19.      Leckerlies und Lesestoff
19. Leckerlies und Lesestoff

19. Leckerlies und Lesestoff

Beitrag von wize.life-Nutzer

19. Leckerlies und Lesestoff


Ich liege mit offenen Augen im Bett.
Um mich herum ist es dunkel.
Rasende Kopfschmerzen toben sich in meiner rechten Schädelhälfte aus.
Vielleicht hätte ich weniger Kaffee trinken und mehr essen sollen.
Kaffee, - der Gedanke hat was.
Einzig die Kraft fehlt, jetzt aus der Dunkelheit heraus, in die helle Welt außerhalb diesen friedlichen Ortes, meinem Bett, zu treten.
Schon der Gedanke, daß ich mich bewegen muss, schmerzt.
Außerdem , selbst wenn ich aus dem Bett heraus komme, heißt das nicht, dass ich wieder rein komme.
Denn neben meinen geliebten Katzen, liegen zahllose Bücher, Bildbände und auch ein paar Geo Zeitschriften auf dem Bett verteilt.
Zwar hätte auch mein Laptop noch Platz gehabt, aber den hab ich im Wohnzimmer liegen gelassen.
Ist im Moment eh alles egal.
Seit Tagen suche ich jede freie Minute in Büchern, Katalogen und auch im Netz, nach einer Erklärung für das Geschehene.
In der Hoffnung, in einem der vielen Bücher etwas über das Lederarmband, die Symbole und, - oder die Münze zu finden, vergesse ich zu essen und zu schlafen.
Und heute ist sogar Brückentag.
Eigentlich muss ich sagen, war Brückentag.
Denn es ist schon früher Abend.

Mit einem tiefen Seufzer taste ich nach dem Lichtschalter.
Es hilft ja nichts rum zu liegen.
Essen und was gegen die Kopfschmerzen unternehmen hat jetzt Priorität.
Als das Licht an ist, schaue ich direkt in die wunderschönen Augen meiner Katzen.
Beide sehen mich an. Und ich bin überzeugt, dass sie auf ihre Art wissen, was ich tue. Denn Rico bleibt entgegen seinem sonstigen Verhalten, immer liegen wenn ich auf dem Bett das Lesematerial sichte.
Kein Jammern nach Futter.
Fast beängstigend.
Ich rede viel mit den beiden.
Hab keine Ahnung, ob sie sich durch den Kontakt zu der Münze jetzt gar nicht mehr in ihre menschliche Form wandeln, oder nur eine Auszeit durch den Schock nehmen.
Ich schleppe mich in die Küche, eine Hand an meinen Kopf gepresst.
Hoffentlich wirken die Aspirin schnell, die ich unter Stöhnen in einem Glas Wasser auflöse und mit einem großen Schluck leere.
Dann ziehe ich meine Sweat Jacke an und gehe auf den Balkon raus.
Herrliche, kühle Luft empfängt mich.
Schon nach wenigen Minuten geht es mir besser. Die Kombination aus kühler Luft, tiefen Atemzügen und den Aspirin zeigt Wirkung.
Ich gehe wieder in die Küche und mache mir ein Toastbrot. Somit hat der Magen was und vielleicht kann ich dann später doch noch einen Kaffee trinken.
Der würde dann auch die letzten Lebensgeister wecken.
Ich betrete mein Schlafzimmer, gehe ans Fenster und öffne es. Dann ziehe ich das Rollo hoch und lasse auch hier frische Luft rein.
Rico und Emma liegen immer noch auf dem Bett. Und sie beobachten jeden meiner Schritte.
“Okay meine lieben “, spreche ich die 2 jetzt an. “Kommt raus, ich gebe euch was leckeres “.
Und schon bin ich wieder in der Küche und mache die Futterschalen fertig.
Ganz langsam setzt sich der Kater als erstes in Bewegung.
Er richtet sich auf dem Bett zu seiner vollen Größe auf und streckt sich ausgiebig. Und als ob ihn Futter überhaupt nicht interessiert, kommt er ganz gelangweilt an den Napf getrottet.
Kurze Zeit später kommt auch die kleine graue Katze. Aber sie frisst nicht, - guckt nur.
Ich betrachte sie liebevoll.
Noch nie habe ich in der Zeit, in der sich die Katzen in ihre menschlichen Avatare verwandeln, so sehr gehofft, dass sich die Energie im Raum verändert.
Ich knie mich neben die kleine graue Katze und streichle ihr liebevoll das seidige Fell.
Sie schenkt mir einen ihrer tiefen Blicke und am liebsten würde ich sie an mich reißen. Aber das mag sie nicht und da ich das weiß, streichle ich sie nur weiter und sage leise, “Ich vermisse euch beide . “

Als die beiden versorgt sind, beschließe ich, eine Abendrunde um den Block zu gehen. Schnell tausche ich Sweathose gegen Jeans, ziehe nur noch eine Jacke drüber und verschwinde mit einem :”Bis gleich “aus der Wohnungstür.
Die Bewegung in der kühlen Abendluft tat unsagbar gut.
Mit dem Verschwinden der Kopfschmerzen ist auch wieder Platz für Gedanken.
Ich hatte die letzten Tage so viel Lesestoff durch gearbeitet, auf der Suche nach ähnlichen Symbolen wie auf der Münze und dem Lederband waren.
Und nur weniges in frage kommendes gefunden.
Einiges aus dem Ägyptischen schien zu zu treffen, aber wenn man genau hinsah, waren es wieder große Unterschiede.
Es waren bestimmt keine ägyptischen Hieroglyphen, die irgendwelche Tier Gottheiten priesen, oder beschworen.
Auch die Kelten hatten nur ähnliche Symbole, nichts genaues.
Zumindest meiner Recherche nach nicht.
Allerdings war die Ähnlichkeit mit den Keltischen Linien auf der Münze recht groß.
Vielleicht war es auch nicht nur von einer Kultur.
Vielleicht hatte es jemand hergestellt, der in mehreren Kulturen zu Hause war.
Oder in einer ganz eigenen, die nicht so überliefert war.
Etwas sehr altes, vielleicht sogar geheimes.
Ich überlegte, was ich alles an Bild und Lesestoff durch hatte.
Kelten, Ägyptisch, Germanen. Ja sogar Druidentum.
Gott sei Dank habe ich mir aus der Zeit, als ich noch Lederbeutel und Taschen gestaltet habe, viel, eigentlich alles, an Bildmotiv Möglichkeiten erhalten.
Damals habe ich immer Symbole aller Art in die Lederarbeit eingebrannt und durfte auf ein großes Material und Informations Lager in Form von Büchern, zurückgreifen.
Ich komme wieder an der Haustür an und ziehe den Schlüssel aus der Jackentasche. Da sehe ich ein paar Meter weiter, Manuela am Straßenrand stehen.
Ich rufe sie. Als sie sich umdreht und mich erkennt, kommt sie kurz zu mir.
Wir begrüßen uns herzlich.
“Was machst du schönes? “fragt sie und da sie ja eingeweiht ist, berichte ich ihr in kurzen Sätzen was passiert ist.
Sie ist geschockt.
“Leider bin ich verabredet “sagt sie und fügt Spassenshalber hinzu :”Auf der Kirmes am Schützenplatz steht auch eine Wahrsagerin mit einem Zelt. Vielleicht fragst du die mal “.
Manuela lacht, drückt mich nochmal und steigt dann zu ihrem Mann, der gerade vorgefahren ist, ins Auto.
Ich lache auch bei dem Gedanken, in einem plüschigen Wahrsager Zelt, einer klischeehaft gekleideten Frau, von dem Armband zu erzählen.
Diese würde dann vielleicht in imitiertem Zigeuner Jargon irgend etwas faseln.
Ich höre schlagartig auf zu lachen.
Mir fällt ein, dass Zigeuner, auch das alte Volk genannt, in vielen Kulturen zu Hause sind. Sie wurden oft verfolgt gejagt und verachtet wegen ihrer Andersartigkeit und ihrer Clanbildung. Viele Wahrsager kommen aus dem Zigeuner Milieu .
Ich fand sie immer sehr interessant.
Hab so manches faszinierende Kartendeck im Schrank.

Ich beeile mich die Türen auf zu schließen.
Und als ich meine Jacke in der Diele an den Haken hänge, traue ich meinen Augen kaum.
Die Schlafzimmertür ist wie immer, weit auf und gibt den Blick frei, auf das gemütliche Bett von 1,40 mal 2 Meter.
Übersät mit dem Wust an Büchern
und mittendrin sitzt Emma, die junge Frau und hält ein paar von meinen Skizzen in den Händen.
Mein Herz macht riesige Sprünge vor Freude.
Ich setze mich auf die Bettkante und nehme das menschliche Avatar meiner geliebten kleinen grauen Katze in den
Arm. “Ich freue mich so sehr dich zu sehen Liebes , “sage ich und mag die junge Frau gar nicht loslassen.
“Mir geht es gut “, antwortet sie und fragt gleich “Hast du schon etwas gefunden? “
Dabei zeigt sie auf das Arsenal der Bücher auf dem Bett.. “Nein, nicht das, was wir suchen, “antworte ich. “Aber gerade hatte ich eine Idee.”
“Hast du die Münze gut weggetan? “fragt Emma ängstlich. Ich nicke.
“Ich hab sie aus eurer Reichweite, in einer Schachtel deponiert. Und ich hole sie nur raus, wenn ihr nicht direkt dabei seit,”sage ich sanft.
Emma entspannt sich zusehends.
“Was hattest du denn für eine Idee? “fragt sie und ich stehe auf und hole eins von meinen Lenormand Kartendecks aus dem Schrank. “Vielleicht haben die Symbole etwas von der Zigeuner Magie, “sage ich und fahre gleich fort, “Es würde vieles passen. Die Zigeuner sind ja ein Volk vieler Kulturen und es gibt sie schon sehr lange. “
“Glaubst du ein Zigeuner Arbeiter hat hier den Boden gemacht? “
Die junge Frau macht ein nachdenkliches Gesicht und wenn es auch nicht die präzisesten Worte waren in ihrer Frage, sie ließen mich doch nachdenken.
Warum sollte es nicht so ähnlich gewesen sein?
Ein früherer, sogenannter Gastarbeiter, vielleicht mit Zigeuner Wurzeln, arbeitet beim Bau dieses Hauses mit und verliert das Armband mit der Münze?!
Ich streiche mir durchs Haar. Wenn es doch so einfach wäre.
“Was ist das für ein Vogel? “fragt Emma auf einmal und hält mir eine von meinen alten Skizzen vors Gesicht.
“Das ist der Rabe, “antworte ich.
“Und die Zahl da unten am Rand? “fragt die junge Frau weiter.
Ich muß überlegen.
Diese Skizzen habe ich vor über zehn Jahren gemacht und was hab ich da für eine Zahl drauf geschrieben?
Dann fällt es mir wieder ein.
“Das sind Seitenzahlen aus einem der Bücher, aus denen ich immer abgezeichnet und manchmal auch Texte verwendet habe. Ich greife nach einem kleinen, in braunes, leicht glänzendes Leder, eingearbeitetes Buch.
Es ist über die indianischen Krafttiere.
Ich habe viel und gerne daraus gezeichnet.
Jetzt schlage ich die Seite auf, die ich für den Raben vermerkt habe.
Er steht für Magie und ist in vielen Kulturen angesiedelt. Dazu gilt er sämtlich als Hüter der zeremoniellen Magie, lenkt Heilzauber und Bewußtseinsveränderung…. Blah blah.

Ich lege das Buch weg.
Was das mit unserer Münze und dem Lederarmband, oder auch mit einem Zigeuner zu tun haben soll, ist mir Schleierhaft.
“Magie hört sich doch gut an, “wirft Emma ein. Und weiter, “Vielleicht hat die Münze ja jemand mit einem Zauber belegt und sie wirkt jetzt besonders, wo du sie aus dem Boden geholt hast. “
“Aber das alles wegen einem schwarzen Vogel? “Die Frage stellte ich Gedankenverloren.
Emma überlegt mit. Ich sehe förmlich, wie es hinter ihrer Stirn arbeitet.
Plötzlich verändert sich die Energie im Raum und ich freue mich riesig, als Rico sich zu uns gesellt. Er drückt mich lieb und ich sage :”Hallo mein lieber Kater. Du hast mir ja einen ganz schönen Schrecken eingejagt mit deinem fauchenden Abgang vor ein paar Tagen. Sahst fast aus wie ein Berglöwe, so wild und gefährlich. “
Und während ich das sage, greift Emma nach einer anderen Skizze. Sie hält sie hoch und Rico reißt die Augen weit auf.
Er ist beeindruckt, weil ich ihn als so gefährlich bezeichne. Aber ich gucke auf die Zahl und greife erneut nach dem Buch. Der Berglöwe steht für Führung.
Ein kleiner Text unter dem Bild beginnt mit den Worten “Berglöwe, Königlicher Führer, geschmeidig, Katzengleich…. “

Da ist die Katze, denke ich.
Der Rabe als schwarzer Vogel und..
“Emma, “spreche ich die junge Frau an.
“Ist dort auch eine Zeichnung von einem Hund? “
Ich gehe einfach mal davon aus, daß Emma einen Hund erkennt.
Sie beginnt in den Skizzen zu blättern und hält kurz darauf eine Zeichnung von einem Hund hoch.
Ich blättere das Kapitel im Buch auf.
Loyalität als Oberbegriff.
Kurz bin ich enttäuscht. Hatte ich mich schon der Lösung nahe gedacht.
Aber ich finde einen Verweis auf Anubis, der Ägyptische Schakal Hund.
Er wird unter anderem als Hüter alter Geheimnisse, Beschützer und auch als Wächter der Hölle gesehen.
Wieder lege ich das Buch weg.
Bei Hölle bin ich raus.
Mir schwirren die wildesten Gedanken im Kopf herum.
“Seit mir nicht böse, meine lieben, “sage ich zu den beiden menschlichen Avataren meiner geliebten Katzen.
“Ich muß jetzt was essen und sortiere mal meine Gedanken bei einem schönen Glas Wein. “

“Dürfen wir uns zu dir setzen? “
Die Frage kommt von Rico und ich bin überrascht.
“Natürlich, “antworte ich und frage “Möchtest du denn in der menschlichen Form bleiben? Ich denke du magst das nicht. “
Der sanfte Riese senkt den Kopf.
“Wenn du weißt, daß es von der Münze kommt, “beginnt er wieder zu sprechen.
“Wirst du die dann wegtun? “
Puh, das war eine Frage.
Ich atmete tief durch. Dann sehe ich, dass beide Avatare ihre Blicke auf mich gerichtet haben.
“Es hat definitiv mit der Münze zu tun,“sage ich jetzt.
“Soviel wissen wir ja eigentlich. Was es auch für ein Zauber ist , Magie oder okkulter Spruch mit den Hieroglyphen, vielleicht finden wir das nie raus.
Ich kann nur Vermutungen anstellen, denn niemand wird uns das wirklich erklären können.
Aber eine Möglichkeit sehe ich, dass die Münze hier nicht mehr wirkt. “

Bevor ich den Satz beende, gucke ich Rico eindringlich an. Und auch Emma ist in meinem Blickfeld.. “Ich muß die Münze und das Armband aus der Wohnung schaffen. “
Jetzt reisst Emma die Augen weit auf. Faßt hatte ich das Gefühl, sie wollte laut “Nein “rufen. Aber sie guckt nur erschrocken
Seltsamerweise macht auch Rico einen betroffenen Eindruck.
“Für immer? “flüstert die junge Frau leise.
Ich greife zu ihr rüber und ziehe sie an mich. Eine Hand lege ich auf Ricos Arm.
Einen Moment sind wir ganz still.
Dann habe ich eine Idee.

“Was haltet ihr davon, wenn ich die Münze erstmal bis, sagen wir Weihnachten, aus der Wohnung schaffe?
Und, natürlich nur wenn sie wirklich für eure Wandlung verantwortlich ist, hole ich sie Weihnachten wieder.
Und wenn ihr dann wieder in diese Form kommt, könnt ihr euch entscheiden, ob sie hier bleiben soll oder nicht.
Wenn nicht, kann ich sie ja wieder weg bringen. “
Ich weiß nicht ob ich gehofft habe, dass von den beiden menschlichen Avataren meiner geliebten Katzen ein lautstarkes Ablehnen des Vorschlags kommt.
Aber sie schauen mich nur an und Rico gibt eine Art Seufzen von sich.
Dann nickt er und im gleichen Moment verändert sich die Energie im Raum und der Kater drückt kurz seinen dicken Kopf an Emmas Hand, die immer noch in ihrer menschlichen Form da saß.
Dann springt er vom Bett und verschwindet um die Schlafzimmer Ecke.
“Ich halte das wegen Rico für eine gute Idee, “sagt Emma jetzt.
“Und ich freue mich schon mal auf das Weihnachten mit Dir.”

Die junge Frau lächelt mich jetzt liebevoll an.
Dann fragt sie “Wohin willst du denn die Münze bringen? “
Ich überlege einen Moment. “Es muss etwas sein, wo keine Menschen mit Tieren sind, “antworte ich.
“Gibt es so etwas? “fragt Emma.
Wieder muß ich überlegen.
“Ein Bankschliessfach “, sage ich dann laut.
“Soweit ich weiß dürfen da keine Tiere mit rein “
, “Wie lange ist es bis Weihnachten? “fragt Emma und schmiegt sich an mich.
“Gute zwei Monate”, antworte ich und füge tröstend hinzu
“Wir kuscheln ganz viel und ihr seid ja nicht weg. Nur noch in Katzenforn. “

Mir kommen die Tränen.
“Aber jetzt haben wir erstmal noch dieses Wochenende und gucken weiter in den Büchern wenn du magst.
Das ist sowieso das einzige was wir noch tun können. Ich habe Rico versprochen, was die Wandlung angeht, raus zu finden, warum. Und das scheint ja jetzt geklärt.
Und es gibt keine Alternative zum entfernen der Münze. Egal was drauf ist und von wem sie hergebracht wurde.”
Ich drücke Emma liebevoll an mich.
Dann sage ich :”Und ich freue mich auch auf Weihnachten “.

Und dann verändert sich die Energie im Raum und die kleine graue Katze folgt mir in die Küche, wo ich ihr ein paar ihrer Lieblings Leckerlies gebe.