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Ostseestrand bei Kühlungsborn West, Dez. 2015

Schatzsuche

Von wize.life-Nutzer - Montag, 28.12.2015 - 20:09 Uhr

S C H A T Z S U C H E

Wunderbar, der Ostseestrand! Hier werde ich die nächsten Wochen verbringen.
In zwei Tagen ist Heilig Abend. Das Thermometer straft den Kalender jedoch Lügen und zeigt beharrlich Temperaturen im zweistelligen Plusbereich.
Meine Augen suchen den Horizont und verweilen da, wo er mit dem Meer verschmilzt.
Nichts drängt sich in den Vordergrund, nichts stört den Blick in die scheinbare Unendlichkeit. Eine Wohltat für Augen und Seele. Ich spüre, wie sich mein Puls verlangsamt und dass ich ruhger atme als noch vor ein paar Tagen.
Stundenlang könnte ich nur so da stehen, dem Spiel der Wellen und der Wolken und dem Tanz der Möwen zu sehen. Ich reisse mich von dem Anblick los und gehe weiter.
Eine steife Brise peitscht die Wellen mit bis zu acht Windstärken an den Strand und zerrt an meiner Jacke. Die Luft schmeckt nach Salz. Meine Füße versinken bis zu den Knöcheln im Sand, was das Gehen anstrengend macht. Das ist gut so, ein willkommenes Training.

Steine im Wasser rollen, von der Gewalt der Wassermassen getrieben, mit einem donnernden Geräusch an das Ufer und werden durch die Sogwirkung sogleich wieder mit zurück gerissen.
“Unglaublich, welche Kraft das Wasser hat” denke ich und genieße die frische Luft, die Weite des Meeres und das Bewusstsein, mich ein paar Wochen lang nur um mich selber kümmern zu müssen. Stress ade! Jetzt werde ich erst mal nur das machen, was mir gefällt und mir gut tut. Zumindest werde ich es versuchen. Dazu gehört mein täglicher, mindestens einstündiger Spaziergang durch den Sand.
Nebenbei suchen meine Augen den Saum des Wassers nach Strandgut ab: Treibholzstücke, flache Steine, Hühnergötter und von Meer und Sand glatt geschliffene Glasscherben, die, wenn sie schon lange im Meer waren, wie geeistes Glas aussehen.
Natürlich hoffe ich, auch Bernstein zu finden. Allerdings fehlt mir der geschulte Blick dafür. Bernstein kann braun, goldfarben oder hellgelb sein. Nur geübte Kenner finden ihn. Trotzdem, ich halte halbherzig auch Ausschau danach, im Ohr noch die Warnung eines Freundes, dass in letzter Zeit oft Phosphorstücke angespült werden, die Bernstein zum Verwechseln ähnlich sehen und mit hohen Temperaturen zu brennen beginnen, wenn sie aus dem Salzwasser raus sind. Sie stammen noch aus dem letzten Weltkrieg.
Die Phosphorbomben, die in die Ostsee gestürzt sind, rosten inzwischen und geben allmählich ihre grausame Füllung frei.
Also werde ich Funde, die wie Bernstein aussehen, nicht in meine Jackentasche stecken!
Um meine Schätze zu transportieren, habe ich ein paar kleine Plastiktüten eingesteckt.
“Wie Hundehalter”, fällt mir dazu ein und ich muss grinsen.
Oh da, das könnte ein Stück Bernstein sein! Freudig bücke ich mich und puhle das bernsteinfarbene Etwas vorsichtig aus dem Sand. Fehlanzeige. Es ist eine Zigarettenkippe, igitt!
Wie zum Trost liegen direkt daneben ein paar wunderschön meergeschliffene, aquamarin- farbene Glasscherben. Die Sammelleidenschaft überfällt mich mit Macht. Mit gesenktem Kopf und suchendem Blick schlendere ich weiter, habe nur noch Augen für die Schätze am Strand. Da, wieder etwas, das verheissungsvoll nach Bernstein aussieht! Doch es ist nur ein Stein. Ein sehr schöner und so kommt er in meinen Beutel. Überhaupt gibt es hier so viele verschiedenartige Steine, man glaubt es nicht.
Manche sind schwarz-weiß, andere korallenrosa, gelb, grün, braun, weiß oder sandfarben. Einige in mehreren Farben marmoriert. Ich bin entzückt über die Vielfalt an unterschiedlichen Steinen und sammle und sammle.
Wieder meine ich, ein Stück Bernstein entdeckt zu haben und beuge mich hinunter, um es aufzuheben. Doch es ist nichts weiter als ein rostiger Kronkorken.
Dann finde ich meinen ersten Hühnergott und bin vor Glück darüber ganz euphorisch. Hühnergötter sind schwarz-weiße Steine, die aus unerfindlichen Gründen ein oder mehrere Löcher aufweisen. Sie bringen Glück und das kann ich nun wirklich gut brauchen!
Was ist dagegen schon ein Bernstein, gemessen an einem richtigen Hühnergott!

Der blank geschliffene Boden einer Flasche ist mein nächster Fund. Ob das mal eine Rumflasche auf einem Schiff war? Sogleich setzt sich meine Phantasie in Bewegung.
Ich sehe in Gedanken ein Schiff mit rauen Seemännern, die Buddel Rum in der einen, ein Fernrohr in der anderen Hand. Augenklappe, Ringelshirt und schwarzer Bart inklusive.
So stellte ich mir jedenfalls als kleines Mädchen Piraten vor.
Ziemlich groß ist das Glasteil, ich weiß nicht, wie ich es zweckentfremden könnte, nehme es aber mit. Mir wird schon was dazu einfallen.
Nach einer guten Stunde habe ich eine Handvoll interessanter Glasscherben in allen Größen und Farbschattierungen beisammen und freue mich wie ein Kind darüber.
Ein paar Treibholzstücke habe ich auch gefunden, die ich sicher auch irgendwie bearbeiten werde. Jetzt habe ich erst mal genug gesucht und genieße auf dem Rückweg wieder Meer, Möwen, Himmel, Wind und Wolken.
Morgen werde ich wieder kommen und nachsehen, was das Meer mir an Schätzen vor die Füße legt. Vielleicht sogar eine Flaschenpost oder ein kleines Stück Bernstein? Wer weiß...

Copyright Inga Scheer-Ruhland

2 Kommentare

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Guten Morgen Inga, bist du zur Kur in Kühlungsborn? Jetzt ist die richtige Zeit um sich zu erholen. In der Hauptsaison ist es an der deutschen Ostseeküste sehr voll. Wir fahren seit 2000 nach Boltenhagen und deine Gedanken gleichen meinen. So schön hätte ich mich nicht ausdrücken können. Wenn du genug Steine gesammelt hast, nimm eine Kamera mit. Schöne Motive gibt es wie Sand am Meer. . Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
Liebe Marga,
ja, ich bin in Kühlungsborn! Es gefällt mir hier sehr gut.
Boltenhagen ist ja nicht weit weg. Ich hatte so sehr auf eine Verlängerung gehofft, aber leider...
Wer weiß, ob ich jemals wieder hier her komme! Dabei liebe ich diese Gegend so, es ist das dritte Mal, dass ich hier bin.
Zweimal im Herbst und dieses Jahr im "Winter", der keiner ist.
Fotografiert habe ich auch schon. Allerdings habe ich leider nicht meine "richtige" Kamera und Stativ mit, sondern nur die kleine, handliche. Schade.
Dir auch einen guten Rutsch in ein hoffentlich sehr gutes, Neues Jahr!
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