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Weihnachtsschlitten

Einmal noch Weihnachten

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 23.12.2015 - 20:57 Uhr

Als die ersten Flocken auf den Straßen lagen,war es noch nicht so kalt, dass Opa Ludwig die Tage in Suppenküchen verbracht hätte. Er hatte sich im Laufe der Jahre an das Leben auf der Straße gewöhnt. Irgendwann hatte ihn seine Familie abgeschrieben, denn er hatte nichts mehr zu bieten, was für Andere nützlich gewesen wäre. Und er hatte sich verändert. Aus dem einst so gepflegten Mann wurde ein verbitterter Kauz, der in jeder erdenklichen Situation alleine bestehen musste.

Oft dachte er in diesen Tagen an gemeinsame Feiern mit seiner Familie, die ihm früher einmal soviel Halt gegeben hatten. Er wusste damals, wohin er gehörte und er wünschte sich jetzt immer öfter, noch einmal mit seiner Familie Weihnachten zu feiern. Ein letztes Mal, denn die Straße hatte seiner Gesundheit mit den Jahren zugesetzt und viele solche Gelegenheiten würde es wohl nicht mehr geben. An diesem letzten Sonntag vor Weihnachten saß Opa Ludwig auf einer verschneiten Bank vor dem Kinderspielplatz und starrte wie so oft auf die leeren Schaukeln. Auf diese Art konnte er immer wieder ein paar Kindheitserinnerungen zurück holen und war darin so sehr vertieft, dass er gar nicht merkte, wie sich ein kleiner Junge von etwa 5 Jahren sich näherte: "Du...alter Mann, warum bist Du so traurig?"hörte er plötzlich.

Völlig überrascht ließ er es zu, dass ihn der Junge an der Hand nahm."Komm mit, meine Mama macht den besten Kakao der Welt!" Mit zitternden Beinen folgte er dem kleinen Jungen. Wie sollte man so einer Einladung auch widerstehen? Opa Ludwig wurde in eine Straße weiter geführt, die er sonst mied, weil man "Leute wie ihn" dort nicht haben wollte. An einem Haus mit einem gepflegten Vorgarten und geschmücktem Tannenbaum bat ihn der Junge kurz zu warten, der kurz darauf mit seiner Mutter zurück kam. "Mama, darf der Mann mit uns Weihnachten feiern? Er war ganz alleine auf dem Spielplatz" Die Mutter wollte schon böse werden, weil man ja nicht irgend welche Leute mit nach Hause bringen kann, als sie erstarrte, denn sie erkennte...ihren eigenen Vater, den Alle nur als "Opa Ludwig" kannten.

Die halbe Nacht redeten Vater und Tochter - etwas, das sie seit zehn Jahren nicht mehr getan hatten und am nächsten Morgen war das Weihnachtswunder perfekt. Opa Ludwig durfte bleiben und hatte seit vielen Jahren wieder den Geruch von Bratäpfeln, Lebkuchen und Zimststernen in der Nase. Er war in diesem Moment glücklich und er sehnte den Abend herbei, an dem er seit langer Zeit wieder vor einem erleuchteten Weihnachtsbaum stehen durfte.

Für diesen Moment hatte Opa Ludwig jahrelang gelebt. Die Aussöhnung mit seiner Familie, das Kennenlernen seines Enkels, den er nie zuvor gesehen hatte und ein kleines Wunder, das man sich schon als Kind zu Weihnachten wünscht. Im großen Lehnstuhl vor dem leuchtenden Weihnachtsbaum nahm er Platz und genoss diese Augenblicke.Er durfte noch einmal Kind sein und auf dem Gesicht des verbitterten Opas zeichnete sich ein Lächeln ab, bevor er seine Augen schloss - für immer. Am Ende war er zu Hause angekommen und sein Enkel hatte ihm als Weihnachtsengel den Weg gezeigt.

©Peter Leopold

Die Leopolds wünschen Allen ein friedliches und traumhaftes Weihnachtsfest!

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28 Kommentare

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Peter, eine menschlich sehr schöne Weihnachtsgeschichte ist Dir da gelungen. Sie macht nachdenklich.

Als kleines Kind erlebte ich, wie mein Vater Heilig Abend einen fremden armen Mann von der Straße in unser Haus holte, damit er auch Weihnachten habe. Es ging uns damals wirtschaftlich selber nicht sehr gut, da mein Vater seinen hohen Posten verloren hatte, weil er sich geweigert hatte, in die Partei einzutreten.

Genauso offen und hilfsbereit war ich auch als junge Ehefrau. Mein Mann hatte immer Angst, daß eines Tages unsere Wohnung ausgeräumt sein würde. Es passierte aber nie etwas Schlimmes. Damals vertraute ich meinem sicheren Instinkt bedingungslos..

Aber heutzutage ist mir dieses unbedingte Vertrauen abhanden gekommen, weil ein notwendiges gesundes Mißtrauen heute unerläßlich geworden ist. Die Zeit hat sich geändert.
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Besser spät, als nie .... wo habe ich das gehört
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Allgemein zu Streit und Versöhnung:

Eine schöne Geschichte - und sie berührt und macht mich nachdenklich. Ob man mir das glaubt oder nicht, ich bin nach einer kurzen Zeit immer zum Versöhnen bereit. Ich könnte niemals mit einem derartigen Rucksack durchs Leben laufen. Das würde mich bedrücken, es würde immer wieder hochkommen, bis ich das Problem ins Reine gebracht hätte.

Die Frage ist, ob es wieder so wird wie es vorher war? Das muss es auch nicht - es gibt eine Zeit vor dem Streit und eine dahinter. Alles hat seinen Sinn. Sind es unüberbrückbare Differenzen, trenne ich mich mit einem Abschiedsbrief, in dem ich meine Gefühle zu dem Thema schreibe, ohne Schuldzuweisung! So hat der andere die Möglichkeit, darauf zu reagieren, so oder so. Ich ebne damit einen Weg oder öffne die Tür, dass später jeder ohne Scham auf den anderen zugehen kann.

Man weiß nie, was einem im Leben unverhofft passiert und wie schrecklich ist es, dem anderen nicht mehr das sagen zu können, was man aus falschem Stolz nicht getan hat.
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Schöne Geschichte, aber eben Geschichte. Die Wirklichkeit sieht meist anders aus, das musste ich leider erfahren.
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Wunderschön
Aussöhnung zu Weihnachten!
das ist die wahre Weihnacht
Genau so SOLLTE es ja immer sein...
ja, es sollte
Aber wenn auch nur hin und wieder, dann ist Weihnachten, egal was für ein Datum dann ist
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""" Schöner """ Tod .....schöne Weihnachtsgeschichte .
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Ein schönes "Weihnachts-Märchen". Aber vielleicht passieren solche ja auch gerade zu DER Zeit??
Auf jeden Fall, hoffe ich, regt es manche zum Nachdenken an.
Euch besinnliche, friedliche und im Herzen frohe Weihnachten!
DAS war der Sinn dahinter Dir auch frohe Weihnachten!
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Eine sehr bewegende Geschichte
Auch ich wünsche Euch und allen die hier lesen ein gesegnetes schönes Weihnachtsfest und ich hoffe, jedes wird Zimtsterne Lebkuchen und Bratäpfel riechen...
Dafür sorgt schon die Frau im haus Aber diese Geschichte ist auch eine Mahnung an Alle, die meinen, dass ohnehin noch für alles unendlich Zeit bleibt. Das weiß man eben nie...
ja Peter.. man sollte nichts vor sich her schieben. für Verbitterung und Stolz ist keine Zeit... aber eins noch: Es kommt alles, wie es kommen soll und niemand wird das ändern !!!
Darum meine "Lebensstrategie:" Wenn Du etwas tun willst, tu es jetzt, oder verabschiede Dich davon"
Das ist nicht einfach.. oft liegt einem etwas am Herzen wo wir genau wissen, dass es nicht gut ist für uns und trotzdem können wir uns nicht trennen.. aber das muß jedes mit seinem Gewissen vereinbaren.
Das Gewissen ist die einzige Richtline die ich habe
so soll es sein Peter..
einen schönen heiligen Abend für Euch
Wünschen wir Dir auch
Danke Euch
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Rührt mich zu Tränen Peter
Auch das gehört zum Leben...
mehr als man denkt......
Darum sollte man auch jede Chance nutzen die sich bietet. Man weiß nie, Wieviele man noch hat...
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Auch den Leopolds schöne Weihnachten, mögen noch viele Weihnachten folgen
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