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Ein komischer Tag

Von wize.life-Nutzer - Freitag, 27.11.2015 - 10:32 Uhr

Heute ist ein komischer Tag.
Ich sitze hier auf "meinem" Berg in Bayern, bin so gut wie eingeschneit und warte.
Warte darauf, dass die DHL meine beiden Koffer für meine bevorstehende Kur an der Ostsee abholt.
Zwischen 8:00 und 18:00 wollen sie kommen. Das bedeutet, ich kann den ganzen Tag nicht aus dem Haus. Bin dazu verdonnert, zu warten.
Eigenartig, eigentlich muss ich gar nicht aus dem Haus. Doch es nicht zu können ist etwas ganz anderes. Endlich habe ich einen ganzen Tag lang Zeit zum Packen. Zeit, meinen Umzug aus meinem Häuschen in eine kleine Wohnung vorzubereiten.
Wenn ich von der Kur zurück bin, geht es in die Vollen. Mir graut davor! Das wird nicht einfach.
Ich muss mich von vielen lieb gewordenen Dingen trennen, muss mich "verkleinern".
Möbel, Geschirr, Gartenmöbel - vieles, wofür ich keinen Platz mehr haben werde, muss weg.
Dinge, die ich mit Liebe und Sorgfalt ausgewählt und mit dem Geld gekauft habe, das ich mir erarbeitet habe, muss ich einfach so weg geben. Teile meines Lebens! Mir ist ein wenig bang zumute.
Ich tröste mich mit dem Gedanken an mein geliebtes Häuschen in meiner geliebten Wahlheimat.
Dort ist Platz genug für mich und meine tausend Bücher, Bilder und großen und kleinen Schätze
Erinnerungsstücke, Puzzleteile meines Lebens.
Hört sich fast messiehaft an, was ich da schreibe. Doch das bin ich nicht. Habe nur, wie fast jeder, ein paar Stücke von denen ich mich nicht oder nur ungern trennen mag.
Manche besitzen einen monitären, andere lediglich einen ideellen Wert. Für mich.
Vielleicht sollte ich Fremde meine Wohnung ausräumen lassen? Fremde, die nicht die Erinnerung kennen an Situationen und Gefühle, die ich mit manchen Sachen verbinde?
Fremde, die kurzen Prozess machen, die ausschließlich die zum Leben notwendigen Dinge übrig lassen. Was ist zum Leben notwendig? Gehören Erinnerungen dazu, Gefühle?
Gehört eine Antiquität dazu, ein von meiner 3-jährigen Enkeltochter gezeichnetes Bild, ein schöner Stein aus einem Urlaub? Der besonders liebevoll geschriebene Brief eines nahestehenden Menschen? Fotos? Meine Zeugnisse, auf die ich immer stolz war und die ich wohl nie mehr brauchen werde? Ist das alles "lebensnotwendig" oder schon Luxus?

Mir fallen die Flüchtlinge ein, die entscheiden mussten, was für sie lebensnotwendig ist auf ihrem langen, gefährlichen Weg in Richtung Sicherheit.
Ich begreife, dass für diese Menschen die Flucht weit mehr bedeutet als "nur" die Heimat zu verlassen: das nackte Leben retten.
Fast schäme ich mich dafür, dass ich lediglich reduzieren muss. Ich sehe, wie gut es mir geht.
Jetzt werde ich die Ärmel hoch krempeln und anfangen, mein altes Leben hinter mir zu lassen.
Mache meine Hände frei für das neue, das jetzt vor mir liegt. Alles wird gut...

1 Kommentar

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Liebe Inga,
gestern war ich mit meiner Frau in einem Hospiz, hier im Landkreis, nein, nicht bei den Kindern wie sonst. Gelis Mutter liegt dort, vom Krebs zerfressen, erst vor ein paar Tagen, haben wir davon erfahren. Nach einigen Minuten, habe ich das Zimmer verlassen. "Sprich dich mit deiner Mama aus", habe ich zu Geli gesagt. Als ich das Zimmer wieder betrat, sah ich, wie schön sie doch ist, die Mama.
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