Über den Nutzen von Zweitprofilen
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Über den Nutzen von Zweitprofilen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Den größten Nutzen, den man aus einem Zweitprofil zu ziehen in der Lage ist, erkenne ich in der Möglichkeit, mit sich selbst einen deftigen Streit auszutragen, eine Art 'Ego-Duell'. Da man ja in beiden Profilen zuhause ist, kann man ganz sicher sein, dass man als Sieger aus dem Zweikampf hervorgeht. Der Gefahr, am Ende auch als Loser aus dem Ring zu gehen, kann man mit Leichtigkeit dadurch aus dem Wege gehen, dass man das Verliererprofil einfach löscht – man ist ja schließlich dazu berechtigt – oder es durch mehrfaches und nachdrückliches Melden vom Team löschen lässt.

Das geschilderte Szenario hat noch weitere Vorteile. Ich will versuchen, davon ein paar markante aufzuzeigen:

Liegt man mit dem 'eigenen' Zweitprofil im Clinch, weiß man jedenfalls – anders als sonst üblich - genau, mit wem man es zu tun hat. Man kennt die Schwachstellen des 'Gegners', weiß also, wo man ihn am härtesten und am wirksamsten treffen kann. Und weil man ihn genau kennt, nützt ihm auch keine Finte und kein Ausweichen, weiß man doch im voraus schon immer, wie er sich herausreden, wie er reagieren wird. Und mit großer Leichtigkeit kann man jeden Überraschungscoup des Gegners parieren, Selbst wenn er einmal versuchen sollte, mit einem Schlag 'unter die Gürtellinie' den Kampf zu seinen Gunsten zu beenden, kann ihm das nicht gelingen, Schließlich kennt man 'seinen Pappenheimer' mit all seinen Tricks und Verstellungskünsten. Selbst Lügen werden ihm nichts nützen. Als Profilinhaber erkennt man die sofort, hat man sie doch selbst erfunden.

Das Duell mit sich selbst kann man beliebig in die Länge ziehen oder aber schnell mit einem Ko-schlag beenden, ganz wie es einem gefällt. Man kann sich richtig austoben, ohne Rücksicht auf den Gegner. Sollte es dazu kommen, dass Blut fließt, ist man vor eventuellen Mitleidsgefühlen gefeit, denn schließlich hat man sich ja die Wunden selbst beigebracht. Vorhaltungen von dritter Seite, man habe es in dem Kampf an Fairness fehlen lassen, kann man leicht entkräften, indem man darauf verweist, dass man ja niemandem außer sich selbst Schaden zugefügt habe.

Bekommt man unerwartete Unterstützung von Dritten, kann man sich in jedem Falle darüber freuen. Es tut schließlich immer gut, wenigstens einen Teil des Publikums auf seiner Seite zu haben. Dann weiß man, dass man nicht isoliert ist. Der Applaus von vielen Unterstützern gibt einem das Gefühl, auf der 'richtigen' Seite zu stehen.

Verliert man irgendwann die Lust auf Streit mit sich selbst, gibt es eine einfache Lösung: man 'dreieckt' sich selbst, um sich wieder loszuwerden. Schon hat man seine Ruhe.

Auch wenn man einmal unerwarteterweise in der Debatte unterliegen sollte, bleibt man dennoch Sieger. Man schlüpft kurzerhand in das gegnerische Profil und sonnt sich in dem Bewusstsein, die größere Anzahl von Lws für sich zu gewinnen.

Da man an den entscheidenden Schalthebeln sitzt, kann man die Debatte beliebig manipulieren: man kann sie vorübergehend aufheizen, damit sie auch hinreichende Aufmerksamkeit bekommt, man kann sie in gewünschte Richtungen lenken oder – bei Gefahr der Überhitzung – abkühlen.
Man kann jede beliebige politische Meinung äußern ohne Gefahr zu laufen, dafür zur Rede gestellt zu werden, da man ja immer sagen kann: Ich war's nicht !

Noch einen letzten Vorzug der Methode möchte ich nicht außer Acht lassen: Sie ist ein bewährtes Mittel, die jeweiligen Standpunkte der Mitdiskutanten – sowohl der Unterstützer wie auch der Kontrahenten – sichtbar werden zu lassen. Man erkennt sich also nicht nur selbst besser, sondern auch seine Umgebung. Und häufig genug wird man staunen, was dabei zutage tritt.

Das hier vorgestellte Modell kann man in seinen Auswirkungen auf den Anwender mit den allseits beliebten 'Ego-Shootern' vergleichen, weil es einem das Gefühl gibt, jeder Situation gewachsen zu sein. Da es das Selbstbewusstsein ungemein stärkt, kann man es durchaus als Therapie gegen drohenden Minderwertigkeitskomplex empfehlen.

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