Zwischen Traum und Erwachen
Zwischen Traum und ErwachenFoto-Quelle: Sabine Adameit

Zwischen Traum und Erwachen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es ist die Stunde vor dem Morgengrauen, wenn meine Träume mich finden. Unwirkliche, blasse Schemen kriechen aus den hintersten Winkeln meiner Gedanken und Gefühle. Sie formen Bilder, Töne und Gerüche so eindringlich, so greifbar, wie selbst die Wirklichkeit mir nie erscheint. Phantasie und ein magischer Zauber nehmen mich mit in eine Welt jenseits der Wirklichkeit. Eine Welt, in der sie ist und in der ich bin..
Dort gibt es kein wir, nur dies Verlangen, Suchen und Sehnen. Sie begegnet mir dort, in langen Herbstspaziergängen, vorbei an nebligen Wiesen, begleitet von buntem Laub, das der Wind vor uns hertreibt. Auf einsame Waldwege lockt sie mich, lachend, winkend und dann wieder traurig und schweigsam. Mal ist sie dicht vor mir, fast glaube ich, sie greifen zu können, und dann wieder verblasst sie und scheint in nebliger Dämmerung meinen Augen zu entgleiten.
Sie ist schön. Nicht jung, nicht alt. Ihr Haar ist nicht schwarz, nicht braun, blond oder silbern.
Ist sie schlank, mollig, groß oder klein und zart? Ich weiß es nicht. Sie ist was sie ist, ganz Frau. Von Anbeginn, jetzt, und darüber hinaus.

"Komm, komm!" ihr sanftes Flüstern, ihr helles Rufen locken mich immer weiter. Immer tiefer hinein in diesen Zauberwald. Durchbrochen von hellen Lichtungen, auf denen ich verweilen möchte, ihr helles Lachen im Ohr. In dunkles Unterholz, das längst keine Blätter mehr trägt. Vorbei an hohen Bäumen, mit buntem Dach, knorrigen Wipfeln, deren Äste kahl sind und von denen schwarze Vögel krächzend auf mich herabschauen. Mit ihren kalten, bösartigen Augen funkeln sie mich an und ihr Krächzen verspottet mich.

Manchmal bleibt sie stehen, wartet auf mich, um mich mit ihrer schlanken, weißen Hand sanft zu berühren. Ein Gefühl durchdringt mich dann, wie alles Glück meines ganzen Lebens, zusammengefasst in einem kurzen Augenblick. Die Worte des Zauberers Paracelsus dringen einem Flüstern gleich in meine Gedanken:

"Es fließen ineinander Traum und Wachen, Wahrheit und Lüge. Sicherheit ist nirgends. Wir wissen nichts von anderen, nichts von uns. Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug."

Ist so das Leben? Sehnsuchtsvolles Suchen? Nie finden? Niemals erreichen? Immer gefangen in einem Spiel, in dem wir verurteilt sind eine Rolle zu spielen? Augenblicke der Nähe, die nichts sind als Illusionen, Auswüchse grausamer gegenseitiger Täuschungen?

"Wach auf, Liebster!" Sanft dringt deine Stimme in mein Bewusstsein. "Du hast geträumt." sagst du und trocknest zärtlich eine Träne von meiner Wange.
"Ich bin hier, bei dir." flüsterst du mir zärtlich ins Ohr und deine Arme umfangen mich, geben mir Wärme und Geborgenheit. Dann liebe ich dich. So stark, so unglaublich tief, das es mir weh tut.
'So ist Leben!', denke ich. 'Kein Irren zwischen Traum und Wachen. Keine Lüge. Nur eine Wahrheit. Ein Wir.'

Bild (c) Sabine Adameit arts-of-emotions.de