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Betreuungsverfügung, gesetzliche Betreuung, Vorsorgevollmacht und Patientenv ...

Betreuungsverfügung, gesetzliche Betreuung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Von News Team - Dienstag, 15.01.2019 - 15:16 Uhr

Wenn jemand aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen, fällt diese Aufgabe oft Verwandten zu. Manchmal sind es die Eltern oder der Ehegatte, in vielen Fällen aber auch die Kinder, die plötzlich über das Leben ihrer kranken Eltern entscheiden müssen. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie tun können, um in einem solchen Fall vorbereitet zu sein.

Patientenverfügung

Muss ein Verwandter oder Freund für einen Patienten als Bevollmächtigter oder gesetzlicher Betreuer handeln, so ist er ebenso an die Verfügung gebunden wie die behandelnden Ärzte, schreibt das „Handelsblatt“. Die Verfügung muss aber korrekt formuliert sein, denn solange ein Arzt keine exakte Vorgabe bekommt, muss er sich an seinen beruflichen Auftrag halten, nämlich Menschenleben retten.

Aus diesem Grund - und auch um ein Gerichtsverfahren zu vermeiden - haben vage Formulierungen wie „Ich möchte in Würde sterben“ in einer Verfügung nichts zu suchen. „Darunter versteht jeder etwas anderes“, sagt Ingrid Fischer vom Wolfsburger Betreuungsverein. Hier empfehlen sich Leitlinien mit Textbausteinen, etwa vom Bundesjustizministerium - sie helfen, solche Fälle zu vermeiden.

Wichtig sei aber auch, dass derjenige, der eine Patientenverfügung unterschreibt, zusätzlich zu den präzisen medizinischen Angaben kurz auch die eigene Weltanschauung erkläre. Dies hilft, die getroffenen Entscheidungen zu untermauern, und kann bei einem Gerichtsstreit zur Aufklärung hinzugezogen werden. Wer die einzelnen medizinischen Fälle nicht versteht, sollte übrigens einen Arzt fragen.

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Vorsorgevollmacht

Der Zweck einer Vorsorgevollmacht ist es, gesetzliche und aufwendige Betreuung zu vermeiden. Sie ermöglicht, dass jemand, etwa bei der Unterbringung, der medizinischen Betreuung, aber auch in Vermögensfragen, für eine andere Person handelt. In jedem Fall muss aber genau präzisiert werden, auf welche Situationen die Vollmacht bezieht und was der Bevollmächtigte genau tun darf.

Wichtig ist außerdem, anzugeben, dass die Vorsorgevollmacht erst eingesetzt werden darf, wenn eine entsprechende Hilfsbedürftigkeit vorliegt. Denn sonst sei sie nach außen hin sofort wirksam und könne eingesetzt werden, sobald der Bevollmächtigte sie in Händen hält, schreibt das „Handelsblatt“. Vordrucke wie die vom Bundesjustizministerium können hier zurate gezogen werden.

Übrigens auch aus Erfahrung: Expertin Fischer rät davon ab, Patientenverfügung und -vollmacht in ein Dokument zu packen. Das führe dazu, dass den medizinischen Teil auch Leute sehen, die das nicht angehe. Und auch vor von Notaren beurkundeten Vollmachten warnt sie: Da diese Juristen oft wenig Erfahrung mit dem Thema haben, sei auch hier ein Vordruck wie vom Bundesjustizministerium die beste Option.

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Betreuungsverfügung

In einer Betreuungsverfügung legt jemand fest, von wem und - wenn dies der Fall ist - auch wie und sogar wo er oder sie betreut werden möchte. Trotz des höheren Aufwands ziehen viele diese Form von Verfügung vor, weil sie von einem Gericht überwacht wird und kann auch dann wirksam eingesetzt werden, wenn derjenige, die sie unterschreibt, aufgrund einer Erkrankung nicht mehr voll geschäftsfähig ist.

Tipp: Wer sicher gehen will, dass seine Betreuungsverfügung auch gefunden wird, kann den Aufbewahrungsort nach Angaben des „Handesblatts“ beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer.

Gesetzliche Betreuung

Früher „Vormundschaft“ genannt, lässt sich mit der gesetzlichen Betreuung ein Betreuer festlegen, der im Krankheitsfall oder im Alter dem Betreuten zur Seite steht. Die Aufgaben eines Betreuers umfassen zum Beispiel die Wahl der Wohnung, medizinische Entscheidungen, das Öffnen der Post sowie „freiheitsentziehende Maßnahmen und manchmal auch Vermögensangelegenheiten, wie das „Handelsblatt“ schreibt.

Eine gesetzliche Betreuung wird in jedem Fall von einem Gericht kontrolliert. Wer den Auftrag bekommt, muss ihn annehmen, sofern ihm oder ihr das zugemutet werden kann. Im Zweifelsfall entscheidet ein Gericht.

Auch in anderen Fällen, etwa bei einer medizinischen Operation oder einem Umzug, muss ein Gericht entscheiden. Außerdem überprüft es regelmäßig, ob ein Betreuter bestimmte Entscheidungen nicht mehr oder nur mit Einwilligungen des Betreuers getroffen werden dürfen. Mit einem Einwilligungsvorbehalt lassen sich finanzielle Entscheidungen, die der Betreute nicht hätte treffen dürfen, wieder auflösen.

Wichtiger Hinweis

Expertin Fischer vom Wolfsburger Betreuungsverein hat zum Schluss noch einen wichtigen Hinweis: Solange jemand einen freien Willen habe und äußern könne, müsse dieser respektiert werden - auch wenn das für Angehörige oder auch dritte Stellen manchmal schwer zu verstehen sei. Dies ist das oberste Leitprinzip und gut so, denn „ausschlaggebend ist das Interesse des Betreuten.“

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