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Das Geheimnis der Geheimnisse

Das Geheimnis der Geheimnisse

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 03.01.2016 - 00:29 Uhr

Goran sitzt mit seinem Kumpel Gewargis nach dessen Urlaub im „Café Presseclub“. Die ersten Bäume zeigen stolz ihre Blüten, und sie haben es sich draußen bequem gemacht. Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln und dem Erzählen der wichtigsten Neuigkeiten sagt Goran mit Verschwörermine: „Ich muss Dir unbedingt erzählen, was unserem Kumpel Georg vom Schrecklinghäuser Tageblatt passiert ist. Es hat was mit Geheimnissen zu tun...“ Unwillkürlich rücken beide ein wenig näher zusammen und beugen ihre Köpfe vor. „Du weißt doch, dass Georg sich häufig in diesem komischen Netzwerk „seniorbook“ tummelt. Und die haben regelmäßig so Persönlichkeitstests, so was wie: Welcher Weihnachtstyp bist Du? Und so weiter. Aus Langeweile oder warum auch immer macht Georg also bei mehreren dieser Tests mit. Einer heißt: Was wart ihr in Eurem früheren Leben? Bei einer von den zehn Fragen ist als mögliche Antwort auch „Sex“ angegeben – dort hat Georg natürlich sein Kreuzchen gemacht. Ergebnis insgesamt: Er war ein buddhistischer Mönch. Und jetzt pass auf – Du kennst doch Georg mit seinem Hang, die Leute zu irritieren. Von daher schreibt er in einem Kommentar: „Dürfen buddhistische Mönche auch Sex haben? Falls nicht, wird mir so einiges klar...“
Dies wiederum liest Hannah, die bei seniorbook als „Blaue Blume“ mit einem entsprechenden Bild unterwegs ist...“ „Wieso als „Blaue Blume“ und nicht als Hannah Sowieso?“, unterbricht Gewargis. „Na ja“, erklärt Goran, wobei sein Gesicht den Modus “Dozent“ annimmt, „wenn eine Frau sich dort mit ihrem richtigen Namen anmeldet und ein Foto von ihrem Gesicht einstellt und außerdem noch hübsch ist, dann wird sie sofort von einer Horde notgeiler Männer aufs Primitivste angebaggert. Und einige befürchten, dass sie dann auch im realen Leben angemacht werden, wenn sie zu viel von sich preisgeben. Aber jetzt lass mich doch die Geschichte weiter erzählen...“ „Ja, ja, mach mal ...“
„Hannah geht dann auf den Kommentar ein und fragt: Heißt das, dass Du in diesem Leben mehr Sex hast als andere oder eher weniger? Das, meine Liebe, bleibt mein Geheimnis, antwortet Georg. Hanna aber ist, wie es gelegentlich bei den Frauen so vorkommt, neugierig geworden. Und da sie – und das ist der Hammer – hier in der Nähe wohnt, nämlich in unserer Nachbarstadt Seedorf, und Georg schon seit einiger Zeit ganz nett findet aufgrund seiner Beiträge und seines Bildes, fährt sie einfach nach Schrecklinghausen und setzt sich hier in den Presseclub. Sie weiß ja aus seinen Geschichten, dass er häufiger hier herumhängt - und siehe da, schon am zweiten Tag sieht sie ihn hier...“ „Und, hat sie sich ihm als „Blaue Blume“ vorgestellt?“, fragt Gewargis neugierig. „Nein, daraus hat sie erst mal ein Geheimnis gemacht. Da beide rauchen und sich alles in diesem Glasdingsbums dort, dem sogenannten Räucherkasten, abspielte, hat sie ihn einfach um Feuer gebeten...“
Wie auf Kommando zünden sich beide eine Zigarette an, und nach dem ersten Zug lehnt Goran sich zurück und fährt fort: „Tja, es muss so was wie „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen sein, denn seitdem sind die beiden fast jeden Tag zusammen. Aufgeklärt hat sie ihn übriges erst am nächste Morgen, als sie die Antwort auf ihre Frage wusste...“ Goran grinst wie ein Honigkuchenpferd und verstummt.
Gewargis kennt Georg gut genug, um die Antwort zu kennen, fragt also erst gar nicht nach. Mit gelangweilter Mine lehnt er sich ebenfalls zurück und bemerkt: „So wirklich spannend finde ich diese Geheimniskrämerei aber nicht...“
Goran beugt sich wieder vor: „Die Geschichte geht ja auch noch weiter: Georg steckt alles unserem Kumpel York, der ja für den „Fisch“, dem „Funk in Schrecklinghausen“, den Terminkalender macht und gelegentlich auch eine Story einbringt. York wittert Knete und geht zu seinem Redakteur, erzählt diesem die Geschichte und fragt ihn, ob er einen Beitrag darüber machen soll. Der Redakteur seinerseits aber will von unserem York wissen, wie denn die Antwort auf die Frage nach dem Sex sei. York muss in diesem Moment der Teufel geritten haben, denn er fängt an zu grinsen und sagt: Dies, mein lieber Chef, bleibt vorläufig mein Geheimnis. Und jetzt stell Dir vor, Gewargis: Statt mit buddhistischer Gelassenheit zu reagieren, schreit der Redakteur York auf einmal an: „Wenn Sie mir nicht sofort eine Antwort bezüglich der Antwort geben, können Sie sich Ihre Geschichte sonst wohin schieben und Ihren Job hier vergessen!“ Ist das nicht irre?“
Goran beugt sich mit angespannten Gesichtsmuskeln vor und fummelt eine Zigarette aus dem Päckchen. Gewargis will es ihm gleichtun, aber da sieht er das verräterische Glitzern in Gorans Augen und denkt sich: Mein lieber Freund, ich kenne Dich genau. Wenn ich Dich jetzt frage, ob York ausgepackt hat oder ob er gefeuert wurde, dann wirst Du verschmitzt lächeln und sagen: Das, mein lieber Freund Gewargis, bleibt erst einmal mein Geheimnis... Und diesen Gefallen tue ich Dir nicht...
Umgekehrt kennt Goran seinen Freund Gewargis natürlich genau so gut wie dieser ihn, und weil der seine Pfeife herauszieht und sie gesenkten Blickes umständlich stopft, weiß er genau, was los ist. Er bestellt zwei Whyskys und sie prosten sich zu. Normalerweise würden sie sich jetzt längere Zeit verbissen anschweigen, aber sie werden schon nach ein paar Minuten aus ihrer Zwickmühle befreit, denn York und Georg betreten wild diskutierend die Szene und gesellen sich zu ihnen.
Der große Zeiger der Uhr ist gerade mal halb über das Ziffernblatt gewandert, als Hannah ebenfalls auftaucht. Georg sitzt mit dem Rücken zum Eingang, kann sie also nicht sehen; sie aber erkennt ihn sofort an seinem komischen Zopf. Durch seine Erzählungen weiß sie, dass viele seiner Kollegen im „Presseclub“ verkehren. Neu ist ihr allerdings, dass ihr neuer Freund und seine Clique durchgeknallter Journalisten sich schon am frühen Nachmittag aufführen können wie eine Bande bekiffter Jugendlicher – abwechselnd schlagen sie sich auf die eigenen Oberschenkel, dann auf die Schultern der Nachbarn, und alle lachen sich pausenlos schlapp. Zwischendurch nippen sie an ihrem Whysky und prusten kaum verständliche Wörter hinaus, aber als Hannah die Wörter „Sex“ und „buddhistischer Mönch“ heraushört, versteinert sich ihre Mine. Sie macht sich ganz klein und unscheinbar, klemmt sich auf einen Stuhl am Nachbartisch und spitzt ihre hübschen Ohren. Nach einer Weile des Zuhörens löst sich die Starre in ihrem Gesicht und ein geheimnisvolles Lächeln umspielt ihre Lippen. (In diesem Moment geht zufällig der Zeitreisende Leonard (aus Vinci) mit gezückter Kamera vorbei und schießt ein paar Bilder von ihrem Kopf. Später (für uns allerdings gut 500 Jahre früher) werden ihm diese Fotos als Vorlage für ein Bild dienen, das sehr berühmt werden wird und wurde und heute noch im Louvre in Paris hängt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.)
Bedeutet Hannahs Lächeln, dass alle Beteiligten am Nachbartisch ihre Geheimnisse preisgegeben haben? Ist York wirklich gefeuert worden?
Dies, lieber Leser, behält der Schreiber dieser Geschichte für sich - es bleibt also sein Geheimnis.

© Georg Lackmann

Anmerkung: Macht bitte aus Eurer konstruktiven Kritik kein Geheimnis!

30 Kommentare

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danke für diese amüsante Strory; sie enthält viel Wahrheit
Es freut mich, dass die Geschichte Dich amüsiert hat, Hans - danke!
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Das du Fantasie hast war mir ja immer bekannt. aber diesmal musste ich wirklich staunen. Kommt das daher, dass du jetzt vegan leben willst?
Aber wie ist es denn jetzt wirkich mit dem Sex? Und ist diese Hannah real?
Herzlichen Dank, liebe Brigitte!
Wenn ich fies wäre, würde ich sagen: das Vegane klappt leider nur beim Sex zu 100 %!
Hannah ist leider nur so real wie Leonard...
Schade, das mit Hannah hätte ich dir gegönnt. Und muss ich das so verstehen, dass du beim Sex dann immer Gemüse essen willst?
Liebe Brigitte,
da ich meine Gemüse-Ess-Gewohnheiten nicht öffentlich preisgeben möchte, schreibe ich Dir das am Sonntag als PN (muss jetzt leider weg...)
So so, dass ist also Seniorbook, ich dachte hier spricht man eher über geeignete Seniorenbetten? Viele liebe Grüße
ich hoffe, wir haben dich nicht allzu sehr geschockt liebe Elisabeth. Nein Seniorbook ist inzwischen zu einem Sündenpfuhl geworden. Vor 2 Jahren war es hier noch anders. Aber wir heulen mit den Wölfen. Und manchmal macht es sogar Spaß. Liebe Grüße an dich
Schön, Dich auch mal in der virtuellen Welt zu treffen, Elisabeth! Herzlich willkommen!
Auch Senioren haben noch genug Phantasie, um beim Stichwort "Bett" nicht nur an Tena-Windeln zu denken. Wieweit den Gedanken allerdings auch Taten folgen, bleibt natürlich bei den meisten ein Geheimnis - um mal wieder zum Thema zurück zu kommen.
Nur manchmal, liebe Brigitte?
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Oh Ursula, ich finde deinen Kommentar so gut. dass ich mich gleich anschließe
Auch Dir einen lieben Dank, Marga!
Ansonsten bitte ich Dich, Dir den Kommentar unter Ursulas Kommentar anzusehen.
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Hallo Georg, wo du deine verrückten Einfälle her bekommst wird wohl dein Geheimnis bleiben Deine Geschichte liest sich gut, mit einer Ausnahme, ich werde mir eine romantischere Auslegung des geheimnisvollen Lächelns der Mona Lisa bewahren
Lieben Dank, Ursula!
Zum "geheimnisvollen Lächelns der Mona Lisa" muss ich jetzt etwas klarstellen: Du, Marga, das Community Team (dieses hat das Bild der Mona Lisa eingestellt) und vielleicht noch andere seid davon ausgegangen, dass es sich bei dem Zeitreisenden um "Leonardo da Vinci" handelt. Das ist jedoch nicht richtig! Der Zeitreisende ist (war? wird sein?) "Leonard aus Vinci" - so, wie ich es schrieb. Allerdings kommt er aus einem Paralleluniversum, das unserem sehr ähnlich ist. Dort gibt es ebenfalls einen Planeten namens Erde, einen Kontinent Europa mit dem Staat "Französien", der Stadt Paris und einem Louvre, in dem ein Bild mit dem Titel "Madonna Luisa" (!) hängt. Dies alles fand ich nicht so ungewöhnlich und habe es von daher auch gar nicht erst erwähnt.
Außerdem muss ich eine Lanze für die liebe Hannah brechen: sie hat den Namen "Blaue Blume" nicht von ungefähr gewählt, ist diese doch seit dem Dichter Novalis der Inbegriff der Romantik schlechthin! Und Hannah selbst ist so romantisch, dass selbst Krähen in ihrer Nähe tirilieren wie die Nachtigallen! Von daher meine Bitte: solltest Du demnächst mal in Französien sein, dann schau Dir bitte die "Madonna Luisa" an und sag mir dann Bescheid!
Oh je Georg, da haben deine Gedanken jetzt aber Purzelbäume geschlagen. Leider bin ich vollkommen unsportlich und kann da nicht mithalten
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Ganz große Klasse, Georg!
Herzlichen Dank, Inga!
Wann lüftest Du denn Dein Geheimnis?
Hallo Georg,
ich bin dran! Allerdings habe ich z.Zt. viel um die Ohren, bin vorgestern spät am Abend von der Reha zurück gekommen und haufenweise Post vorgefunden. Ausserdem bin ich im Begriff, umzuziehen und noch immer auf der Suche nach Helfern
Das Schreiben ist deshalb entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten auf den 2. Platz gerutscht.
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Lustig, die Geheimnisgräberei. Flüssig zu lesen.
Aber irgendwie bleibt trotz allem ein Geheimnis in mir zurück, das mich zum lächeln animiert.
Danke, Edith!
Es freut mich, dass die Geschichte Dich zum Lächeln animiert hat.
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Sehr gut
Danke, Edelgard!
Du warst ja schneller als der Blitz - kaum hatte ich den Beitrag eingestellt, hattest Du ihn schon gelesen. Schön, dass er Dir gefällt.
Ich hab halt grad in dem Moment bei mir unter Neues geschafft

Ja, so wunderbar skurril, mit viel Fantasie geschrieben.
Was bitte hast Du "unter Neues" geschafft?
geschaut, meinte ich
(blöde Autovervollständigung )
Alles klar! Das mit der Autovervollständigung kenne ich auch - manchmal ganz lustig, meist aber nervig.
Bei "Autovervollständigung" kommt mir eine Idee: Wann ist man endlcih soweit, dass nicht nur Wörter vervollständigt werden, sondern ganze Sätze oder vielleicht sogar ganze Gedankenkänge. Das würde doch das lästige Selbstdenken ersparen.
Ne, gerade dabei muss man ja denken. Wenn so ein Wort falsch durch flutscht, habe ich es bestimmt 20 mal verhindert

Ganze Sätze gibt es schon im Ansatz.
Das Programm ist ja lernfähig.
Schreibt man immer wieder bestimmte Wörter hintereinander, dann wird einem Wort 2 schon angeboten, wenn man Wort 1 geschrieben hat, dann Wort 3, usw.
Man muss es also nur abtippen, statt schreiben
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