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Gabi räumt ihr Leben auf… oder: Nach dem Keller kam der Kleiderschrank…

Von wize.life-Nutzer - Montag, 26.10.2015 - 12:15 Uhr

... und ich ein Stück weiter ins Leben zurück...

Als mein Chaos-Keller in Ordnung gebracht war und ich danach endlich wieder aufatmen konnte und merkte, wie gut das Loslassen tat, ging es weiter mit meinem Kleiderschrank… beides war längst überfällig, aber wie das nun mal meistens so ist, schiebt man das immer wieder raus, hadert mit sich, hat fast Angst davor, sich von so vielem zu trennen, alles neu zu ordnen… sich selbst neu zu ordnen… obwohl man ganz genau weiß, dass es sein muss. Loslassen fällt genauso schwer wie Zulassen… Gefühle zulassen, weil man Angst hat, wieder enttäuscht zu werden… und manchmal braucht man einfach einen Schubs in die richtige Richtung…

Wie sagte schon Einstein sehr richtig:
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.
Das habe ich lange genug getan… nämlich Nichts… einfach nur gehofft, dass sich irgendetwas ändert, einfach so, am besten von ganz alleine, ohne jegliches Zutun. Das tut es aber nicht !

Am Freitagabend hat mich dann ein Freund, der mir längst mehr bedeutet, als ich zugeben würde, dazu inspiriert, doch in einer Kleiderkammer zu helfen… einfach nur, um etwas Sinnvolles zu tun… und mit dieser Idee könnte ich meine mir zur Verfügung stehende Zeit bis ich wieder arbeiten gehe, sinnvoll nutzen. Ich habe den Gedanken weiter vertieft und am Samstag und Sonntag meinen Kleiderschrank ausgeräumt, aussortiert, neu geordnet und wieder eingeräumt…

Kurzzeitig glich mein Bett einem Wühltisch in einem Kaufhaus

Ach Du meine Güte, was da alles zum Vorschein kam… T-Shirts, die ich in 2 Nummern zu klein, aber auch in 2 Nummern zu groß aufbewahrt hatte, sie waren kaum oder gar nicht getragen, aber ich passte eben nicht mehr hinein, oder die Farben gefielen mir jetzt nicht mehr. Nicht viel anders sah es bei den Blusen aus… alle Farben, Muster und verschiedene Größen… sicher, ich arbeite im Büro und schicke Blusen kann man einfach nicht genug haben. Nur passen sollten sie… und dieses wichtige Kriterium erfüllten etliche einfach nicht (mehr)… je nachdem, ob sie zu klein, oder zu groß waren. Aufgehoben habe ich sie wahrscheinlich, weil sie mir besonders gut gefielen, schick aussahen… besonders die eine… Lieblingsbluse… aber eben zu groß… YES… und reinpassen will ich da nicht mehr, never ever… also… weg damit.

Ganz ähnlich verhielt es sich mit Hosen… Sweatshirts und Strickjacken, 2 Blazern und 2 Übergangsjacken und 3 Winterjacken… von denen eine eigentlich ein Mantel war… ein wirklich schöner Kurzmantel, anthrazit mit einem breiten Schalkragen aus einem wunderbar weichem Wollstoff, leicht aber doch wärmend… nur leider passte auch er nicht mehr. Auch ein Teil, von dem ich mich nicht trennen konnte, weil er mir so gut gefiel. Zwar schon 3 Jahre alt, aber eben nur einen Winter getragen. Die passenden Handschuhe und den Loopschal in Anthrazit und Rot habe ich gleich mit aussortiert… ich habe Kleidungsstücke „entdeckt“ von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie überhaupt noch habe, weil sie im Schrank in den hinteren Stapeln zusammengelegt dahin schlummerten.

Überraschungen also, ganz so, wie sie schon im Keller zu finden waren, nur dass „Oh, Schuhe“ ausgetauscht wurde in „Oh, das ist ja auch noch da“ und ich es nicht aussprach, sondern still bei mir dachte… ich war ja alleine und so weit ist es mit mir noch nicht, dass ich Selbstgespräche führe… würde ja auch keinen Sinn machen, ich würde mir ohnehin immer recht geben… also lasse ich diese Art der Kommunikation.

Kurzzeitig glich mein Bett einem Wühltisch in einem Kaufhaus… ich musste ja alles auseinanderfalten, anprobieren, oder zumindest vor dem Spiegel vor mich halten, damit ich sehe… dass es nicht passt, oder mir einfach nicht mehr gefällt. Dann musste es wieder ordentlich gefaltet und zusammengelegt werden… und in Säcke verpackt, die hatte ich nämlich noch von der Keller-Challenge übrig. Immerhin habe ich so 4 Säcke voll Kleidung gepackt, die ich heute Nachmittag zu unserer Kleiderkammer bringen werde… eigentlich ist es ganz einfach zu helfen… anderen… und sich selbst…

Lange genug war ich durch mein Burn-out wie gelähmt… nicht in der Lage irgendetwas zu tun, geschweige denn zu ändern… unfähig, den „berühmten“ Fussel, den man am Boden liegen sieht, aufzuheben. Ich habe ihn gesehen und doch liegen lassen… er hat mich nicht gekümmert. Ich war gar nicht fähig ihn aufzuheben… nicht in dem Augenblick, in dem ich ihn erblickte… es interessierte mich einfach nicht, ich war viel zu beschäftigt mit meinen Gedanken, die immer wieder in meinem Kopf kreisten, gefangen in immer den gleichen Gedanken…

Gedanken-Karussell

Wie ein Film, eine ständige Wiederholung lief immer wieder die Nacht vor meinen Augen ab, in der ich meinem Mann beim Sterben zusehen musste, nichts tun zu können, außer bei ihm zu sein, den Blick immer wieder auf die Apparate gerichtet, hilflos zusehend, wie alle Organe der Reihe nach versagten… er war doch erst 48 und an einer Blutvergiftung kann man doch heutzutage nicht sterben… doch, man kann !

Die Überlastung im Beruf… darüber nachzudenken, was der Auslöser für diese Überlastung war und weshalb ich auf einmal meine Arbeit nicht mehr erledigen konnte, selbst dann nicht, obwohl ich immer öfter Arbeit aus dem Büro mit nach Hause nahm und trotzdem Abgabetermine für Statistiken nicht mehr einhalten konnte… dieses immer wiederkehrende Gedankenkreisen, ähnlich wie auf einem Karussell, meinem „Gedanken-Karussell“, unfähig mit dem Denken aufzuhören und unfähig, es einfach anzuhalten und abzusteigen, im Gegenteil… man durchwandert ein Tal der Tränen, der Selbstzweifel und der Hoffnungslosigkeit… ich habe in Gedanken immer wieder alles hinterfragt, mich selbst in Frage gestellt… und bin doch zu keinem Ergebnis gekommen…

Im Sommer letzten Jahres kam es dann zum Zusammenbruch… Diagnose: Burn-out und eine mittelschwere/schwere Depression…und schon ist man in diesem Teufelskreis gefangen… man will es nicht wahrhaben… es nicht annehmen, das passiert doch nur den anderen, aber doch nicht einem selbst… nicht dieser taffen Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen scheint… scheint ! Man kann nicht darüber reden… kann und will sich nicht immer wieder erklären müssen, weshalb man dies und jenes plötzlich nicht mehr kann, es plötzlich nicht mehr schafft alleine einkaufen zu gehen oder alleine eine weitere Strecke im Auto zu fahren… man sich nicht nur fühlt wie ein Häufchen Elend, sondern tatsächlich auch eines ist…aber ich möchte das jetzt an dieser Stelle auch nicht weiter vertiefen… das würde ein ganzes Buch füllen…

Ohne professionelle Hilfe und Unterstützung meiner Familie und Freunden, wäre ich jetzt längst noch nicht da, wo ich jetzt bin… ich räume also nicht nur meinen Keller und meinen Kleiderschrank auf, ich mache das auch mit meinem Leben…

und ich bin auf einem guten Weg…

48 Kommentare

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jo, mußte noch mal lesen , beruhigt mich !!!! Besonders an solchen beschissenen Tagen !!!!
Freut mich Ute, wenn Dich das Lesen beruhigt... beschissene Tage gibt es immer mal wieder, man muss nur aufpassen, dass sie einen nicht zu weit runter ziehen... und morgen ist ein neuer Tag...
jooo, nur meint man manchmal, ist man Weibchen ---oder Männchen !
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Hut ab !!!!!
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Hut ab !!!!!!
-lichen Dank Ute...
kann es mitfühlen !
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Chapeau, Madame, schön dass du jetzt damit so offen und bewußt umgehen kannst...
Merci, Monsieur... es wurde ja auch langsam Zeit... ... aber ohne die Hilfe und Geduld, die mir zuteil wurde, wäre ich längst nicht da, wo ich jetzt bin...
Hast ja auch ein gutes Team um dich herum....
bestimmt !!!!
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...ich auch....
Freut mich sehr, dass auch Du auf einem guten Weg bist...
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Wunderbar ehrlich und sehr ergreifend.
Schön, dass du nicht allein bist.
- lichen Dank Beate ... das ist wirklich sehr schön... und ich weiß das auch zu schätzen...
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👍👍👍mach weiter so auf deinem Weg
- lichen Dank Smilla... das werde ich...
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Ich schließe mich meinen Vorschreibern an... und finde Du bist cool und schafst den Weg weiter zu gehen. Mit Deinen mutigen und ehrlichen Zeilen hast Du ja vieleicht auch anderen Mut und Kraft gegeben
Vielen lieben Dank Ralf... ich würde mir wünschen, dass ich mit meiner Geschichte etwas Zuversicht vermitteln könnte...
das hast in diesem karusell war ich auch als ich 1991 meinen geliebten beruf aufgeben mußte wegen schließung der filiale mein bett war tage und wochen mein zuhause lies keinen an mich ran bis ich einen fatalen fehler machte und mein leben sollte zu ende sein..meine kinder fanden mich hinter verschlossener tür und wußten was mit mir los war und ich wurde in letzter minute gerettet...nun weiß ich wenn die depri kommt das ich zu meinen kindern rechtzeitig gehen kann...mit dieser krankheit ist nicht zu spaßen..wünscht man nicht seinen ärgsten feind ..lg
Das tut mir sehr leid Regina... so weit ist es bei mir glücklicherweise nicht gekommen, so schlimm die Diagnose auch für mich war, ich war zu keiner Zeit Suizidgefährdet und habe rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch genommen... und ich hatte als Rückhalt meine Familie und wirklich sehr gute Freunde, die mich so gut es ging und soweit ich dies zu ließ, aufgefangen haben, zu mir standen...
ich war immer alleine zu hause alle hatten noch arbeit und die kinder in der schule..mir ist alles zu viel geworden weil keiner mich nicht mehr brauchte obwohl ich noch so jung war und keiner konnte die richtige diaknose stellen aber in der klinik hat man mir geholfen..ein halbes jahr in der geschlossenen ..nun weiß ich immer wo ich hilfe bekomme....
Ganz wichtig ist, dass man Hilfe annimmt... alleine schafft man es nämlich nicht, aus solch einer schweren Lebenskrise wieder heraus zu finden...
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Liebe Gabriele, weiterhin viel Kraft und Mut.
Vielen lieben Dank Monika...
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gabi, ich wünsche dir weiterhin viel kraft, bis zu deiner völligen gesundung. ich kann alles nachempfinden, habe großen respekt und bewundere deinen mut, dies hier aufzuschreiben!
Vielen lieben Dank Sr Inge... so mutig ist das gar nicht... mir hilft es, dass ich mittlerweile offen und ehrlich darüber reden/schreiben kann... das war nicht immer so...
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