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Fairness im Alltag: Eigenverantwortung für ein faires Miteinander

Fairness im Alltag: Eigenverantwortung für ein faires Miteinander

Von Service Tipp - Montag, 28.01.2019 - 09:59 Uhr

Jeder weiß, was Fairness ist oder glaubt zumindest, es zu wissen. Meistens ist es am Ende doch nur eine vage Vorstellung um die Bedeutung des Begriffs, obwohl der doch einen festen Bestandteil in unserem alltäglichen Leben hat. Es stellt sich also nicht allein die Frage, was genau sich hinter Fairness verbirgt, sondern wie groß ihr Stellenwert in unserem Alltag überhaupt ist und sein kann.

Fairness: Was ist das eigentlich?

Auch wenn es im deutschen Sprachgebrauch schon lange üblich ist, das Wort „fair“ stammt natürlich aus dem Englischen und bedeutet dort nach dem Oxford Dictionary eine objektive (im Sinne von „unparteiisch“ und „vorurteilsfrei“) und gerechte Behandlung anderer bzw. ein ebensolches Verhalten gegenüber anderen, ohne Bevorzugung oder Diskriminierung. Daran orientiert sich auch der Duden, laut dem es sich bei Fairness um „anständiges Verhalten“ bzw. die „gerechte, ehrliche Haltung andern gegenüber“ handelt und der gleich auch eine recht lange Liste synonymer Begriffe liefert.
Das ist zwar schon eine leichte Abwandlung der englischen Bedeutung, sinngemäß kann aber von einer Übereinstimmung gesprochen werden. Anders als das Oxford Dictionary hält der Duden darüber hinaus eine Differenzierung für notwendig, indem er Fairness zusätzlich für den Bereich Sport definiert: Hier umfasst der Begriff anständiges und kameradschaftliches Verhalten beim Spiel oder im Wettkampf, das außerdem den vorgegebenen Regeln entspricht.
Damit scheint zwar das Gleiche gemeint zu sein, eine Unterscheidung scheint aber dennoch wichtig. Die lässt sich auch finden, wenn man sich den Fairness-Begriff in anderen Zusammenhängen anschaut.
Das wirtschaftliche Fairness-Verständnis
In der Wirtschaft werden sogar drei verschiedene Formen von Fairness unterschieden, distributive, prozedurale und interaktive Fairness nämlich. Eine ausführlichere Erläuterung der aufgeführten Punkte und was sich hinter den jeweiligen Begriffen im Einzelnen verbirgt, findet sich im Wirtschaftslexikon. In aller Kürze können die unterschiedlichen Formen wie folgt beschrieben werden:
Distributive Fairness, auch als Verteilungsgerechtigkeit bezeichnet, umfasst die Aufteilung materieller und immaterieller Güter, die sich ihrerseits wiederum nach verschiedenen Prinzipien richten kann (Leistungsprinzip, Gleichheitsprinzip, Bedarfsprinzip).
Prozedurale Fairness zielt auf die Verfahren, die zur Aufteilung von Gütern (oder umgekehrt: Lasten) führen. Um als fair zu gelten, muss ein solches Verfahren verschiedene Kriterien erfüllen, als da wären Konsistenz, Unparteilichkeit, Korrigierbarkeit, Genauigkeit und Partizipation.
Interaktive Fairness meint das Ausmaß der respektvollen Behandlung in der Ausübung der Aufteilungsverfahren.

Fairness in der Psychologie

Geht man vom wirtschaftlichen Verständnis zu dem, was Psychologen unter Fairness verstehen, ergibt sich erneut ein anderes Bild. Hier kommt der Begriff nämlich vornehmlich als Gütekriterium für psychologische Tests zum Einsatz. Hintergrund ist dabei, allen Teilnehmern an solchen Tests gleichgroße Chancen auf ein gutes Abschneiden zu ermöglichen: Geschlecht, Bildung, soziale Herkunft oder religiöse Überzeugungen sollen deshalb bei Tests und Fragestellungen keinen Einfluss auf die Ergebnisse ausüben. Neben Reliabilität, Validität und Objektivität ist Fairness einer der wichtigsten Faktoren, um die Aussagekraft von psychologischen Tests zu gewährleisten.

Eine Definition für die Praxis

Das alles ist, zumindest für den Alltagsgebrauch, sehr theoretisch, weswegen sich die Fairness-Stiftung um eine Definition bemüht hat, die für das tagtägliche Miteinander einerseits relevant und andererseits für alle nachvollziehbar ist. Im Grunde greift sie dabei die wesentlichen Aspekte anderer Begriffsbestimmungen rund um die Fairness auf:
• Ungeachtet des sozialen Status, der hierarchischen Stellung, der öffentlichen Rolle, der nationalen, religiösen oder geschlechtlichen Zugehörigkeit soll allen Menschen mit Achtung und Respekt begegnet werden.
• Unterschiedliche Interessen, Neigungen, Optionen und Ziele sollen berücksichtigt und ausgeglichen werden, ohne dabei die gleichen, transparenten Bedingungen und Möglichkeiten zur Wahrnehmung der jeweils eigenen Interessen einzuschränken.
• Diese für alle geltenden Regeln sollen wechselseitig gültig sein, sowohl im Umgang zwischen den Menschen, zwischen Medien und Organisationen.
• Das heißt umgekehrt auch, dass Einstellungen und Verhalten, Strukturen, Prozesse, Regeln, Produkte und Dienstleistungen persönlich, sozial, ökologisch und ethisch verträglich sein müssen.
Damit hat die Stiftung einen quasi allumfassenden Fairness-Begriff geprägt, bei dem über den ursprünglichen Gedanken hinaus verschiedene andere Aspekte (z.B. die Menschenwürde oder der Nachhaltigkeitsgedanke) eingeflossen sind. Allerdings stellt sich nicht nur deshalb die Frage, welche Rolle Fairness in den vielen Lebensbereichen überhaupt noch spielt.

Fairness im Sport

Für die meisten Menschen dürfte bei „Fairness“ zuerst die Assoziation mit „Sport“ im Kopf entstehen, insofern hat die Differenzierung des Dudens durchaus eine Berechtigung, denn in keinem anderen Bereich dürfte der Begriff derart präsent sein. Das ist er allerdings nicht unbedingt, weil der Sport insgesamt ein so überaus eindrückliches Beispiel für ein wettbewerbsorientiertes, aber doch faires Miteinander wäre. Häufig ist genau das Gegenteil der Fall.

Beim Fußball einen Gegenspieler zu verletzen verstößt genauso gegen das Fairness-Gebot wie das Vortäuschen einer Verletzung, um Zeit zu schinden.
©ALAIN VERMEULEN - stock.adobe.comBeim Fußball einen Gegenspieler zu verletzen verstößt genauso gegen das Fairness-Gebot wie das Vortäuschen einer Verletzung, um Zeit zu schinden.

Verschiedene Formen des unfairen Verhaltens

Fairness ist im Sport deshalb nicht nur ein Wert, dem eine große Bedeutung beigemessen wird. Er ist gleichermaßen eine ständige Forderung, weil unfaires Verhalten leider ebenso dazugehört. Das kann sich auf vielen Ebenen niederschlagen:
• Fußballfans kennen sicher das bekannte Phänomen des Zeitspiels, das in Spielen mit knappem Ausgang durchweg von den in Führung liegenden Teams praktiziert wird, verzögerte Einwürfe und Abstöße, das Wegschlagen des Balles, unnötig lange Behandlungspausen sind die grundlegenden Methoden, mit denen ein Sieg auf Kosten der Fairness gesichert werden soll.
• In vielen Sportarten sind übertriebene Härte gegenüber Gegenspielern, bei der eine Verletzung in Kauf genommen wird, ebenso gängig wie Beleidigungen und offen ausgetragene Aggression. Gerade in Sportarten, in denen es körperbetont zugeht, ist das zu beobachten, allerdings sind derartige Entgleisungen keineswegs nur auf solche Disziplinen beschränkt.
• Ein besonders schwerwiegendes Thema ist und bleibt Doping im Leistungssport, da die Ausmaße trotz aller Bemühungen inzwischen kaum mehr zu überschauen sind. Obwohl es international fast überall Anti-Doping-Initiativen gibt, werden immer wieder (prominente) Sportler verschiedenster Disziplinen auffällig, weil sie verbotene leistungssteigernde Substanzen einnehmen, bis hin zur staatlichen Förderung solcher Praktiken, wie sie etwa in Russland aufgedeckt wurden. Das Ansehen des Sports oder Achtung gegenüber anderen Athleten werden dabei für die Aussicht auf einen Sieg hintangestellt.
Warum lassen sich so leicht so viele Beispiele für unfaires Verhalten unter Sportlern finden, obwohl der Fairness-Gedanke gerade dort so großgeschrieben wird? Das liegt nicht zuletzt daran, dass Fairness als Konzept ein Ideal ist: Der Sport soll fair sein, die Umsetzung in der Realität scheitert aber trotzdem immer wieder.
Darüber hinaus spielt der Erfolgsdruck natürlich eine nicht unerhebliche Rolle. Sportler werden schließlich in erster Linie an ihren Leistungen gemessen, was wiederum Siege bedeutet. Daran sind vor allem im Spitzensport enorme Summen geknüpft, Siege sind daher nicht nur aus rein sportlichen Beweggründen, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, über die Sportkarriere hinaus, ein wichtiger Faktor. Es ist dennoch, wie jede andere Entschuldigung für unfaires Verhalten, eine schwache Ausrede gemessen an der Bedeutung von Fairness und Fair Play.

Gesamtgesellschaftliche Vorbildfunktion

Zumal man berücksichtigen muss, welchen Stellenwert Sport in der Gesellschaft hat: Er ist zugleich Spiegelbild als auch Vorbild genau dieser Gesellschaft, in der er so fest verankert ist. Während sich Verbände und Vereine dieser Rolle bewusst zu sein scheinen, der Strahlkraft, die jedes medial sezierte Fehlverhalten und dabei muss man gar nicht einmal an den professionellen Fußball denken, auch wenn der in dieser Hinsicht sicher ein Paradebeispiel ist, auf die Zuschauer und Amateur- und Freizeitsportler hat, fehlt dieses Bewusstsein den Sportlern selbst oftmals.
Sogar für das, was der Deutsche Olympische Sportbund als formelle Fairness bezeichnet, also jene Form von Fairness, die schon nach den grundlegenden Normen eingehalten werden muss. Dazu gehören:
• Die konstitutiven Regeln bzw. deren Einhaltung. Das sind die Regeln, durch die sich eine Sportart von einer anderen unterscheidet. Um bei den Ballsportarten zu bleiben: Fußball wird nur mit dem Fuß, Handball nur mit der Hand gespielt. Wer jeweils gegen diese elementare Regel verstößt, hält sich demnach nicht an die notwendigen Voraussetzungen für die Ausübung der Sportart.
• Die regulativen Regeln beziehen sich auf den Wettkampf an sich. Sie definieren, was im Rahmen dieses Wettkampfs erlaubt ist und was einen Verstoß gegen die Normen darstellt. Dabei muss übrigens keine strikte Trennung zu den konstitutiven Regeln bestehen.
• Die Entscheidungen von Schiedsrichter*innen sind zu beachten, denn sie sind ebenso eine notwendige Voraussetzung für die Ausübung des Sports wie die Regeln selbst.
• Als letzter Punkt müssen die Chancengleichheit sowie die gleichen Startchancen gewährleistet sein. Aus diesem Grund ist Doping verboten, weil es den Dopenden einen Vorteil bezüglich der Erfolgschancen gegenüber Athleten beschert, die darauf verzichten. Ein anderes Beispiel entspricht in etwa dem psychologischen Fairness-Begriff: Damit Geschlecht, Alter, Gewicht oder auch die Art der Behinderung nicht für eine Benachteiligung sorgen, gibt es verschiedene Wettkampfklassen, in denen die Voraussetzungen so weit wie möglich für alle gleich sind.
Faires Verhalten endet allerdings nicht damit, diese formellen Aspekte zu achten und einzuhalten, das Prinzip des Fair Play erstreckt sich auch auf einen informellen Bereich, der sich wiederum mit dem olympischen und eigentlich allgemein gültigen Gebot der gegenseitigen Achtung überschneidet.
Es geht dabei darum, auch die Anstrengungen und Leistungen anderer Sportler zu würdigen; den Gegner nicht nur als solchen, sondern auch als gleichgesinnten Partner wertzuschätzen; die Verschiedenheiten innerhalb der Sportart anzunehmen und sich für ein gemeinschaftliches Miteinander einzusetzen. Das Gebot der Fairness fasst diese Gedanken sogar noch etwas konkreter:
• Regeln und Absprachen sollen eingehalten werden.
• Ob Sieg oder Niederlage, zu beidem gehört Anstand.
• Rücksichtnahme und auch die Perspektive des Andern berücksichtigen sind ebenfalls Grundlagen des Fair Play.
• Fouls sind abzulehnen, Aggressionen zu vermeiden. Dasselbe gilt für unfaire Vorteile.

Gegenseitige Achtung, unabhängig von Verlauf oder Ausgang des Wettbewerbs, das ist ein wichtiger Aspekt des Fair Plays.
©biker3 - stock.adobe.comGegenseitige Achtung, unabhängig von Verlauf oder Ausgang des Wettbewerbs, das ist ein wichtiger Aspekt des Fair Plays.

Irritierend hieran ist leider inzwischen die Wahrnehmung von fairem Verhalten. Denn so sehr etwa Auszeichnungen wie der FIFA-Fairplay-Preis in diesem Sinne hervorheben sollen, dass Fairness als vorbildlich beurteilt und entsprechend belohnt wird, sie zeigen implizit auch, dass faires Verhalten, selbst, wenn es unter die konstitutiven Regeln einer Sportart fallen würde und somit essentiell für deren Ausübung ist, leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass es sich hierbei um ein Problem des Profisports handelt. Vielmehr lassen sich unfaire Verhaltensweisen fast überall beobachten, wo das sportliche Ziel nicht vornehmlich im gemeinsamen Erlebnis oder ähnlichem, sondern in einem klaren Sieg besteht.

Fairness im Alltag

Die Assoziation von Fairness und Sport ist also schon deswegen so naheliegend, weil es sich dabei um einen ganz zentralen Begriff innerhalb der Sportwelt handelt, der durch verschiedenste Kampagnen, Programme und Auszeichnungen immer wieder präsent gemacht wird. Im Alltag ist das sehr viel weniger der Fall, obwohl Fairness hier keineswegs eine kleinere Rolle spielt oder zumindest spielen sollte. Denn wenn das Verhalten im Sport tatsächlich ein Spiegel der gesellschaftlichen Situation darstellt, muss wohl davon ausgegangen werden, dass auch hier regelmäßige Erinnerungen an das Prinzip der Fairness notwendig sind.
Fairness in der Kindererziehung
Was diese Entwicklung vor allem problematisch macht, ist die Tatsache, dass Fairness natürlich gelernt werden kann und zwar nicht erst beim Sport. Die Grundlagen dafür sind, das zeigt sich schon bei Kleinkindern, schon früh vorhanden: Es lassen sich selbst bei Kindern von ein bis zwei Jahren bereits Hinweise darauf finden, dass die Voraussetzungen für einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, also Einfühlsamkeit, Verständnis und Hilfsbereitschaft da sind. Die Frage in diesem Zusammenhang ist allerdings, ob dabei wirklich moralische Überlegungen eine Rolle spielen oder ob es nicht für die Kinder vielmehr darum geht, ihre sozialen Beziehungen zu festigen.
Einen wirklichen Sinn für Gerechtigkeit (und damit Fairness) entwickeln Kinder allerdings erst im Grundschulalter, von den ersten Anzeichen für die Fähigkeit zum fairen Verhalten vergeht also noch einiges an Zeit. In diesem Zeitraum reicht es wiederum nicht aus, auf eine positive Weiterentwicklung des vorhandenen Potenzials zu vertrauen. Studien haben nämlich gezeigt, dass das kindliche Verständnis von Fairness zwar auf dem Prinzip der gleichen Verteilung beruht (überprüft, natürlich, mit Süßigkeiten) aber in erster Linie geht es dabei darum, selbst nicht benachteiligt zu werden.
Bei verschiedenen sogenannten Ultimatum-Experimenten ließ sich jedenfalls beobachten, dass Kinder Belohnungen lieber ganz ablehnen, wenn sie dabei weniger als ein zweites teilnehmendes Kind bekämen. Allerdings scheinen die Kinder in diesen Szenarien nur das zu wiederholen, was sie

Kinder teilen gerne, aber nicht immer geht es dabei unbedingt um Fairness.
©DragonImages - stock.adobe.comKinder teilen gerne, aber nicht immer geht es dabei unbedingt um Fairness.

in dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, über das faire Verteilen lernen: Studien zeigen, dass der Maßstab für Fairness kulturabhängig ist, das Verhalten in solchen Ultimatum-Spielen wird dabei nur in geringem Maß vom Geschlecht, dem Alter oder bei Erwachsenen von der Ausbildung ab.
Ein zweiter wichtiger Faktor ist für Kinder außerdem die Beziehung zu den Personen, mit denen sie teilen sollen. Das fand Professor Markus Paulus heraus, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München den Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie innehat. Seine Untersuchungen des Verhaltens von Vorschulkindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren brachte eine weitere Motivation für das Teilen hervor: Es ist nicht so sehr die Fairness, die die Kinder bewegt, sondern in weitaus größerem Maße von der sozialen Beziehung, die sie zum Empfänger des Teilens pflegen.
Was wiederum nicht bedeutet, dass nicht persönliche und gesellschaftliche Lernprozesse auf das gezeigte Verhalten einwirken könnten. Im Gegenteil, sie sind wichtige Faktoren, um vorhandenes Mitgefühl und den Gerechtigkeitssinn nach der Idee der Fairness zu prägen. Hier lässt sich einmal mehr die Parallele zum Sport ziehen, in dem die notwendigen Formen von Fairness auch erst gelernt werden müssen.
Fairness im Berufsleben
Deswegen sollten Erwachsene, und zwar nicht nur Eltern, ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln, welche Werte sie vermitteln, etwa im beruflichen Alltag, der ja nun den größten Teil des Tages in Anspruch nimmt. Natürlich bekommen die Kinder keinen Eindruck davon, wie sich Mama, Papa und all die anderen Erwachsenen bei ihrer Arbeit verhalten. Aber die Kinder als moralische Instanz und Erinnerungshilfe sollten im Prinzip auch gar nicht notwendig sein, um beim Job fair zu sein. Abgesehen davon: Wie zu Hause über Kollegen, Vorgesetzte oder Geschäftspartner geredet wird, bekommen die Kinder trotzdem wieder mit.
Faires Verhalten im Berufsleben beschränkt sich also nicht allein auf die Zeit, die am Arbeitsplatz verbracht wird. Umgekehrt gibt es dort unzählige Situationen, in denen Fairness wichtig wäre, aber nicht immer in ausreichender Weise berücksichtigt wird:
• Ein allgemein leider nach wie vor aktuelles Beispiel für fehlende Fairness in der Arbeitswelt ist das Problem der Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen, ungleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeiten, ungleiche Zugangsmöglichkeiten zu bestimmten beruflichen Bereichen, ungleiche Behandlung im Betrieb, um nur einige der Schwierigkeiten zu nennen. Seit #metoo ist zudem die Sexismus-Debatte in die Öffentlichkeit gerückt, die eben auch das tägliche Miteinander im Beruf einschließt.

• Überhaupt ist das Miteinander natürlich ein wesentlicher Punkt, an dem Fairness geboten ist. Trotzdem erfahren viele Arbeitnehmer eine Geringschätzung ihrer Leistung oder ihrer Meinung, bisweilen gibt es stattdessen ungerechte (oder als ungerecht empfundene) Belohnungen für die Arbeit oder gar Bestrafungen. Mobbing und unmäßige Konkurrenzkämpfe sind ebenfalls verbreitete Phänomene, bei denen Fairness keine Rolle spielt.

• Fairness betrifft aber nicht nur den innerbetrieblichen Umgang, sondern auch das Verhalten

Lästern über Kollegen ist eine leider gängige, aber keineswegs faire Form des Verhaltens am Arbeitsplatz.
©pressmaster - stock.adobe.comLästern über Kollegen ist eine leider gängige, aber keineswegs faire Form des Verhaltens am Arbeitsplatz.

gegenüber Geschäftspartnern. Das bedeutet nicht allein, diesen im unmittelbaren Miteinander mit ebensolcher Wertschätzung, Ehrlichkeit und Achtung zu begegnen, wie sie in gleicher Weise bei den Mitarbeitern angebracht ist. Zu einer fairen geschäftlichen Beziehung gehört genauso die ehrliche Unternehmensführung, im Sinne etwa einer Buchführung ohne Manipulationen, transparenter Geschäftspraktiken etc.
Ohne Frage fängt ein fairer beruflicher Umgang bei jedem Einzelnen an, nichtsdestotrotz müssen darüber hinaus die entsprechenden Strukturen innerhalb eines Unternehmens geschaffen werden, damit Ungerechtigkeit nicht an der Tagesordnung steht. Die ist nicht allein für das Betriebsklima schädlich, sie wirkt sich im schlimmsten Fall negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Es gibt also genug Gründe, sich gerade in einer führenden Position für Fairness als Vernunftprinzip in der eigenen Firma einzusetzen.

Eigenverantwortung für ein faireres Leben

Sport, Erziehung, Beruf: Damit sind die Lebensbereiche, in denen Fairness die Grundlage des Handelns sein sollte, bestenfalls geringfügig abgedeckt. Beim täglichen Konsum beispielsweise ist FairTrade® zwar eine bekannte Marke, die bei vielen Lebensmitteln und inzwischen auch anderen Produkten für eine faire Wertschöpfung von den Produzenten bis zum Verbraucher garantieren soll.
Allerdings zeigt etwa eine Studie des Forums Fairer Handel, dass eine solche Garantie gerade bei einem der Vorzeigeprodukte für fairen Handel, dem Kaffee, nur mit Einschränkungen gegeben werden kann. Entscheidend dafür, dass ein System wie der faire Handel funktioniert, ist aber nicht allein ein Umdenken bei den Händlern, sondern in erster Linie bei den Verbrauchern selbst: fair einkaufen bedeutet nun einmal, zu höheren Preisen einzukaufen, damit alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen. Die Kaufentscheidung wird so gewissermaßen zum alltäglichen Ultimatum-Spiel.

Die Gemeinschaft und nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, das ist eine Grundvoraussetzung für ein faires Miteinander im Alltag.
©Rawpixel.com - stock.adobe.comDie Gemeinschaft und nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, das ist eine Grundvoraussetzung für ein faires Miteinander im Alltag.

So lassen sich zahllose weitere Beispiele für unfaires Verhalten im täglichen sozialen Miteinander finden:
• das überall zu findende, öffentliche Beschimpfen von Anderen über die sozialen Medien, an dem sich vielfach genau solche Persönlichkeiten beteiligen, die durch ihre Vorbildfunktion zeigen könnten, wie es anders geht;
• die verschiedenen Formen von Mobbing, entweder in der realen oder in der virtuellen Welt;
• die ungleiche Verteilung von Vermögen, vom Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung etc, die selbst in einem Sozialstaat wie Deutschland besteht.
Dabei ist Gerechtigkeit eine der grundsätzlichen Forderungen, auf die sich alle Menschen einigen können. Voraussetzung dafür ist allerdings, die ebenso grundsätzlichen Bedingungen hierfür zu akzeptieren. Fairness bedeutet schließlich in vielen Situationen, nicht den eigenen Vorteil zu suchen, sondern eine funktionierende Lösung für alle Interessen im gleichen Maße zu finden. Die Bereitschaft dazu muss aber am Ende jeder bei sich selbst suchen.

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