wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Buchtipp: Yasunari Kawabata: Die schlafenden Schönen

Buchtipp: Yasunari Kawabata: Die schlafenden Schönen

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 08.05.2015 - 09:16 Uhr

Wir machen den Monat Mai zum Monat der Liebe - Eine Aktion der SB-Paten
Der Mai und die Liebe auf SB

Ein Blick in die japanische Literatur lohnt sich. Yasunari Kawabata: „Die schlafenden Schönen“. Wer die literarische Vorlage zu Gabriel Garcia Marquez’ “Erinnerung an meine traurigen Huren” sucht, wird bei den schlafenden Schönen fündig. Bei Garcia Marquez verliebt sich in einem Bordell ein 90 jähriger Mann in einen schlafendes vierzehnjähriges Mädchen. Zum ersten Mal ist er so richtig verliebt, berührt das Mädchen aber nicht, schwebt dafür aber im siebten Himmel, als er wieder auf die Straße geht. In Kawabatas „Die schlafenden Schönen“ gehen Greise in ein Bordell, in dem sie sich neben schlafenden jungen Frauen (sehr jung, so zwischen 16 und 20 Jahre alt) legen, die in einem Tiefschlaf versetzt worden sind, aus dem sie des Nachts, wenn sich alte Männer zu ihnen ins Bett legen, niemals aufwachen, niemals bekommen sie mit, wer neben ihnen im Bett liegt. Im Bordell gibt es eine Regel: Die Mädchen dürfen nicht befleckt werden.

Wir erlesen uns fünf Nächte, die der siebenundsechzigjährige Eguchi dort verbringt. Er genießt den Anblick der schlafenden Schönen, lässt sich vom Duft der Frauen aufsaugen. Yasunari Kawabata versteht es außerordentlich gut, diese Mädchen sinnlich, aber nicht distanzlos zu umschreiben. Jedesmal verfällt Eguchi in eigene Gedanken.Er denkt an Frauen, die er gehabt hat, er denkt an seine Töchter und an die Frau, die er mal für wenige Nächte hatte. Das Leben passiert Revue, doch auch jede Nacht bei den Schlafenden ist eine Steigerung der Versuchung, die Mädchen zu verführen, ihnen ihre Unschuld zu nehmen, wo bei in diesem Text deutlich heraussticht, was für ein lächerlicher Anblick es ist, wenn alte Greise neben jungen Mädchen liegen und was für ein Verbrechen es wäre, sich wehrlosen Mädchen zu bemächtigen. Der Anblick auf die Wehrlosigkeit junger Frauen führt zu düsteren Phantasien, in seelische Abgründe. Ein Buch über das Alter, Frauen, Tod und Einsamkeit. Gerade durch diese tieferen Dimensionen hebt sich Kawabatas Roman von Garcia Marquez’ traurigen Huren deutlich ab. Auch sprachlich überzeugt der Japaner. Der Kolumbianer schrieb nur ein verträumtes Märchen.

Yasunari Kawabata (1899-1972) erhielt 1968 den Literaturnobelpreis. Seine Novelle “Schneeland” (1937) galt kurz nach der Veröffentlichung schon als Klassiker.

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren