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Heilige Drei Könige

Der flambierte Adventskranz

Von wize.life-Nutzer - Montag, 21.12.2015 - 00:24 Uhr

Die folgende Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Die Namen wurden nicht verändert, es wurde einfach auf Namen verzichtet. Wer sich angesprochen fühlt, ist selbst Schuld! Für gesundheitliche Schäden wird keinerlei Haftung übernommen. Spendenaufrufe am Schwarzen Brett führen nach wie vor auch nicht zu einem Erfolg. Weiterlesen erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr!

Damals in jenen Dezembertagen '87 ergab es sich, dass mein Arbeitgeber zu einer Weihnachtsfeier in seinen heiligen Hallen – der IKEA-Cafeteria – einlud. Der Startschuss fiel exakt eine Stunde nach Geschäftsschluss. Die Mitarbeiter sollten noch die Möglichkeit haben zu duschen und sich mit feierlichen Gewändern zu verkleiden.

Um 5 Minuten vor Beginn setzte sich die feierliche Prozession quer durch die obere Etage des Möbelhauses in gang. Dies war erforderlich, da sich die Personal-Umkleide mit Duschen auf der einen Seite und die Cafeteria auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite befanden. Durch die Küchenabteilung ging es noch recht zügig, wusste doch jeder, dass die Kühlschränke inhaltslos waren. In der anschließenden Wohnausstellung luden dann aber bereits die Sofas zu einem ersten kurzen Ruhepäuschen ein. In der Bettenabteilung bedurfte es dann aber schon einiger Überredungskunst, um die Prozession zusammenzuhalten.

Die Cafeteria lag im halbdunkel des Kerzenscheins. Erstaunlich, wie festlich sie nun so kurz nach Geschäftsschluss hergerichtet war. Runde Tische waren aufgestellt, die jeweils für 4 Personen Platz boten. Auf jedem Tisch stand ein Adventskranz bei dem jeweils 3 Kerzen brannten, denn wir waren noch in der dritten Adventswoche. Ebenso fanden sich dort 4 Sektgläser und eine Sektflasche.

Nach dem sich nun passende Vierergruppen zusammengefunden hatten, stand dem Beginn unserer betrieblichen Weihnachtsfeier nichts mehr im Wege. Dieser Beginn gestaltete sich wie folgt: Unser örtliches Dreigestirn wurde von der eigens aus Schweden angereisten Lucia, der Lichterkönigin angeführt und betrat nun, nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, die Cafeteria. Neben dem üblichen Dank an die Mitarbeiter für die hervorragende Zusammenarbeit und den gemeinsam erzielten Erfolg, erzählten sie auch vom Lichtfest, das man in Schweden feiert. Während der Ansprache hofften wir nur für die kleine Lucia, ihr Haar möge kein Feuer fangen, denn die Kerzen auf ihrem Haupt waren schon sehr weit nieder gebrannt. Unser Big Boss fand aber noch rechtzeitig ein Ende, bedankte sich bei Lucia und schickte sie zum löschen.

Die abschließende Aufforderung nun auf einen schönen Abend mit einem Glas Sekt anzustoßen führte unweigerlich zu einem kriegsähnlichen Zustand. Die Korken knallten und flogen kreuz und quer durch den Raum. Querschläger wurden per Handarbeit erzeugt. Eine Kollegin, die ein Dekolleté hatte, das einem Basketballkorb glich, konnte schnell sechs Treffer zählen. Mein Angebot nach den Korken zu tauchen wurde jedoch abgelehnt. - Okay – man kann ja nicht alles haben.

Nun wurde etwas um-dekoriert. Die Adventskränze auf den Tischen mussten riesigen Woks weichen. Beheizt wurden diese Woks mit handelsüblichen Spirituskochern; sicher kennt jeder diese von Fondue. Der Wechsel von Spiritus auf Brennpaste erfolgte erst einige Jahre später. Sonst wäre mir viel Spaß entgangen, aber dazu kommen wir noch. Unser Chefkoch und Abteilungsleiter der Cafeteria erklärte nun den Umgang mit diesem technisch ausgereiftem Gerät. Dann wurden die Flaschen mit dem Brennspiritus ausgeteilt. Die kleinen Brenner wurden gefüllt und angezündet. Überall klappte dies hervorragend. Nur am Nebentisch, an dem mein Vorgesetzter und Abteilungsleiter des Lagers saß, der nun natürlich auch die Verantwortung für seinen Tisch übernahm hatte sich beim Befüllen in der Menge etwas verschätzt. Eine nicht gerade kleine Menge des Spiritus war auf die blaue Wachstischdecke gelaufen. Als nun der Brenner angezündet wurde, fing auch die Decke sehr schnell Feuer. Das Wegwischen mit der Hand trug neben einem Epilliereffekt auch dazu bei, dass Brennspiritus auf den zur Seite gestellten Adventskranz floss und diesen auch in Brand steckte. So kam es zum ersten und bislang auch letzten flambierten Adventskranz.

Zur Ehrenrettung muss ich noch erwähnen, dass unser Küchenchef geistesgegenwärtig schlimmeres verhinderte, indem er den Kranz mit einem großen Deckel einer Warmhaltepfanne löschte.

Nach dieser kleinen Unterbrechung konnte die Feier weiter gehen.

Fleisch und Gemüse wurde auf die Tische verteilt, die Woks mit etwas Fleischbrühe gefüllt und das fröhliche Bruzzeln konnte beginnen. Und wieder war es mein Vorgesetzter, dessen mittlerweile übergroße Hunger, alles Fleisch und Gemüse auf einmal in den Wok kippen lies. Während alle anderen Tische die ersten gegarten Stücke genossen, Beschwerde er sich lautstark darüber, dass sein Brenner wohl kaputt sei, denn weder Gemüse noch Fleisch würden garen. Unser geduldiger Chefkoch erklärte ihm nochmals den Gebrauch eines Woks, lies ihm einen neuen Wok und neues Wok-Gut bringen. Der restliche Abend verlief dann zum Glück relativ ruhig.

Nach einigen wechseln der Tische durch verschiedene Personen, vielen netten Gesprächen und einer reichen Auswahl an Getränken war es eine sehr schöne Weihnachtsfeier. Am Ende wurden die Mitarbeiter vom Triumvirat einzeln verabschiedet und bekamen eine riesige Kiste als Weihnachtsgeschenk. Zu hause konnten wir feststellen, dass die Kiste ein komplettes Wok-Set enthielt. Dies dürfte übrigens die Geburtsstunde der Wok rennen gewesen sein, aber das ist eine andere Geschichte, die ich erzähle, falls es irgendwann einmal wieder schneien sollte

Da dies offiziell mein letzter Beitrag zum Adventskalender ist, wünsche ich allen Mitwirkenden und allen Lesern des Adventskalenders eine ruhige und besinnliche Weihnacht. Vergesst bitte nicht an die Menschen zu denken, die nicht mit Euch feiern können, weil sie ihren Dienst für Menschen als Polizist oder Krankenhauspersonal verrichten, aus humanitären Gründen einen Auslandseinsatz haben, weil sie krank sind oder weil sie uns im Laufe der Jahre verlassen mussten.
Frohe Weihnachten, Gesundheit und Zufriedenheit, wünsche ich Euch.
Euer Harry

©P.Wenzel

13 Kommentare

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Danke für die launige Geschichte, lieber Harry!
Ich habe herzlich gelacht und an Deiner Story erfreut.
Dir einen guten Rutsch in ein gesundes, frohes 2016
Auch Dir einen guten Start ins Neue Jahr
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Eine köstliche Weihnachtsgeschichte. Du hast mir ein schmunzeln damit ins Gesicht gezaubert. Ganz lieben Dank dafür. Ich wünsche dir ein schönes besinnliches Weihnachtsfest.
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Danke Harry für diese köstliche Geschichte!

Ich wünsche dir ebenfalls ein frohes, fröhliches und friedliches Fest!

Liebe Grüße
Conny
Danke Conny und schön, dass dir die Geschichte gefiel.
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Ein wunderbarer , zum laut Lachen anregender Advent - Beitrag .....
Dann steht ja einem fröhlichen Weihnachtsfest nichts mehr im Wege
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Wie gut, das dies so spassiert ist
Sonst könntest du uns jetzt nicht mit dieser lustigen und spannenden Geschichte erfreuen
Danke schön
War eine sehr schöne Zeit bei IKEA mit tollen Leuten ... Berliner halt. Hat sich aber viel geändert innerhalb IKEAs
Ich geh da nur einmal im Jahr einkaufen
Was sich da personell geändert hat, bekommen die Kunden ja nicht mit.
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Eine spannende Geschichte und interessante Firmenfeier mit gutem Ausgang, Gott sei Dank.
Dankeschön Harry, für deine lieben Wünsche, die ich von Herzen an dich widergeben möchte.
Lieben Gruß
Danke Agnes
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