fast leer. An dem Glühweinstand nebenan wurde es immer lauter. Immer wieder kamen neue Menschen hinzu. Die jungen Leute kannten sich scheinbar alle. Sie begrüßten sich überaus herzlich mit Umarmungen und Küsschen auf die Wangen. War das herzlich, überlegte Bernhard, wenn man sich umarmte und dann über die Schulter des Freundes schaute, ob noch jemand zum Flirten in der Nähe war? Ihm war es schon immer lieber gewesen, seinem Gegenüber die Hand zu reichen und ihm in die Augen zu schauen. Das hektische Treiben nervte ihn. Er erkannte, dass die Fröhlichkeit oft nicht echt war, wie vorhin beim Kinderkarussell, sondern aufgesetzt und künstlich wirkte. Er reichte Emelie die Hand und wollte gerade gehen, als Lena mit einem Kaffeebecher aus dem Bratwurststand kam. Sie hockte sich vor Emelie und reichte ihr einen kleinen Holznikolaus. Dann fragte sie scherzhaft: "Madame hat es ihnen geschmeckt, war das Essen zu ihrer Zufriedenheit"? Die Kleine reagierte sofort: "Danke es war sehr lecker, besonders die Mayonaise". Dann kicherte sie sehr kindlich. Lena hatte im Nu ihr Vertrauen gewonnen. Die wandte sich nun an Bernhard: "Ich wollte mich noch bei ihnen bedanken. Der Junge hätte ohne ihre Hilfe die Wurst umsonst bekommen. Dieser Weihnachtsmarkt macht mich in jedem Jahr vollkommen fertig. Gut das es jetzt nur noch ein Wochenende ist".

Bernhard, der Mathematiklehrer dachte natürlich in Zahlen und sagte: "Ich schätze 500 Menschen essen und trinken hier und 50 arbeiten bis zur Erschöpfung".
Die Musikbox dudelte: "KLING GLÖCKCHEN KLINGELINGELING"

Um nicht hochmütig zu gelten fragte er dann: "Arbeiten sie hauptberuflich in der Hotelbranche"?
Lena lachte: "Nein ich bin Kindergärtnerin und in meiner Freizeit helfe ich hier meinen Eltern. Natürlich bekomme ich auch Geld dafür. Im Februar ist ein Skiurlaub gebucht, dafür opfere ich gerne meine Freizeit.

Er wünschte Lena noch einen schönen Feierabend und dachte: sieht ja umwerfend aus, dieser lange, blonde Zopf der über die Schulter hängt und die alberne rote Zipfelmütze. Sie ist beinahe so groß wie ich. Aber NEIN, nicht schon wieder.

Lena ging wieder in die Bude. Zum Träumen hatte sie keine Zeit. "Drei Bratwürste mit Pommes rot/weiss zum Mitnehmen"!

Ein Engel schwebte davon: "Schade, es hätte sein können --- vielleicht nächste Woche --- dann versuche ich es noch einmal.

Das alte Weihnachtslied von Bing Crosby in einer deutschen Version klang über den Platz.

SÜSS KLINGT DER ENGEL CHOR WEIHNACHT
DAS FEST DER LIEBE IST NUN DA
UND EIN EINZGER WUNSCH STELLT SICH EIN
MÖCHT AUF ERDEN FRIEDEN IMMER SEIN

Fünfhundertfünfzig? Menschen hörten nicht hin.


5 Kommentare

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Hallo Kunigunde, danke, für deinen Komentar. Es ist doch immer schön, wenn man liest, dass es jemand lesenswert findet. Liebe Grüse Marga
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Hektik, Arbeit und Vergnügen und ein wenig Hoffnung, ist doch sehr real, was du hier beschreibst.
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Liebe Marga, hastDu sehr gut beschrieben, diese Hektik vor Weihnachten. Ich höre das Weihnachtsgedudel, richtig schlimm! Dabei kann die Vorweihnachtszeit so schön sein. Liebe Grüße Eva
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Danke für diese schöne Geschichte.....
gerne, freue mich über deinen Kommentar!
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