Versöhnen statt spalten

Beitrag von wize.life-Nutzer

In einer zerrissenen Welt voller Konflikte und einer Gesellschaft, in der immer mehr die EinzeIinteressen und der eigene Vorteil im Vordergrund stehen, wahrlich eine wünschenswerte Maxime. "Versöhnen statt spalten" - dieser Leitspruch verbindet sich auch mit dem politischen Leben des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Auch wenn "Bruder Johannes" sich 1987 mit diesem Motto als Kanzlerkandidat nicht gegen Helmut Kohl durchsetzen konnte, bleibt diese Maxime doch in Erinnerung. Rau suchte eine glaubwürdige Verschmelzung zwischen christlichen Werten und politischem Wirken, die die Gesellschaft zusammenhält. Christliche Werte wie Nächsten- und Feindesliebe, Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sind Grundlage und Voraussetzung für eine Gesellschaft, die in sich versöhnt und befriedet ist. Doch gilt dies nicht nur für das politische Handeln, sondern auch für den Umgang von Menschen untereinander in den Familien, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz. Versöhnung ist eine bleibende Aufgabe, die sich speziell uns Deutschen aus der Geschichte stellt. Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern, den Opfern und Verfolgten der verbrecherischen Naziherrschaft. Wie sehr irritieren hier aktuelle Versuche, sich durch Vergessen und Verdrängen dieser geschichtlichen Verantwortung zu entziehen. Doch wie viel Versöhnung können wir Menschen tatsächlich schaffen? Vor der Versöhnung kommen die klare Benennung von Unrecht und Einsicht in die Schuld. Dazu braucht es Mut und 'Vorbilder, die sich genau das trauen. .'.... Wir als Christen schauen dabei auf Jesus, der durchaus für scharfe Worte bekannt war, wenn es darum ging Missstände beim Namen zu nennen. Das hat polarisiert, man könnte sagen: hat die Menschen gespalten. Aber auch zu einer Entscheidung geführt: folge ich Jesus nach oder lass ich es lieber bleiben? Am Ende bleibt die Einsicht: Versöhnung lässt sich nicht erzwingen. Wir können uns nicht selbst und aus eigener Kraft aus den alten Schuldvorgängen lösen. Es braucht immer ein Gegenüber, das Vergebung zuspricht und so Versöhnung ermöglicht. "Versöhnen statt spalten" - dieses Motto hat sich daher zu allererst Gott selbst auf die Fahnen geschrieben. Das gespaltene Verhältnis seiner Geschöpfe zu ihm und untereinander will er nicht auf ewig bestehen lassen. Daher hat er die Sache selbst in die Hand genommen: Gott versöhnt sich mit den Menschen. Dies ist am Kreuz Christi geschehen. Ein für alle Mal. Auf dieser Grundlage können auch wir uns für Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Jede und jeder genau an dem Ort, den Gott uns dafür bestimmt hat. Gemeinsam mit unseren Nächsten, die auch von und mit Gott versöhnte Menschen sind.
Pfarrer W.S.

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