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14.  Zwei Tage Luci

14. Zwei Tage Luci

10.04.2018, 22:01 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Zwei Tage Luci
Freitag Abend,- alles ruhig.
Ruhiger Tagegesablauf,- ruhiger Einkauf und ganz ruhiges abendliches Spiel und Futter Ritual.
Und doch war da etwas.
Irgendwas, nicht fassbares

Ich hatte es mir gerade mit einem Glas Wein auf der Couch gemütlich gemacht, da veränderte sich die Energie im Raum und Emma kam aus dem Schlafzimmer, zu mir rüber.
Und nicht nur Emma.
Auch Rico hatte beschlossen, daß er nach dem Fressen mal in menschlicher Form Hallo sagt und mich lieb gedrückt .
Ein kurzes Kuscheln, doch bevor wir viele Worte wechseln können, klingelt es an der Wohnungstür.

Dann geschehen, wie so oft, mehrere Dinge gleichzeitig.
Rico schreckt furchtbar zusammen und stürzt fasst, mit weit aufgerissenen Augen, ins Schlafzimmer zurück,die Tür hinter sich randrückend.
Emma ruft :“ Ich mach auf“ und sprintet Richtung Wohnungstür.
Und ich greife, beim Versuch die junge Frau auf zu halten, ins Leere und stürze hinter ihr her.

Ich erreiche ihre Schulter gerade in dem Augenblick, als sie die Türklinke runter drückt.
Die Tür schwingt auf und die Nachbarin, die in der Wohnung über mir wohnt, steht mit ihrem ältesten Sohn vor uns.
Fast gleichzeitig sagen wir alle“ Hallo“ und die Nachbarin guckt auf Emma.
“Entschuldige bitte daß wir stören,“ beginnt sie.
Ich winke ab. Gegen mein Herzrasen ist jetzt eh nichts zu machen, also kann Gabi, wie die Nachbarin heißt, auch reinkommen.
“Was gibt es denn?“ frage ich und winke die beiden rein.
Gabis Sohn wohnt nicht mehr zu Hause, sondern hat ganz in der Nähe eine eigene Wohnung.
“Wir haben eine Bitte,“ beginnt jetzt Gabi zu erzählen.
“Sohnemann hatte für mich Papier weggebracht heute Mittag und hat was am Container gefunden“.
Jetzt macht der junge Mann die Jacke auf und eine ganz kleine Pfote kommt zum Vorschein.
Begleitet von Emma und meinem“Ohhhhh“, folgt ein kleines Köpfchen eines winzigen Kätzchens.
Gabi sieht mich lächelnd an und erklärt:“Wir waren schon bei der Tierärztin in der Nähe und alles ist gut,- Luci- ist gesund und Sohnemann will sie behalten.“
Sie macht eine kurze redepause und fährt dann fort.
“ Allerdings muss er bis Sonntag Abend auf einen Wochenend Lehrgang und so wollten wir dich bitten, die Kleine bis übermorgen zu nehmen.
Ich besorge dann noch alles und sie kommt in ein schönes Zuhause.
Sohnemann hat auch nächste Woche frei“.
Hoffnungsvoll sehen die beiden mich an.
Doch es ist eh zu spät.
Emma hat dem jungen Mann schon das Kätzchen aus der Jacke genommen und liebevoll an sich gedrückt.
Mit den Worten“ Ich kümmere mich so lange um sie“, geht sie an mir vorbei und wirft mir einen ihrer ganz intensiven Blicke zu.
Diese Augen,- denke ich.
Hoffentlich sehen die jetzt nicht Gabi und ihr Sohn.
Denn es sind richtige Katzenaugen und ich höre einen leisen Schnurrton aus ihrer Kehle kommen.

“ Na gut, überstimmt“, sage ich und versuche ein Lachen.
“Mach dir keine Sorgen,“ richte ich jetzt das Wort an den Sohnemann.
“Die kleine ist bei meiner Nichte in den besten Händen.“
Ich zeige auf Emma, die Luci gerade,- schnurrend,- das Katzenklo zeigt.
Dann greife ich bestimmt zur Türklinke.
“Aber Sonntag auf jeden Fall abholen,“ sage ich bittend.
“Ich muss Montag wieder in die Praxis“.
Gabi und Sohnemann sind schon draußen und ich schließe ganz schnell mit einem“ Tschüss“, die Tür hinter ihnen.
Ich stütze mich mit einer Hand daran ab und atme ganz tief durch.
Es klopft nochmal,- aber zaghaft und Sohnemann hält mir zwei Dosen Kittenfutter entgegen. Das haben wir vergessen,“ entschuldigt er sich und fügt hinzu,“ Die Tierärztin hat uns das für Luci mitgegeben. Bis Sonntag. Und nochmal Danke“.
Er dreht sich um und ich schließe erneut die Tür.
Jetzt durfte ich endlich aufstöhnen.
“Hoffentlich geht das gut“.

Vorsichtig öffnet sich die Schlafzimmertür und Rico kommt raus.
Klar, bei dem Krach konnte er sich nicht entspannen und zum Kater werden. Und so nutzt er jetzt sein menschliches Avatar, um sich neugierig die kleine Luci an zu sehen.
Diese lag friedlich schlafend in Emmas Arm.
Sie hatte sich mit der kleinen Katze ins Gästezimmer gesetzt und machte einen total glücklichen Eindruck.
“Die ist ja winzig“, sagt Rico leise, als er die Kleine anguckt.
“Kaum zu glauben,“ erwidere ich,“ Du warst auch mal so klein.“
Dann muss ich lachen.
Der Riese, so wohl als Kater, als auch sein Avatar, leugnen eigentlich jede Winzigkeit, die die sie mal gewesen sind.
Dann werde ich wieder ernst
“Emma“, spreche ich die junge Frau an. “ Sag mir bitte, was du jetzt vorhast mit der Kleinen. Und vor allem, wie du verhindern willst, daß Luci sich verwandelt.“
So, jetzt hatte ich ohne Umschweife meine größte Sorge auf den Punkt gebracht.
Ich fühlte mich ein kleines bisschen ruhiger.
Doch in Emmas Augen war keine Sorge oder Angst.
Diese Augen, übrigens noch immer reine Katzenaugen, guckten ganz ruhig und total,- Mütterlich?- von Luci zu mir und zu der Kleinen zurück.
Ich nahm die Brille ab und fuhr mir mit der Hand über die Augen.
Dieses Bild, von der jungen Frau, die mich aus Katzenaugen ansieht, werde ich wohl nie wieder aus dem Gedächtnis bekommen.
Nach dem ich die Brille wieder aufgesetzt hatte, Emmas Augen immer noch ganz “Mutterkatze“ ausstrahlten und die kleine Luci ebenfalls immer noch schlief, beschloss ich, mir erstmal einen Kaffee zu machen.
Vielleicht erwachte Emma ja in der Zwischenzeit aus ihrer Glückseligkeit und redete wieder mit mir.
Rico legte mir einen Arm um die Schulter und ich sah einen Abflug eines Lächelns in seinem Gesicht.
Es strahlte sogar bis in seine türkisfarbenen Augen.
“Ich glaube,“ sagte er,“ Wir sind hier überflüssig.“
“Dann komm du jetzt erstmal zur Ruhe, du Lieber,“antworte ich, hauche ihm einen Kuss auf die Wange und füge hinzu:“ Es könnte ein unruhiges Wochenende für uns alle werden“.
Wie recht ich damit hatte, sollte mit dann auch ganz schnell klar werden.

Doch der Freitag Abend verlief ohne Vorkommnisse und wir saßen sogar alle zusammen, nach dem Rico sich wieder in den Kater verwandelt hatte, auf der Couch und der Fernseher lief leise.
Emma hatte sich, mit Luci im Arm, zu mir gesetzt.
Natürlich guckte keiner von uns Fernsehen. Wir hatten nur Augen für die Kleine.
Ich hatte eine Dose geöffnet und etwas Futter in ein Schälchen gegeben.
Luci hatte uns dann auch sofort gezeigt, daß sie schon allein fressen konnte. Ebenso trinken und das Katzenklo benutzen.
Das beruhigte mich, denn so winzig sie auch war, sie war wohl dennoch alt genug, ohne Mutter zu sein.
Ich würde dem Sohnemann aber auf jeden Fall raten, noch eine zweite Katze zu nehmen.
Der Gedanke, daß dieser Winzling alleine leben sollte, brach mir das Herz.
“Dürfen wir bei dir im Bett schlafen?“ fragt mich Emma unvermittelt.
“Meinst du denn, die Kleine bleibt einfach so bei dir im Arm liegen?“ frage ich zurück und füge hinzu,“ Du hast noch nie so lange in deiner menschlichen Form verbracht, schon gar nicht dabei geschlafen. Aber okay,wir werden sehen. Mir ist alles recht,
nur dass die Luci hier als Kind erscheinen könnte, macht mir Angst.
Doch das sagte ich ja schon.“
“Ich glaube gar nicht, daß das passiert“, gibt die junge Frau zu bedenken und weiter,“ Wenn du siehst, wie alt ich als Katze bin,- und in der Gestalt?“ Sie legt ihre freie Hand auf ihren Brustkorb.
“Vielleicht hast du recht,“ sage ich und hauche ihr einen Kuss auf die Wange.
“Wir werden es ja erleben“.

Am frühen Samstagmorgen reißt mich ein lautes Knurren aus dem Schlaf.
Gefolgt von Fauchen und noch mal in anderer Reihenfolge.
Ich bin sofort wach,- Licht an,- Brille auf,- und sehe, wie Katze Emma, mit der kleinen Luci im Maul, versucht, sich an Rico vorbei zu drängen.
Sie hat die Kleine zum Tragen zärtlich im Nacken gepackt
Ich richte mich im Bett auf,- Rico sieht mich mit aufgerissenen Augen an und springt unter das Bett.
Emma trägt,- immer noch Grollen in der Kehle, Luci ins Gästezimmer, wo sie mit der Kleinen unter der Couch verschwindet.

Okay, nichts passiert, denke ich.
Erstmal sammeln und aufstehen.
Rico kommt wieder unter dem Bett hervor.
Ich streichle ihn und gebe ihm dann frisches Futter in sein Schälchen. Und dann setze ich mir erstmal einen Kaffee auf.
Diesen trinke ich in aller Ruhe im Gästezimmer.
Dabei setze ich mich mit der Tasse in der Hand, auf den dicken Teppich vor der Couch, unter der Emma mit Luci verschwunden ist.
Nach wenigen Minuten sehe ich eine kleine Pfote unter der Schutzdecke, die die Couch halb bedeckt, hervor stupsen.
Und kurz darauf, ohne jede Scheu, kommt die Kleine auf mich zu.
Mein Herz geht auf, so süß ist sie.
“Hallo Luci“, sage ich und schicke eine Art Stoßgebet zum Himmel, dass die Kleine bitte bitte eine kleine Katze bleibt.
Erleichtert sehe ich, wie Katze Emma, hinter Luci auftaucht.
Sie kommt zu mir und stupst mich liebevoll mit dem Kopf an.
Dann fängt sie an, Luci ausgiebig zu putzen.
Amüsiert beobachte ich die beiden, als sich plötzlich die Energie im Raum verändert.
“Jetzt passiert es“, denke ich und kneife die Augen fest zusammen.
Ich will auf keinen Fall ein kleines Kind vor mir stehen haben.

“Was machst du da?“ höre ich einen Moment später die sanfte Stimme Ricos.
Ich öffne die Augen.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Sonst wandelt sich Rico Wochen lang nicht und jetzt schon das zweite mal an einem Wochenende.
Er ist sogar richtig entspannt.
Mit einem Strahlen in seinen schönen Augen, setzt sich der Riese zu mir auf den Teppich.
Sofort befreit sich Luci aus dem Klammergriff der rauhen Zunge Emmas,- tapert zu Rico rüber und klettert kurzerhand auf seine langen Beine.
Er streichelt ihr liebevoll über das nasse Köpfchen.
Ich war nach langer Zeit mal wieder total gerührt.
“Was war denn eben bei euch los?“ frage ich und füge hinzu,“ Warum hat Emma denn so geknurrt?“
Rico sieht mich an und versucht dabei ein nachdenkliches Gesicht zu machen.
Aber eine Art Grinsen tritt zu Tage als er antwortet ,“ Ich glaube, du würdest sagen, Sie spinnt!“
Jetzt muss ich lachen.
“Echt, die knurrt einfach so und schleppt die Kleine dann weg?“
Rico nickt,- Luci klettert gerade an seinem Arm hoch und er verzieht das Gesicht, da die kleinen spitzen Krallen sich in seine Haut bohren.
Doch es macht ihm nichts weiter aus.
Immer wieder, wenn die Kleine etwas abrutscht, fängt er sie mit einer großen Hand auf und schiebt sie weiter.
Emma hat sich an meine Beine gekuschelt.
Sie wirkt entspannt, doch ich weiß genau, daß sie sofort handeln würde, sollte Luci ihr einen Grund dazu geben.
Ich streichle ihr liebevoll über ihr graues Fell und denke, wie seltsam es doch ist, daß Rico gewandelt ist und sie, trotz der Situation, weiter Katze bleibt.
Luci hat jetzt genug und da es mit dem runterklettern noch nicht so klappt, lässt sie sich einfach runterfallen.
Voller Vertrauen, dass Rico sie fängt.
Eine Weile hält er die Kleine noch in der Hand und betrachtet sie.
Dann setzt er sie zu Emma, die sofort mit der Wäsche bei der Kleinen weitermacht, bis diese sich zusammenrollt und an Emmas Flanken einschläft.
Ich streichle beiden nochmal über die Köpfe, erhebe mich dann und gehe in die Küche um noch einen Kaffee zu trinken.
Rico haucht mir einen sanften Kuß auf die Wange und geht dann ins Schlafzimmer.

Gar nicht lange danach,- ich stehe in der Küche,- höre ich ein leises Miauen.
Ich drehe mich zur Tür und da kommt Luci auf mich zu.
Dieses kleine Kätzchen ist einfach nur süß.
Sie tappst auf mich zu und miaut immer wieder. Ich bücke mich und hebe sie sanft hoch.
Es ist ein richtiges Glücksgefühl, dieses kleine Wesen im Arm zu halten und als sie sich an mich schmiegt, kamen mir Tränen der Rührung ,- Was auch sonst?
Gleichzeitig verändert sich die Energie im Raum und ich bekomme fast eine Panik Attacke,- doch es ist nur Emma, die junge Frau, die in der Küchentür erscheint und nach der Kleinen guckt.
“ Wenn dieses Wochenende rum ist,“ sage ich leise, um Lucis Schmusestimmung nicht zu unterbrechen,“ werde ich entweder um Jahre gealtert sein, oder an Herzversagen sterben,“ beende ich den Satz.
Ich sehe an Emmas Blick, dass sie nicht versteht, was ich meine.
Aber das macht auch nichts.
Deshalb füge ich leise hinzu,“ Wenn Luci bei dem Sohnemann ist, werde ich nicht mehr solches Herzklopfen vor Angst bekommen, wenn sich die Energie im Raum verändert.
Dann bist es entweder du, Rico, oder ihr beiden zusammen.
Während ich das sage, stupse ich der jungen Frau mit dem Zeigefinger auf die Kleine Nase und freue mich über ihr Lächeln dass sie mir schenkt.
Luci regt sich in meinem Arm und als ich zu ihr runter sehe, öffnet sie ein Auge und guckt mich direkt an.
Mein Herz schlägt Purzelbäume.
Wie kann etwas so kleines, nur so süß sein.
Jetzt reiche ich sie Emma, die sofort wieder das wunderschöne Leuchten in den Augen hat.
Und auch die Form der Augen verändert sich wieder.
Katzenaugen,- ganz sicher.
Emma geht mit Luci auf den Balkon und ich mache mir etwas zu essen.
Ich glaube, während ich mit den Katzen und deren Avataren beschäftigt bin, vergeht die Zeit schneller.
Anders kann ich es mir nicht erklären,
daß es schon fast Nachmittag ist.
Als ich mit meinem Teller ins Wohnzimmer komme,wo ich immer esse, finde ich die kleine graue Katze und das baby Kätzchen, zusammengerollt auf der Couch liegend vor.
Keine von beiden nimmt Notiz von mir und so setze ich mich auf die Couch und esse ganz in Ruhe.

Totale Entspannung.
Keine Avatare, keine Angst.
Eigentlich könnte das jetzt so bleiben, bis Luci abgeholt wird.
Tut es natürlich nicht.
Am Abend beim Fernsehen, kommt Rico zu mir auf den Schoß und möchte seinen Bauch gekrault haben.
Luci hat sich von Emma weggeschlichen und versucht an der Couch hoch zu krabbeln.
Rico guckt zu ihr runter und entgegen dem liebevollen jungen Mann, findet der Kater die Störung durch das kleine Kätzchen nicht lustig und faucht dieses einmal heftig an.
Da Luci sich aber dadurch keineswegs einschüchtern lässt und weiter versucht, zu uns hoch zu kommen, faucht er erneut und richtet sich zu seiner vollen Größe auf.
Sein Schwanz ist extrem buschig und auch wenn ich wusste, dass er Luci nichts tun würde, machte er mich wachsam.
Ich redete ganz ruhig mit ihm und streichelte ihm über den Rücken.
Aber scheinbar wollte er die kleine Luci in ihre Schranken weisen.
Warum dieser sanfte Kerl das jetzt machte, war mir ein Rätsel.
Doch noch ehe ich jetzt irgendwas tun oder sagen konnte, schoß Emma wie aus dem Nichts, auf die Couch, direkt neben mich.
Das Fauchen, dass aus dieser kleinen grauen Katze kam, lies mich zusammenzucken.
Ich war echt froh, dass es nicht mir galt.
Und der Riesenkater war auch beeindruckt.
Er knurrte leise vor sich hin und sprang dann von der Couch um sich gleich darauf in seine Ecke zu trollen.
Emma hingegen packte Luci am Nacken und legte das zappelnde Kätzchen auch auf die Couch.
Ich streichelte alle beide.
Den Rest des Abends rief ich immer mal wieder nach Rico, lockte ihn mit Leckerchen. Aber er war wohl eingeschnappt und bestimmt ebenso froh wie ich, wenn der Sonntag Abend da,- und Luci weg war.
Ich hoffte nur, dass die Szene mit dem Fauchen, die Beiden nicht in ihrer Freundschaft störte.

Die Nacht verlief ruhig und in vollkommener Harmonie lagen wir alle vier, im Bett.
Kein Knurren, kein Fauchen.
Luci war wohl als erste wach.
Jedenfalls weckte mich etwas, das sich anfühlte, wie ein kleiner Finger, der mir immer auf die Nase tippt.
Doch es bestand kein Grund zur Panik, die sofort in mir hochsteigen wollte.
Ganz vorsichtig öffnete ich ein Auge,- dann das zweite.
Luci saß direkt vor meinem Gesicht,- hatte mir den Rücken zugewandt.
Und während sie mit dem Pfötchen nach der Spielfeder für Emma und Rico stupst, die ich im Bett liegen habe, klopft das kleine Schwänzchen aufgeregt gegen meine Nase.
Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen.
Das wiederum rief Rico auf den Plan, der sich natürlich sofort daran erinnerte, dass er Hunger hat.
Ich streichelte alle drei Katzen, drückte Luci einmal kurz an mich,- was diese mit einem erschreckten Miau quittierte,-
und stand dann auf.

Kaffee, Futter, Wasser, Toast.
In der Reihenfolge.
Als ich dann in der Küche mit einer Tasse Kaffee stehe, verändert sich die Energie und im gleichen Moment wirft mir Emma ein freundliches“ Guten Morgen“, zu.
Die junge Frau stellt sich zu mir und legt ihren Kopf an meine Schulter.
“Na du“ sage ich.
“Na du,“ gibt sie zurück.
Dann schweigen wir und ich trinke in Ruhe meinen Kaffee.
Die kleine Luci kommt in die Küche getappst.
Rico ist nach dem Fressen auf den Balkon gegangen.
Die Sonne lockt und Emma nimmt Luci auf den Arm und geht auch mit ihr raus.
Ich schaue ihr nach und denke zum wiederholten male, wie froh ich bin, wenn dieses Wochenende rum ist.
Allerdings werde ich dann bestimmt erstmal Emma trösten müssen.
Ich glaube, sie wird Luci am meisten vermissen.

Den Sonntag verbrachten wir alle auf dem Balkon. Alle drei Katzen blieben in ihrer Form und Emma zeigte Luci, wie lecker Marmelade lecken ist.
Die Kleine hatte anschließend das ganze Gesicht voll, was ihr ein ausgiebiges Waschen durch Emmas Zunge bescherte. So verging der Sonntag und wir vier erschreckten uns ganz schön, als es am Nachmittag klingelte. Trotz der Überraschung des klingens, schaffte es Emma noch, sich in ihre menschliche Form zu wandeln.
Wieder ging alles sehr schnell, aber diesmal empfand ich es als recht undramatisch.
Rico sprang unters Bett,- was sonst,- und die junge Frau nahm Luci auf den Arm.
Emma war scheinbar selbst überrascht von ihrer Wandlung und machte einen recht schüchternen Eindruck.
Sie ließ mir den Vortritt beim Öffnen der Tür und als ich an ihr vorbei ging, brach mir der traurige Blick ihrer Augen fast das Herz.
Ich öffnete die Wohnungstür und wie erwartet, stand Sohnemann im Flur.
Doch zu unserer Überraschung hatte er zwar einen Katzenkorb dabei, allerdings befand sich in diesem schon ein kleines Kätzchen.
So groß wie Luci und tiefschwarz.
Sohnemann stellte den Korb ab und sagte:“ Das ist Mogli.“
Auf unsere verdutzten Blicke fuhr er fort:“ Jemand hat den kleinen Kerl am Container gefunden und bei der Tierärztin abgegeben.
Sie hat meine Mutter angerufen und da es ja scheinbar Geschwister sind, habe ich beschlossen, dass Luci nicht alleine bleiben soll.
Ich hab Ihn gerade abgeholt und bringe die zwei jetzt zusammen in ihr neues Zuhause.“
Emma machte sofort einen glücklichen Eindruck und griff in den Korb, um Mogli heraus zu nehmen.
Dabei gab sie ihren schnurrenden Ton von sich, den aber scheinbar nur ich als seltsam empfand.
Dann hielt sie die beiden Geschwister Kätzchen zusammen, Näschen an Näschen, um sie gemeinsam in den Korb zu setzen.
“Ich finde es wirklich lieb von dir“, sagte sie dann zu Sohnemann,“ dass du auch das Katerchen nimmst“.

Emma sah mich an und aus irgendeinem Wahnsinn heraus, hörte ich mich sagen,“ Wenn du mal Probleme hast, für die zwei eine Pflegestelle, für Urlaub oder so zu finden, dann frag ruhig auch uns.“
Sohnemann schloss den Korb und bedankte sich herzlich.
Luci und Mogli hatten sich vollkommen Emotionslos, einfach im Korb zusammengelegt.

Und dann waren sie weg.
Die Haustür fiel hinter ihnen ins Schloß und Emma ich standen noch eine Weile in der Diele.
Ich legte ihr einen Arm um die schmale Schulter.
“Sie wird es gut haben, unsere Luci.“ sagte ich tröstend und während Emma noch nickte, veränderte sich die Energie im Raum und sie wurde zu der kleinen grauen Katze.
Doch statt sich irgendwo zurück zu ziehen, jagte sie wie von der Tarantel gebissen, total aufgedreht und mit buschigem Schwanz, durch die Wohnung.
Später lagen wir alle drei auf der Couch und ließen den Abend ausklingen.
Und ich hoffte inständig, dass ich jetzt wirklich mal eine Zeit lang vor derartiger Aufregung verschont bleibe.

Ende

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