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Ein gelungener Studentenstreich

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 12.05.2015 - 22:35 Uhr

Es war ein warmer, sonniger Sommertag. In dem weiten Genfer See, desse Oberfläche kein Wind kräuselte, spiegelten sich die fernen, hohen Berge der französischen Schweiz. Die Lerchen stiegen hoch in die klare Luft. Man sah sie kaum schweben, doch ihr Gesang tönte von allen Richtungen her und vermischte sich mit dem lauten Gezirp der Grillen, die vor ihren kleinen Höhlen musizierten.

In angeregtes Gespräch vertieft, schritten Professor Durand aus Lausanne und ein wohlhabender junger Engländer in der Gegend von Lausanne einen einsamen Feldweg entlang. Sie hatten keinen Blick für die Schönheiten der Landschaft, kein Ohr für den Lobpreis der kleinen Geschöpfe, ihre Gedanken waren völlig von den ernsten Fragen eingefangen, die sie bewegten und diskutierten.

Mitten in der Unterhaltung sah der Student zufällig am Rain des Ackers ein paar klobige, alte Schuhe stehen, die anscheinend einem armen Mann gehörten, der weit hinten emsig arbeitete aber wahrscheinlich recht bald zum Mittagessen heimkehren würde.

"Herr Professor",

sagte der Student lachend,

"wir wollen dem Mann einen kleinen Streich spielen."

Durant sah fragend auf:

"Was gedenken Sie zu tun?"

"Nun, wir könnten die jämmerlichen Schuhe verstecken, Wert sind sie sowie so nichts. Dann verstecken wir uns hier im dichten Gebüsch und haben unseren Spaß an der Verzweiflung des Mannes, wenn er seine Kloben nicht mehr findet."

Der Professor lächelte, als er antwortete:

"Warum, mein junger Freund, sollen wir uns auf Kosten dieses Armen belustigen? Das ist nicht richtig. Aber ich schlage einen etwas würdigeren Scherz vor. Sie legen in jeden Schuh einen Taler. Dann wollen wir uns, wie sie erwähnten, dort im Gebüsch verbergen und uns an der Überraschung des Mannes erfreuen."

Der junge Engländer tat nach den Worten Durands und die beiden zogen sich unauffällig in das nahe gelegene Gebüsch zurück.

Es dauerte auch gar nicht lange, bis der Feldarbeiter kam. Er war müde von der Arbeit und von der Sonne, zog seinen mehrfach geflickten Kittel an, setzte sich an den WEgrand und wollte in die Schuhe schlüpfen. Aber das ging nicht ohne weiteres.

"Wird wohl ein Stein sein",

dachte er und stülpte den ersten Schuh um. Wie verwunderte er sich aber, als ihm ein Taler entgegenblinkte. Er staunte nicht schlecht, drehte das Geldstück von einer Seite auf die andere, besah es von vorn und hinten und konnte sich nicht satt anb ihm sehen, so, als habe er sein Lebtag noch nicht solch einen Wert in der Hand gehalten.

Jetzt schaute er sich um, ob er denn auch allein sei. Da er niemand in der Nähe sah, steckte er das Geld sorgfältig in die Tasche.

Nun wollte er den zweiten Schuh anziehen. Aber auch in ihm lag etwas Hartes. Mit grenzenloser Verwirrung fühlte er, dass es sich um einen zweiten Taler handelte. Er nahm ihn heraus. Da er wiederum keinen Menschenb erblicken konnte, wurde er von einem Gefühl kindlicher Dankbarkeit überwältigt. Er fiel auf seine Knie und rief aus:

"Oh Gott, Du wußtest, dass meine Kinder kein Brot haben und dass meine Frau krank im Bett liegt. Da hast Du mir, guter himmlischer Vater, dieses GEld zugesandt. Nun erkenne ich, wie gut Du bist. Bis zu meinem Tode möchte ich nicht aufhören, Dir für Deine Liebe zu danken!"

Die beiden Spaziergänger verhielten sich in ihrem Versteck ganz still. Der Feldarbeiter ging nach Hause zu seiner kranekn Frau und seinen Kindern. Aber alle Müdigkeit war von ihm abgefallen; denn diese unverhoffte Hilfe war für ihn eine wunderbare Glaubenserfahrung. Er erfuhr niemals, auf welche seltsame Weise Gott ihm geholfen hatte.

Der arme Mann war schon lange fort, da erst kamen Durand und der Student aus dem Gebüsch. Der junge Engländer war sehr nachdenklich geworden und fast zu Tränen gerührt.

"Nun, mein Freund, war das nicht ein herrlicher Spaß?"

fragte der Professor und blickte lächelnd zum See hinüber, der das Blau des Himmels widerspiegelte.

Der Student antwortete leise und mit bewegter Stimme:

"Sie haben mir heute eine gute Lehre erteilt, die ich nie vergessen werde. Ich danke Ihnen."

Hoch oben in den Lüften jubilierten die Lerchen weiter. An ihren kleinen Höhlen musizierten lärmend die vielen Grillen zum Preis ihres Schöpfers. In den herrlichen Lobpreis der Natur aber mischte sich der Dank dieser wenigen Menschen, die Liebe empfangen und Liebe gespendet hatten. P.L.

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