Berührt

Beitrag von wize.life-Nutzer

Merkwürdig, wenn dir eine Frau sagt, dass sie noch nie berührt worden ist ...
Ich kenne Angela schon seit Jahren. Ich würde nicht sagen, dass sie eine Freundin ist, aber manchmal geh‘ ich gern zu ihr, weil ich sie als teilnehmende Rat- und Ideengeberin sehr schätze. Heute hatte ich ein paar Einkäufe mit ihr gemacht, weil ihr Wagen in der Werkstatt ist. Und als alles weggeräumt war, war auch der Kaffe „durch“, und wir setzten uns in der Küche an den Tisch.
„Beziehung“ ist eigentlich immer ein Thema für uns. Es gibt so viel zu lachen über Mann und Frau. Und in einem solchen Zusammenhang fiel denn auch der Satz.
Ich dachte zuerst, ich höre nicht richtig. Angela ist eine typische Löwin, also eine Frau mit großer Liebesfähigkeit, mit viel Hingabe und – auch für mich – nicht ganz unerotisch. Dabei ist sie eine Persönlichkeit mit viel Kraft, von der ich angenommen habe, dass sie bekommen kann, was sie will.
Deshalb hatte ich die Bemerkung zunächst als Scherz verstanden und sozusagen überhört, doch irgendwo bimmelte ein leises Glöckchen in mir. Und irgendwann sagte ich dann aus einem Impuls heraus: „Ich würde versuchen, dich zu berühren, wenn du magst.“
Sie schaute mir ernst und aufmerksam in die Augen. „Ja?“
„Naja, ich könnte dich massieren. Auf meine Art.“
„Und wie ist deine Art?“
„Wenn ich versuchen soll, dich zu berühren, müsstest du es zulassen, dass ich dich überall anfassen kann. Wirklich überall.“ Dabei ließen sich unsere Augen nicht los.
„Okeeeh …“
„Stell dich vor mich hin“, bat ich sie und stand selber auf, ohne ihren Blick loszulassen. Und als sie dann vor mir stand, legte ich eine Hand weich auf ihre Brust.
Keine Ahnung, warum ich das tat. Aber ich war in diesem Moment sicher, dass ich sie nur über die Brust richtig berühren konnte. Nicht jetzt, das war klar, aber für mich schien dort ihr Eingang zu liegen.
Von ihr kam keine Reaktion. Irgendwie war’s wie „abwarten“. Und so wartete ich einen Moment ab, legte ihr dann die andere Hand leicht auf die Stirn, und als ihr Blick weicher wurde, sagte ich ruhig: „Ich geh‘ jetzt ein Massageöl für dich kaufen,“ und schmunzelte sie – wie ich hoffte – aufmunternd an.
„Ist gut“, schien sich das Schmunzeln als ein angedeutetes Lächeln in ihren Augenwinkeln wiederzufinden.

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Das mit dem Massageöl war schnell erledigt. Schon eine halbe Stunde später war ich zurück. Ich hatte das Gefühl, sie war etwas entspannter als zuvor, und ich bat sie, ein großes Handtuch auf ihr Bett zu legen, damit wir „nicht alles mit Öl vollkleckerten.“ Und dann hieß ich sie, sich nackt drauf zu legen und ging hinaus, um mir die Hände zu waschen.
Als ich zurück kam, lag sie auf der Seite, das Gesicht auf ihrem Arm, und schaute mir dabei zu, wie ich das Hemd aufknöpfte und ablegte. Die Jeans behielt ich an.
„Magst du dich auf den Rücken legen?“, fragte ich sie und setzte mich auf die Bettkante, während sie das tat.
Und wieder traf ich ihren Blick, der keinerlei Regung verriet, nur einfach ernst und offen war. Und wieder hielt ich diesem Blick stand – auch als ich meine Hand auf ihre diesmal nackte Brust legte. Kein Zucken, keine Abwehr.
„Leg‘ deine Hand auf meine Schulter“, bat ich sie. Und als sie das tat sagte ich: „Lass sie nur für einen Moment dort liegen. Wenn du sie wegnimmst, werde ich beginnen.“
Und so saß ich da. Meine Hand auf ihrer nackten Brust, bewegungslos, ihre Hand auf meiner Schulter, bewegungslos, doch zwischen unseren Augen schien ganz viel Bewegung zu sein. Als sie dann die Hand von meiner Schulter nahm, nahm ich auch die meine von ihrer Brust, stand auf und griff zum Massageöl.
Einen guten Schluck davon ließ ich auf die hohle Hand laufen und verrieb es dann mit beiden Händen, bis es warm war. Ich vermied es währenddessen, meinen Blick von ihrem Gesicht zu nehmen. Der Chauvi in mir hätte zwar gern einen Seitenblick riskiert, aber für sie hätte das nicht gepasst in diesem Moment.Diese Gedanken ließen mich schmunzeln, was sie jedoch nun auch wieder sah …
Nun trug ich das Öl auf. Ich begann auf dem Bauch, und nahm dann eine weitere Portion, die – als sie warm genug war – sanft über den Oberkörper verteilt wurde. Oberhalb der Brüste. Mir war dabei klar, dass der Moment des Brustberührens und -anfassens vorbei war. Doch hoffte ich – für sie – dass er wieder kommen würde.
Eigentlich war es kein Massieren, als ich das Öl auf ihr verteilte, mehr ein schlichtes, streichelndes „Einölen“.
Ich begann an den Schultern, streichelte oberhalb der Brüste, den Hals und Teile des Hinterkopfs bis hoch hinter die Ohren. Dann wanderten meine Hände sanft tiefer, ölten um die Brüste herum und zwischen ihnen durch; sie spürte sie auf dem Bauch und dann auf den Schenkeln, auch innen. Aber sie fühlte sich nicht angefasst. Das war an ihren Augen zu sehen, die mich die ganze Zeit beobachtet hatten.
Langsam legte sich das Aroma des Öls wie eine Decke über das Bett. Als ich fertig war, ließ ich für einen Moment meine Hand auf ihrem Bauch liegen, die ihr heiss vorkommen musste, und bat sie dann, sich auf den Bauch zu legen.

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Dass alles gut war merkte ich daran, wie sie die Augen schloss, als sie auf dem Bauch lag, das Gesicht mir zugewandt. Wieder begann ich die Prozedur des Öl anwärmens und verteilens. Beginnend zwischen den Schulterblättern und auf dem Rücken. Die zweite Portion auf ihrem Po, der sich erstaunlich schnell entschloss, meinen Händen entgegen zu kommen, begleitet von einem „Mmmmh“ aus ihrem Mund.
Als ich dann die dritte Portion Öls zwischen meinen Händen warm gemacht hatte, begann ich damit an den Fußsohlen, strich über die Waden bis wieder hoch zum Po, um mich dann wieder den Füßen zuzuwenden.
Ganz sorgfältig begann ich nun dort meine Massage, mit den Daumen massierte ich die Fußsohle, knetete die Zehen mit den Fingerspitzen und strich zwischen ihnen durch, und begann dann, die Waden zu kneten.
Zwischendurch wechselte ich vorsichtig die Seiten, um sie dadurch nicht zu stören.
Der Daumen in deiner Kniekehle war ungewohnt, das spürte ich, aber als ich dann auf ihre Oberschenkel wanderte, war wieder entspannte Sicherheit da. Sie öffnete mir sogar die Beine etwas, um mir den vollständigen Zugriff auf ihre Schenkel zu erleichtern. Und mehr als die Schenkel fasste ich dann auch nicht an …
Wieder auf dem Po angekommen griff ich fester zu als zuvor. Es schien ihr zu gefallen, und ich gönnte ihr dieses intensive Gefühl einen guten Teil länger, als ich es vorher im Sinn hatte – vielleicht weil es ein zusätzliches Verwöhnen war.
Und dann wandte ich mich ihrem Rücken zu, den ich jetzt beherzt massierte. Es bewegte sie, strengte sie vielleicht sogar an, trotzdem bleib sie locker. Und als das aufgetragene Öl fast aufgebraucht war, massierte ich Schultern, Nacken und Hals so quasi als „Absacker“.

Als mir die Haut an jeder Stelle „trocken“ vorkam, hörte ich ganz langsam auf. Aus dem Massieren würde ein Streicheln, das nach und nach verebbte. Zum Schluss lag nur noch eine Hand ruhig auf ihrem Rücken.
Ich wartete ab. Irgendwann schien sie zu erwachen. Ich hörte einen Seufzer und konnte wieder ihre Augen sehen, die zufrieden zu leuchten schienen.

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Ich ließ ihr – und mir – ein wenig Zeit. Es war doch recht unbequem für mich, auf dem Bett zu massieren. Gelenke und Muskeln taten ein wenig weh. Gerade so, dass es unangenehm war. Ich war froh, dass ich ein wenig ausruhen konnte. Und sie selbst hatte so auch die Möglichkeit, sich ein wenig zu sammeln.
„Legst du dich auf den Rücken?“, fragte ich sie, als wir beide wieder so weit waren.
Diesmal war nichts anderes als Bereitwilligkeit zu spüren, als sie das tat.Wieder griff ich zum Öl, und während ich es anwärmte, schienen wir uns anzulächeln. Dann beugte ich mich vor, und als ich beide öligen Hände auf ihre Brüste legte, schloss sie die Augen.
Zunächst langsam verteilte ich das Öl, begann dann aber, ihre Brust zu massieren. Erst fest, dann jedoch immer zupackender, ohne ihr jedoch weh zu tun. Ich ließ meine Hände einfach nur „spielen“ und sie sie lebendig fühlen.
Ein einziges Mal führ ich abwärts über ihren Bauch, bis kurz vor ihre Scham und nahm die Hand wieder zurück, als sie ihre Beine leicht öffnete, und massierte die Brust fester als vorhin … So lange, bis sich ein ganz tiefer Seufzer aus ihrer Brust zu lösen schien …
Ich trieb sie nicht weiter, sondern ließ meine Hände ruhiger werden. Bis zum Stillstand. Und wartete auf ihre Augen. Die schlug sie dann auf – und fing an zu lachen, laut und herzlich.
Ich musste grinsen darüber. Diese Reaktion hatte ich zwar überhaupt nicht erwartet, aber es war OK.
Erst als ihr Lachen verebbte und ich merkte, dass sie von sich wieder zurück bei mir war, erhob ich mich, zog meine Hose aus, legte mich zu ihr und nahm sie – einfach nur so – in den Arm.
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Es war ein gutes Zusammenliegen. Wortlos aber nah. Und ruhig. Beide schienen wir dasselbe zu fühlen, eingehüllt noch in den Duft des Massageöls. Doch irgendwann wandte sie den Kopf und schaute mir ruhig in die Augen. „Danke.“
Ich musste lächeln, drückte sie noch einmal und strich ihr mit der Hand über die Stirn und stand dann auf. Fünf Minuten später stand ich an der Kaffeemaschine in Angelas Küche und setze frischen Kaffee auf. Er war gerade durchgelaufen, als auch sie hereingetappt kam. Kurz blieb sie neben mir stehen strahlte mich an und strich mir über den Rücken. „Es war schön.“
Wieder lächelte ich nur zurück und freute mich. Aber als ich mich an den Küchentisch setzen wollte, bat sie mich, „Lass‘ uns ins Wohnzimmer gehen.“
Ungewöhnlich. Normalerweise „wohnten“ wir in der Küche, saßen uns an ihrem kleinen Frühstückstisch gegenüber, redeten und lachten gemeinsam, tranken Kaffee oder Wein, und oft stand ein Schälchen mit Räuchergarnelen zwischen uns, aus dem wir naschten. Im Wohnzimmer hatten wir bisher selten gesessen – manchmal nur, um gemeinsam einen Film zu gucken.
„Komm‘, setz‘ dich bitte zu mir“, bat sie, als sie auf der Couch Platz genommen hatte. „Legst du deinen Arm um mich? Es fühlt sich so gut an und im Moment kann ich das gut haben.“
Und dann saßen wir da, Arm in Arm, mit Blick auf ihren ausen Fernseher, zwischendurch Kaffee schlürfend, und wussten wohl beide nicht, was wir sagen sollten. „Darf ich dich mal was fragen?“, kam es dann von ihrer Seite.
Eigentlich ja eine blöde Frage, warum sollte sie es nicht dürfen? Sie kannte mich doch gut genug, um mich einfach fragen zu können, was sie mich fragen wollte. Es schien also etwas von Bedeutung zu werden – oder sogar etwas Presönliches …
„Wie machst du das eigentlich? Hast du das mal gelernt oder einen Kursus gemacht?“
„Nee. Irgendwie einfach nur so. Aber ganz selten – deine war meine zweite Massage dieser Art. Ich hab’s zwar auch schon zur Entspannung oder auch erotisch gemacht, aber das dauert dann auch nicht so lange. Wenn ich wegen einer Berührung massieren will, muss ich mich genauso öffnen wie du und meinen Händen und Fingern die Möglichkeit geben, ihren Weg von allein zu finden. Wenn ich beginne, weiß ich nur, dass ich dich berühren kann, aber nicht wie … Ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll. Es ist eine Art Gewissheit.“
„Du hast eine wunderschöne Gabe.“
„Na, ich weiß nicht, ob man das Gabe nennen kann. Ich massier‘ ja nur.“
Lächelnd schaute sie mich an: „Für ‚nur‘ war das aber eine ganze Menge.“
„Ich weiß nicht … mir tut’s ja auch gut. Du hast mir viel damit gegeben, dass ich tun durfte, was ich tat. Ich empfinde das wie ein Geschenk von dir.“
Und diesmal kam wieder nur ein Lächeln als Antwort. Erst nach einiger Zeit dann: „Du hast schöne Hände.“
Im Grunde fand ich das auch. Auf jeden Fall war ich zufrieden. Doch sie als schön zu bezeichnen befremdete mich stets. Ich weiß, dass Frauen darauf achten, aber für meine Hände konnte ich nichts – sie waren einfach da. Und deshalb tat ich mich schwer damit, Bewunderung für sie anzunehmen.
„Und wie ist das für dich, wenn du andere Menschen massierst?“
„Äääh … ich weiß nicht. Bisher ist es ja spontan entstanden, so wie bei dir. Das war für mich sehr schön. Und mehr ‚muss‘ auch nicht. Aber ich hab’s auch schon mal aus reiner Geilheit gemacht, mit meiner Freundin damals. Doch das ist ‚anders‘. Durchaus auch schön. Schön geil sogar“, musste ich grinsen.
„Kannst du da nicht ein Geschäft draus machen? Da draußen laufen viele Frauen rum, die sowas wie dich ‚gebrauchen‘ könnten …“
„Naja, ich kann sie nicht alle glücklich machen. Und als ein Geschäft könnte ich damit nicht umgehen, ich möchte ja einfach nur geben. Und wenn wieder mal die Gelegenheit kommt, mache ich’s auch wieder. Aber ich lasse das auf mich zukommen und verbinde kein Ziel damit.“
„Ich dachte nur …“
„Was dachtest du?“
Naja, Martina, eine Freundin von mir. Die ist so ‚down‘. Ihre Beziehung ist am Boden, und sie auch. Ich würde dir gern eine solche Massage abkaufen und ihr als Gutschein überlassen. Sie braucht das so.“
„Dafür brauchst du mir keine Massage abkaufen,“ musste ich schmunzeln, „Ich hab‘ kein Problem damit, das auch so zu tun. Nur geht das eben nicht, ich bin ja ein Fremder für sie.“
„Würdet du das ausprobieren für mich?“
Ich war eher geneigt, nein zu sagen. Die Idee war für mich doch ziemlich weit weg. Andererseits war ich im Neinsagen noch nie besonders gut. Und ich könnte ja wenigstens „mal sehen“ …
„Also wenn sie’s will, würde ich erstmal mit ihr reden. Sie kann mich ja anrufen.“ ...