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Laro und Malina

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 30.06.2015 - 11:31 Uhr

Sie hat auf ihn gewartet, lange....
Jeden Tag sprach sie in ihren Gedanken mit ihm, erzählte ihm von ihrem Leben und von ihrer Sehnsucht, bat ihn bald zu kommen. Eine lange Zeit verging.
Als er sie endlich wieder fand, war alles anders.

Vor nicht langer Zeit lebten in einem Dorf zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, von ihrer Geschichte will ich dir erzählen:

Eigentlich waren sie wie alle Kinder auf unserer Welt. aber eines besaßen sie, welches sie von den anderen Kindern im Dorf unterschied. Sie verband eine wirklich große Freundschaft, von der keiner so recht wusste, wann sie begonnen hatte. Ja eigentlich war es mehr als das, sie gehörten einfach zueinander. Gemeinsam eroberten sie nicht nur ihre kleine Kinderwelt, sondern auch ihre Gedanken und Träume.

So geschah es, dass sie sich immer öfter auch ohne viele Worte verstanden. Und das war ja nun wirklich etwas ganz besonderes. Gewöhnlich sprachen die Menschen im Dorf täglich sehr viel miteinander. Was nicht bedeutete, dass sie einander so gut verstanden, wie diese beiden Kinder. Vielleicht aber, waren die zwei Kinder auch aus diesem Grunde bald allen Dorfbewohnern ans Herz gewachsen.
Der Junge hieß Laro und das Mädchen Malina.

Abends, wenn sich die Sonne tiefrot verfärbte, liefen Laro und Malina hinaus aus dem Dorf zur Wiese. Inmitten ihres saftigen Grüns stand eine große Eiche. Hier fühlten sich die beiden Kinder geborgen. Gemütlich lehnte sich Laro an den dicken Stamm, währenddessen Malina ihren Kopf auf seine Knie legte. So konnte sie am besten in die herrlich Krone des mächtigen Baumes blicken. Laro spielte mit ihren Haaren und sie waren einfach nur glücklich beieinander zu sein.
Jeder erzählte dem anderen von seinen Träumen und davon hatten sie beide eine ganze Menge. Auch liebten sie es gemeinsam in vergangenen Erlebnissen zu schwelgen, welches nicht selten mit Malinas Schabernack endete. Sie hatte tatsächlich eine seltene Begabung zu erzählen und gleichzeitig den Geschichten eine lustige Bedeutung einzuhauchen. Schon deshalb konnte Laro ihr niemals böse sein, auch wenn Malinas Schilderungen des öfteren Laros Erlebnisse zu seinen Ungunsten wieder auferstehen liesen.

Eines Tages jedoch schaute Malina lange in das Abendrot und schwieg. Ihr Kopf ruhte sinnend auf den kleinen Händen, während sie über die Wiesen zu der untergehenden Sonne blickte. Sie sah verträumt aus, als sie danach ihren Blick zu Laro wendete.
„Weißt du Laro, warum die Sonne abends so rot ist und sooo... schön?“ fragte sie den Freund leise.
Laro schaute stumm zu ihr und bewunderte ihr Haar, welches rotgolden in der Abendsonne leuchtete. Da Laro ihr nicht antwortete, wendete Malina ihren Blick zur Sonne und spracht weiter. Laro konnte in diesem Augenblick nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob sie zu ihm sprach. Und es war auch gar nicht wichtig für ihn. Er war gefangen von dem Bild, welches sich seinen Augen zeigte und von den Worten, die sich in seine Ohren schmeichelten. Der Schimmer der Sonne lag nun nicht mehr nur auf Malinas Haaren. Er ruhte auf Malinas Gesicht und ließ ein sanftes Feuer auf ihm glimmen. Laro lehnte sich ganz fest an den Stamm. Nur nicht bewegen, nur nicht rühren.

„Die Sonne macht sich schön für ihren Liebsten - den Mond!“ klang es noch leiser zu ihm. Fast andächtig flüsterte Malina die Worte.
„Der Mond liebt die Sonne seit tausenden von Jahren, aber noch niemals konnte er sie treffen. Er eilt über den Himmel, von Meer zu Meer. Fast unruhig eilt er seiner Liebsten nach, ohne seine Sehnsucht zu stillen. Darüber wird er oft sehr krank. Und dann, in seiner Traurigkeit ist dem Mond auch immer sehr kalt. Regelmäßig wird er so krank, dass er darüber ganz viel abnimmt. Man sieht es sofort, denn dann steht er ganz schmal, wie eine Sichel am Himmel.“

Hier, an dieser Stelle der Geschichte schaute Malina zu Laro. Ihr Gesicht war immer noch in den Schimmer der Sonne getaucht, doch die Augen des Mädchens waren sehr dunkel und glänzten verdächtig. Bevor Laro auch nur irgendeine Äußerung sagen konnte, wendete sich Malinas Blick wieder träumend in die Ferne. Die Sonne schaute nur noch wenig über die Bäume des Waldes, der in der Ferne die große Wiese begrenzte. Malina sprach bereits leise weiter:

„Wenn der Mond mit seiner Sichel am Himmel steht, ist er oft so schmal, dass die Menschen ihn mit ihren Augen suchen müssen. Wenn sie ihn dann sehen, spüren einige unter ihnen seine Traurigkeit und werden auch traurig. Doch die Menschen wissen nicht, warum sie der schmale Mond so traurig macht. Die Sterne aber sind alle seine Freunde und sie funkeln und flüstern jede Nacht:
„Mond, Freund, sein nicht traurig. Deine Freundin die Sonne, wird sonst auch noch krank. Dann kann sie nicht mehr strahlen und die Welt erwärmen. Bäume, Tiere und auch die Menschen müssten sterben. Das wäre schlimm!“
Wenn der Mond hört, was die Sterne ihm flüstern, dann rafft er sich wieder auf. Er dehnt und reckt sich und für viele Tage ist er wieder voller Hoffnung. Die Sterne leuchten dann besonders hell, um ihrem Freund zu helfen.“
Malina setzte sich auf, strahlte Laro an und drückte ihm kräftig seine Hand. „Siehst du Laro, und deshalb macht die Sonne sich schön. Sie ist voll Wärme und Kraft und möchte beides mit ihm teilen. Und sie ist sicher, dass sie eines Tages ihrem Freund begegnet."

Laro war auf einmal sehr nachdenklich geworden. Malina erzählte ihm oft lustige Geschichten. Doch dieses Mal war Malinas Geschichte keine lustige Geschichte. Sowieso konnte er nur staunen, was ihm seine kleine Freundin erzählte.
„Woher hast du diese Geschichte?“ fragte er sie. Malina lächelte ihm zu und zuckte mit den Schultern. „Schau, gleich ist sie hinter den Bäumen verschwunden.“
Während Malina die untergehende Sonne betrachtete, betrachtete Laro Malina. Er hielt die kleine Hand seiner Freundin an diesem Abend besonders fest und beide Kinder saßen noch lange unter dem Baum. Die Dämmerung war bereits vor einiger Zeit über die Wiesen gekrochen und hinter den Bäumen verschwunden. Still beleuchtete der aufgehende Mond mit seinem sanften Licht die Kinder. Es war ein stiller Abend. Die Kinder hatten die Zeit verloren. Malina lehnte ihren Kopf an Laros Schulter und lächelte. Die Gedanken der beiden Kinder waren noch offen und von der Unschuld, wie sie nur Kinder haben. Als Laros Mutter sie rief, sprangen die Beiden fröhlich über die Wiese zum Dorf. Sie hatten beide über ihren Träumereien beinahe vergessen, wie hungrig sie waren.

So vergingen viele Jahre. Gemeinsam mit der Natur und den Menschen im Dorf wuchsen Laro und Malina heran. Ihr Vertrauen wuchs wie ein unsichtbares Band mit ihnen. Malina und Laro gingen zur Schule und halfen an den Nachmittagen oft gemeinsam den Eltern auf den Feldern, sie teilten alles miteinander. Sobald es etwas wärmer wurde saßen sie abends bei der großen Eiche. Diese war immer noch der Lieblingsplatz für Laro und Malina, keiner mochte ohne den anderen sein.
Wie alle jungen Menschen schmiedeten sie bereits schon Pläne für die Zukunft. Noch immer lächelten die Dorfbewohner, wenn Laro und Malina durch das Dorf zu den Wiesen gingen. Die Alten nickten mit dem Kopf und schauten ihnen schmunzelnd nach. Laro und Malina erinnerten sie an die eigene Jugend und die vergangen unbeschwerten Stunden, die so nur in der Jugend lebendig sind.

Dann kam der Tag als Laro erwachsen wurde. Als alle Geburtstagsgäste gegangen waren, ergriff er Malinas Hand und zog sie über die Wiesen zum Baum. Zum ersten Mal legte er seine Lippen auf Malinas Mund und küsste sie inniglich. Dieser Kuss war wie ein Versprechen, dass spürte Malina sofort. Ihr Herz schlug wie wild in ihrer Brust vor Glück. Nun waren sie keine Kinder mehr und Laro hatte sich jetzt als Mann für sie entschieden.
„Jetzt Malina kann ich endlich tun, was schon lange mein geheimster Wunsch ist“, sagte er leise.
Malina errötete vor Freude und schmiegte sich nah an seine Gestalt. Als der Mond in dieser Nacht über dem Baum stand, hörte er nur das leise Geflüster der Liebe. Sehen konnte er sie beiden jungen Menschen nicht. Keiner bemerkte in dieser Nacht, dass sie nicht in ihren Betten schliefen. Bevor sie am frühen Morgen zurück zum Dorf liefen, nahm Laro Malina noch einmal in die Arme.
„Ich werde für ein Jahr fortgehen und nicht mit leeren Händen zu dir zurückkehren. Und dann Malina, kommt das richtige Leben, DAS WAHRE LEBEN. “
Malinas Augen wurden ganz groß. Sie verstand nur eines, Laro wollte in die Fremde. „Warum? Was kannst du da finden, was denn? Was denn für ein richtiges Leben Laro? Wir haben uns, unser Dorf und wir haben doch in uns alles, was wir brauchen für unser Leben.“
Doch Laro konnte seine Gedanken nicht aufgeben. Er war voller Leidenschaft für seine Idee, und so kam der Tag, an dem er fort ging. Malina blieb zurück. Zum ersten Mal in all den Jahren konnte sie ihn nicht verstehen, und war voller Traurigkeit.
Abends saß sie an ihrem Lieblingsplatz und schaute der Sonne zu. Diese war nicht so ungeduldig wie sie. Die Sonne machte sich immer noch unbeirrt schön für den Mond.
Ein Jahr verging und noch ein weiteres. Laro war nicht zurückgekommen. Malina wartete immer noch voller Hoffnung auf ihn, so wie auf jeden neuen Tag. Wieder war Frühling geworden, die Erde atmete auf. Das dritte Jahr war angebrochen und Malina wurde krank. Alle Menschen im Dorf nahmen Anteil und versuchten ihr zu helfen. Keiner von ihnen kannte die Krankheit, die Malina befallen hatte, deshalb sammelten sie Geld für den besten Arzt aus der Stadt. Aber auch er war machtlos. Das es keine Hilfe mehr für sie gab, ahnte Malina schon lange. Sie war nur traurig, dass Laro so weit von ihr war, und dass sie ihn nun nicht mehr sehen würde.
Ihre großen Augen lagen tief in ihrem schmalen Gesicht und die Trauer stand deutlich in ihnen. Dennoch, Malina konnte trotz ihrer Krankheit wunderschön lächeln. Wenn sie sich für all die Fürsorge bedankte, dann beschenkte sie die Menschen aus dem Dorf damit. Ihre Krankheit war schwer, sie zehrte an ihr und Malina wurde immer schwächer. Unter der Eiche wollte sie liegen, noch einmal die Sonne sehen, wenn diese sich schön macht für den Liebsten. Alle Menschen aus dem Dorf begleiteten Malina. Sie lag im Schatten des Baumes, als sie einschlief.
Der Herbst kam mit all seinen bunten Farben, und mit ihm kam Laro. Er hatte sich verändert. Sein Anzug war aus feinstem Stoff. In den Taschen hatte er nicht nur viele Geschenke, sondern auch Papiere, in denen stand, was er alles erreicht hatte. Und er hatte einen goldenen Ring dabei, den er Malina an den Finger stecken wollte. Drei Jahre seines Lebens war er unterwegs gewesen und er hatte alles erreicht, was er wollte. Er hatte es geschafft, dass wahre Leben zu finden und jetzt wollte er Malina.
Viele Entbehrungen hatte Laro am Anfang auf sich genommen. Er hatte gearbeitet, oft ohne an Schlaf zu denken. Jetzt war der Augenblick gekommen, den er voller Unruhe die letzten Monate ersehnte. Er war so stolz auf sich und freute sich auf Malinas Gesicht. Laro sah das Dorf und seine Beine fingen an zu laufen. Vorbei an der Eiche über die Wiesen. Hinunter zum Dorf, welches ihn mit seinen vertrauten Hütten und Gerüchen begrüßte. Die Männer und Frauen traten aus den Türen. Alle sahen Laro stumm an. Er lachte, er rief sie beim Namen und fragte nach Malina, doch sie senkten die Blicke. Da wusste er die Antwort, er fühlte sie.
Immer noch sitzt Laro so oft er kann unter der Eiche und schaut in das Abendrot. Tief in seinem Inneren hört er Malinas Stimme, wie sie leise zu ihm spricht:
„Weißt du Laro, warum die Sonne abends so rot ist...?“

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