wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Mainau, Puppenausstellung

Dinner for Two oder Das Candle-Light-Dinner, die Pantoffeln und die bellende Handtasche

Von wize.life-Nutzer - Samstag, 01.08.2015 - 12:20 Uhr

Zu unserer Hochzeit bekamen Regina und ich von ihrer ältesten Schwester Ulrike ein Candle-Light-Dinner geschenkt. Den Termin durften wir selbst bestimmen und konnten ihn selbst mit der „Besatzung“ der Lokalität vereinbaren. Das Lokal, „Moselblick“, gehört zum Ort Winningen und ist etwa 10 km von Lehmen, unserem Wohnsitz, entfernt in gemütlichen 15 Minuten zu erreichen. Unser Freitagabend war gewählt und angemeldet, alles bestens geplant und vorbereitet, das muss so sein wenn die Partnerin an MS leidet und es sah so aus als könnte nichts schief gehen, aber ….

…. dann klingelte das Telefon. Es war 16:30 Uhr um 19:00 Uhr sollten wir uns im Lokal einfinden. Also nicht der Rede Wert, es war noch Zeit genug. Regina nahm ab und das Schicksal seinen Lauf.

Nach bereits kurzen 30 Minuten – nur zur Erinnerung, es war nun 17:00 Uhr – konnte Regina das Telefonat beenden. Nun beichtete Regina mir, dass ihre Schwester Silvia sich angemeldet habe, weil sie etwas knapp bei Kasse sei, aber dringend Katzenfutter bräuchte. Um sich bei uns ein paar Dosen zu borgen, käme sie gleich vorbei.

Ich hatte noch vor zu duschen. Nun gut es war jetzt 17:05 Uhr und Regina meinte, Silvia sei etwa um 17:10 bis 17:15 Uhr bei uns. Eine kurze Hochrechnung ergab für mich, dass ich dann um 17:30 Uhr unter der Dusche stehen würde, was zeitlich noch ein-planbar war. Lediglich die Uhr tickte erbarmungslos weiter. Um 17:40 Uhr beschloss ich dann, nicht mehr auf Silvia zu warten, sondern mich mit etwas Zeitdruck unter die Dusche zu begeben. Regina war bereits mit duschen fertig und föhnte sich ihre Haare; ich hatte mich eben meiner Kleidung entledigt …. da klingelte es an der Tür.
Mir blieb nichts anderes über, als wieder in die Unterhose zu springen und zunächst vorsichtig hinter der Eingangstür versteckt, nachzusehen, wer der Klingler sei. Es war Reginas Schwester Silvia, die sich leider etwas verspätet habe, weil sie noch mit Hinz und Kunz … na ja, wie das eben auf dem Land so ist!

Nachdem ich meine Hemmungen überwunden hatte, bat ich Silvia freundlich herein. Halbnackt ertrug ich und meine Unterhose ihren Redeschwall bis Regina endlich um 18:10 Uhr aus dem Badezimmer auftauchte. Sie sah die ganze Situation recht locker, sie war ja auch schon fast „ausgehfein“. Natürlich dämmerte Silvia nun, dass wir heute etwas besonderes vor hatten. Die Folge waren Entschuldigungsreden, denen ich es vorzog nicht bis zum Ende zuzuhören. Ich verabschiedete mich durch den Redeschwall Silvias, allerdings ohne bis heute zu wissen, ob das überhaupt bemerkt wurde. Nach weiteren 10 Minuten – es war exakt 18:25 – gelang es Regina bereits ihre Schwester nach draußen zu buxieren. Nun schien auch Regina etwas angespannt. Sie hatte Ihr Kleid zwar an, aber der Reißverschluss war noch offen, was mir aber erst später mitgeteilt wurde.

Ich warf mich in meinen Anzug, band den Binder und verließ das Badezimmer. Gerade hatte ich mich niedergelassen um meine Schuhe anzuziehen, da bat mich Regina aus dem Schlafzimmer rufend, ich möge ihr doch bitte beim Reißverschluss behilflich sein. Verliebt und relativ frisch vermählt, folgte ich natürlich sofort ihrem Verlangen, lies Schuhe Schuhe sein und begab mich ins Schlafgemach. Der Reißverschluss war schnell verschlossen, der Kuss zum Dank dauerte schon etwas länger und lies die Welt um mich herum vergessen. Es war nun bereits 18:40 Uhr und höchste Zeit zu fahren. Also schnappte ich mir den Rollstuhl von Regina, verstaute ihn im Kofferraum während Regina abschloss und auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Bei leichtem Nieselregen ging es los zu unserem Candle-Light-Dinner.

Wir hatten die Hälfte der Strecke bereits hinter uns, als ich endlich in den vierten Gang schalten konnte um in den Endspurt überzugehen. Aber was war das? Die Kupplung lies sich so seltsam weich treten. Nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen …. ich befand mich noch in meinen Pantoffeln. Anzug und Pantoffel, das geht ja gar nicht, schoss es mir durch den Kopf. Regina von dem Malheure erzählen und das Auto wenden war eins. Während Regina sich kringelig lachte, war ich mit überhöhter Geschwindigkeit bereits fast zu Hause. Haustür aufschließen und Kater ausbüchsen war eins und musste auch unbedingt so sein. 18:50 Uhr - Schuhe an, Kater wieder eingesammelt und auf zum zweiten Versuch.

Mit einer kleinen Verspätung von 10 Minuten erreichten wir das Lokal, wo wir sehr freundlich empfangen und zu unserem Tisch geleitet wurden. Der Tisch machte schon was her. Sehr vornehm eingedeckt, herrliche Rosen auf dem Tisch und mitten drin ein neunarmiger Kerzenleuchter, dessen Kerzen man nun anzündete. Was weniger verständlich war, der Tisch stand mitten im Raum, darum herum Tische mit normalen Gästen. Für ein Candle-Light-Dinner hätte ich schon erwartet, einen Tisch der etwas Abseits auch Raum für zarte Töne und Gespräche bietet. Regina und ich, wir grinsten uns nur an, der Kellner war noch zu nah, um zu spötteln.

Der Abend begann nun bei Kerzenlicht in einem hell erleuchtetem Saal, mittendrin wie auf einem Präsentierteller, mit einem Glas Sekt. Sekt ist das Zeug, das mich eigentlich nur müde macht. Nun gut – es gehörte halt dazu. Das Mahl begann dann mit einer Suppe. Ihr folgte ein Salatteller und mit etwas Verzögerung das Hauptgericht. Chateau briand war natürlich schon etwas besonderes. Unser Kellner, wir nannten ihn Pinguin, weil er die Fußspitzen sehr weit nach außen gestellt hatte, was zwangsläufig einen leicht watschelnden Gang zur folge hatte, schien nur mit der Betreuung unseres Tisches betraut zu sein. Als er die Suppentassen abräumte, blieb er mit dem linken Fuß am Türrahmen zur Küche hängen, was ihn fast zu Sturz brachte. Nicht, dass ich gehässig wäre, aber eines etwas lauterem Lachen konnte ich mich nicht erwehren. Dies wiederum brachte die Handtasche am Tisch hinter mir zum bellen, worauf Regina mit mir mitlachen musste. Wir schauten gebannt auf die Handtasche der Dame am Hintertisch, als durch eine kleine Öffnung der Kopf eines Rehpinschers geschoben wurde, der noch zwei Beller vernehmen lies, um dann wieder in der Handtasche zu verschwinden. Auf diese Weise kamen wir nun mit der Besetzung des hinter mir stehenden Tisches ins Gespräch. Man wollte wissen, was wir besonderes feierten und amüsierte sich ebenso wie wir über die seltsame Anordnung des Tisches für ein Candle-Light-Dinner.

Zum Hauptgericht wurde eine Flasche Wein gereicht, die Sorte durften wir uns aussuchen. Da Regina Rotwein bevorzugt, ich aber eher den weißen mag, brachte man uns dann doch lieber gleich zwei Flaschen. Den krönenden Abschluss bildete dann eine Creme brulé – leider hatten sie hierfür nur sehr kleine Schalen, von denen ich locker noch drei weitere hätte verdrücken können.

Gegen 22:30 Uhr verließen wir das Lokal, begleitet von guten Wünschen für unsere Zukunft. Eigentlich hatten wir uns ein Candle-Light-Dinner schon etwas anders vorgestellt, aber wenigstens war es lustig.

©P.Wenzel

Mehr zum Thema

10 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Wunderschöne Liebesgeschichte - voll entspanntem Humor - und gelassener Vertrautheit! Ein Geschenk!
Reine Tatsachenschilderung
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das habt ihr toll gemacht
Trotz allem war es ein sehr schöner Abend
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Und es war doch wirklich ein lustiges Diner. Könnt ihr ja noch mal in ernster Form wiederholen. Ohne Störungen.
Dann hätte ich ja nichts worüber ich schreiben könnte
So ist es. Das Normale ist immer langweilig.
Gute Nacht und schlaf gut
Du auch lieber Harry.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Lachen ist gesund, und ist gut bei bei einem üppigen Mahl
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren