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Frauenpower

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Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 07.04.2015 - 21:50 Uhr

Eine kleine Erzählung über das Töten


Frauenpower


Ich erzähle euch die wahre Geschichte der Rita S. (29).
Berichtet wird von der bedeutungsschweren und letztendlich finalen Begegnung, die die junge Frau mit dem siebenundvierzig Jahre alten Fernmeldetechniker Bernd D. an einem sommerlichen Sonntagmorgen im Wald nahe Daun erleben sollte.
Schon als kleiner Bub absolvierte D. unter der fachlichen Anleitung seines Vaters, eines alkoholkranken Metzgermeisters, eine fundierte Ausbildung im professionellen Schlachten. Bei regelmäßigen, zumeist an kalten Samstagen mit viel Schnaps durchgeführten Hausschlachtungen, lernte der kleine Bernd das Fleischerhandwerk quasi von der Pike auf kennen. Trotz allem sollte er später auf Drängen der Mutter einen anderen, einen ehrbareren Beruf erlernen.
Bernd D., ein drahtiger, immer schüchtern und verlegen wirkender Mann, lebte seit einem Jahr in Daun. Nach einer absolvierten Suchttherapie in der am Ortsrand gelegenen Fachklinik hatte er auf der Suche nach seinem wahren Ich und der Empfehlung, das gewohnte Umfeld zu verlassen, seinen Wohnsitz in dieses friedliche Stückchen Erde verlegt, um einen Neuanfang zu starten. Er wohnte mit seiner mehr und mehr an Demenz leidenden Mutter in einer Dachgeschosswohnung unweit des Bahnhofsgebäudes. Daun war ihm ans Herz gewachsen und er fühlte sich bis auf die wenigen Momente, in denen er spürte, dass etwas Unheimliches in ihm steckte, sicher und geborgen. Hier wollte er seine angestrebte Abstinenz leben und das geerbte Damoklesschwert Alkohol loswerden – und außerdem noch diesen anderen, noch ungleich schrecklicheren Dämon, von dem niemand wusste. Keiner ahnte von der Bestie, die in ihm schlummerte.
Rita S. war eine ausgesprochen attraktive Erscheinung mit schulterlangem, dunklem, in der Sonne fast bläulich schimmerndem Haar. Sie bewohnte mit ihrem achtjährigen Sohn das gegenüberliegende Haus. Bernd D. hatte sich durch ein ausgeklügeltes System von Spiegeln schon seit Monaten Einblick in Teile ihrer Wohnung und somit Informationen über ihre Männerbekanntschaften verschafft. Sie war eine Hexe. Genauso eine Hexe wie es seine Mutter war und genauso eine Hexe wie die vier Frauen im Westerwald, die allesamt in den vergangenen elf Jahren Opfer einer monströsen ungeklärten Mordserie geworden waren. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen, aber die letzte Bluttat lag mehr als zweieinhalb Jahre zurück und der Westerwald war weit weg.
Trotz ihrer unübersehbaren weiblichen Rundungen besaß Frau S. eine sportliche Figur und tat dementsprechend viel für ihr Aussehen und ihre Fitness. Sie nahm zweimal die Woche Privatunterricht in Chendo Tai, dieser in Europa fast noch unbekannten Kampftechnik, die ihren Ursprung im Unabhängigkeitskampf der von ihren Männern unterdrückten mongolischen Zweitfrauen hatte. Ihnen fühlte sich Rita seit ihrer unglücklichen Liason mit Friedbert H., dem Hausmeistergehilfen der Volks- und Genossenschaftsbank Hartenstein, verbunden. Friedbert hatte sich ihr gegenüber an ihrem ersten Arbeitstag als stellvertretender Filialleiter ausgegeben, und das nur, um sie in sein Bett zu bekommen. Aufgrund ihres ausgeklügelten Karriereplans gab sie seinen Avancen gleich am ersten Tag nach. Als sie ihn dann drei Tage später mit Schaufel, Schubkarre und Latzhose beobachtete, wie er den angefallenen Hundekot rund um das Terrain der Geschäftsstelle einsammelte, begann sie den Aufgabenbereich eines stellvertretenden Filialleiters allgemein und den Aufgabenbereich dieses speziellen Filialleiters im Besonderen neu zu überdenken. Sie kam zu dem Schluss, dass sie ihre Karriereplanung wohl etwas zu optimistisch angegangen war und der dafür geopferte Körpereinsatz nicht den gewünschten Erfolg bringen würde. Sie fühlte sich von Friedbert auf perfide Art hintergangen. Sollte er ihr etwa nicht die ganze Wahrheit gesagt haben? Aber der Sex war genial gewesen! Und jedesmal, wenn sie danach Friedbert H. oder dessen Chef, dem langjährigen Hausmeister Heinz K., im Hause begegnete und deren dreckiges Grinsen wahrnahm, fühlte sie sich ein klein wenig verarscht. Wer wollte es ihr verdenken? Seit diesem Erlebnis war Rita den Frauen aus der asiatischen Steppe emotional stark verbunden und konnte deren Scham und deren Willen, es der herrschenden Kaste zu zeigen, nachvollziehen. Deshalb hatte sie am Nikolaustag des vergangenen Jahres mit ihrer ersten Übungsstunde in ChendoTai begonnen.
Ihr Lehrer und Meister in dieser Kampftechnik war Waldemar G. aus W., der ihrer Ansicht nach immer so ein blödes und dreckiges Grinsen im Gesicht hatte, wenn sie zur Übungsstunde erschien. Sie konnte sich das nicht erklären, unterließ es aber, ihn danach zu fragen. Erwähnenswert ist vielleicht noch an dieser Stelle, dass Waldemar G. und Friedbert H. alte Kegelbrüder waren, die sich über ihre jeweils aktuellen sexuellen Aktivitäten ständig auf dem Laufenden hielten. Daher war Herr G. natürlich bestens über die Filialleiternummer seines Kumpels informiert. Mancher wird sich nun fragen, ob dieses blöde Grinsen mit dem Kenntnisstand des Chendo-Tai-Meisters zusammenhing und die Antwort lautete eindeutig ja!
Waldemar war es also, der sie zur Kampfmaschine ausbilden sollte, damit sie, wie ihre Vorbilder in der fernen Mongolei, eines Tages Rache an der schlechten, sexistisch ausgerichteten Männerwelt nehmen konnte. Um für diesen Tag gewappnet, vorbereitet und fit zu sein, joggte sie außerdem dreimal pro Woche in der Frühe sieben Kilometer auf der stillgelegten und nun eigentlich als Radweg ausgewiesenen Bahnstrecke in Richtung Gerolstein. Rita konnte quasi von ihrer Haustüre aus loslaufen. Aus diesem Grund hatte sie sich für diese Route entschieden, obwohl es für Jogger rund um Daun anspruchsvollere Strecken gab. Selbst an den Wochenenden ließ sie von ihrer Leidenschaft nicht ab. Sie versuchte immer, so früh wie möglich unterwegs zu sein, um den vielen Gleichgesinnten, die ihr Hobby teilten, aus dem Weg zu gehen. Rita mochte besonders das Alleinsein und die damit verbundene Stille, die morgens herrschte. Daher legte sie Wert darauf, vor den anderen ihre Einheit zu absolvieren.
Ihr Job als Bankfachwirtin hatte die junge Frau in die Eifel verschlagen, nicht ahnend, dass in diesem Landstrich das Berufsbild des Filialleiters so eigentümlich ausgelegt wurde. Bei ihrem neuen Arbeitgeber, der örtlichen Volksbank, erwarb sie sich innerhalb kürzester Zeit ein hervorragendes Standing. Die männlichen Kollegen brachten ihr schmeichelnde Aufmerksamkeit entgegen. Besonders, wenn sie vorher in der Mittagspause im Raucherraum mit dem Hausmeisterteam geklönt hatten. Irgendwie wirkte der gemeinsame Plausch sehr anregend auf die Herren Banker, dachte sich Rita dann immer. Obwohl sie Daun nur als Zwischenstation für ihre weitere Karriere ansah und es sie in die Metropolen dieser Welt zog, konnte sie dem eher landläufigen und gemütlichem Flair des kleinen Eifelstädtchens inzwischen durchaus Sympathien entgegenbringen. Nichts deutete darauf hin, dass ihre kleine idyllische Welt an diesem Sonntagmorgen aufhören würde, sich zu drehen.
Vier hübsche dunkelhaarige Frauen waren im Westerwald auf grausame Weise ermordet worden. Der letzte Fall lag lange zurück. Die Medien berichteten damals in reißerischen Schlagzeilen vom "Westerwald-Ripper", was aufgrund der bei den Taten an den Tag gelegten Brutalität aber auch naheliegend war. Der Mörder hatte seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes ausgenommen und zerlegt. Der Anblick der Leichen verschaffte selbst den hartgesottensten Ermittlern und Gerichtsmedizinern Würgegefühle. Aber fast drei Jahre sind eine lange Zeit. Die Sonderkommission der Polizei war inzwischen ausgedünnt, neue Erkenntnisse gab es nicht. Die Tätersuche konzentrierte sich von Anfang an schwerpunktmäßig auf Personen, die im Westerwald wohnten und schon einmal wegen Gewalttätigkeiten gegen Frauen auffällig geworden waren. Außerdem legten die Fahnder ein besonderes Augenmerk auf gelernte Fleischer und artverwandte Berufe, da jeder Mord die Handschrift eines Profis trug. Fernmeldetechniker fielen eher durchs Raster. Im Übrigen galt Bernd D. trotz seines starken Alkoholkonsums als besonnener Mensch und niemand wäre der Versuchung erlegen, in ihm einen völlig durchgeknallten Psychopathen zu vermuten.
An diesem Sonntagmorgen hätte Rita S. sich wahrscheinlich dafür verfluchen können, dass sie nicht mehr Notiz von der Mordserie genommen hatte. Aber das wäre nur eine Momentaufnahme gewesen, denn D. hatte eine ganz eigentümliche und konsequente Art, jungen Müttern mit dunklen Haaren seine Wertschätzung zu zeigen und sie urplötzlich mit den Blutbädern der Vergangenheit zu konfrontieren.
Er wollte an diesem Morgen reinen Tisch machen. Schluss mit dieser scheiß inneren Unruhe, die ihn an manchen Tagen zerriss. Sie fraß ihn auf, bereitete ihm Schmerzen. Bei diesen Gedanken wurde sein Gesicht zu einer wahnwitzigen Fratze und er hatte dem nichts entgegen zu setzen. Wieder saufen - okay, aber das war nicht die Lösung, die er anstrebte. Das hatte er über Jahre getan und es war nur eine Art Narkose gewesen, die ihn eine gewisse Zeit ruhigstellte. Nach seiner Therapie hatte er sich auf die Suche gemacht. Auf die verzweifelte Suche nach dem unschuldigen Menschen in sich, der er einmal gewesen war und gerade, wenn er glaubte fündig geworden zu sein, genau dann, wurde ihm jäh die Ursache des Problems bewusst.
Seine Mutter, diese schwarzhaarige Hexe!
Sie hatte schon seinen Vater mit ihren außerehelichen Eskapaden erst in den Alkohol und dann in den Suizid getrieben. Und sie hatte auch ihn auf dem Gewissen. Sie war Schuld, dass aus ihm ein Monster geworden war. Nach dem Selbstmord des Vaters musste er oft zurückstecken, damit sie es mit ihren männlichen Bekanntschaften, die sie nachts mit nach Hause brachte, ruhig und behaglich hatte. Und sie hatte wahrlich viele Männer mitgebracht. Sie war eine schöne Frau gewesen, mit langen schwarzen Haaren und weiblichen Attribute genau an den Stellen, an denen Männer sie besonders mögen. Genau wie Rita und die vier anderen Huren, die er schon abgestraft hatte. Ihren eigenen Sohn hatte sie nie geliebt, doch die Männer, die mochte sie. Mit den Jahren verblasste ihre Schönheit. Frau D. wurde mehr und mehr sonderbar, dazu immer vergesslicher. Aber die Demütigungen blieben und jetzt musste er sie an manchen Tagen füttern und sogar waschen wie ein Kleinkind. Besonders schlimm war es, wenn sie jegliche Hygiene vergaß. An diesem Sonntag sollte sie zahlen. Mit der gleichen Währung wie diese andere schwarze Hexe von gegenüber, deren kleiner Junge wohl genau so unter seiner Mutter zu leiden hatte wie er. Heute würde seine Suche nach Zufriedenheit, Ruhe und Glück ein Ende finden. Nur diese eine Mission noch, dann war er am Ziel.
Rita S. drückte ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn, als sie sich zum Laufen verabschiedete. Sie konnte ihn beruhigt allein lassen, in knapp fünfundvierzig Minuten würde sie wieder zurück sein. Außerdem entwickelten Kinder aus Singlehaushalten meist früh die Fähigkeit, sich selbstständig zu beschäftigen.
Sie verließen fast zeitgleich ihre Wohnungen, wobei D. Rita mit Absicht einen kleinen Vorsprung zugestand. Bernd D. war ein ausgezeichneter Läufer. Mit dem Joggen hatte er während seiner Therapie angefangen und der Sport war das Einzige neben Arbeit und Einkauf, das ihn bewog, die Wohnung zu verlassen. Er liebte das Laufen. Während all der vielen Kilometer war seine Mutter schon tausend Tode gestorben. Heute allerdings würde sie sich vor dem Jüngsten Gericht verantworten müssen und das Urteil stand fest.
Es belastete ihn in in keiner Weise, eher das Gegenteil war der Fall. Er war froh, die Suche nach Ruhe in sich abschließen zu können und es würde nichts anderes sein wie bei einer der vielen Hausschlachtungen, die er an der Seite seines Vaters gemacht hatte. Doch vorher galt es noch das Biest von gegenüber, das keinen Deut besser zu sein schien als seine Mutter, für dessen begangene Sünden abzustrafen.
Rita bog nach dreihundert Metern auf die durchgängig asphaltierte, ehemalige Bahnstrecke ab. Die Frau fühlte sich allein, frei und unbeobachtet. Rita war zu diesem Zeitpunkt allenfalls frei. Allein war sie deshalb nicht, da ihr in immer kleiner werdendem Abstand eine hagere Männergestalt folgte und unbeobachtet war sie nicht, weil die kalten grauen Augen dieses Mannes sie unablässig fixierten. Es war trotz der frühen Tageszeit schwül warm und es ging kein Lüftchen. Eigentlich nicht die besten Voraussetzungen zum Joggen und noch weniger gute Voraussetzungen zum Sterben. Aber das konnte sie nach diesem ersten halben Kilometer nicht ahnen. Rita schaute sich gewohnheitsmäßig nie um und den Mann hinter sich konnte sie noch nicht hören.
Alles war ruhig um sie herum, ihr Verfolger näherte sich ihr lautlos wie eine Raubkatze. Das große scharfe Messer hielt er währenddessen fest in seiner Hand und auf seinem Gesicht war neben der Anspannung ein diabolisches Grinsen auszumachen. Der Abstand betrug höchstens noch hundert Meter. Nach dem ersten Kilometer fiel Rita das Laufen leichter, gekonnt setzte sie ihre Arme zur Unterstützung ein. Die Anstrengung wich allmählich einem Automatismus. Trotzdem fing sie an zu schwitzen und kleine Perlchen liefen an ihren Schläfen herunter. Bernd D. erging es nicht anders. Schweiß hatte sich auf seiner Stirn gebildet, er fühlte eine seltsame Befriedigung beim Anblick der Frau. D. atmete schwerer, was aber weniger an der Anstrengung lag als daran, dass er seinem Ziel immer näher kam. Der Abstand betrug jetzt vielleicht noch fünfzig Meter und der Anblick von Ritas Rückseite ließ ein leichtes Rucken durch seine Hand fahren, in der fest umschlungen das Messer lag. Er kniff die Augen zusammen, während Ritas Blick konzentriert auf ihren Laufweg gerichtet war. Plötzlich überkam sie das Gefühl, nicht mehr allein zu sein.
Wahrscheinlich Einbildung, dachte sie.
Zwischen dem Jäger und seiner Beute lagen jetzt nur noch dreißig Meter. Der große Mann, verschärfte sein Tempo, sein Schnaufen wurde zum Keuchen. Sein Körper war angespannt wie der eines Tigers vor dem Sprung. Auf den letzten fünfzehn Metern steigerte Bernd D. ein weiteres Mal die Geschwindigkeit. Der jungen Frau war inzwischen bewusst, dass jemand hinter ihr war. Sie hörte ein stetig lauter werdendes Atmen und registrierte die immer schneller werdenden Schritte hinter sich. Unbehagen machte sich in ihr breit, ja sogar Angst beschlich sie für einen kurzen Augenblick. Nur einen Wimpernschlag später schaffte sie es, ihre Aufregung wieder herunter zu fahren. Jeder der selbst läuft, kennt dieses Gefühl der Unsicherheit, doch man denkt - hm, auch ein Läufer! Jogger drehen sich nicht um, sie lassen sich nur überholen. Vielleicht hätte Rita sich umdrehen sollen, aber sie unterließ es und so konnte sie das zur Fratze verzerrte Gesicht des Mannes nicht sehen, der nur noch einen Griff weit von ihr entfernt war. Seine Augen waren schmale Schlitze, seine Stirn lag in Falten, die Mundwinkel zuckten wirr und Speichel lief aus seinem Mund, als er gekonnt die Klinge schwang. Er fasste der Frau, während sie nebeneinander liefen, fest in die Haare und zog sie herum. Ihr Hals bot sich ihm förmlich an. In diesem, für sie angedachten endgültigen Augenblick, sollte das Blecken seiner gelben verrauchten Zähne eigentlich das Letzte sein, was diese Hexe mit weit aufgerissenen Augen zu sehen bekäme.
Aber Bernd D. hatte nicht mit der Widerstandskraft von betrogenen und ausgenutzten asiatischen Zweitfrauen gerechnet, die in diesem Moment von Rita S. stellvertretend für Mitteleuropa verkörpert wurde. Rita, selbst fleischgewordenes Opfer übelster Perfidie seitens einiger Arbeitskollegen, sollte der Welt an diesem frühen Sommermorgen vor Augen führen, dass niemand, aber auch wirklich niemand das Recht hatte, sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an ihrem, bis auf den Fauxpas mit Friedbert H. und einiger anderer ähnlicher Verfehlungen, fast jungfräulichen Körper zu bedienen.
Chendo Tai war nicht nur die hohe Kunst der Selbstverteidigung, sondern gleichsam auch Rechtssprechung. Und Rita S., diese kleine, adrette und liebenswerte Bankangestellte sprach nun Recht über Bernd D., der entgeistert feststellen musste, wie tief er an diesem Morgen in die Scheiße gegriffen hatte.
Mit dem Schwung eines Profis in Sachen Töten löschte Rita alle bösen und verwerflichen Absichten aus ihrem Angreifer. Als sie Bernds Hand in ihrem Haar spürte, war ihre Faust schon in seinem Gesicht. Sie explodierte förmlich und brach seine markante Nase. Das Knacken war wie das Zertreten eines Astes, mehr nicht. Bevor Bernd überhaupt Schmerz realisieren konnte, war Ritas Fuß unterwegs zu ihm. Der Tritt hebelte mit brachialer Gewalt seinen linken Unterkiefer aus jedweder Verankerung und schob ihn ungebremst in Richtung des rechten Ohrs. Furchtbar! Sein Schrei brach jäh ab und wurde zu einem kläglichen Röcheln. Wahrscheinlich, weil die Verschiebung des Knochengerüsts seine Zunge eingeklemmt hatte. Ihr nur Sekundenbruchteile später erneut gestarteter Angriff konzentrierte sich nun auf seine zweite Schwachstelle. Auf seine Weichteile. Bernd D. hatte das Gefühl, dass seine “cojones” platzten, als Rita zwei gezielte Tritte setzte. Mit entstelltem Gesichtsausdruck krümmte sich der Rächer nach vorn, als Rita S. ihm mit einem finalen Faustschlag die vollkommen deformierte Nase ins Gehirn trieb. Bernd D. fiel tot nach hinten.
Alles hatte sich in kürzester Zeit abgespielt. Rita warf den Kopf zurück und richtete sich das Haar. Erst sah sie sich die vor ihr liegende Bescherung an und sich dann um. Niemand war zu sehen. Einem respektlosen “Pffffttt”, folgte ein kräftiges Durchatmen und dann setzte Rita ihre Morgenrunde fort.
Sie konnte nicht wissen, dass sie an jenem Morgen im Eifelwald den Mord an vier jungen Frauen gesühnt hatte und sie konnte noch weniger wissen, dass sie das Leben einer verhärmten alten Frau gerettet hatte, aber sie bemerkte eine wunderbare Genugtuung in sich, als ihre Gedanken während des Laufens irgendwie bei Friedbert ankamen.
Am nächsten Morgen, sie stand am Fenster und beobachtete, wie der Hausmeistergehilfe Friedbert H. gerade Hundekot vom Hof entfernte, erwischte sie sich dabei, wie sie unbewusst ganz langsam ihren Mittelfinger in Friedberts Richtung ausfuhr und dabei teuflisch grinste. Ein wirklich gutes Gefühl!

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9 Kommentare

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Mir gefällt der doppelbödige Plot bei Deiner spannend geschriebenen Charakterstudie, wobei es ja eigentlich –Studien sind. Gut und Böse, schwarz und weiß – gibt’s das überhaupt?
Ja vielleicht, nur niemals isoliert sondern immer in schattierendem Verbund. Wer behauptet er sei nur gut oder nur böse, lebt im selbsterrichteten, klinischen Labor seiner eigenen Wahrnehmung.
Bitte gerne mehr von solchen Beiträgen!
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Sport ist Mord ... Ich wusste es schon immer
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Entschuldigung, wo kann ich bitte nochmal diese in Europa fast noch unbekannten Kampftechnik, die ihren Ursprung im Unabhängigkeitskampf der von ihren Männern unterdrückten mongolischen Zweitfrauen hatte, buchen???? Ich fand sie sehr effektiv und überzeugend!
nun, ich könnte dir einen Privatgrundkurs anbieten - für kleines Geld ...
Du meinst, ich dürfte dir mal übungsweise die Nase ins Gehirn nageln?
Richtig!! .... wobei die Betonung eindeutig auf "übungsweise" liegt
... wäre mir ein Vergnügen ...
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Gruselig...Steigerung fast bis zum Ende und dann ein befreiender phänomenaler Schluß...
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Was für eine Geschichte und auch noch wahr ! Gedanken und Gefühle von Dir interpretiert, nehme ich an...... grauslich aber gut geschrieben.
Rita, die einen Mörder zur Strecke gebracht hat, quasi die Hände ausschüttelt, nachdem sie ihren Angreifer unschädlich gemacht hat...... weiter ihren Morgenlauf fortsetzt, als wäre nichts geschehen, ........ muß man sie nun cool finden ?
Trouble, ich warte auf Deine nächste Geschichte. 😄
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