16.            Katzengras und Freudentanz
16. Katzengras und Freudentanz

16. Katzengras und Freudentanz

Beitrag von wize.life-Nutzer

16. Katzengras und Freudentanz


“Was machst du da”.
Emma, die junge Frau, betritt mein Arbeits, - Bügel, - Ess und Katzenzimmer.
Natürlich lautlos, wie es ihre Art ist.
“Ich überlege einige Zeilen, für eine eventuelle Katzen und Wohnungssitter Annonce “, antworte ich.
Die Hitze draußen ist unerträglich und ich bin so platt, dass ich noch nicht mal mehr zusammen zucke, als das weibliche Avatar meiner geliebten kleinen grauen Katze plötzlich mit mir spricht.
Emma tritt hinter mich und legt mir liebevoll ihre grazilen Arme um die Schultern.
Ich sitze kerzengerade an meinem Schreibtisch, der eigentlich ein Bücher Regal ist und in den ich einfach nur ein tieferes Brett geschraubt habe.
Dieser Raum ist jetzt, neben der Dusche, der kühlste in der Wohnung.
Denn obwohl sich im Erdgeschoss die Kühle lange hält, ist auch hier die Hitze eingezogen.
Bei einer Hitzewelle von täglich 34 Grad und das schon seit 4 Wochen, erobert die Hitze jeden Raum.
“Aber Manuela kommt doch noch “, unterbricht Emma meine Gedanken.
“Ja Emma “, gebe ich zurück und fahre gleich fort, “Aber falls sie doch nicht so locker mit den Fakten um diese Wohnung oder Euch beiden umgeht….. “
Den Rest des Satzes lasse ich offen und drehe mich zu der jungen Frau um.
Ihre wunderschönen, tiefgrünen Augen, schauen fast ängstlich.
Nach dem Nina, meine jüngste Tochter, vor ein paar Wochen hier war und wir sie in unser Geheimnis eingeweiht haben, beschloss ich, auch Manuela mit ins Boot zu holen.

Die Energie im Raum verändert sich und Rico, der junge Mann, kommt auch zu mir.
In seiner liebevollen, zurückhaltenden Art, beugt sich das menschliche Avatar meines Katers zu mir runter und drückt mich leicht.
“Möchtest du denn morgen Nachmittag auch dabei sein Rico, wenn Manuela zum Kaffee kommt? “spreche ich den jungen Mann an.
Rico reißt die Augen auf und schüttelt heftig den Kopf. “Muss die Manuela das denn wissen? “fragte er mit leiser Stimme. “Wir sind doch nie in dieser Form, wenn sie kommt. Und inzwischen weiß ich ja auch damit umzugehen und komme nur zu dir “.
Wie ein kleiner Junge, den man zu etwas zwingen will, steht Rico da.
Ich stelle mich vor diesen sanften Riesen und streichle ihm über die Wange.
“Wissen sollte sie es”, antworte ich und füge als Trost hinzu, “Aber ob sie dich in der Form kennenlernt, jetzt wo du es etwas kontrollieren kannst Lieber , liegt allein bei dir.”
Er macht ein nachdenkliches Gesicht und ich muß lachen.

Ich gehe in die Küche und hole mir einen Kaffee.
Hitze hin oder her, meinen Kaffee brauche ich. Rico folgt mir.
“Glaubst du, die Manuela bleibt bei uns? “fragt er.
“Bestimmt findet sie das auch Klasse, wie die Nina “, ruft Emma vom Flur aus.
Die junge Frau kommt gerade um die Ecke und nun stehen wir zu dritt in der kleinen Küche.
“Genau das denke ich auch, “sage ich und schaue die beiden Avatare liebevoll an.
“Du kannst ja auch bei uns bleiben”, gibt Rico zurück.
Erschrocken über seinen vorwitzigen Einwand, reißt er wieder die Augen auf und zieht den Kopf zwischen die Schultern.
Ich lege ihm die Hand auf die Schulter.
“Mein lieber Kater”, sage ich. “Ich weiß ja, daß du mich am liebsten für dich hättest.
Allerdings muß ich Geld verdienen und ab und zu mal ein wenig Luftveränderung haben. “
Fast macht es den Eindruck, als wäre der junge Mann betroffen.
Das Thema Geld verdienen wird eigentlich immer nur dann angesprochen, wenn es um seinen dicken Bauch und ständigen Hunger, als Kater geht.
Natürlich ist der Ausdruck “angesprochen”, total unsinnig.
Meistens gebe ich diverse Sätze von mir, wenn Rico als Kater kein Ende finden will, mit Bauch kraulen und ewigem Miauen vor dem doch stets leeren Futternapf.
Und das ist jeden Morgen so.
Emma knufft den Riesen lieb in die Seite und sagt, “Sei nicht dumm du Angstkater.
Sie könnte uns auch ganz alleine lassen wenn sie mal wegfahren will. Dann würde vielleicht nur jemand kommen und uns Futter hinstellen”.
Sie machte eine kurz Pause und sagt dann in fast verschwörerischen Ton “Oder du müsstest ganz hungern. “
Dann fangen wir beide richtig an zu lachen und Rico geht mit hängenden Schultern ins Schlafzimmer.

Nachdem ich am nächsten Morgen ausgeschlafen habe, hole ich mir einen Kaffee ans Bett und sitze einfach nur eine Weile so da.
Natürlich habe ich Rico in der Früh erst gefüttert und mich danach wieder hingelegt.
Die kleine graue Katze sprang aufs Bett und wollte spielen. Ich nahm die Fasanenfeder und begann sie am Rand der Bettdecke hin und her zu ziehen.
Emma sprang mit vollem Körpereinsatz drauf und wir hatten eine Menge Spaß.
Nach einer Weile hatte sie genug, sprang vom Bett und ging auf den Balkon.
Die Energie im Schlafzimmer veränderte sich.
Ich hatte Rico gar nicht bemerkt. Jetzt saß das menschliche Avatar des Katers, auf dem Stuhl unterhalb des Schlafzimmerfensters und schien zu überlegen, was er da wollte, oder warum das in der gewandelten Form sein muß.
“Hallo Lieber, “spreche ich ihn an.
Der junge Mann guckt zu mir.
Ich lächle und versuche ihn aus seiner Irritation zu holen in dem ich sage, “Magst du dich zu mir setzen und erzählen, was dich so aufregt?
Oder ist es das Treffen mit Manuela?.
Kurz überlegt er, - steht aber dann auf und kommt zu mir ans Bett.
Ich klopfe mit der Hand sanft neben mich und er setzt sich auf die Bettkante.
Ich streiche ihm liebevoll über den breiten Rücken. “Wenn die Manuela dann auch Bescheid weiß “, beginnt Rico leise, “Wirst du dann überhaupt noch nach einer Lösung für unsere Wandlung suchen? “

Die Frage traf mich echt überraschend, denn ich habe wirklich nicht damit gerechnet, daß er noch darüber nachdenkt. Fast schäme ich mich. Und ärgern tu ich mich über mich selbst auf jeden Fall.
Schließlich habe ich es ihm versprochen.
Dann antworte ich wahrheitsgemäß :”Weißt Du was? Das habe ich wirklich nicht mehr so verfolgt. Aber danke, daß Du mich erinnerst. Klar suchen wir weiter.
Ich richte mich im Bett auf und drücke den sanften Riesen fest an mich.
Und Er lächelt. Bis in seine wunderschönen Augen strahlt es.

Manuela wollte am frühen Nachmittag kommen und so hatte ich mich bei Zeiten geduscht und die Hefeteilchen rausgestellt.
Nur damit sie nicht so kalt sind. Da es so warm in der Wohnung ist, klebt der Zuckerguss extrem und das ganze schmeckt nicht wirklich.
Der Kater hatte sich nach seiner Rückwandlung auf die Fensterbank im Schlafzimmer gelegt und Emma sich ein schattige Plätzchen auf dem Balkon, unter der geflochtenen Eckbank, gesucht.
Ich freute mich sehr, als Manuela klingelte.
Zwar hatte sie einen Schlüssel, aber den benutzt sie nur, wenn ich nicht da bin.
Herzlich begrüßen wir uns und sie drückt mir einen riesengroßen Topf mit frischem Katzengras in die Hand.
“Da werden die beiden sich gleich bestimmt drauf stürzen, “sage ich.
“Unseres ist schon fast so trocken wie Stroh “und rufe “Emma, Rico, die Manuela hat euch was mitgebracht. Kommt mal gucken. “
Im gleichen Moment erschrecke ich über meinen Ruf und hoffe, dass Emma nicht plötzlich in gewandelter Form um die Zimmerecke kommt. Bei Rico mache ich mir da natürlich keine Gedanken.

Wir setzen uns in das kühle Katzen, - Büro, - Esszimmer, wo ich ein lockeres Gedeck aufgelegt habe.
Ohne zu fragen stelle ich Manuela eine große Tasse mit dampfendem Kaffee hin und hole die Teilchen aus der Küche.
Eine Weile sitzen wir da, trinken Schluckweise den heißen Kaffee und essen klebrige Teilchen.
“Die kleben echt, “sage ich lachend und hole uns jedem einen nassen Lappen aus dem Bad.
Wir haben den Topf mit Gras vor die kleine Couch gestellt, damit es nicht durch die Wärme auch gleich austrocknet. Eine ganze Zeit quatschen wir über alles mögliche und ich schenke uns immer wieder Kaffee nach. Schon überlege ich, ob ich das Gespräch überhaupt auf das Formwandeln bringen soll.
Doch dann kommt die kleine graue Katze ins Zimmer. Sie streicht Manuela um die Beine und springt dann auf die Couch. Dort setzt sie sich aufrecht hin und schaut zu uns herüber. Dabei kommt es mir vor, als würde sie mich besonders intensiv angucken und bestimmt aus dem Grund heraus, aus dem Manuela ja eigentlich da ist. “Sag es “. Höre ich eine innere Stimme. Und so gebe ich mir einen Ruck und frage :”Sag mal, hast du dir eigentlich, wenn du hier Katzen sittest, schon mal vorgestellt, dich mit Emma oder Rico, wie mit Menschen zu unterhalten? “
Irgendwie ganz blöd die Frage, denke ich, aber ich wußte echt nicht, wie ich anfangen sollte.
Manuela schaut mich irritiert an.
“Wie, wie mit Menschen? “fragt sie.
Wieder überlege ich. Wie kann ich die Frage anders formulieren?

“Also, was wäre wenn Emma zwar Katze, aber auch immer mal als junge Frau, wie eine Freundin, mit dir hier so säße, wenn du da bist? “
Schweißperlen stehen auf meiner Stirn und mir war so warm.
Das lag allerdings bestimmt nicht nur am Kaffee.
Manuela nippt nachdenklich an ihrer Tasse. Einen Moment war es ganz ruhig und es schien, als würde sogar Emma die die Antwort mit angehaltener Luft erwarten.
Dann grinst Manuela mich an. “Die Idee ist klasse, “sagt sie. “Klar, Rico ist ja eh nicht der Fan von irgend jemand anderen außer dir. Aber Emma stelle ich mir toll vor. Wir hätten bestimmt viel Spaß und könnten viel voneinander lernen. “
Manuela gerät richtig ins schwärmen und ich will sie gerade etwas bremsen, als sie sagt, “Und wenn wir schon so viel Spaß miteinander hier haben, würde ich ihr auch den Weg zu mir zeigen und……. “

Im gleichen Moment, wo Manuela das sagt, verändert sich die Energie im Raum und ich höre wie Emma sagt, “Das geht leider nicht. Wir können die Wohnung nicht verlassen “.
Die junge Frau, die eigentlich meine kleine graue Katze ist, sitzt in ihrem silbern schimmernden Overall auf der Couch und guckt jetzt Manuela freundlich an.
Diese hatte ihre Tasse ganz fest zwischen die Hände gepresst und machte den Eindruck, als ob sie an sich selbst zweifelte.
Unter dem Motto:”Da hab ich mich durch mein Gerede selbst hypnotisiert und sehe schon was ich daher rede. “

Eine Weile betrachte ich die Szene.
Dann lege ich Manuela eine Hand auf den Oberarm.
“Tief durchatmen du liebe , “sage ich ruhig. “Du bildest dir nichts ein und träumst auch nicht. Das ist Emma “.
Ich mache ein paar tiefe Atemzüge und merke, daß auch Manuela ruhig bleibt.
Und Emma bleibt auf der Couch um unsere liebe Wohnungs - und Katzensitterin nicht zu überfordern.
Sie sagt lediglich :”Hallo Manuela. Schön daß Du da bist. “
Und Manuela, ihre Tasse immer noch festhaltend, antwortet ruhig:”Ich habe dich schon mal gesehen “.

Ich gucke zu Emma und ziehe dabei meine Stirn kraus.
Und das menschliche Avatar meiner kleinen grauen Katze macht fast einen schuldbewussten Eindruck als sie mir erklärt, “Ich wollte nur am Schlafzimmer Fenster stehen. Es war ja mitten in der Nacht. “
“Und Ich habe überlegt, wie ich auf jemanden wie dich im Traum komme? “
Manuela guckt jetzt Emma ganz bewußt an. Ein freundliches Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht, als sie sagt :”Hallo Emma, schön dich zu kennen zu lernen. “

Ich atme auf. Jetzt habe ich wirklich ein gutes Gefühl was uns alle angeht und freue mich über diesen tollen Nachmittag.
Und während ich Manuela alles erzähle, unterstützt von Emma, die mal wieder wie ein Flummi im Zimmer herum hüpft, kommt sogar Rico um die Ecke.
Zwar nicht in gewandelter Form, aber immerhin für seine Verhältnisse total entspannt, setzt sich demonstrativ an den Grastopf und beginnt das frische Grün zu zupfen.
Immer wieder beugt sich Emma zu ihm runter und streichelt ihn.
Bis sich die Energie im Raum verändert und auch die Katze Emma sich über das Gras hermacht.

Und Manuela bleibt gelassen.
Das verstärkt mein so gutes Gefühl noch.
Es scheint wirkliche Gelassenheit zu sein. Nichts krampfhaftes. Sondern echt.
Noch lange sitzen wir zusammen und als Manuela dann geht, den beiden Katzen noch ein fröhliches “Bis bald ihr 2” zurufend, bin ich froh und zufrieden. Was sollte jetzt noch geschehen?
Auf dem Schreibtisch sehe ich die fast fertige Annonce liegen. Einen anderen Katzen und Wohnungssitter brauchen wir wohl nicht zu suchen.
Ich nehme das Blatt, zerknülle es zufrieden und werfe es in den Papiermüll.
Dann setze ich mich mit einem frischen Glas Lambrusco auf die Couch und lasse den Abend ganz in Ruhe ausklingen.