Scheidung: Es gibt keinen Schuldigen - ist das gerecht?
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Scheidung: Es gibt keinen Schuldigen - ist das gerecht?

Monika Preuk
Beitrag von Monika Preuk

Offiziell wurde die Schuldfrage bei Scheidungen abgeschafft, damit das "schmutzige Wäsche waschen" endet. Damals waren Tausende von Privatdetektiven treulosen Ehemännern oder -frauen auf der Spur. Besonders findige, ehemüde Partner stelltem dem anderen sogar eine Sexfalle - nur um den Scheidungskrieg als Betrogener zu gewinnen und den oder die Ex abzukassieren. Sicher gut, dass dieser Effekt durch das aktuelle Scheidungsrecht wegfällt.

Frauen waren nach der Scheidung oft auf Sozialhilfe angewisen

Kritiker sagen dazu übrigens, die Schuldfrage wurde abgeschafft, weil sie den Staat zu viel kostete: Wurde bei einer Scheidung die Frau schuldig gesprochen, erhielt sie keinen Unterhalt vom Mann - musste also vom Staat Hilfe zum Lebensunterhalt bekommen, denn die meisten Frauen verdienen wenig. Das wurde dem Staat zu viel. deshalb die Änderung im Scheidungsrecht. Aber das nur am Rande.

Ex-Mann zahlt Kapriolen der Frau

Heute ist das alles anders - und gerechter? Krass wird es bei diesem Beispiel, das sicher für viele steht: Die Frau geht schon lange fremd, hat ein paar Liebschaften. Dann lässt sie sich scheiden. Weil der Ehemann mehr verdient als sie, muss er ihr viel von seiner Rente abdrücken, die Hälfte vom Haus auszahlen usw. Dass er ihr während der Ehe fünf Ausbildungen finanziert hat, fällt nicht ins Gewicht.

Ex-Frau zahlt für Mann, der eine neue Lebensgefährtin hat

Oder andersrum: Er ist Künstler, verdient nicht viel. Sie ist Managerin. Er lernt eine andere Frau kennen - verschweigt das jedoch, zieht von einem auf den anderen Tag aus. Als Künstler und über 50 Jahre alt, findet er keinen Job. Die Ex muss ihm Monat für Monat Geld zaheln. Er richtet sich bei seiner Freundin ein, die Ex muss weiterzahlen...

Kinder großgezogen, dann lässt er sich scheiden - die Ex steht vor dem Nichts

Besonders hart trifft das Scheidungsrecht jedoch viele Frauen: Sie haben die Kinder großgezogen, auf Karriere verzichtet. Dann lässt sich der Mann scheiden - meist, weil die Ex von Kindern und Hausarbeit und ihm den Rücken frei halten zerrieben ist. Die neue Frau an seiner Seite ist meist jünger und knuspriger. Unterhalt gibt es für die Ex keinen, weil sie mit 48 sich doch noch einen Job suchen kann. Trifft in der Realität nicht zu. Jobs gibt es keine für Leute über 45, die lange aus dem Beruf waren und zu hause womöglich auch noch Schulkinder haben... auch das ist ungerecht.

Was meint Ihr? Wie sind Eure Erfahrungen mit Scheidungsopfern und -gewinnern? Ist die Schuldfrage sinnvoll oder tatsächlich unsinnig?