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Das funktioniert nie!

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 01.05.2015 - 14:13 Uhr

Es war im Jahre 1986, als ich meinen geliebten Beruf nicht mehr ausführen konnte. Es musste auf die Schnelle etwas anderes her, mit dem ich meine Familie ernähren konnte. Eine Firma des Wach- und Schließgewerbes bot mir umgehend eine Stelle an. Im Verlauf dieser Tätigkeit wurde ich eines Tages im Pförtnerdienst bei einem damals bekannten Pharmaunternehmen eingesetzt.

Unsere Gespräche im Pförtnerhaus drehten sich um dies und das. Dazu gehörten auch Gespräche über Glaubensfragen. Als Christ hat man es nicht immer leicht, den Unterschied zwischen Kirche und Glauben deutlich zu machen. Die beste Möglichkeit bietet hier das praktische Leben.

Die Dienste dauerten immer 12 Stunden. Dadurch erlebten wir Pförtner, wenn die Mitarbeiter der Firma das Gelände betraten und auch, wenn sie es verließen.

Was mir von Anfang an auffiel war, dass die meisten Mitarbeiter morgens mit abwesendem Blick, gesenktem Kopf und oft auch lustlos ihre Firma betraten. In der gleichen Verfassung verließen sie diese abends auch wieder. Auch meine Kollegen machten eben ihren Job in ähnlicher Weise. Es reizte mich, etwas daran zu ändern.

So begann ich eines Tages, morgens das Pförtnerhaus zu verlassen und mich an den Eingang zu stellen, durch den alle Beschäftigten direkt an mir vorbei gehen mussten. Jedem, der ankam, sagte ich ein freundliches "Guten Morgen!". Die einen gingen achtlos an mir vorüber, andere schauten kurz auf, wieder andere blickten mich irritiert an. Abends stellte ich mich am Ausgang auf und verabschiedete jeden einzelnen mit einem freundlichen "Einen schönen Feierabend!" Niemand war so etwas gewohnt.

Auch meine Kollegen nicht. Diese fingen recht bald an zu frozzeln und mich aufzuziehen, dass ich wohl anfange zu spinnen. Das hielt mich aber nicht davon ab, Gleiches am nächsten Morgen und Abend zu tun. Es dauerte eine Zeit, bis sich das Verhalten der Mitarbeiter der Firma veränderte. Zuerst recht zögerlich, bekam ich bald immer mehr Antworten auf meine Anrede. Man fing an, sich zu bedanken. Sowohl morgens als auch abends. Bald wurden meine Wünsche erwiedert.

Die Frozzeleien meiner Kollegen wurden auch weniger. Ja, eines Tages begannen sie, nach und nach ebenfalls, mein Vorgehen zu übernehmen. Nach fast einem Jahr hatte ich mein Ziel fast erreicht. Nicht nur, dass alle Pförtner gleiches taten, wie ich, sondern auch dass eine bis dahin nicht gekannte Fröhlichkeit die Mitarbeiter der Firma erfasst hatte. Oft kamen sie mir zuvor und ich wurde zuerst von ihnen begrüßt.

Meine Pförtnerkollegen hatten aufgehört, mich milde zu belächeln. Hatten sie begriffen, dass christliches Leben mehr ist, als gewisse Lehren und Formen? Sie waren selbst begeistert dabei, obwohl sie das Prinzip eigentlich ablehnten. Dann eröffneten sie mir bezüglich eines Mitarbeiters der Firma, dass ich es nie schaffen würde, ihm ein Lächeln abzuringen, geschweige denn eine Erwiederung zu erhalten. Erschwerend kam hinzu, dass von der Firmenleitung Taschen- und Fahrzeugkontrollen angeordnet, die eine gewisse Unruhe auslösten.

Es vergingen noch fast zwei Monate, da gab auch der immer mürrische Mitarbeiter der Firma seine Haltung auf. Meine Kollege waren sprachlos. Der Umgang der Mitarbeiter auch mit den Pförtnern wurde ein anderer. Die Geschäftsführung nahm eine andere Haltung zu den Untergebenen ein. Mich hat das Ergebnis beeindruckt.

19 Kommentare

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Die Geschichte - unabhängig davon, ob sie denn so wie erzählt stattgefunden hat oder nicht - zeigt beispielhaft, wie eine einzelne Person durch Veränderung seines Verhaltens das Verhalten der Gesellschaft, in der er lebt, positiv verändern kann. Sie bestätigt eine alte Binsenwahrheit, wie sie z. B. auch in dem Sprichwort "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ausgedrückt wird. Sprichwörter haben viel mit menschlicher Erfahrung und daraus erlernter "Volksweisheit" zu tun.
Dann lese ich hier aber auch den Satz: " Hatten sie begriffen, dass christliches Leben mehr ist, als gewisse Lehren und Formen? " -
Es mag ja zutreffen, dass der Erzähler der Geschichte durch seine christliche Erziehung und Einstellung motiviert wurde, das "Betriebsklima" in seiner Firma durch ostentative Freundlichkeit und freundliche Begrüßung der Kommenden und Gehenden an der Pforte zu verbessern. Das gleiche Verhalten und das gleiche Ergebnis hätte aber auch jeder Nichtchrist erreichen können. Dazu genügt eine gute Portion Menschenkenntnis und positive Einstellung zum Leben und zu seinen Mitmenschen.
Du hast Recht, Friedhelm. HÄTTE und ES MAG JA ZUTREFFEN sind hierbei Deine Argumente. Aber sind das wirklich echte Argumente? Wenn das doch so durchsichtig ist, warum haben sie, die anderen, nicht? Warum haben sie über mich gelacht und gemeint, das klappt doch nie?

Du stellst die Geschichte in Frage!? Hast Du ein Problem damit, dass Christen ein anderes Lebensprinzip haben? Ich meine nicht jene, die sich nur einen "christlichen" Mantel umhängen, sondern jene, die das auch leben.
Jphannes
Ich kann natürlich nichts dazu sagen, warum die anderen über Dich gelacht haben, weil ich die betreffende Situation nicht kenne. Es ist ja auch durchaus gut, wenn Du sie durch Dein Verhalten hast überzeugen können, dass Gutes auch Gutes bewirkt.
Ich habe die Geschichte nicht in Frage gestellt, noch habe ich ein Problem mit Christen, die Gutes tun. Wie sollte ich auch? Ich habe aber ein Problem damit, dass oft die Dinge so dargestellt werden, als ob NUR CHRISTEN in der Lage und bereit wären, Gutes zu tun. Ethik und Moral sind für mich nicht religiöse Werte, nicht an ein bestimmtes Bekenntnis gebunden, sondern schlicht und einfach Ausfluss menschlicher Vernunft und mitmenschlichen Handelns und Denkens. Ich kenne bekennede Atheisten, die sich "christlicher" verhalten als viele, dies sich selbst Christen nennen.
Das " christliche" Verhalten eines Atheisten resultiert doch nur von der christlichen Prägung, in der er aufgewachsen ist, in einem Land wo christliche Werte Tradition sind. Wäre er bei Barbaren aufgewachsen, hätte er etwas anderes gelernt.
Nein, Friedhelm, warum solltest Du damit ein Problem haben, wenn Christen das tun, was für sie selbstverständlich ist. Kann es aber sein, dass Du ein Problem damit hast, dass Nichtchristen üblicherweise KEIN christliches Verhalten haben? Oder wo liegt der Grund, dass Du bei Christen ein nichtchristliches Verhalten rügst und bei Nichtchristen deren übliches Verhalten nicht rügst?

Selbstverständlich gibt es auch Nichtchristen, die Gutes tun - aber es ist bei ihnen keineswegs die Regel! Hinzu kommen die Motive, die hinter diesem Handeln stecken. Christen tun Gutes als FOLGE einer Sinnesänderung, Nichtchristen hingegen üblicherweise nur dann, wenn sie sich daraus einen persönlichen oder gesellschaftlichen Vorteil versprechen.

Ob hohe Ethik und Moral im Zusammenhang stehen mit religiösen Werten, wird daran offenkundig, wie und ob sich das Verhalten der Menschen verändert, wenn sie die Botschaft des Evangeliums erfahren und sich dieser öffnen und auch dann, wenn sie ehemals vom Evangelium berührt waren und sich dann davon gelöst haben.

Dass hohe Ethik und Moral

"schlicht und einfach Ausfluss menschlicher Vernunft und mitmenschlichen Handelns und Denkens"

sind, halte ich für ein Gerücht. Wäre dem so, hätten die verheidnischten, als Christen BEZEICHNETEN Menschen der großen Kirchen weder die Kreuzzüge geführt, noch die Glaubenskriege des Mittelalters. Das waren, wie Du zu Recht reklamierst, Ausflüsse einer entchritlichten Gesellschaft.

Selbstverständlich schließen jene, die christliche Werte eigentlich mit Füßen treten, vor solchen Erkenntnissen die Augen - es darf schließlich nicht sein, was nicht sein kann. Allein Dein letzter Satz macht deutlich, dass Dir sehr wohl der Unterschied zwischen christlichem und nichtchristlichem Verhalten bekannt ist.

Warum wohl verweist Du nicht auf wesensmäßig atheistisches Verhalten als Vorbild, sondern auf Christliches? Ein Umstand, über den sich nachzudenken lohnt.
@ Eleonore
@ Johannes
Dass jemand in einem "christlich geprägten" Land, in dem "christliche Werte Tradition" sind, aufgewachsen ist, schützt ihn nicht davor, sich unmenschlich, "barbarisch" zu verhalten. Hitler wuchs auf in katholischer Umgebung, alle großen Kriegsherren der letzten 2000 Jahre wussten IHREN Gott auf IHRER Seite und beteten IHN an, damit er ihnen den Sieg schenkte, und sie bedankten sich bei IHM, wenn ER ihnen gnädig war. George W. Bush, bekennender Christ, berief sich in seinem Rachefeldzug gegen das "Böse" auf seinen HERRN, scheute sich ncht, von einem "Kreuzzug gegen das Böse" zu reden.

Hans Künng, christlicher Theologe, sagt zum Thema:
"Es erscheint mir inakzeptabel, dass die Angehörigen anderer Religionen und erst recht Atheisten und Agnostiker gar keinen festen Standpunkt in ihrem Leben, kein Lebensvertrauen zu erreichen vermöchten. Dass der Glaube an den – christlichen – Gott also Voraussetzung wäre für ein jegliches Ja zur Wirklichkeit und für jegliches Ethos.

Es gibt schließlich Menschen, die haben ein Lebensvertrauen, ohne gleich- zeitig einen religiösen Glauben zu besitzen. Lässt sich doch nicht bestreiten, dass sie, der Erde verbunden, das Leben genauso gut oder manchmal sogar besser als bestimmte Gläubige bestehen können. Sie schöpfen ihr Grund- vertrauen aus menschlichen Beziehungen, aus produktiver Arbeit, aus wissenschaftlicher oder politischer Tätigkeit, aus einem humanen Ethos.

Daraus folgere ich: Aus ihrem Grundvertrauen heraus können auch Atheisten und Agnostiker ein echt menschliches, also humanes und in diesem Sinn moralisches Leben führen. Mit anderen Worten: Aus Atheismus folgt nicht notwendig ein Nihilismus. An diesem Punkt muss ich Dostojewski wider- sprechen: Auch wenn Gott nicht existierte, ist keineswegs alles erlaubt!"

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Nein, Moral und Ethik sind nicht originäre Erfindungen des Christentums, auch nicht irgend einer anderen Religion, sondern schlicht und einfach das Ergebnis konsequenter Anwendung menschlicher Vernunft und humanitären Denkens und Handelns. . Man kann dieses auch rein utilitaristisch begründen. Ich nenne ein paar Askekte, die den
"Utilitarismus zu einer besonders attraktiven Position machen. Zunächst ist das utilitaristische Nutzenkalkül ein sehr rationales Verfahren, das unabhängig von metaphysischen Entitäten bestehen kann. Hier wird kein Gott, kein Gewissen oder eine sonstige transzendentale Instanz als Garant für Moralität gefordert. Vielmehr beruhen moralische Entscheidungen auf rationalen, logischen Erwägungen, die jeder Mensch nachvollziehen kann. Dies entspricht dem Anspruch einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft. Ein anderer Vorteil besteht darin, dass die utilitaristischen Prinzipien unseren moralischen Intuitionen entsprechen." (Quelle: http://de.richarddawkins.net/foundat...sche-ethik#)
--> "... alle großen Kriegsherren der letzten 2000 Jahre wussten IHREN Gott auf IHRER Seite und beteten IHN an ..."

Zum Thema, Gott auf seiner Seite zu haben ...
http://www.seniorbook.de/profil/pete...f5c3b8b45c5
Aber Friedhelm ...

"Nein, Moral und Ethik sind nicht originäre Erfindungen des Christentums, auch nicht irgend einer anderen Religion, sondern schlicht und einfach das Ergebnis konsequenter Anwendung menschlicher Vernunft und humanitären Denkens und Handelns."

Hast Du wirklich über Deine Worte nachgedacht? Dann wäre Dir doch die Unsinnigkeit dieser Aussage bewußt geworden! Klar, Du wendest Dich gegen christliche Werte. Die sind Dir offensichtlich ein Dorn im Auge. An der Gesamtheit der Menschen gemessen, gibt es tatsächlich nur verschwindend wenig Christen.

Somit müsste doch in der Masse der Nichtchristen, die sich auf Vernunft und humanitäres Denken und Handeln berufen, wie Du postulierst, eine ganz andere Moral und Ethik herrschen als die, die von jedermann zu beobachten ist. Zu dumm aber auch, dass gerade dort eine hohe Ethik und Moral schmerzlich zu vermissen ist.

Du sprichst die großen Kriegsherren an. Gutes Beispiel. Du lieferst auch die richtige Antwort auf die Frage, ob diese wohl etwas mit dem christlichen Glauben und dem Schöpfergott zu tun haben. Ganz richtig sagst Du:

"... wussten IHREN Gott auf IHRER Seite und beteten IHN an ..."

Genau so ist es! "IHREN Gott auf IHRER Seite". Also einen selbstgebastelten von eigenen Gnaden. Ich würde sagen:

zu kurz gedacht!

Übrigens:

George W. Busch mag sich Christ nennen, keine Frage. Aber er ist keiner! Christen folgen Christus nach. Dieser sagte z. B. eine Petrus, dass das Schwert nicht die Waffe der Christen ist. Dass G. W. Busch aber Jesus nachfolgt, halte ich für ein Gerücht.

Hans Küng ist kein christlicher Theologe! Er ist katholischer Theologe - das ist etwas völlig anderes!
@ Johannes
Bitte nicht meine Worte ins Gegenteil verdrehen !
Gerade wenn ich etwas niederschreibe, pflege ich doppelt und dreifach über das nachzudenken, was ich schließlich in die Tasten tippe. Im Gespräch ist manches schnell dahin gesagt, aber wenn ich etwas schriftlich formiuliere, gebe ich mir schon deshalb Mühe, weil man ja alles nachlesen kann.
Und jetzt muss ich Dich fragen, ob Du auch richtig gelesen hast, was ich schreibe: Ich wende mich nämlich nicht gegen christliche Werte, und sie sind mir keineswegs ein Dorn im Auge. Im Gegenteil ! Wogegen ich mir wende, ist der von Christen häufig erhobene Anspruch, sie seien die Erfinder und alleinigen Verfechter der von mir als Allgemeingut aller vernunftbegabten Menschen gesehenen humanitären Werte. Ich behaupte, man braucht keine Religion, um sein Leben nach solchen ethischen Grundsätzen einzurichten. Dein Einwand, dass bei Nichtchristen eine "andere Moral und Ethik" herrscht, ist einfach unzutreffend. Auch in Regionen, die nie Berührung mit dem Christentum hatten, gab und gibt es Menschen, die nach den gleichen Regeln leben wie es überzeugte Christen tun.
Bush bezeichnet und sieht sich nicht nur selbst als Christ, sondern gehört auch einer großen und in den USA sehr einflussreichen "christlichen" Gemeinschaft an, die sehr wohl auf Leute wie ihn hört. Diese und andere Gemeinschaften, in der Öffentlichkeit vertreten und überlaut hörbar durch ihre weltbekannten Prediger, beanspruchen den "wahren Glauben" für sich und bezeichnen, je nach Laune und Profitinteessen, mal das eine, mal das andere Volk als das Böse, das es dann zu bekämpfen gilt. - Für mich ein Paradebeispiel für die Gefährlichkeit der Mischung aus politischer und wirtschaftlicher Macht und religiösem Fanatismus. Wo in der Welt - außer bei einzelnen Individuen, die man mit der Lupe suchen muss - finde ich die Christen, die das leben, was sie glauben?
Die gleiche Frage kann ich übrigens an die Gläubigen aller großen Weltreligionen stellen.
Zu Hans Küng noch eine Frage: Wenn Du ihm die Christlichkeit absprichts, weil er Katholik ist, was ist er denn? Und wohin gehört der Papst und alle seine Millionen Schäflein? Wieviele "echte Christen" bleiben denn noch übrig?
--> "Zu Hans Küng noch eine Frage: Wenn Du ihm die Christlichkeit absprichst, weil er Katholik ist, was ist er denn?"

Es gibt auch Katholiken, die trotz einer einschränkenden Dogmatik auch immer weltoffen und vielseitig im Denken gewesen sind (z. B. Kardinal Franz König). Wenn das sogar ich respektiere, ist es vermutlich schon bedeutungsvoll ...
Beispiel: http://hoimar-von-ditfurth.de/gespra..._koenig.pdf

"Eure Eminenz, es ist ein für mich hocherfreuliches Symptom einer typisch österreichischen Freiheit
des Denkens, daß ein Kirchenfürst wie Sie den hundertsten Todestag Darwins mit einem Symposion
über "Evolutionslehre und Menschenbild" begeht... Ihr aufrichtig ergebener Konrad Lorenz." Ich zitiere aus
diesem Antwortbrief auf Ihre Einladung mit Ihrer freundlichen Zustimmung, Herr Kardinal.
---
Nachtrag für Johannes:
"... Und mir scheint, daß damit ein Anliegen aufgegriffen wurde, das in unserer Zeit sehr bedeutsam
ist: daß Christen nicht mehr für sich leben, sondern in einer Welt, in der es Glaubende und Nichtglaubende
gibt." ...
Nun, Peter, wer sich nur ein klein wenig mit katholischer Kirchenlehre befasst hat weiß, dass der überwiegende Teil dieser Kirchenlehre reinstes Heidentum ist. Nimmt es da Wunder, wenn ihre Vertreter heidnische Lehren verbreiten?

Ja, es gibt in der Welt Glaubende und Nichtglaubende. Christen haben noch nie für sich gelebt. Das wäre ein extremer Widerspruch zum Auftrag Jesu Christi, in die ganze Welt zu gehen und die Botschaft von der Erlösung zu bringen. Christen waren immer schon weltoffen. Wenn Du unterscheidest zwischen Kirchenmitgliedern und Christen, fällt Dir der Unterschied gewiss nicht schwer.
@Friedhelm -

Wenn Du sagst,

"Moral und Ethik sind nicht originäre Erfindungen des Christentums, auch nicht irgend einer anderen Religion, sondern schlicht und einfach das Ergebnis konsequenter Anwendung menschlicher Vernunft und humanitären Denkens und Handelns."

reduzierst Du diese christlichen Werte auf menschliche Werte. Selbstverständlich sind NICHT DIE CHRISTEN die Erfinder dieser Werte. Diese kommen von Gott, der sie in seiner Rechtsordnung allgemeinverbindlich festgelegt hat. Dass in der nichtchristlichen Welt einige dieser Werte noch vorhanden sind, wurde von mir dargelegt. A.a.O. schrieb ich dazu bereits, dass diese Werte nur dann und insoweit Anwendung finden, wenn sie dem eigenen Vorteil dienlich sind.

Du schreibst:

"Auch in Regionen, die nie Berührung mit dem Christentum hatten, gab und gibt es Menschen, die nach den gleichen Regeln leben wie es überzeugte Christen tun."

Keine Frage. Hierzu findest Du bereits in der Heiligen Schrift eine klare Aussage. Paulus schrieb an die Christen in Rom:

"12 Wer also Gottes Willen nicht beachtet und gegen seine Gebote handelt, wird sein Leben auf ewig verlieren, auch wenn er Gottes geschriebenes Gesetz gar nicht kannte. Und wer vom Gesetz wusste und dennoch dagegen verstieß, wird von Gott nach dem Gesetz gerichtet werden.
13 Entscheidend ist nämlich nicht, ob man Gottes Gebote kennt. Nur wenn man auch danach handelt, wird man von Gott angenommen.
14 Freilich gibt es unter den Völkern Menschen, die Gottes Gebote gar nicht kennen und doch danach leben, weil ihr Gewissen ihnen das vorschreibt." (Röm. 2,12-14)

Nicht Christen haben die hohe Ethik und Moral gebracht, sondern Gott hat sie beauftragt, diese zu verkünden.

Bzgl. Busch - da sag ich nur: "was nicht rot ist, das ist rötlich - wer nicht Christ ist, der ist christlich".
Johannes
Wir können und sollten diese Wertediskussion hier abbrechen, da sie schon deshalb zu keinem beiderseits zustimmungsfähigen Ergebnis führen kann, weil die Prämissen nicht annähernd gleich sind. Für Dich als "Glaubenden" ist es selbstverständlich, dass Dein "Schöpfergott" der Urgrund allen Seins ist, einschließlich der Regeln, Gesetze und Ordnung, die dieses Sein kennzeichnen. Der "Glaubende" braucht sich daher auch keine Gedanken über die Sinnhaftigkeit dieser Regeln und Gesetze zu machen. Er kann sich damit begnügen, die Regeln und Gesetze einfach zu befolgen - also zu gehorchen -und ist sich damit seiner Sache sicher.
Der "Nicht-Glaubende" hat es dagegen schwerer. Für ihn gibt es keine "Glaubensgewissheit", daher auch keine Sicherheit. Er ist von Natur aus ein Zweifler. Er muss deshalb alle seine Handlungen, seine Moralvorstellungen und sein Empfinden vor sich selbst, vor sener Vernunft, vor seinem Gewissen begründen und rechtfertigen. Er kennt keine übergeordnete Instanz, die er fragen kann, was Recht und Unrecht ist. Natürlich muss er sich als Mitglied einer Gemeinschaft an die dort geltende Norm halten. Für alles andere trägt er selbst die Verantwortung.
Der Unterschied, Friedhelm ist so groß gar nicht, wie Du meinst. Sowohl der Glaubende wie auch der Nichtglaubende wird von Gott aufgefordert, zu prüfen. Damit soll nichts einfach so "hingenommen" werden, wie Du implizierst, sondern ausnahmslos jeder soll sich seiner Verantwortung stellen.

Du irrst allerdings, wenn Du meinst, der Nichtglaubende kenne keine übergeordnete Instanz. Es ist vielmehr so, dass er sehr wohl weiß, was Recht und Unrecht ist. Frag mal einen Dieb, ob er damit einverstanden ist, wenn ihm jemand was wegnehmen will. Sein Unrechtsbewußtsein ist da sehr wach!

Dein Unterschied ist lediglich konstruiert, um für den Nichtglaubenden eine Rechtfertigung zur Hand zu haben. Doch im letzten Schluss wird das nicht funktionieren.
Natürlich gilt auch für den nicht-glaubenden Dieb: prüfe und rechtfertige Deine Handlung, indem Du Deine Vernunft und Dein Gewissen befragst. Seine Instanz ist letzten Endes er selbst, nicht ein "hpheres" Wesen. Im übrigen verstößt er auch gegen geltendes Recht, eine Norm, die durch die Gesellschaft gesetzt ist, in der er lebt.
Hier habe ich mal was gefunden, das wunderbar zu Deiner Aussage passt:

"Nein, Moral und Ethik sind nicht originäre Erfindungen des Christentums, auch nicht irgend einer anderen Religion, sondern schlicht und einfach das Ergebnis konsequenter Anwendung menschlicher Vernunft und humanitären Denkens und Handelns."

https://www.facebook.com/prinzmarcus...9820834179/
@ Johannes
Das Video zeigt eine Szene, die beispielhaft auf einen Missstamd in unserer "Wegschau-Gesellschaft" hinweisen soll. Obwohl es keine Dokumentation realen Geschehens ist, findet Ähnliches sicher täglich oder gar stündlich irgendwo um uns herum statt. - Ich sehe darin aber keinen Widerspruch, sondern eher eine Bestätigung dessen, was ich ih meinem Zitat ausgedrückt habe. Was in dem Video gezeigt wird, geschieht ja in unserem "christlich geprägten" Land, mitten unter uns. Was mir beim Anblick der Szene in den Sinn kommt: Wie viele von den Menschen, die achtlos oder gar angewidert an dem Hilfsbedürftigen vorbeilaufen, setzen sich kurz darauf zusasmmen mit ihrer Familie an den wohlgedeckten Mittagstisch und beten:" Wir danken Dir, Herr, für die Gnade, die Du uns erwiesen hast.... usw. Dabei gibt es bestimmt auch einige, die beten: Danke, dass es mir nicht so geht wie jenem.....usw.
Niemand weiß, was in den Köpfen der Vorbeieilenden beim Anblick des am Boden Liegenden vorgeht. Als Beweis dafür, dass meine These ungültig ist, kann das Video nicht gelten.
Da könnte ich genau so gut ein Gegenbeispiel anführen, wie es ein Kommentator zu der Szene getan hat. Ich zitiere auszugsweise:
"Lasst euch nicht so einfach manipulieren. Mit guter Regie kann sich recht einfach die Ergebnisse erzielen, die man präsentieren will. Erst vor ein paar Monaten hab ich mit eigenen Augen gesehen wie ein Penner in Karlsruhe neben einer Bäckerei zusammengebrochen ist und da war sofort ne Menschentraube um ihn rum und kurz darauf Notarzt vor Ort. So böse wie der Film weismachen will ist die Welt nicht. "
Wieviele unter den Helfenden waren "Christen", wieviele nicht? Spielt das überhaupt eine Rolle?
Nein, Friedhelm, das geschieht nicht in unserem "christlich geprägten" Land, sondern in einem Land, das die christliche Prägung als überholt betrachtet und sich entsprechend verhält. Du vergisst, dass nach Deiner Auffassung der Humanismus christliches Leben abgelöst hat, der von Dir als gleichwertig oder gar höherwertig eingestuft wird.

Aber Du triffst den Kern:

"So böse wie der Film weismachen will ist die Welt nicht."

Wie war das doch, als Satan die ersten Menschen verführte?

"Unsinn hat Gott erzählt, ich weiß es besser! So schlimm ist das doch nicht, wenn Du von dieser Frucht isst!"

Ja, es spielt eine Rolle!
@ Johannes
"Du vergisst, dass nach Deiner Auffassung der Humanismus christliches Leben abgelöst hat, der von Dir als gleichwertig oder gar höherwertig eingestuft wird."

Johannes, ich muss zugeben, Du hast eine sehr geschickte Art, meine Aussagen so "miss-zu-verstehen", wie es Deiner Weltsicht und religiösen Überzeugung entspricht. Ich nehme es Dir aber gar nicht übel, denn wie könnte es auch anders sein?
Ich sehe mich aber noch einmal genötigt, das obige Zitat richtig zu stellen:
Es ist ganz und gar nicht meine Auffassung, dass der Humanismus das christliche Leben - was immer Du auch darunter verstehst - abgelöst hat. Wenn "christliches Leben" sich dadurch auszeichnet, dass es nach den gleichen Prinzipien, Grundsätzen, Wertvorstellungen geführt wird, die auch wirkliche Humanisten verstreten, so kann ich mir nichts Besseres wünschen. Wogegen ich opponiere, ist der Alleinvertretungsanspruch, auf den auch Du Dich hier berufst. Ich leugne nicht, dass unter dem Kreuzeszeichen viel Gutes in der Welt geschieht, aber so lange unter dem gleichen Zeichen Kriege geführt ("in hoc signo vinces"), für den eigenen Sieg gebetet, Menschen getötet und gequält, Ungläubigen mit ewiger Verdammnis, mit der Hölle gedroht wird, Dämonen "ausgetrieben" werden, etc. etc. - die Liste ließe sich noch sehr lange fortführen - , so lange wird es niemandem gelingen, meine Überzeugung zu ändern.

Johannes, ich denke, wir können damit diese Diskussion beenden, indem wir feststellen, dass wir in Vielem unterschiedlicher Meinung sind. Was wir gemeinsam haben und desshalb aich nicht aus dem Auge verlieren sollten, ist, dass wir beide Menschen sind und uns als solche gegenseitig achten und respektieren sollten. Ich hoffe, dass wir uns darin einig sind.

Was mich noch interessieren würde wäre, ob Du Dich als Christ einer bestimmten Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlst. Vielleicht könnte mir das helfen, manches hier besser zu verstehen.
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