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Mein Opa Karl

Mein Opa Karl

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 17.01.2016 - 15:33 Uhr

Mein Opa Karl!

Nicht einschlafen. Es ist schon nach 21.00 Uhr. Du musst doch gleich den Opa von der Arbeit abholen. Ja meinen lieben Opa Karl.
Immer Freitagsabend musste ich meinen Opa von der Firma abholen. Mein Opa machte nur Spätschichten, weil er morgens noch eine andere Arbeit hatte.
Aufstehen, Wasser durch das Gesicht und los. Meinen 7 Lebensjahren machte es nichts aus, mit weniger Schlaf auszukommen. Doch, manchmal schlief ich am nächsten Tag in der Schule ein.
Immer Freitags war es dann so weit. Es gab noch keine Bankverbindung. Der Lohn der Woche wurde in einer kleinen dunklen Tüte ausgezahlt. Hier stand alles drauf: Wie viel Stunden gearbeitet, :/. Abgaben usw. Wegen dieser Lohntüte wollte es die Oma, dass ich den Opa abholte.
Gerne, jeden Freitag, holte ich meinen Opa von der Arbeit ab. Ich wollte immer sehr schnell bei ihm sein. Der dunkle Hohlweg machte mir Angst. Es war keine Straße, nur ein dunkler Weg durch den Wald und einer Wiese.
Aber ich mit meiner kleinen Stoffpuppe Peter unter dem Arm war die Angst nicht so groß. Opa hatte immer um 22.00Uhr Feierabend. Freitags gab es nun immer die Lohntüte.
Ich war, wie immer, schon früh an der Firma angelangt. Ich konnte mich jetzt auf der Fensterbank ein wenig ausruhen.
Die Fenster waren ebenerdig und auf Kippe gestellt. So konnte ich auf die arbeitenden Männer runter gucken. Du Karl, schau mal nach oben. Die Ute sitzt dort und will dich abholen.
Zwei Männer schauten zu mir hoch und winkten mir zu. „Lass sie nicht so lange warten, wir putzen für dich mit“.
Mein Peter und ich freuten uns sehr. Dann, es dauerte doch noch etwas, aber durch das Licht an der Hauptstraße hatte ich jetzt keine Angst mehr, kam mein Opa Karl lachend mit der Lohntüte aus der Firma.
Ich freue mich, liebes Häschen (Mein Spitzname), das du mich wieder abholst. Immer ist dann schon wieder eine Woche um. Aber diese Tüte brauchen wir ja für das neue Haus.
Nun gingen wir in Ruhe nach Hause. In Ruhe schon, wenn da nur nicht immer dieses Gasthaus im Wege gestanden hätte. Ute, die Arbeit war heute wieder soooo staubig.
Ein oder zwei Bier möchte ich schon trinken. Der Apfelsaft schmeckt dir doch auch sehr gut. Opa, die Oma hat gesagt wir sollen schnell nach Hause kommen. Morgen ist doch Schule und einschlafen will ich nicht wieder.
Ach Ute, nur ein kleines Bier. Na gut, war ja mein lieber Opa Karl. Nach 2 Bier und 2 Säften gingen wir dann Hand in Hand durch den Hohlweg nach Hause.
Von Angst keine Spur. So vergingen dann einige Jahre.
Dann sah der Opa, als ich ihn abholte gar nicht gut aus. Er war ganz weiß und als er mir die Hand gab war sie sehr heiß. Vor der Gaststätte sagte mein Opa dann schon, Ute heute nicht. Ich möchte nach Hause ins Bett. Freuen wir uns auf den nächsten Freitag.
Opa lange brauch ich dich nicht mehr abholen. Die Mama hat schon von der Stadt einen Rentenantrag für dich geholt und ausgefüllt. Du brauchst nur noch zu unterschreiben. Und dann???
Opa, dann holst du mich von der Schule ab. Wir gehen in den Wald und singen laut schöne Lieder. Ich freue mich schon darauf. Genau Ute, so machen wir es.
Mein Opa Karl ist nach einer Woche an einer Lungenentzündung verstorben.
Drei Monate vor Erhalt der Rente.


Hallo, ja Sie meine ich. Ich schaue mich um und gucke in ein wunderschönes altes Gesicht. Das Gesicht meines Opas?

Können sie mir bitte sagen wie ich in die Stadt komme? Ich bin neu hier Entschuldigung, mein Name ist Karl Brückner. Ein Zittern durchfährt mich. Karl…..
Aber ja doch, ich muss auch in die Stadt und dann zeige ich Ihnen gleich den Weg. Wir haben sehr schön geplaudert und der Weg war gar nicht lang.
Am Eingang der Stadt trennten sich unsere Wege und beide sagten auf „ Wiedersehn“
Gerne würde ich Herrn Karl Brückner mal wiedersehn. Gerne würde ich mich mal mit „Karl“ Brückner etwas länger unterhalten.
Vielleicht erzähle ich „Ihm“ dann mal von meinem Opa Karl.

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