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Interview mit Alkohol-Coach Rolf von Berg

Interview mit Alkohol-Coach Rolf von Berg

Institut für praktische Lebenshilfe IFPL
12.02.2014, 14:03 Uhr

„Nicht helfen ist die beste Hilfe“

Alkoholismus ist eine Krankheit, unter der nicht nur der Betroffene selbst leidet sondern in hohem Maße auch seine Umwelt. Angehörige und Freunde versuchen den Alkoholkranken zu helfen. Aber sie helfen oft falsch. Warum das so ist, verrät Alkohol-Coach und Buchautor Rolf von Berg im Gespräch mit uns.

Herr von Berg, weshalb ist es so schwierig, einem Alkoholkranken zu helfen?

Zum einen liegt es wohl daran, dass es gar nicht so einfach ist, die Alkoholabhängigkeit eines Menschen zu erkennen – geschweige denn zu verstehen. Zum anderen ist die Mehrzahl der Alkoholabhängigen nicht wirklich bereit, Hilfe anzunehmen. Aber das Hauptproblem ist: Nicht zu wisssen, dass es sich bei Alkoholismus um eine Krankeit handelt.

Warum lehnt ein Alkoholkranker jede Hilfe ab?

Alkoholkranke und -gefährdete neigen in der Regel dazu, ihr Alkoholproblem zu verharmlosen oder zu leugnen. Sie wehren sich mit aller Gewalt dagegen, Alkoholiker zu sein, und brauchen oft Jahre oder einen persönlichen Tiefpunkt, bis sie sich ihre Erkrankung eingestehen und bereit sind, echte Hilfe anzunehmen.

Wie können Angehörige jemandem helfen, der sich offensichtlich nicht helfen lassen will?

Kurz gesagt – gar nicht! Ein Mensch, der in seiner eigenen Welt lebt und um keinen Preis in der Welt sein Trinkverhalten ändern will, der wird sich durch keinen anderen Menschen beeinflussen lassen. Und weder Freunde noch Angehörige können jemandem helfen, der sich nicht helfen lassen will.

Wie kommt es, dass Angehörige jahrzehntelang zusehen, wie ein Trinker sein Leben zerstört?

Teils aus Scham, teils aus Furcht vor Veränderung versuchen auch Angehörige oft über Jahre die Alkoholkrankheit zu negieren und die dadurch entstehenden Problem zu ertragen. Statt das Alkoholproblem direkt anzusprechen, beschönigen sie das Problem vor sich und anderen. Sie versuchen den daraus entstehenden Schaden zu begrenzen, bis es nicht mehr geht, und tragen so nur zur Verschlimmerung der Lage bei.

Was können Sie Angehörigen raten?

Ich rate allen Angehörigen alkoholkranker Menschen, sich zunächst einmal sehr gründlich über die Krankheit "Alkoholismus" zu informieren. Um die typischen Fallen und Fehler im Verhalten zu vermeiden, müssen Angehörige vor allem wisssen, was das Wesen der Alkoholkrankheit ausmacht. Je mehr sie davon verstehen, desto besser.

Im Umgang mit einem Trinker gibt es kein Patentrezept. Eine Hilfe von außen ist nur dann möglich, wenn der Betroffene selbst bereit ist, etwas an seiner Lebenssituation zu verändern. So lange er es nicht ist, ist Nicht-Hilfe die beste Hilfe. Das heißt ganz einfach, vor allem damit aufzuhören, hinter dem Kranken her zu helfen, sein Verhalten zu entschuldigen oder gar zu decken und damit ungewollt sein Trinken weiter zu unterstützen.

Der vielleicht beste Ratschlag ist, in jedem Fall an die eigene Gesundheit zu denken und zu lernen, sich hierfür konsequent zu verhalten und dem Kranken die alleinige Verantwortung für sein Tun zu überlassen. Das geht aber nur, wenn wir bereit sind, ihn in Liebe loszulassen.


Ist den Hilfe überhaupt möglich?

Ja, natürlich! Nicht-Hilfe bedeutet nicht Nicht-Handeln. Wenn uns auffällt, dass ein Angehöriger ein Alkoholproblem haben könnte, können wir ihn darauf ansprechen. Dabei sollten wir jede Konfrontation und alle Arten von Vorwürfen vermeiden. Wir sollten Hife anbieten, aber nicht versuchen, den Freund oder Partner "zur Vernunft" zu bringen, oder zu einer Therapie zu zwingen. Denn ohne die Bereitschaft und den Willen des Betroffenen, etwas zu ändern, scheitern alle auch noch so gut gemeinten "Rettungsversuche". Hilfreiche Tipps und Anleitungen gibt es dazu in meinem neuen Ratgeber "Helfen, aber richtig", der als E-Book im PDF-Format beim Institut für praktische Lebenshilfe (IFPL) und als Kindle Edition bei Amazon erhältlich ist.

2 Kommentare

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Offen und direkt das Alkoholproblem ansprechen ist in jedem Fall der erste Schritt, den aber aus verschiedensten Gründen viele Angehörige nicht wagen. Weitere Schritte sind hier beschrieben:

https://www.seniorbook.de/themen/kat...tner-trinkt
  • 13.02.2014, 14:12 Uhr
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Aus meiner Erfahrung hilft nur dem Alkoholiker ganz offen und hart zu sagen, dass man merkt dass er trinkt.
  • 13.02.2014, 13:15 Uhr
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