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Auszug aus einer Privatbiografie

Erinnerung an das Kriegsende vor 70 Jahren

Von Quintessenz Manufaktur für Chroniken - Freitag, 08.05.2015 - 10:07 Uhr

8. Mai 1945 - Kriegsende


Wir von #QuintessenzManufaktur haben in den 11 Jahren, die wir als Chronisten viele #Biografien mit unseren Kunden erarbeiten durften, auch viele Erinnerungen an das Kriegsende, die Zeit danach erzählt bekommen. Von der Schwedenspeisung über die Ängste der Frauen allein zu verreisen - vor allem in den russisch besetzten Zonen wie Thüringen, bis hin zu der Erkenntnis, dass Geld nichts mehr bedeutete, weil keiner etwas hatte. Man hatte überlebt, freute sich über die Geburt eines Kindes, feierte ein lebenlang unvergessenes Weihnachten 1945. Viele dieser Geschichten hat unser #Biografieservice zu Buche gebracht - wir jedoch möchten ein Augenmerk darauf richten, dass es nun seit 70 Jahren Frieden hat. Niemals ganz, aber zu großen Teilen. Einen solch lang anhaltenden Frieden hat es nie gegeben, wir sollten also unser Ohr in die Welt halten, die Berichte in den Medien lesen und dann glücklich abends ins Bett gehen.


Wer auf dem Bild den Text nicht lesen kann, hier noch einmal einkopiert:

Nach Kriegsende
Obwohl man erleichtert war, dass der Krieg vorbei war, man wieder schlafen konnte, war man fertig. Aber endlich konnten wir wieder schlafen, ohne Fliegeralarm fürchten zu müssen.
Wie oft hat man sich angezogen auf das Bett gelegt, damit man bei Alarm gleich aufspringen konnte.
Über tausend Tote gab es in Gotha. Da ich im Rathaus arbeitete, hörte ich einige Informationen durchsickern. Er hieß, dass irgendwo ein Lager mit über tausend Särgen war. Die wurden dort gelagert für Luftangriffe. Zum Kriegsende Ein Bild von einer früheren Fahrt nach Torgau. Nach Kriegsende war es für Frauen zu gefährlich allein zu reisen.
Zum Schluss waren keine Särge mehr da. Es wurde sozusagen von der Stadt Vorsorge getroffen, aber das durfte ja keiner wissen. Wir durften dann natürlich auch nichts weitererzählen. So viele Spiel- und Jugendkameraden sind gefallen! Ich habe gerade noch ein paar Tanzschritte gelernt, als der Krieg losging. Unsere Familie hatte Glück im großen Unglück dieserZeit, niemand im engeren Verwandtenkreis war gefallen oder von Bomben getötet worden. Noch im Juli 1945 zogen die Amerikaner aus Thüringen ab, dafür rückten die Russen ein.
Als Frau war man von da sehr gefährdet. Ich wollte meine Tante und meinen Onkel in Torgau endlich wiedersehen. Eine Bekannte von uns hatte die Absicht, mit dem Zug nach Herzberg fahren. Ich fragte sie, ob sie mich mitnehmen könnte. Sie meinte, ich wäre noch ein junges Mädchen und mit den Russen…..Ich solle mir unbedingt ein Kopftuch mitnehmen,damit ich mich als alte Frau tarnen könnte. Als die Russen den Zug kontrollierten, sagte die Bekannte "Komm an mich ran. Mach dich ganz klein.". Es ist alles gut gegangen bei meiner Reise, aber man hat von vielen Frauen gehört, die ausgeraubt oder vergewaltigt worden sind. Weihnachten 1945 war seit langem wieder das schönste Fest. Obwohl wir gar nichts hatten. Der Krieg war vorüber, und dann war da dieses schöne kleine Kind. Die Angelika war grade vier Monate alt, sie ist im August 45 geboren. Angelikas Vater, der Willi war noch irgendwo in Kriegsgefangenschaft.

1 Kommentar

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Die Menschen, die das Kriegsende bewusst erlebt und also noch in lebhafter Erinnerung haben, sterben allmählich aus. Nur wenige haben ihre Erlebnisse in Tagebüchern oder später aus der Erinnerung niedergeschrieben. Mit dem Tod der Zeitzeugen stirbt auch ein Teil unserer Geschichte. Aber das war wohl schon immer so- Schließlich gibt es ja die Historiker, die die noch auffindbaren Puzzleteile wieder einsammeln und versuchen, ein Gesamtbild zu rekonstruieren. Nicht immer gelingt das so gut, dass nachfolgende Generationen sich ihr eigenes Bild machen können. Erinnerungen und Berichte von Zeitheugen können nichts anderes sein als subjektive Momentaufnahmen. Sie können einen Eindruck vermitteln, abber mehr auch nicht. Dennoch aber können, sollen und wollen wir nicht darauf verzichten, denn eine Gesellschaft ohne Vergangenheit hat auch keine Gegenwart und Zukunft.
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